mini|Warnung vor Gefahren durch Eis und Schnee 100px|mini|Gefahrgut: Kennzeichnung für die Klasse giftige Stoffe (6.1 nach ADR)
Eine Warnung ist die Vorhersage eines möglichen kommenden Schadens, der aber noch unterbunden oder gelindert werden könnte. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf eine drohende Gefahr.
Typische Signalworte der Warnung sind neben Warnung! auch Vorsicht!, Achtung! (amtliche Abkürzung Achtg.) oder veraltet Obacht!, für Bewegungen speziell auch Halt! und Stopp!
Der Rückruf einer Warnung ist die Entwarnung.
Geschichte und Etymologie Das Wort stammt aus der germanischen Wortgruppe um wahren (althochdeutsch: warnunga) und meint im Verb eigentlich sich vorsehen. Verwarnung ist erst ab dem 16. Jahrhundert belegt.
Warnungen gab es bei belegter 35.000-jähriger Bildsprache wohl schon früh. Z. B. warnten um 1000 v. Chr. neuassyrische Herrscher potenzielle Angreifer am Palast von Ninive mit Bildern brutaler Kampfszenen. Daneben gab und gibt es schriftliche Warnungen, z. B. Inschriften an Pharaonengräbern, die vor Störung der Totenruhe warnten. Um sie empfangen zu können, muss der Rezipient lesen können und die verwendete(n) Vokabel(n) kennen.
Differenzierung mini|Hüte dich vor dem Hund! (lat. cave canem) – Mosaik in Pompeji Das Warnen vor Gefahren und die dazu erforderlichen Fähigkeiten sind elementarer Bestandteil der Kommunikation von Lebewesen. Warnungen werden durch Verhalten (z. B. Drohgebärden), Laute (Warnschrei – z. B. bei VögelnRotkehlchen - Rufe und Kommunikation), optische Reize (Farben, Form) oder Botenstoffe (Pheromone) übermittelt. Die jeweiligen Kommunikationskanäle gleichen oft denen für sexuelle Lockreize.
Von der Drohung unterscheidet sich die Warnung dadurch, dass der Warnende sich keinen unmittelbaren Einfluss auf den Eintritt des Schadens zuschreibt. Im Gegensatz zu einer Ankündigung hat der Gewarnte (noch) die Möglichkeit, durch eigenes Handeln oder Unterlassen den Schaden abzuwenden oder die Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts zu mindern. Eine Warnung möchte eine Verhaltensänderung bewirken. mini|Schwarz-Gelb und für jeden verständlich: Schießwarnung der Guardia di Finanza Um ihren Zweck erfüllen zu können, müssen Warnungen verständlich sein.
In der Evolution haben sich für Warnsignale bevorzugte Schemata herausgebildet: Für optische Warnreize eine kontrastreiche, auffällige Farbgebung, die sich vom Umgebungshintergrund gut absetzt (z. B. die von den Wespen bekannte Kombination Schwarz-Gelb, die auch für Warntafeln verwendet wird); siehe Warnfarben Für akustische Signale Lautstärke und prägnantes Frequenzbild Warnverhalten basiert sowohl auf Droh- und Imponiergestik als auch auf Angriffs- oder Fluchtreflexen. Botenstoffe lösen starke, unmittelbare Reizungen aus.
Systeminterne Warnungen Man kann Hunger, Durst, Müdigkeit, Juckreiz oder Schmerz als interne Warnungen eines Organismus vor drohenden Beeinträchtigungen betrachten.
In der Datenverarbeitung werden solche Mechanismen kopiert, also Warnungen intern gesammelt, und erst in der Benutzerschnittstelle in „Kommunikation“ des Systems mit dem Menschen umformuliert (Betriebssystemwarnungen, Virenwarnungen usw.)
Warnung in der menschlichen Kommunikation mini|Warnschild an der Grenze zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr Um eine Verhaltensänderung zu erreichen, muss eine Warnung verlautbart werden, dem Empfänger der Warnung zugehen und von diesem verstanden werden.
Die Verlautbarung kann durch Lautsignale, Piktogramme, Ideogramme, Schriftzeichen und sonstige optische Signale erfolgen. Ebenfalls denkbar sind Warnungen, die über das Ansprechen anderer Sinne (Geruchssinn, Geschmackssinn, Spürsinn) mitgeteilt werden. Warnungen, die sich an einen unbestimmten Personenkreis richten, sollten zwecks möglichst hohem „Wirkungsgrad“ so gestaltet sein, dass sie alters- und sprachunabhängig verstanden werden.
Dazu kann man sich des evolutionär herausgebildeten Repertoires an Warnsignalen bedienen (grelle, kontrastierende Warnfarben, Blaulicht, Martinshorn, Sirenen, Bitterstoffe in Shampoo und Spiritus, Schulterpolster und Rudelbildung), wodurch die Botschaft unmittelbare Reaktionen auslösen kann. Auch Piktogramme werden auf Grund ihrer vereinfachten bildlichen Darstellung von den meisten Menschen sofort verstanden. Manchmal braucht der Rezipient ein bestimmtes Erfahrungswissen, um eine Warnung verstehen zu können.
Ideogramme ermöglichen wegen ihrer Abstraktheit eine höhere Bandbreite an mitteilungsfähigen Inhalten. Sie sind aber nicht unmittelbar verständlich, sondern müssen gedeutet oder gelernt werden. Soweit Ideogramme durch Tradition, Kultur oder Erziehung verankert sind, geschieht dieser Prozess mühelos. Ihr Nachteil besteht in ihrer Kulturabhängigkeit.
Besondere Warnsignale mini|Gefahrstofftafel
Je nach Gefahrenart sind unterschiedliche Signale üblich (Alarme): Licht-, Schall- und Rauchzeichen, Flaggenzeichen, optische Signale (z. B. Verkehrszeichen nach § 40 StVO, Eisenbahnsignale), Gesten, auch besondere Rufe (Interjektionen): Achtung, Obacht, in der Schifffahrt Wahrschau. Bevor Polizeivollzugsbeamte von der Schusswaffe Gebrauch machen dürfen, sind sie grundsätzlich verpflichtet, einen Warnschuss abzugeben.
Regelungen über die Signalwörter
In der schriftlichen Kommunikation (z. B. Gebrauchsanleitungen) werden die Signalwörter ‚Gefahr‘ ‚Warnung‘ und ‚Vorsicht‘ eingesetzt, um die Aufmerksamkeit des Lesers auf eine bestimmte Textstelle zu lenken. Die Norm für das Erstellen von Gebrauchsanleitungen EN 82079-1 verweist, bezgl. der Definition von Signalwörtern, auf die ISO 3864-1.Jens-Uwe Heuer-James, Roland Schmeling, Matthias Schulz: Leitfaden Sicherheits- und Warnhinweise. tekom, Stuttgart 2014 Das Wort ‚Achtung‘ erscheint teilweise noch als Signalwort. ‚Achtung‘ und ‚Hinweis‘ sind keine Signalwörter im Sinne der Normen, da Signalwörter ausschließlich für eine Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt genutzt werden.
Signalwörter (gemäß ISO 3864-2 (analog ANSI Z535)) Die Signalwörter geben Rückschluss auf die Schwere der Gefährdung:
Personenschäden:
GEFAHR (DANGER) bezeichnet eine unmittelbar drohende Gefahr. Wenn sie nicht gemieden wird, sind Tod oder schwerste Verletzungen die Folge. WARNUNG (WARNING) bezeichnet eine möglicherweise drohende Gefahr. Wenn sie nicht gemieden wird, können Tod oder schwerste Verletzungen die Folge sein. VORSICHT (CAUTION) bezeichnet eine möglicherweise drohende Gefahr. Wenn sie nicht gemieden wird, können leichte oder geringfügige Verletzungen die Folge sein.
Produkt-/Maschinen-/Anlagenschäden:
HINWEIS (NOTE) bezeichnet eine möglicherweise schädliche Situation. Wenn sie nicht gemieden wird, kann die Anlage oder etwas in ihrer Umgebung beschädigt werden.
Die Signalwörter, welche gemäß GHS benutzt werden müssen, und die Signalwörter, die in Anleitungen und Produktsicherheitslabeln gemäß EN 82079-1 benutzt werden müssen, sind unterschiedlich.
Auch die Kennzeichnung von Gefahrstoffen nach dem globalen System GHSVerordnung (EG) Nr. 1272/2008 (, EUR-Lex) fordert das Anbringen eines SignalwortsArt. 20 Signalwörter EG 1272/2008 (pdf, S. 16) auf dem Kennzeichnungsetikett je nach Gefahrenkategorie: Achtung (engl. warning, Abkürzung Achtg.) oder Gefahr (danger, Abk. Gef., alle ohne Ausrufezeichen).Anhang VI 1.1.2.2. Kennzeichnungscodes EG 1272/2008 (pdf, S. 333) Hierbei steht ‚Achtung‘ für die Gefahrenkategorien.Art. 2 Begriffsbestimmungen 4.b) EG 1272/2008 (pdf, S. 9)
Halt und Stopp legen insbesondere nahe, nicht näherzutreten oder weiterzugehen. Im Verkehr sind sie im Stoppschild normativ („Halt“ ist in der EU veraltet), als Lichtsignal entspricht Rot in der Lichtzeichenanlage (Ampel) als Verbot.
Programmierung Warnungen werden in vielen Programmiersprachen beim Kompilieren vom Compiler ausgegeben, wenn ein Quellcode erfolgreich kompiliert werden kann, aber das Programm möglicherweise nicht das ausführt, was der Autor beabsichtigt. Anlässe für Warnungen können je nach Compilereinstellung und Programmiersprache stark schwanken. Ein häufiger Anlass sind implizite Typumwandlungen.
Produktwarnung mini|Furchtappelle auf Zigarettenschachteln in Deutschland
Der Hersteller eines Produkts ist laut Produkthaftungsgesetz dazu verpflichtet, vor einer Gefährdung, die von seinem Produkt ausgeht, zu warnen.Produkthaftungsgesetz Um Gefährdungen in der Technik zu minimieren, wird zur Risikominderung eine Risikobewertung erstellt. Die ermittelten Risiken und Gefährdungen werden nach dem STOP-PrinzipGefährdungsbeurteilung S. 11 beseitigt. Gefährdungen, welche nicht beseitigt werden können, werden in Anleitungen und/oder Produktsicherheitslabeln genannt. Dazu wird ein dem Grad der Gefährdung entsprechender Sicherheitshinweis oder Warnhinweis in der Anleitung erstellt oder als Produktsicherheitslabel auf dem Produkt angebracht.
Wer eine Gefahrenquelle eröffnet, hat den Eintritt eines Schadens bei Dritten abzuwenden (Verkehrssicherungspflichten des Herstellers). Eine Gefahr kann entweder durch das Außer-Verkehr-Ziehen des Produkts gebannt oder der Schadenseintritt kann durch eine Warnung vor einem (bestimmten) Gebrauch des Produkts eigenverantwortlich gestaltet werden. Im Bereich technischer Geräte, Lebens- und Genussmittel sind die Verkehrssicherungspflichten oftmals durch Gesetz genau bestimmt (z. B. Tabakerzeugnisverordnung).Tabakerzeugnisverordnung buzer.de Bei Finanzprodukten spielen spieltheoretische Warnungen eine Rolle.
Politik Warnung und Entwarnung sind eine offizielle Staatsaufgabe im Rahmen des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes. Je nach politischer Lage sprechen Außenministerien Reisewarnungen aus. Dies sind offizielle Empfehlungen, Reisen in ein bestimmtes Land oder ein bestimmtes Gebiet nicht zu unternehmen oder abzubrechen.
Hoheitliche Warnung