mini|Luftaufnahme des ersten Autonomous spaceport drone ship, nachdem es zu Ehren von Iain Banks den Namen Just Read the Instructions (JRTI) erhielt mini|Graphische Darstellung des Gesamtablaufs vom Start der Falcon 9 Rakete bis zur Landung der ersten Stufe auf dem Spaceport-Drohnenschiff mini|Aufnahme des gescheiterten Landeversuchs vom 14. April 2015 mini|Aufnahme des zweiten ASDS Of Course I Still Love You, einem Umbau auf Basis des Schiffs Marmac 304

Unbemannte schwimmende Landeplattformen (Abk. ASDS von engl. Autonomous spaceport drone ship) sind eine spezielle Klasse von Schiffen, die in der Raumfahrt zur kontrollierten Landung wiederverwendbarer Raketenstufen und deren Rücktransport eingesetzt werden.

Die erste Plattform dieser Art wurde von dem amerikanischen Raumfahrtunternehmen SpaceX 2014 in Dienst gestellt und 2015 für zwei Landeversuche der Falcon 9 Rakete verwendet. Nach mehreren Fehlversuchen gelang am 8. April 2016 die erste unbeschädigte Landung einer Falcon 9 Raketenstufe auf der zweiten Plattform Of Course I Still Love You (OCISLY). Es handelte sich um die erste Stufe der SpaceX-Mission CRS-8, dem achten Versorgungsflug mit dem Raumschiff Dragon zur Internationalen Raumstation im Auftrag der NASA.https://twitter.com/SpaceX/status/718542763545899008, abgerufen am 9. April 2016.

Stand 2025 hat SpaceX drei ASDS als Teil der Infrastruktur der Falcon 9 Rakete von SpaceX in Betrieb, auf denen im letzten Jahr über 100 erfolgreiche Landungen der Falcon 9 Erststufe durchgeführt wurden (siehe Liste der Falcon-9-Raketenstarts).

2025 hat mit Blue Origin ein zweites Unternehmen den Betrieb eines ASDS aufgenommen, welches als Landing Platform Vessel 1 (LPV1) die Rakete New Glenn unterstützt. Ähnliche Landeplattformen sind für die Neutron von Rocket Lab und für die chinesische CZ-8R geplant. Die Schiffe sind Bestandteil der Strategie, die Kosten der Raumfahrt durch die Wiederverwendung von Raketen und Raumfahrzeugen stark zu senken.

Entwicklungsgeschichte

SpaceX Das erste im Jahr 2014 im Atlantik in Dienst gestellte Schiff, ein Umbau des 87,8 Meter langen und 30,5 Meter breiten Frachtschiffes Marmac 300, trug ursprünglich den Namen Autonomous spaceport drone ship (ASDS). Im Januar 2015 teilte SpaceX-CEO Elon Musk in einem Tweet mit, dass das erste Schiff künftig Just Read the Instructions (JRTI) heißen wird und verwendete den bisherigen Namen nun als Bezeichnung für die Schiffsklasse.https://twitter.com/elonmusk/status/558665265785733120Dieser Sprachgebrauch wird seither konsequent fortgesetzt, so etwa in der Presseveröffentlichung von SpaceX zum Start der Mission CRS-6 vom 14. April 2015

Der Hintergrund dieses Namenswechsels wurde klar, als er am gleichen Tag mitteilte, dass ergänzend zu dem ersten an der Ostküste der USA stationierten Schiff ein weiteres Drohnenschiff an der Westküste der USA, also für den Pazifischen Ozean, gebaut werde. Dieses erhielt später den Namen Of Course I Still Love You (OCISLY).https://twitter.com/elonmusk/status/558703223909781505

Beide Namen sind der Science-Fiction-Geschichte Das Spiel Azad des schottischen Autors Iain Banks entnommen.Stubby the Rocket: Elon Musk Names SpaceX Drone Ships in Honor of Iain M. Banks vom 23. Januar 2015; abgerufen am 19. April 2015

Im Laufe des Jahres 2015 beschloss SpaceX, das erste ASDS JRTI durch das ursprünglich für die Westküste vorgesehene und konstruktiv verbesserte Schiff OCISLY zu ersetzen. Der erste Einsatz sollte der siebte Versorgungsflug von SpaceX zur ISS am 28. Juni 2015 sein, wozu es aber nicht kam, weil die Rakete im Steigflug auseinanderbrach. Für die Westküste sollte ein Umbau des Lastkahns Marmac 303 eingesetzt werden, der den Namen JRTI übernahm.Jesse Smedley: SpaceX Augments and Upgrades Drone Ship Armada, nasaspaceflight.com von 18. Juni 2015

Der Heimathafen des ASDS OCISLY (Umbau Marmac 304) an der US-Ostküste war Jacksonville, von dort wurde das Schiff nach einer zweijährigen Pause im Jahre 2021 zu dem Hafen Long Beach in Kalifornien verlegt, um Raketenstarts von der Vandenberg Space Force Base zu begleiten. Der Heimathafen des ASDS JRTI (Version II, Umbau Marmac 303) lag an der Westküste der USA, das ASDS war dort im Hafen von Los Angeles stationiert bis zu seinem Umzug im Jahre 2019 über den Panamakanal zum Hafen Port Caneveral, um dort das wachsende Aufkommen an Raumfahrtmissionen zu unterstützen.losangeles.cbslocal.com: SpaceX Planning To Base Rocket, Spacecraft Retrieval At Port Of Los Angeles, 18. Juni 2015Donna Littlejohn: Groundbreaking partnership announced between SpaceX, AltaSea in San Pedro redlandsdailyfacts.com, 18. Juni 2015

Im Jahr 2021 wurde ein drittes Drohnenschiff mit dem Namen A Shortfall of Gravitas (ASOG) in Dienst gestellt. Es ist in Florida stationiert, um eine höhere Landerate von Falcon 9 Erststufen und eine synchrone Wasserlandung der beiden Seitenbooster der Falcon Heavy zu ermöglichen. Der Name des Schiffs ist eine Anspielung auf Experiencing A Significant Gravitas Shortfall, Name eines Raumschiffs in Iain Banks’ Culture-Universum.Stephen Clark: New drone ship under construction for SpaceX rocket landings. In: Spaceflight Now, 14. Februar 2018. Der erste Einsatz der A Shortfall of Gravitas erfolgte mit CRS-23 am 29. August 2021 mit der erfolgreichen Landung des Falcon-9-Boosters B1061. Seitdem werden alle drei aktiven ASDS von SpaceX im regulären Betrieb eingesetzt.

Am 18. Februar 2025 fand an der Küste der Bahamas der erste internationale Einsatz eines ASDS statt, als ein Falcon-9-Booster auf JRTI (II) landete.

Blue Origin Die erste schwimmende Landeplattform von Blue Origin entstand durch Umbau der ehemaligen RoRo-Fähre Stena Freighter. Von 2018 an lag sie zum Umbau im Dock in Pensacola, Ende 2020 erhielt sie den Schiffsnamen Jacklyn nach der Mutter des Firmengründers Jeff Bezos. Später wurde sie in Rumänien und Frankreich für ihren neuen Zweck umgebaut. 2022 wurden die ursprünglichen Pläne aufgegeben und das umgebaute Spezialschiff zur Verschrottung nach Brownsville geschleppt.

Als Ersatz begann 2023 der Neubau eines Landeschiffs für Blue Origin, welches später den offiziellen Namen Landing Platform Vessel 1 (LPV1) erhielt, aber wie sein Vorgänger auch Jacklyn genannt wird. Am 4. September 2024 das LPV1 in seinem Heimathafen Port Canaveral ein.https://www.space.com/blue-origin-droneship-jacklyn-arrives-port Der erste Landeversuch einer New-Glenn-Erststufe auf dem LPV1 war für den 16. Januar 2025 geplant. Die Raketenstufe stürzte jedoch ins Wasser, nachdem der Funkkontakt beim Wiedereintritt verloren gegangen war. Der zweite Landeversuch einer New-Glenn-Erststufe am 13. November 2025 war erfolgreich.https://www.space.com/space-exploration/launches-spacecraft/rocket-returned-lightly-used-why-blue-origins-landed-new-glenn-booster-is-so-clean

Schiffskonzept, Bauart und Betriebsweise Das langfristige Ziel von SpaceX ist, beide Stufen einer Rakete wieder am Startplatz landen zu lassen. Mit der Nutzung einer auf dem Ozean schwimmenden Landeplattform wurde in der Testphase der Technik die Gefährdung von Menschen vermieden, die beim Scheitern einer kontrollierten Rückkehr über bewohntem Land zu befürchten wäre. Der Gründer und CEO von SpaceX, Elon Musk, schätzte vorab die Erfolgswahrscheinlichkeit des ersten Landeversuches mit 50 Prozent, im ersten Jahr der Tests mit 80 Prozent.

Da eine landende Raketenstufe mit dem nach unten gerichteten Triebwerksstrahl bei der Abbremsung ein erhebliches Risiko für eine Besatzung der Plattform darstellen würde und auch von Fehlschlägen bis hin zu Abstürzen auf die Plattform auszugehen war, wurde die Plattform unbemannt ausgeführt.

Das erste Autonomous spaceport drone ship erhielt beim Umbau des Marmac 300 ein Landedeck, das etwa 90 Meter lang und 50 Meter breit ist. Außerdem kann es seitdem ca. 15.000 Kubikmeter Ballastwasser aufnehmen, was die Lage der Plattform stabilisiert. Nach einem Sturm, der größere Beschädigungen verursachte, wurde die Plattform im März und April 2015 umgebaut. Unter anderem wurden zwei Schubeinheiten durch stärkere ersetzt (jetzt jeweils etwa 1000 PS) und eine Wellenbrecherwand installiert.

Die Falcon 9 benötigt zum Landen eine ca. 22 Meter breite Fläche, so dass beim Aufsetzen auf die schwimmende Plattform eine sehr genaue Steuerung sowohl der Rakete als auch des Schiffs erforderlich ist. Deshalb ist das Autonomous spaceport drone ship mit vier hydraulisch angetriebenen Propellergondeln (Portable Dynamic Positioning System) von Thrustmaster of Texas ausgestattet, der jeweilige Dieselmotor mit der Hydraulikpumpe ist per Schlauch abgesetzt.https://www.thrustmaster.net/out-drive-propulsion-unit/portable-dynamic-positioning-system/ Mit Hilfe von GPS-Ortung kann es seine Position damit selbstständig gegen Wind und Wasserströmungen halten. Selbst bei Sturm soll die Landeplattform nicht weiter als 3 Meter von der vorgesehenen Position abweichen. Darüber hinaus verfügt das Schiff über keinen eigenen Antrieb und wird zu seinem Einsatzort geschleppt.

Während der Landung der Erststufe der Falcon 9 halten sich ein Versorgungsschiff und ein Schlepper zum Verlegen des ASDS in sicherer Entfernung auf. Die Rakete versucht möglichst zentral auf dem stilisierten, an das Firmenlogo angelehnten, X zu landen. Ausgerechnet während der Landung gab es lange Zeit Aussetzer im Video des Livestreams von SpaceX, weil die starken Vibrationen durch das Raketentriebwerk die Satellitenverbindung der ASDS unterbrach. Nach der Landung muss die Rakete auf dem ASDS gesichert und für den Rücktransport befestigt werden, um gegen Sturm und Seegang geschützt zu sein. Dafür betreten Techniker vom Versorgungsschiff die Plattform. Seit 2017 wird zudem ein Roboter namens „octagrabber“ eingesetzt, der bereits kurz nach der Landung unter die Rakete fährt und in deren Halteklammern einklinkt.

Zurück im Hafen wird die Rakete mit einem Hafenkran entladen und später auf einen speziellen Auflieger gelegt und per LKW zur Wartung und dem nächsten Startplatz transportiert.

Einsätze Erste Landetests mini|hochkant|Scheiternder Landeversuch am 14. April 2015 auf Just Read the Instructions SpaceX verwendete für die Tests Raketenstufen, die ohnehin bereits für kommerzielle Satellitenstarts oder für die von ihr im Auftrag der NASA ausgeführten Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation (ISS) starteten. Diese vom Auftraggeber bezahlten Raketen wurden zusätzlich mit der Landesteuerung und ausfahrbaren Landebeinen ausgestattet. Anschließend war damals (ca. 2014) vorgesehen, zukünftig gelandete Raketenstufen versuchsweise aufzutanken und wieder zu starten.

Schon im Vorfeld, z. B. im April und Juli 2014, hatte SpaceX beim Start zweier kommerzieller Satellitenmissionen, z. B. für Orbcomm, die erste Stufe versuchsweise kontrolliert landen lassen. Damals jedoch einfach direkt auf der Wasseroberfläche des Ozeans, in dem die Stufen dann versanken.

Erster Versuch: SpaceX CRS-5 Für den ersten Landeversuch auf einem Schiff wurde der fünfte Versorgungsflug von SpaceX mit dem Frachtraumschiff Dragon zur ISS (SpaceX CRS-5) ausgewählt, der am 10. Januar 2015; 9:47 UTC startete.Danielle Haynes (UPI): SpaceX delays resupply flight to ISS, spacedaily.com, 18. Dezember 2014, abgerufen am 21. Dezember 2014 Das Schiff war bei dem Versuch etwa 320 km nordöstlich vom Startplatz der Cape Canaveral Air Force Station bei 30,8 Grad nördlicher Breite und 78,1 Grad westlicher Länge stationiert.Stephen Clark: Ships deployed into the Atlantic for experimental rocket landing, spaceflightnow.com, 5. Januar 2015, abgerufen am 18. Januar 2015