Heinrich Theodor Roettgen (* 10. Januar 1863 in Bonn; † 6. März 1932 ebendaSterberegistereintrag von Heinrich Roettgen, Landesarchiv NRW) war ein deutscher Architekt und Regierungsbaumeister, der vor allem in seiner Heimatstadt Bonn wirkte.

Leben und Wirken Roettgen wuchs als Sohn eines Kaufmanns in einem katholischen Elternhaus in Bonn auf. Er besuchte in seiner Heimatstadt die Kortegarn’sche Realschule und wechselte nach deren Abschluss an die Prima des Realgymnasiums in Mülheim am Rhein. Dort bestand Roettgen im März 1882 das Maturitätsexamen. Ostern 1882 nahm er an der Universität Bonn ein Studium der Romanistik und Anglistik auf. Am 1. Oktober 1883 trat er als Einjährig-Freiwilliger beim Husaren-Regiment in Bonn ein.Universität Bonn: Dissertationen, Band 8, 1888, S. 55. In Bonn promovierte Roettgen 1888 mit einer Darstellung über die Vokalverhältnisse in den genuesischen Texten des Mittelalters zum Dr. phil.Zeitschrift für romanische Philologie. M. Niemeyer, 1889, S. 585.

Nach Beendigung seines Studiums absolvierte Roettgen eine Ausbildung zum Architekten und trat als Regierungsbauführer in den Staatsdienst ein. Nach Ablegung des Zweiten Staatsexamens erhielt er 1904 die Ernennung zum Regierungsbaumeister des Hochbaufaches. 1906 schied Roettgen, inzwischen in Düsseldorf wohnhaft, auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst aus und ließ sich als freier Architekt in Bonn nieder. Zu seinen bedeutendsten Projekten in der Stadt gehören die Erweiterung des Provinzialmuseums nach Grundrissskizzen des Landes-Oberbauinspektors (1907/08), verbunden mit dem angrenzenden Neubau eines Dienstgebäudes für den Provinzialkonservator, sowie der Neubau der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz (1914/15).

Roettgen war Mitglied des Vereins „Alt-Bonn“ (seit 1951 „Bonner Heimat- und Geschichtsverein“Geschichte, Bonner Heimat- und Geschichtsverein) und gehörte dessen Vorstand an.Bonner Jahrbücher: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande, Ausgabe 123, 1916, S. 117. Zudem gehörte er einer von der Stadt Bonn für die Beurteilung besonderer Bauprojekte eingerichteten Gestaltungskommission zur Überwachung der Ziele des 1909 veröffentlichten „Ortsstatuts zum Schutz der Stadt Bonn gegen Verunstaltung“ an.Franz Josef Talbot (mit Fotografien von Achim Bednorz): Bonner Südstadt. Emons Verlag, Köln 2018, ISBN 978-3-7408-0468-8, S. 158, 232.

Werk Bauten in Bonn Bauzeit Ortsteil Adressebei nicht mehr bestehenden Bauten – falls bekannt – die zuletzt gültige Adresse Bild Objekt Maßnahme Anmerkungen 1907–1908 Weststadt Bachstraße Provinzialmuseum Erweiterung 1964–1967 purifiziert; heute Rheinisches Landesmuseum Bonn 1907–1908 Weststadt Bachstraße 9 Verwaltungsgebäude für die Denkmalpflege der Rheinprovinz Neubau 1934/35 aufgestockt, 1950 umgebaut;Paul Clemen 1866-1947. Erster Provinzialkonservator der Rheinprovinz. (Katalog zur Ausstellung anlässlich seines 125. Geburtstages) Bonn 1991, S. 87. bis 1985 Sitz des Rheinischen Amts für Denkmalpflege 1908–1909 Gronau Raiffeisenstraße 1 100px Villa „Bülbring“Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914, Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 3, Katalog (2), S. 245–248. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994) Neubau (Bauherr: Karl Bülbring) nach Kriegszerstörung verändert wiederhergestellt; ab 1949 Gästehaus der bayerischen Landesvertretung 1910 Bonn-Castell Graurheindorfer Straße 92 Bakteriologisches Institut der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz50 Jahre Landwirtschaftskammer Rheinland, 1899–1949: aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens der Landwirtschaftskammer in Bonn als Jubiläumsschrift herausgegeben. H. Trapp, 1950, S. 112. Neubau ab 1933 Tiergesundheitsamt; Denkmalschutz 1911 Gronau Adenauerallee 120/122 100px weitere Bilder Villa Umbau ab 1949 Sitz des Bundesministeriums für Angelegenheiten des Bundesrates; Denkmalschutz 1911 Südstadt Weberstraße 61 100px Landwirtschaftliche Versuchsstation Neubau heute „Haus der Kultur“; Denkmalschutz 1914–1915 Weststadt Endenicher Allee 60 100px weitere Bilder Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz Neubau 1949–1960 Bundesministerium für Verkehr; Denkmalschutz 1924 Südstadt Koblenzer Straße 37heute Adenauerallee Vereinsgebäude der Lese- und Erholungsgesellschaft: Villa Leydel (erbaut 1841)Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 2, Katalog (1), S. 60–64. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994) Umbau (Bauherr: Lese- und Erholungsgesellschaft)

Nicht ausgeführte Entwürfe 1914: Bonn, Ortsteil Gronau, Adenauerallee 89b, Villa, Umbau (Bauherr: Hermann Kuhnt)

Schriften Vokalismus des Alt-Genuesischen (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde bei der philosophischen Facultät der rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn), Universitäts-Buchdruckerei C. Georgi, Bonn 1888, 53 S.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen Landeskonservator Rheinland (Hrsg.); Eberhard Grunsky, Volker Osteneck: Die Bonner Südstadt (= Arbeitsheft 6). Zweite, veränderte Auflage. Rheinland-Verlag, Köln 1976, ISBN 3-7927-0265-7, S. 20.

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