Der Schlossplatz ist der Platz vor dem Karlsruher Schloss. Der Platz entstand im Zuge der Gründung der barocken Planstadt Karlsruhe als Barockgarten. In seiner 300-jährigen Geschichte wurde er mehrmals umgestaltet. Heute ist der Schlossplatz ebenso wie das Schloss im Besitz des Landes Baden-Württemberg.

Gebiet Der Schlossplatz liegt südlich des Karlsruher Schlosses. Im Osten wird er begrenzt durch Gebäude der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften des Karlsruher Institut für Technologie, im Westen durch das Bundesverfassungsgericht beziehungsweise den Botanischen Garten. Im Südwesten schließt sich die Staatliche Kunsthalle an. Die Straße Schlossbezirk verläuft sowohl östlich als auch westlich des Schlossplatzes entlang der Grenze.

Südlich des Platzes befindet sich die Innenstadt. Die Grenze bildet eine ebenfalls Schlossplatz benannte Straße parallel zum Zirkel, die auch Großer Zirkel oder Äußerer Zirkel genannt wird. Vom Schloss aus durch die zentrale Achse des Schlossplatzes verläuft die Via Triumphalis, die den zentralen Strahl der insgesamt 9 vom Schlossplatz aus nach Süden abgehenden Strahlen des Karlsruher Fächers bildet.

Den südlichen Abschluss des Platzes bildet die Zirkelbauten, eine einheitlich gestaltete Gebäudereihe entworfen von Weinbrenner. Die Gebäude wurden zunächst von privilegierten Bürgern, Beamten und Offizieren als Wohnhäuser genutzt, später befanden sich dort einige badische Ministerien. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebiet stark beschädigt, sodass die Gebäude anschließend in sachlichem Stil als Behördenbauten wiedererrichtet wurden. Dabei wurden die von Weinbrenner geplanten einheitlichen Bogengängen zum Schlossplatz hin erneut berücksichtigt. Die gleichmäßige Gebäudehöhe sowie durchgehende Front erhalten dabei das einheitliche Bild und die optische Beziehung zum Schloss. Heute befinden sich in den Räumlichkeiten unter anderem das Regierungspräsidium, das Amtsgericht, der Sitz der L-Bank sowie das Finanzamt.

Zwischen dem Schlossplatz und dem Marktplatz, auf der Via Triumphalis, liegt der zentrale Teil des Platzes der Grundrechte, welcher den Eingang vom Schlossplatz zum Stadtraum bildet.

Geschichte mini|Originalzeichnung von Schloss, Schlossgarten und Schlossplatz aus dem Jahr 1739. mini|Schlossplatz von Norden, um 1900 mini|Schlossplatz von Süden, um 1900 mini|Schlossplatz nach der Umgestaltung von 1967 mini|Schlossplatz seit der Umgestaltung von 2011

Nach der Gründung der Stadt am 17. Juni 1715 und dem darauf folgenden Bau des Schlosses diente der Schlossplatz dem Stadtgründer Karl Wilhelm als botanischer Garten. Zu dieser Zeit gab es noch keinen direkten Zugang vom Schloss zur Stadt. Nach und nach entstanden an der Südseite des Schloßplatzes die Wohnhäuser von privilegierten Bürgern, Beamten und Offizieren, später auch Gebäude badischer Ministerien. 1803 erwiesen sich einige Gebäude als baufällig, wodurch ein von Friedrich Weinbrenner entworfener Kanzleineubau veranlasst wurde. Als Vorgabe galt, dass die Symmetrie zur Via Triumphalis gewahrt werden sollte. Als 1813 allerdings beschlossen wurde, dass sich alle Gebäude in der Straße zu gleichen haben, konnten Weinbrenners Pläne nicht wie vorgesehen umgesetzt werden.

Im Jahr 1808 wurde das ebenfalls von Friedrich Weinbrenner entworfene Hoftheater unter der Leitung von Johann Peter Hebel eröffnet. Kurze Zeit später, im Jahr 1810, wurde es zum Großherzoglichen Hoftheater ernannt. 1853 wurde ein Neubau des Theaters eröffnet, dieses Mal nach Plänen von Heinrich Hübsch. Später ging das Theater im Badischen Staatstheater auf. Auf dem Schlossplatz fanden zu unterschiedlichen Zeiten Jahrmärkte statt, bis 1872 dort die letzte Karlsruher Mess’ ausgetragen wurde.

Im späten 19. Jahrhundert wurde der bisher völlig leere Schlossplatz erstmals seit der Barockzeit wieder gestaltet. Die großherzoglichen Hofgärtner legten vier rechteckige Grünflächen an, die mit prachtvollen Blumenrabatten und je einem runden Springbrunnen versehen wurden. In der Platzmitte war bereits 1844 das Karl-Friedrich-Denkmal errichtet worden, das nun um ein vierpassförmiges Brunnenbecken erweitert wurde. Den Ehrenhof des Schlosses ließ Friedrich I. 1865 ebenfalls großzügig begrünen und mit zwei Schalenbrunnen ausstatten. Diese Gestaltung des Schlossplatzes blieb im Wesentlichen bis zur Bundesgartenschau 1967 erhalten, lediglich die üppigen Schmuckpflanzungen waren nach 1918 reduziert worden.

Während des Ersten Weltkriegs fanden auf dem Schlossplatz Feiern und Versammlungen statt, etwa nach dem Sieg Deutschlands zwischen Metz und den Vogesen. Zu Beginn des Dritten Reiches 1933 fanden auf dem Schlossplatz einige Großdemonstrationen mit mehreren zehntausend Teilnehmern statt, unter anderem die „Feier der nationalen Erhebung“ zur Machtergreifung mit einem Auftritt des späteren badischen Reichsstatthalters und Gauleiters Robert Wagner. Im selben Jahr wurde zu Ehren Adolf Hitlers eine Linde auf dem Schlossplatz gepflanzt. Außerdem führte die Hitlerjugend am 17. Juni 1933 eine Bücherverbrennung im Zuge eines Sonnwendfeuers durch. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde 1941 der vordere Schlossplatz für den Gemüseanbau freigegeben. Weite Teile der Innenstadt waren Ziele von Luftangriffen der Alliierten, unter anderem wurde 1944 das Theater zerstört.

In den 1960er- und 1970er-Jahren fanden umfassende Umgestaltungen auf und um den Schlossplatz herum statt. 1957 wurden vor dem Schloss acht der ursprünglich zehn Skulpturen von Ignaz Lengelacher wieder aufgestellt. Diese standen wohl um 1800 herum auf dem mittleren Schlossplatz und wechselten danach mehrfach ihren Standort. 1960 wurden Entwürfe für einen Theaterneubau am Schlossplatz gesammelt, die Eröffnung war zum Stadtjubiläum 1965 vorgesehen. Nachdem das Gelände allerdings dem Bundesverfassungsgericht für einen Neubau angeboten wurde, um den Standort in Karlsruhe zu halten, wurden die Pläne nicht weiter verfolgt. Der Neubau des Bundesverfassungsgerichts wurde 1969 eröffnet. Nach dem Stadtjubiläum stand 1967 die Bundesgartenschau an. Neben einer völligen Umgestaltung des Schlossplatzes wurden eine Tiefgarage sowie eine Straßenunterführung am südlichen Rand des Schlossplatzes angelegt.

Im Zuge der Vorbereitungen für den nächsten feierlichen Stadtgeburtstag („275 Jahre Karlsruhe“) wurde der Platz 1988 bis 1990 erneut umfassend umgestaltet. In Annäherung an die barocke Gestaltung entstanden vier rechteckige Rasenflächen mit einem runden Springbrunnen in der Platzmitte. 2005 wurde der Platz der Grundrechte auf der zentralen Achse zwischen Schlossplatz und Zirkel eröffnet.

Zuletzt wurde der Schlossplatz 2010/2011 umgestaltet, wobei sich der Entwurf von Henri Bava wieder der Fassung zur Zeit der Bundesgartenschau 1967 annähert. Die Sanierung und Neugestaltung des Schlossplatzes wurde mit dem Preis Beispielhaftes Bauen „Karlsruhe-Stadt 2005–2012“ der Architektenkammer Baden-Württemberg gewürdigt.

Brunnen und Denkmäler Auf dem Schlossplatz befinden sich folgende Kulturdenkmäler:

Mythologische Bildwerke auf dem Schlossplatz, zwölf barocke Skulpturen von Ignaz Lengelacher, 1773 aufgestellt, 1816 entfernt, 1966 erneut aufgestellt Najaden-Brunnen, zwei klassizistische Skulpturen von Joseph Kayser, 1817 aufgestellt, 1899 Laternen hinzugefügt, 1949 Laternen und Felsen entfernt, 1966 Becken erneuert Großherzog-Karl-Friedrich-Denkmal, klassizistische Plastik von Ludwig von Schwanthaler, 1844 in der Mitte aufgestellt, 1966 an den südlichen Rand versetzt Brunnen vor dem Schloss, zwei historistische Brunnen von Karl Dyckerhoff, 1865 aufgestellt, 1966 Becken erneuert

Siehe auch Liste der Kulturdenkmale in Karlsruhe-Innenstadt-West#Schlossplatz Liste der Kulturdenkmale in Karlsruhe-Innenstadt-Ost#Schlossplatz

Literatur Manfred Koch (Hg.): Stadtplätze in Karlsruhe. Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26, Info Verlag, Karlsruhe 2003. Franz Sales Meyer: Die Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe, ein Führer für deren Gäste. Selbstverlag der Stadt, Karlsruhe 1898.

Weblinks

Schlossplatz (Straße) im Stadtlexikon Karlsruhe

Einzelnachweise

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