Peter Mertens (* 18. Mai 1937 in Seifhennersdorf) ist ein deutscher Wirtschaftsingenieur. Er ist einer der Gründerväter der Wirtschaftsinformatik im deutschsprachigen Raum und war der erste Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik in Deutschland.
Leben und beruflicher Werdegang Peter Mertens, Sohn von Elsbeth Mertens, geborener Grunewald, und Werner Mertens, absolvierte die Oberrealschule in Saarbrücken, studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Hochschule Darmstadt, schloss sein Studium als Diplom-Wirtschaftsingenieur ab und wurde in Darmstadt 1961 auch zum Dr. rer. pol. promoviert. Von 1960 bis 1966 war er wissenschaftlicher Assistent, bis 1963 an der TH Darmstadt, danach an der Technischen Universität München und anschließend an der Johannes-Kepler-Universität Linz sowie am Massachusetts Institute of Technology (MIT). 1966 legte Mertens an der TU München die erste Habilitationsschrift im deutschsprachigen Raum zum Themenkreis der Wirtschaftsinformatik vor: Die zwischenbetriebliche Kooperation und Integration bei der automatisierten Datenverarbeitung. Von 1966 bis 1968 arbeitete er für das Schweizer Software- und Beratungsunternehmen Orga-Ratio AG, zuletzt als einer der Geschäftsführer.
Im Jahr 1968 übernahm Mertens den ersten auf betriebliche Datenverarbeitung ausgerichteten Lehrstuhl im deutschsprachigen Raum, die Lehrkanzel III für Betriebswirtschaftslehre an der Johannes-Kepler-Universität Linz, wo er bis 1970 als Professor tätig blieb.
1970 wurde er Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er wohnte seitdem in Rückersdorf in Mittelfranken. Bis September 2005 war er an der Universität Erlangen-Nürnberg Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsinformatik I an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Zugleich war er Leiter der Informatik-Forschungsgruppe „Betriebliche Anwendungen“ an der Technischen Fakultät. Seither arbeitet er als Emeritus an seinem früheren Lehrstuhl.
Mertens ist Autor zahlreicher Bücher. Darunter befinden sich 23 Monografien, die er allein oder als Koautor verfasst hat. Ebenso war er an der Herausgabe von 26 Sammelwerken beteiligt. Der Band 1 seiner Monographie Integrierte Informationsverarbeitung ist in 18 Auflagen erschienen. Bücher von ihm sind ins Englische, Chinesische, Italienische und Russische übersetzt worden. Weiterhin hat er über 270 Zeitschriftenartikel, über 120 kleinere Beiträge und mehr als 290 Beiträge zu Sammelwerken verfasst.
Er ist Fellow der Gesellschaft für Informatik, Ehrenmitglied des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Ehrendoktor von fünf Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihm wurden das Bundesverdienstkreuz, der Ehrenring der Wirtschaftsuniversität Wien, der Ehrenpreis des Dr.-Theo-und-Friedl-Schöller-Forschungszentrums für Wirtschaft und Gesellschaft und die Ehrenmedaille der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg für sein Lebenswerk verliehen.Bundespräsidialamthttps://web.archive.org/web/20131030101341/http://schoeller-forschungszentrum.de/index.php?id=47&tx_ttnews%5Btt_news%5D=90&cHash=5a00feea7e100333a5b882e36e38ae75
Peter Mertens heiratete 1976 die promovierte Krista Rösel. Er hat eine Tochter.Mertens, Peter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 831.
Schriften (Auswahl) Als Autor Die zwischenbetriebliche Kooperation und Integration bei der automatisierten Datenverarbeitung. Hain, Meisenheim am Glan 1966; zugleich Habilitationsschrift. mit Walter Döllinger und anderen: Substanzerhaltung bei Scheingewinnbesteuerung – Verfahren und Simulationsuntersuchungen. Moderne Industrie, München 1977, ISBN 978-3-478-39550-2. mit Dieter Schrammel: Betriebliche Dokumentation und Information. Verlag Anton Hain, Meisenheim am Glan 1977. mit Rudolf Hildebrand: PPS-Controlling mit Kennzahlen und Checklisten. Springer, Berlin u. a. 1992, ISBN 978-3-540-55556-8. mit Freimut Bodendorf, Corinna Baumgärtel und Lothar Seidl: Kennzahlengestützte Unternehmensanalyse. Oldenbourg R. Verlag, München/Wien 1998, ISBN 978-3-486-20820-7. mit Marco Meier und Werner Sinzig: SAP Strategic Enterprise Management/Business Analytics. Integration von strategischer und operativer Unternehmensführung. 2. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York / Barcelona / Hongkong / London / Mailand / Paris / Tokio 2004, ISBN 978-3-540-40681-5. mit Freimut Bodendorf: Programmierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Institutionenlehre. 12. Auflage. Gabler, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-409-32089-4. mit Marco Meier und Werner Sinzig: Enterprise Management with SAP SEM/Business Analytics. 2. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 2005, ISBN 978-3-540-22806-6. mit Gerhard Knolmayer, Alexander Zeier, Jörg Thomas Dickersbach: Supply Chain Management Based on SAP Systems. Architecture and Planning Processes. Springer, Berlin usw. 2009, ISBN 978-3-540-68737-5. mit Jörg Dittrich, Michael Hau und Andreas Hufgard: Dispositionsparameter in der Produktionsplanung mit SAP. Einstellhinweise, Wirkungen, Nebenwirkungen. 5. Auflage. Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0715-1. mit Marco Meier: Integrierte Informationsverarbeitung 2, Planungs- und Kontrollsysteme in der Industrie. 10. Auflage. Gabler, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-1001-1. Integrierte Informationsverarbeitung 1, Operative Systeme in der Industrie. 18. Auflage. Gabler, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-8349-4394-1. mit Dina Barbian und Stephan Baier: Digitalisierung und Industrie 4.0 – eine Relativierung. Springer, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-19631-8.
Als Herausgeber mit Joachim Griese, Dieter Ehrenberg (Hrsg.): Virtuelle Unternehmen und Informationsverarbeitung, Berlin; Heidelberg; New York; Barcelona; Hongkong; London; Mailand; Paris; Tokio: Springer, 1998, ISBN 978-3-540-64643-3. mit Andrea Back u. a. (Hrsg.): Lexikon der Wirtschaftsinformatik. 4., vollst. neu bearb. und erw. Aufl., Berlin; Heidelberg; New York; Barcelona; Hongkong; London; Mailand; Paris; Tokio: Springer, 2001, ISBN 3-540-42339-7. mMit Karl Kurbel u. a. (Hrsg.): Studienführer Wirtschaftsinformatik 2009/2010, Wiesbaden: Gabler, 2009, ISBN 978-3-8349-1134-6.
Literatur Mertens, Peter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 831.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Wirtschaftsinformatiker Kategorie:Wirtschaftsingenieur Kategorie:Hochschullehrer (Universität Linz) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Ehrendoktor der WHU Vallendar Kategorie:Ehrendoktor der Universität Augsburg Kategorie:Ehrendoktor der Wirtschaftsuniversität Wien Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Darmstadt Kategorie:Ehrendoktor der Universität Bern Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Mann Kategorie:Absolvent der Technischen Universität Darmstadt