Dieser Artikel beschreibt die Gerichtsorganisation in der preußischen Rheinprovinz bzw. den 1815 gebildeten Vorgängerprovinzen Großherzogtum Niederrhein und Jülich-Kleve-Berg.

Von der Gründung der Rheinprovinz bis zum Gerichtsverfassungsgesetz Die Rheinprovinz zerfiel in Bezug auf die Gerichtsorganisation in zwei Teile. Der linksrheinische Teil sowie das ehemalige Großherzogtum Berg war von französischem Recht und französischer Gerichtsbarkeit geprägt, der rechtsrheinische Teil durch eine Vielzahl unterschiedlicher Rechtstraditionen. Im Herzogtum Kleve wurde die alte preußische Rechtsordnung und Gerichtsorganisation wieder hergestellt, in den ehemals nassauischen Gebieten die Nassauische Gerichtsorganisation. Die ehemals Solmsschen Ämter sowie das Stadtgericht in Wetzlar vervollständigten die Gerichte rechts des Rheins.

Für die bisherige Gerichtsorganisation siehe Gerichtsorganisation des Linken Rheinufers und Gerichtsorganisation im Großherzogtum Berg und Gerichtsorganisation im Großherzogtum Frankfurt (für die Exklave Wetzlar).

Linke Rheinseite und Berg Ordentliche Gerichtsbarkeit

1814 bis 1820 Mit dem Ersten Pariser Frieden musste Frankreich am 30. Mai 1814 die in den Koalitionskriegen gewonnenen Gebiete abtreten und erhielt seine Grenzen von 1792 wieder. Auf der rechten Rheinseite wurden die Herzogtümer Berg und Kleve im französischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg zusammengefasst. Auch dieses wurde 1814 von den Alliierten erobert. Preußen erhielt große Teile dieser Gebiete.

Schon zwischen Ende 1813 und Mai 1814 übernahmen zivile Generalgouverneure im Auftrag der Verbündeten die Verwaltung in den eroberten Gebieten. Auf der Grundlage der vorgefundenen, französischen Verwaltungs- und Justizverfassung sollte die Ordnung aufrechterhalten werden. Die bisherigen Friedensgerichte blieben bestehen, die Tribunale 1. Instanz wurden lediglich in „Kreisgerichte“ umbenannt. Als obere Gerichte bestanden: Revisionshof Koblenz (eingerichtet am 6. Mai 1814Ges.S. 1814, S. 75, aufgelöst zum 14. Juli 1819Kabinettsorder vom 21. Juni 1818) Kassationshof Düsseldorf (eingerichtet am 11. Februar 1814Ges.S. 1814, S. 72, aufgelöst zum 15. Juli 1819Kabinettsorder vom 21. Juni 1818)

Darunter bestanden drei Appellationsgerichtshöfe: Appellationsgerichtshof Düsseldorf (dem Kassationshof Düsseldorf untergeordnet) Appellationsgerichtshof Köln (dem Revisionshof Koblenz untergeordnet) Appellationsgerichtshof Trier (dem Revisionshof Koblenz untergeordnet)

Den Appellationsgerichtshöfen waren die Kreisgerichte und Handelsgerichte untergeordnet:

Kreis-/Handelsgericht Sitz Appellationsgericht Anmerkungen Kreisgericht Düsseldorf Düsseldorf Appellationsgerichtshof Düsseldorf Kreisgericht Mülheim am Rhein Mülheim am Rhein Appellationsgerichtshof Düsseldorf Aufgelöst zum 30. September 1819. Aufnehmendes Gericht war KölnBekanntmachung von Daniels und Bölling vom 14. September 1819 (Nr. 334 der Sammlung von J. A. Lottner) Handelsgericht Elberfeld Elberfeld Appellationsgerichtshof Düsseldorf Kreisgericht Aachen Aachen Appellationsgerichtshof Köln Kreisgericht Köln Köln Appellationsgerichtshof Köln Kreisgericht Bonn Bonn Appellationsgerichtshof Köln Aufgelöst zum 14. Juli 1819. Aufnehmende Gerichte waren Koblenz und Köln.Verfügung der Immediatjustizkommission vom 30. Juni 1819 (Nr. 323 der Sammlung von J. A. Lottner) Kreisgericht Malmedy Malmedy Appellationsgerichtshof Köln Aufgelöst zum 14. Oktober 1819. Aufnehmendes Gericht war AachenBekanntmachung von Daniels und Bölling vom 30. September 1819 (Nr. 340 der Sammlung von Lottner) Kreisgericht Crefeld Krefeld Appellationsgerichtshof Köln Aufgelöst ab 20. Juli 1820. Aufnehmende Gerichte waren die Landgerichte Düsseldorf, Kleve und AachenBekanntmachung vom 4. Juli 1820 Kreisgericht Kleve Kleve Appellationsgerichtshof Köln Handelsgericht Köln Köln Appellationsgerichtshof Köln Handelsgericht Aachen Aachen Appellationsgerichtshof Köln Handelsgericht Crefeld Krefeld Appellationsgerichtshof Köln Kreisgericht Trier Trier Appellationsgerichtshof Trier Kreisgericht Echternach Echternach Appellationsgerichtshof Trier Kreisgericht Kusel Kusel Appellationsgerichtshof Trier war nicht preußisch, wurde im März 1816 aufgelöstAmtsblatt der K. K.-Oesterreichischen und K.-Baierischen Gemeinschaftlichen Landesadministration. 1816, S. Kreisgericht St. Wendel St. Wendel Appellationsgerichtshof Trier 1817 ab 10. Februar Übergang von Teilen des Bezirks an Fürstentum Lichtenberg, preußisch bleibende Teile auf Kreisgerichte Trier und Saarbrücken verteiltVerfügung Düsseldorf, 28. Januar 1817 (Nr. 253 der Sammlung von Lottner) Kreisgericht Saarbrücken Saarbrücken Appellationsgerichtshof Trier Aufgelöst am 1. Oktober 1819. Aufnehmendes Gericht war TrierBekanntmachung von Daniels und Bölling vom 14. September 1819 Kreisgericht Simmern Simmern Appellationsgerichtshof Trier Aufgelöst zum 31. Juli 1820 Kreisgericht Koblenz Koblenz Appellationsgerichtshof Trier Kreisgericht Prüm Prüm Appellationsgerichtshof Trier Aufgelöst am 10. Oktober 1819. Aufnehmende Gerichte waren Trier und AachenBekanntmachung von Daniels und Bölling vom 20. September 1819 Handelsgericht Koblenz Koblenz Appellationsgerichtshof Trier Handelsgericht Trier Trier Appellationsgerichtshof Trier

Den Kreisgerichten waren die Friedensgerichte untergeordnet: