C. A. Herpich Söhne war ein 1835 in Berlin gegründetes Modehaus. Ursprünglich eine Kürschnerei mit einem kleinen Pelzgeschäft, entwickelte sich Herpich zu einem Modehaus „in einer großartigen und vornehmen Aufmachung“, einem angesehenen Anbieter hochwertiger Pelze und zu einem Großhandelsunternehmen für Pelzkonfektion und Felle. Um 1925 „stellt das Haus Herpich als erstes Pelzgeschäft Deutschlands ein abgerundetes Ganzes dar, und gehört seiner ganzen großartigen und vornehmen Aufmachung nach zu den bekanntesten und tonangebenden Geschäften dieser internationalen Branche“.Philipp Manes: Um den Hausvogteiplatz. Erinnerungen aus alter Zeit. In: Die Pelzkonfektion No. 1, Illustrierte Monatsschrift für Pelzmoden, Berlin 1925, S. 82. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Familie Herpich an die vergangenen Erfolge nicht mehr anschließen. 2001 wurde die letzte Eintragung im Handelsregister gelöscht.

Geschichte mini|Stammhaus in der Königstraße (vor 1898) mini|hochkant=1.3|„Herpichs-Maß-Salon“, Anzeige (ca. 1910) mini|Ozelotjacke (Herpich, 1934) Deutschland Das Stammhaus des von Kürschnermeister C. A. Herpich im Jahr 1835 gegründeten Unternehmens befand sich im Zentrum des damaligen Berlins, an der Königstraße 20 (heute: Rathausstraße). Es gelang ihm im Laufe seines Geschäftslebens, sich einen Kreis fester Kunden zu sichern und seinen Kindern ein florierendes Geschäft zu hinterlassen.

Wie häufig, erlernten auch die Söhne das Handwerk ihres Vaters. Die drei Brüder Carl, Julius und Rudolf eigneten sich zusätzliche Kenntnisse im Ausland an. Der Älteste ging 1868 nach New York und begründete dort das Rauchwaren- und Pelz-Konfektionsgeschäft Charles A. Herpich, das lange eine führende Stellung einnahm, beim Tod von Carl jedoch nicht weitergeführt wurde.

Der jüngste Bruder Rudolf machte sich auf dem Brühl in Leipzig selbständig, dem aufstrebenden Welthandelszentrum für Rauchwaren. Sein dortiges Fell- und Rauchwaren-Engros-Geschäft des Berliner Hauses genoss einen sehr guten Ruf. Diese Zweigniederlassung erlosch, als Rudolf im Jahr 1895 starb. 1915, auch noch in den 1920er Jahren bestand in Leipzig, Brühl 70, ein Rauchwarenhandels- und Kommissionsgeschäft Karl Herpich & Bruder.:Commons:Category:Karl Herpich & Bruder.

Nach dem Tod der beiden Brüder wurde Julius Herpich, der zweite Sohn des Firmengründers, der Alleinbesitzer des Berliner Geschäfts. Er übernahm das Unternehmen in einer Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und zunehmenden Wohlstands. Es gelang ihm die Konjunktur auszunutzen, unter der Mitwirkung seiner beiden Söhne Paul und Julius wuchs das Geschäft beständig an. 1897 zog man deshalb in ein eigenes, großes Geschäftshaus in der Leipziger Straße um. Zu dieser Zeit besaß die Firma Herpich bereits Weltruf. In den neuen, hell und modern eingerichteten Verkaufs- und Arbeitsräumen war es möglich, das ursprüngliche Betätigungsfeld der Firma, die Pelze, auf weitere Artikel auszuweiten. Schon nach wenigen Jahren erwarb der Inhaber die beiden Nebenhäuser und ließ deren Läden und mehrere Etagen umbauen. Herpich und Michelet auf der Leipziger-, Ecke Jerusalemer Straße waren in den 1880er Jahren wohl in Deutschland die ersten, die sich von der Kürschnerwerkstatt lösten und stattdessen ein Pelzhaus schufen.Zur Entstehung und Entwicklung des Rauchwarenmarktes. In: Der Rauchwarenmarkt. Leipzig, 1. April 1938, S. 7.

Im Jahr 1904 verstarb Julius Herpich senior. Die Nachfolge traten die beiden Söhne Paul und Julius an, die von Jugend an mit dem Betrieb vertraut waren und die Firma im Sinne ihres Großvaters erfolgreich weiterführten. Philipp Manes, der von den Nationalsozialisten ermordete Berliner Biograf der Pelzbranche, schildert seine Begegnungen mit Julius Herpich jun.: „Auf meinen Vorschlag wurde Julius Herpich [in den Fachausschuss der Pelzindustrie] berufen – der regelmäßig zu den Sitzungen erschien, aber nur sehr selten das Wort ergriff. Er wurde nur gesprächig, wenn man mit ihm allein blieb. Ich hatte öfters Besprechungen mit dem sonst in seinem Hause unsichtbaren Herrn, der sich meist durch seinen Prokuristen Alexander Graf vertreten ließ […].“Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 1. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 141–142. (Kollektion G. & C. Franke).

Im Jahr 1925 lag der Angebotsschwerpunkt zwar weiterhin bei den Pelzwaren, daneben gab es aber unter anderem auch eine Modeabteilung für Damen, in der neben jeder Art Konfektion auch Hüte und Modistinnenartikel geführt wurden. Die Herren-Konfektions-Abteilung galt als den besten Schneiderfirmen ebenbürtig. Die Abteilung für echte Perser- und Orientteppiche war im Jahr 1920 eingerichtet worden, auch sie musste ständig vergrößert werden, bald war das Unternehmen auch in diesem Artikel führend. Dem Trend der Zeit folgend wurde eine Abteilung für Damen- und Herrensportbekleidung eingerichtet und eine Sparte für Sportgeräte und -ausrüstungen angegliedert. Besondere Beachtung fand in der Pelzbranche die Abteilung für Pelzkonservierung. Durch die Elektrifizierung war es möglich geworden, Pelze über den Sommer gekühlt aufzubewahren. Die dafür notwendige Anlage war die größte ihrer Art in Europa. 1925 umfasste das Kundenverzeichnis 25.000 Adressen. Der Versicherungswert der aufbewahrten Pelze betrug 55 Millionen Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund  Millionen Euro). Die „Abteilung für Konservierung“ warb 1926 mit einer „Tag- und Nachtbewachung“ für „Pelzsachen, Winterkleider, Teppiche etc“.Antwortkarte der Firma C. A. Herpich Söhne.

Neben dem Detailhandel befasste sich Herpich mit dem Großhandelsgeschäft von Pelzkonfektion und von Fellen, wovon große Mengen ins Ausland geliefert wurden. Der Einkauf erfolgte direkt, auf den großen Pelzmärkten in Leipzig und London. Philipp Manes schrieb in einer Würdigung: „Die Firma darf sich schmeicheln, die auserlesensten und kostbarsten Zobel, Silberfüchse, Blaufüchse und andere Edelpelze zu besitzen, wie es zum zweiten Male kaum in der Branche zu finden sein dürfte. Ein weiterer Vorzug der Herpich’schen Erzeugnisse liegt in ihrer tadellosen, soliden Verarbeitung, die fast ausschließlich in den eigenen Werkstätten geschieht“.

Im Jahre 1910 feierte die Familie das 75-jährige Jubiläum von „C.A. Herpich & Söhne“. Im Jubiläumsakatalog firmierte man mit „Spezialhaus für Pelze und Modewaren“. Von nun an erweiterte Herpich sein Warenangebot, elegante Modellkonfektion ergänzte das traditionelle Pelzgeschäft. In den 20er Jahren war Herpich ein stilbildendes Modehaus im Zeitraum der Berliner Konfektion.

Die Berliner Geschäftsräume umfassten im Jahr 1925 eine Fläche von 11.000 Quadratmetern. In den Hauptgeschäftsräumen und in den angegliederten Häusern wurden etwa 900 Angestellte beschäftigt, wozu noch einige Hundert Heimarbeiter für die Spezialartikel der Firma kamen. Da die Fläche nicht ausreichte, stockte man zu der Zeit die Häuser Leipziger Straße 9 und 10 um drei Etagen auf. Angekündigt war die Erhöhung des Hauses Nr. 11 auf ebenfalls sieben Stockwerke: „Hierdurch wird die Firma Herpich der Leipzigerstraße den ersten ‚Wolkenkratzer‘ geben, dem wohl sehr bald andere folgen werden“. 1936 trat der Kürschnermeister Heinz Herpich in die Firma als Gesellschafter ein.Geschäfts-Nachrichten. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 25, Leipzig, 19. Juni 1936, S. 12. Im darauffolgenden Jahr folgte die Firma der Entwicklung der Hauptgeschäftslagen Berlins und eröffnete auf der Tauentzienstraße Nr. 7 b/c ein Zweitgeschäft. Beide Häuser, sowohl das in der Leipziger Straße als auch in der Tauentzienstraße, brannten in den Jahren 1943 und 1945 aus.

Über die Akkuratesse, mit der in den Kürschnerateliers von Herpich gearbeitet wurde, berichtet 1980 ein ehemaliger Kürschnerlehrling: „In der Fachschule erzählten sich die Lehrlinge, dass Anstückeln nach dem Abgleichen [dem Endzuschitt des Pelzes] nicht gestattet wurde. Auch wenn nur ein einziges Stück noch anzusetzen war, mußte der ganze Mantel von Neuem gezweckt werden. Vielleicht war es eine Übertreibung der dort beschäftigten Lehrlinge, immerhin wirft es ein Licht auf die damalige Korrektheit bei der Verarbeitung der führenden Häuser“.Bruno Leschig: Erinnerungen. In: 700 Jahre Kürschnerinnung Berlin. 1980.

mini|hochkant=0.5|Textiletikett Herpich Düsseldorf Kürschnermeister Paul Herpich (1914–1962), der jüngste Sohn des im Jahr 1944 verstorbenen Julius Herpich, ließ nach dem Krieg das Haus Tauentzien-, Ecke Nürnberger Straße wieder aufbauen. Am 1. Dezember 1950 war die Wiedereröffnung, zu der auch der Berliner Bürgermeister erschien. Für das Atelier und den Modellentwurf war zu der Zeit Herr Klingberg verantwortlich. Im gleichen Jahr inseriert C. A. Herpich Söhne außerdem noch unter der alten Adresse Königstraße 20, die jetzt im sowjetisch besetzten Teil von Berlin lag.In: Wegweiser durch den Brühl und die Berliner Pelzbranche. Jahrgang 1950. Verlag Otto Teubel, Berlin, S. 142. Spätestens im Fachverzeichnis des Jahres 1957 ist die Firma Herpich für Berlin allerdings nicht mehr aufgeführt.Winckelmann Deutschland 1957, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main. 1984 wurde beim Amtsgericht Berlin die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft Herpich & Co., Pelz- und Damenbekleidung von der Tauentzienstraße 7 b–c, Berlin nach Fürth eingetragen.Redaktion: Löschungen. In: Die Pelzwirtschaft Nr. 10–11, Berlin, 22. November 1984, S. 60. Geschäftsführer war seit Februar 1983 anstelle von Volker Schöpke der Fürther Kaufmann Hartmut Tröger.Neues aus dem Handelsregister. In: Winckelmann Pelzmarkt. Nr. 697, 3. Juni 1983, S. 11.Neues aus dem Handelsregister. In: Winckelmann Pelzmarkt. Nr. 752, 29. Juni 1984, S. 7, 9.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg galt der Düsseldorfer Firmenzweig im Hotel Breidenbacher Hof, Seite Heinrich-Heine-Allee, als besonders exklusive Pelzadresse. Am 25. August 1949 eröffnete die Julius Herpich K.-G. dort in der damaligen Theodor-Körner-Straße ein Modellhaus.Geschäftseröffnungen. In: Rund um den Pelz, 20. September 1949, S. 31. Noch 1981 ist Herpich im Fachadressbuch dort vermerkt.Winckelmann Deutschland 1981, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, S. 241. 1991 ist die Firma dann unter der Anschrift Königsallee 30 im neu erbauten Kö-Center angegeben.Winckelmann Deutschland 1991/92, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, S. 77. Am 15. November 2001 erfolgte ein Eintrag in das Handelsregister als Julius Herpich GmbH Pelze & Modellbekleidung,moneyhouse.de abgerufen am 28. November 2014. vier Tage später wurde der Eintrag wieder gelöscht.Julius-Herpich-KG-Pelze-Modellkleidung. firmenkontor24.com; abgerufen am 28. November 2014.

Ausland Um das ständig zunehmende Exportgeschäft zu erleichtern und um die ausländischen Kunden besser bedienen zu können, errichtete das Unternehmen eine Filiale in Paris unter dem Namen Fourrures Herpich. Diese war so erfolgreich, dass bereits im darauffolgenden Jahr eine ständige Vertretung mit einem Musterlager in London eingerichtet wurde. Beide Betriebe wurden von Berlin aus beliefert und hatten sich bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bereits sehr gut entwickelt.

Paul Herpich mini|hochkant|C. A. Herpich, Großhandel in Leipzig (um 1905)