miniatur|Arbeo auf einem Gemälde im Fürstengang Freising miniatur|Wappentafel von Arbeo im Fürstengang Freising
Arbeo von Freising, auch Aribo von Freising oder Arbo von Freising (* 723 oder früher bei Meran; † 4. Mai 784Die meisten Jahreszahlen in diesem Artikel sind als näherungsweise Angaben zu verstehen. Die spärlichen frühmittelalterlichen Quellenangaben werden von der Forschung unterschiedlich interpretiert, zum Beispiel: Geburtsjahr: keine Angabe (Becher, NDB), „um 723“ (Maier), „im ersten Drittel des 8. Jahrhunderts“ (Bischoff); Todesjahr: „4.5.783 (784?)“ (NDB), „783“ (Maier). Die Datierung der beiden von ihm verfassten Heiligenviten (wohl in den 760er/770er Jahren) hängt davon ab, welche man als die frühere ansieht und welche Bedeutung man dabei der Aethius-Kosmographie zumisst. Die Herausgeber Bruno Krusch (MGH, 1920) und Bernhard Bischoff (1953) kommen dabei zu unterschiedlichen Schlüssen. ), war Bischof von Freising und gilt als erster Schriftsteller deutscher Herkunft.
Leben Arbeo wird dem Uradelsgeschlecht der Huosi bzw. den frühen Aribonen zugeordnet. Er trat um 740 in den Benediktinerorden ein und wurde unter Abt Erembert an der Lateinschule in Freising ausgebildet. 754 stand er im Rang eines Archipresbyters und Notars des Klosters, was eine juristische Ausbildung im langobardischen Bereich (Padua oder Bobbio) zur Voraussetzung hatte. Unter dem Freisinger Bischof Joseph von Verona wurde er 763 Abt des neu gegründeten Klosters Scharnitz. 764 trat er die Nachfolge Josephs als Bischof von Freising an. Unter seiner Leitung wurden die Klöster Innichen im Pustertal (769), Schäftlarn (762) und Schliersee in Oberbayern (779) gegründet. 772 verlegte Bischof Arbeo das Kloster Scharnitz nach Schlehdorf am Kochelsee.
Arbeo wurde in Freising beigesetzt. Sein Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 4. Mai. In Freising ist die Aribostraße nach ihm benannt.
Literarische Werke Verschiedentlich wird Arbeo als Verfasser oder Auftraggeber des deutschen Abrogans genannt,Doch dies ist umstritten. – eines bedeutenden Zeugnisses der althochdeutschen Sprache. Er ist zudem Gründer der Dombibliothek Freising sowie Autor der Viten zweier bayerischer Heiliger und Bistumspatrone, die als „die frühesten literarischen Sprachdenkmäler aus Bayern (in lateinischer Sprache)“ gelten.
Die Vita Corbiniani über das Leben und Wirken des Hl. Korbinian bietet über ihren biografischen Charakter hinaus wertvolle Informationen zur frühen bayerischen Geschichte.
Von deutlich geringerem historisch-faktischem Quellenwert ist demgegenüber die Vita vel passio Sancti Haimhrammi martyris, in der er das Leben des Hl. Emmeram von Regensburg beschrieb. Darin findet sich auch eine geradezu schwärmerische Beschreibung der bayerischen Landes:
Dieser Sinn Arbeos für die Landschaft, der „ihm eigene Blick für (ihre) natürliche Schönheit“ findet sich auch an anderen Stellen der beiden Viten.
Arbeo schrieb noch das Latein des frühen Mittelalters vor der karolingischen „Renaissance“ bzw. Bildungsreform, mit Einflüssen des romanisierten Vulgärlatein, wie er es aus seiner Heimat bei Meran gekannt haben mag, und mit teils wörtlichen Anklängen an Gregor von Tours: „Arbeos Heiligenleben bieten sich in einer Sprache dar, die dem Kenner des antiken Lateins monströs erscheinen muß“ (Bernhard Bischoff). Er „schrieb in einem herzhaft-ungefügen, aus Vulgarismen und Rhetorenpomp oft wunderlich gemischten Latein“ (Kurt Becher). Solche Aussagen sollten freilich nur beschreibend, nicht wertend verstanden werden, denn „eine normative Kritik von Arbeos Schreibstil ist historisch nicht am Platze.“
Werkausgaben Arbeonis episcopi Frisingensis vitae sanctorum Haimhrammi et Corbiniani (Arbeos, des Bischofs von Freising, Viten der Heiligen Emmeram und Korbinian). Herausgegeben von Bruno Krusch in MGH SS. rer. Germ. 13, Hannover 1920 (lateinisch; Digitalisat).
Literatur Romuald Bauerreiß: Die „Vita SS. Marini et Anniani“ und Bischof Arbeo von Freising (765–783), in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, Band 51, 1933, S. 37–49.
(Der Band geht zurück auf eine Sendereihe des Bayerischen Rundfunks, Monumenta Bavarica – Bayerische Sprachdenkmäler des Mittelalters. Dünningers Beitrag bietet eine auch nach 60 Jahren noch gut lesbare Einführung und zeichnet Arbeo als Mittler zwischen romanischer und germanischer Kultur, sowohl durch seinen Lebensweg als auch in seinem Wirken.)
Albert Lehner: Sacerdos = Bischof. Klerikale Hierarchie in der Emmeramsvita. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86583-183-5.
Peter Morsbach: Arbeo von Freising. In: Ratisbona sacra: Das Bistum Regensburg im Mittelalter. Ausstellung anläßlich des 1250jährigen Jubiläums der kanonischen Errichtung des Bistums Regensburg durch Bonifatius, 739–1989. Diözesanmuseum Obermünster, Regensburg, 2. Juni bis 1. Okt. 1989. Schnell & Steiner, München 1989, ISBN 3-795406471, S. 43–44.
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