Die Wirtschaft Kasachstans ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt die größte Volkswirtschaft Zentralasiens und weltweit an 53. Stelle und Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion. Während die Wirtschaft in den Jahren nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion einen starken Einbruch erlitt, gibt es seit der Jahrtausendwende einen klaren Aufwärtstrend zu verzeichnen. Zu den wichtigsten Einnahmequellen gehören der Bergbau und die Förderung von Erdöl und Erdgas.

Wirtschaftsdaten Bruttoinlandsprodukt Rund die Hälfte des kasachischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet, dessen Anteil am gesamten BIP im Jahr 2013 bei 52,6 Prozent betrug. Der zweitgrößte Sektor ist die Industrie, deren Anteil rückläufig ist und nur noch 29,6 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Die Bauwirtschaft ist für 5,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und die Landwirtschaft für 4,5 Prozent verantwortlich. Die restlichen 7,4 Prozent werden durch sonstige wirtschaftliche Leistungen erwirtschaftet.Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien: (PDF) Die Wirtschaftsleistung Kasachstans überschritt 2012 zum ersten Mal die Marke von 200 Milliarden US-Dollar und erreichte 2013 mit rund 220,3 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand. Auch das BIP pro Kopf ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Lag es 2008 bei 8.457 US-Dollar, betrug es im Jahr 2013 bereits 12.843 US-Dollar. mini|links|BIP nach Kaufkraftparität von Kasachstan. mini|links|BIP pro Kopf in Kaufkraftparität für Russland, Kasachstan, Belarus, Aserbaidschan und die Ukraine. Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (nominal) Jahr20132014201520162017201820192020202120222023 BIP (nominal) [Mrd. $] 220,3221,4184,4137,3166,8179,3181,7171,1197,1225,5261,8 Änderung gegenüber Vorjahr [%] 6,0 4,3 1,0 0,9 3,9 4,1 4,5 ▼ -2,6 4,1 3,2 5,1Daten: Kasachstan in Zahlen (PDF)

Arbeitslosigkeit Entwicklung der Arbeitslosenquote Jahr20132014201520162017201820192020202120222023 Arbeitslosenquote [%]5,255,084,974,974,94,854,84,924,94,884,72 Daten:

Wirtschaftspolitik Kasachstan ist Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion, die offiziell zum 1. Januar 2015 gegründet wurde. Bereits 2011 gründeten Kasachstan, Russland und Belarus eine gemeinsame Zollunion, der Vorgänger der Eurasischen Wirtschaftsunion. Kasachstan ist außerdem Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und verhandelt derzeit über eine Mitgliedschaft bei der Welthandelsorganisation.

Im Dezember 2012 stellte Nursultan Nasarbajew die Strategie „Kasachstan 2050“ vor, in der langfristige Vorgaben für die Entwicklung des Landes formuliert werden. Ziel der Strategie ist der Aufstieg Kasachstans in die Gruppe der 30 am meisten entwickelten Staaten der Welt. Neben einer geringen Neuverschuldung und einer Neuausrichtung der Energieversorgung ist insbesondere die Modernisierung und Diversifizierung der Wirtschaft ein wichtiges Ziel der neuen Wirtschafts- und Finanzpolitik, um die Abhängigkeit des Landes vom Abbau von Rohstoffen zu verringern. Von besonderer Bedeutung sind der Ausbau der verarbeitenden Industrie, der Landwirtschaft und des Transportwesens sowie die Umstrukturierung des Energiesektors. Besonders die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie strukturschwacher Regionen steht im Vordergrund.

Am 9. Oktober 2014 unterzeichneten Kasachstan und die Europäische Union ein erweitertes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen, das zu politischen, rechtsstaatlichen und wirtschaftlichen Reformen sowie zur Modernisierung und zum Wohlstand des Landes beitragen soll. In dem Abkommen werden unter anderem die Zusammenarbeit in den Bereichen Außen- und Sicherheitspolitik, Handel und Wirtschaft, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, Gesetzgebung und Rechtsstaatlichkeit sowie Finanzen, Wissenschaft und Technik geregelt. Auch die Zusammenarbeit im Energiesektor mit Kasachstan soll dadurch ausgebaut werden.

Im Dezember 2015 trat Kasachstan als 162. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) bei. Die Beitrittsverhandlungen dauerten fast 20 Jahre an und werden als die schwierigsten überhaupt bezeichnet. In besonderem Maße haben dazu die Verhandlungen um die Zolltarife mit den Mitgliedstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) beigetragen. Nun soll durch das geschlossene Abkommen der Importzoll des Landes binnen 5 Jahren auf 6,1 %, für Agrargüter auf 7,6 gesenkt werden. Aus Sicht des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew ermöglichen sich durch die Mitgliedschaft weitere Möglichkeiten für das Wachstum der kasachischen Wirtschaft. Laut ihm verlaufe bereits circa 90 % des Handels mit WTO-Staaten.

Bei dem Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos warb der kasachische Ministerpräsident Kärim Mässimow verstärkt um Investoren. Er betonte die investorfreundlichen Reformen des Wirtschaftssystems und meinte, dass der niedrige Ölpreis eine ideale Voraussetzung für die Umsetzung solcher Reformen bilde. Zudem wolle Kasachstan beim nächsten Weltwirtschaftsforum in einer verbesserten Ausgangssituation dastehen.

Wirtschaftssektoren Primärer Sektor – Landwirtschaft mini|Weizenfelder nahe Kökschetau Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig, in dem beinahe ein Fünftel der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt sind. Fast Dreiviertel der Landesfläche sind für die landwirtschaftliche Nutzung geeignet. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts war Landwirtschaft auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan traditionell ländlich und nomadisch geprägt. Mit steigenden russischen Einfluss kamen zunehmend Slawen nach Zentralasien, die sesshafte Landwirtschaft betrieben. Eine entscheidende Veränderung brachte 1953 der Beschluss der sowjetischen Führung mit der Einführung der Virgin Lands Campaign, die unter anderem im Norden Kasachstans die landwirtschaftliche Kultivierung von rund 25 Millionen Hektar vorsah und Kasachstan zu einem bedeutenden Produzenten von Weizen und Gerste machte.Kazakhstan’s Agricultureafter Two Decades of Independence (PDF, englisch)

Kasachstan ist einer der größten Exporteure von Weizen und Mehl. Wegen günstiger klimatischer Bedingungen konnte Kasachstan 2011 mit 22,7 Millionen Tonnen eine Rekordernte an Weizen einfahren und den Export in die GUS-Staaten, den Nahen Osten, Nordafrika und die Europäische Union steigern. 2013 lag die Produktion, die sich zum größten Teil auf die Gebiete Aqmola, Nordkasachstan und Qostanai konzentriert, bei 13,9 Millionen Tonnen. In Türkistan wird zudem Baumwolle angepflanzt, deren Produktion 2012 bei rund 131.000 Tonnen lag und somit weitaus geringer ist als die Baumwollproduktion im Nachbarland Usbekistan.

Sekundärer Sektor – Bergbau und Industrie Bergbau und Rohstoffe Die Förderung von Erdöl ist die wichtigste Einnahmequelle des Staates, der über die staatliche Erdölgesellschaft KazMunayGas die Kontrolle über den Sektor ausübt. Die Förderung von Erdöl hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt und erreichte 2013 das bisherige nationale Ölfördermaximum mit einer Gesamtfördermenge von 81,8 Millionen Tonnen, womit Kasachstan zu den 20 größten Erdölproduzenten weltweit gehört. Rund 70 Prozent der Erdölreserven befinden sich im Westen Kasachstans – in den Provinzen Aqtöbe, Atyrau, Mangghystau, Qaraghandy, Qysylorda und Westkasachstan – hauptsächlich an den Küsten des Kaspischen Meeres. Zu den größten der rund 150 aktiven Erdölfeldern gehören Karatschaganak und Tengiz, an denen zusammen rund 40 Prozent des kasachischen Erdöls gefördert werden.U.S. Energy Information Administration: Kazakhstan - Overview (PDF, englisch) Das Feld Kaschagan, das erst im Jahr 2000 entdeckt wurde, zählt zu den größten Neuentdeckungen der letzten Jahrzehnte. Es ist das größte Erdölvorkommen außerhalb des Nahen Ostens und gemessen an den Reserven das fünftgrößte Feld der Erde. Die Entwicklung von Kaschagan, die bislang Kosten in Höhe von rund 43 Mrd. US-Dollar verursachte, wird durch ein internationales Konsortium vorangetrieben. Der Förderbeginn wurde bereits mehrfach verschoben und wurde für das Jahr 2016 angesetzt.The Economist: Cash all gone (englisch) mini|300px|Erdöl- und Erdgasvorkommen in Russland und Zentralasien Entwicklung der Erdöl- und Erdgasförderung Jahr200020072008200920102011201220132014 Erdöl [Mio. t] 35,3 67,1 70,7 76,5 79,7 80,1 79,2 81,8 80,8 Erdgas [Mrd. m3] 11,5 29,6 32,9 35,9 37,4 39,5 40,3 42,4 43,4 Daten: Kasachstan in Zahlen, S. 16 (PDF)

Kasachstan verfügt über zwölf Prozent der weltweiten Uranreserven und ist seit 2009 der größte Uranproduzent der Welt. Mit einer Fördermenge von 22.451 Tonnen betrug Kasachstans Anteil an der Weltproduktion im Jahr 2013 rund 38 Prozent.World Nuclear Association: (englisch) Das staatliche Unternehmen Kazatomprom ist zugleich das weltweit größte uranfördernde Unternehmen und betreibt alle 17 Minen in Kasachstan, zwölf davon als Joint Venture mit internationalen Partnern. Im Zuge der Urangewinnung wurden in Kasachstan auch Feueropale gefunden.

Bedeutende Kupfervorkommen finden sich vor allem im Norden und Osten des Landes. Die führenden Unternehmen im Kupferbergbau sind KAZ Minerals mit einer jährlichen Produktion von rund 300.000 Tonnen Kupfer, Kazzinc mit einer Fördermenge von 51.200 Tonnen, Aktyubinsk Copper Co. mit einer Kupferproduktion von 53.700 Tonnen und Polymetal mit 6.000 Tonnen. Mit einer Fördermenge von 493.000 Tonnen Kupfer im Jahr 2013 belegt das Land Rang zwölf der weltweiten Förderung.Copper Development Association: Annual Data 2014: Copper Supply & Consumption — 1993–2013 (PDF, englisch) Als Nebenprodukt der Kupferförderung wird häufig Gold gewonnen. Es gibt zahlreiche Goldlagerstätten, von denen rund die Hälfte bereits in Betrieb oder in der Entwicklung sind. Mit einer Fördermenge von rund 36,6 Tonnen (2011), geschätzten Reserven von 2.200 Tonnen und Ressourcen von knapp 9.200 Tonnen gehört das Land zu den 20 größten Förderländern von Gold.London Bullion Market Association: (PDF, englisch) Die beiden Hauptförderunternehmen sind Kazzinc, das Gold als Nebenprodukt aus den Blei- und Zinkminen gewinnt, und das Bergbauunternehmen KAZ Minerals (vormals Kazakhmys), das Gold ebenfalls nur als Nebenprodukt der Kupferproduktion gewinnt.

Kasachstan ist nach Südafrika der wichtigste Produzent von Chromit. Unter den beiden kasachischen Produzenten von Chromit ist Kazchrome, ein Tochterunternehmen von Eurasian Natural Resources, mit seinem Werk in Aqtöbe das mit Abstand führende Unternehmen. ENCR nutzt den Rohstoff selbst zur Herstellung von Ferrochrom und exportiert diesen zum größten Teil nach China. Mit einer jährlichen Fördermenge von 4.000 Tonnen Chromit ist Kasachstan das zweitgrößte Förderland und mit geschätzten Reserven von 230.000 Tonnen verfügt das Land über die weltweit größten Chromitreserven.United States Geological Survey: Chromium (PDF, englisch)

Kasachstan hat in den letzten Jahren die Kohleförderung ausgebaut, um die stetig steigende Nachfrage zu sättigen. Mit einer jährlichen Produktion von mehr als 120 Millionen Tonnen, von denen der überwiegende Teil für den inländischen Verbrauch bestimmt ist, ist Kasachstan weltweit an achter Stelle. In den 16 großen Kohlelagerstätten lagern rund vier Prozent der weltweiten Kohlereserven. Der meiste Teil der geschätzten Reserven an Steinkohle liegt in den Qaraghandy-, Ekibastus- und Tengiz-Korzhankolskogo-Becken im Zentrum des Landes, der Braunkohleanteil ist relativ gering. Die Wirtschaft Kasachstans ist extrem abhängig von Kohle – so werden 76 Prozent der Elektrizität durch Kohle erzeugt.Coal Age: (englisch) Der Abbau von Eisenerz wurde in den letzten Jahren intensiviert. Wurde im Jahr 2000 eine Menge von nur 16 Millionen Tonnen gefördert, betrug die Menge an gefördertem Eisenerz im Jahr 2010 bereits mehr als 50 Millionen Tonnen, von dem ein großer Teil ins benachbarte Russland exportiert wird. Die heimische Stahlindustrie ist Hauptabnehmer sowohl des Erzes als auch von Kohle, die die Hauptressourcen der Stahlerzeugung darstellen.