mini|hochkant|John Surtees und Mauro Forghieri 1965 mini|hochkant|John Surtees, 2011 John Norman Surtees, CBE (* 11. Februar 1934 in Tatsfield, Surrey, England; † 10. März 2017 in London) war ein britischer Rennfahrer.

Er ist der einzige Fahrer der Geschichte, dem es gelang, sowohl in der Motorrad-Weltmeisterschaft als auch in der Formel 1 Weltmeister zu werden. Er war auch Besitzer eines eigenen Formel-1-Rennstalls (Surtees Racing Organisation). Sein Sohn Henry Surtees war ebenfalls Rennfahrer.

Leben Motorradrennsport John Surtees’ Vater war Motorradhändler im Süden Londons. Sein erstes Rennen bestritt er im Alter von 14 Jahren im Beiwagen eines Vincent-Gespanns zusammen mit seinem Vater. Die beiden gewannen zwar, als die Renndirektoren aber John Surtees’ Alter herausfanden, wurden sie disqualifiziert, da er nach dem Reglement noch zu jung war. Mit 15 Jahren bestritt Surtees sein erstes Grasbahnrennen. 1950, im Alter von 16 Jahren, begann er eine Ausbildung bei Vincent. In dieser Zeit kaufte er auch sein erstes Auto, einen Jowett Jupiter.

Im Motorradsport sorgte John Surtees 1951 das erste Mal für Aufsehen, als er sich 17-jährig mit dem damaligen Norton-Werksfahrer Geoff Duke, der in diesem Jahr Weltmeister in den Klassen bis 350 und bis 500 cm³ wurde, bei einem Auto-Cycle-Union-Rennen in Thruxton einen harten Kampf um den Sieg lieferte.

Sein Debüt in der Motorrad-Weltmeisterschaft gab Surtees 1952 beim Ulster Grand Prix in Nordirland. Er startete in der 500-cm³-Klasse auf einer Norton und erreichte Rang sechs. Erst drei Jahre später fuhr er erneut in der Motorrad-WM. Bei der Tourist Trophy gelang ihm Rang vier im Rennen der 350-cm³-Klasse wieder auf einer Norton. Beim folgenden Deutschland-Grand-Prix auf der Nordschleife erreichte er mit Rang drei hinter Bill Lomas und August Hobl seinen ersten Podestplatz. Wenige Wochen später feierte Surtees auf einer 250er NSU beim Ulster Grand Prix seinen ersten Sieg in der WM. Im 350er-Rennen belegte er erneut Platz drei.

Zur Saison 1956 wechselte Surtees von Norton, die in finanziellen Schwierigkeiten steckten, zum italienischen Hersteller MV Agusta, wo er an der Seite von Umberto Masetti Werksfahrer in den Klassen bis 350 und bis 500 cm³ wurde. Bereits bei seinem ersten 500er-Einsatz für MV, der Tourist Trophy auf der Isle of Man, feierte er den ersten Sieg. Diesem folgten zwei weitere in den Niederlanden und Belgien. An den drei verbleibenden Halbliterläufen der Saison nahm Surtees nicht teil, dennoch sicherte er sich mit 24 Zählern souverän vor dem deutschen BMW-Piloten Walter Zeller den WM-Titel in der Königsklasse. Der Titelgewinn wurde allerdings von der Tatsache begünstigt, dass der 500-cm³-Weltmeister der drei vorangegangenen Jahre, Geoff Duke, von der FIM bis zum 30. Juni 1956 gesperrt worden war, nachdem er einen Fahrerstreik für eine Erhöhung der Startgelder unterstützt hatte. Bei den 350ern wurde Surtees mit Rang zwei in Holland und dem Sieg in Belgien WM-Vierter.

1957 gelang es Surtees nicht, seinen 500-cm³-Titel zu verteidigen – die MV Agusta waren der italienischen Konkurrenz von Gilera unterlegen. So belegte er mit Rang zwei bei der TT und dem Sieg in Assen hinter den Gilera-Werkspiloten Libero Liberati und Bob McIntyre den dritten WM-Rang.

Nachdem sich Gilera und Moto Guzzi am Ende der Saison 1957 aus der WM zurückgezogen hatten, waren die MV Agusta beinahe ohne Konkurrenz und dominierten die Motorrad-WM nach Belieben. 1958 sicherte sich Surtees die Titel in der 350er- und der 500er-Klasse jeweils mit sechs Siegen bei sieben ausgetragenen Rennen. In der folgenden Saison verteidigte er seine Titel auf die denkbar souveränste Art und Weise – er gewann in beiden Klassen alle Saisonrennen. Im selben Jahr wurde er zu Großbritanniens Sportler des Jahres gewählt.

Auch 1960 gewann Surtees beide Weltmeisterschaften, in der 350er-Klasse war er am Saisonende punktgleich mit seinem rhodesischen Teamkollegen Gary Hocking, gewann aber den Titel wegen der höheren Anzahl an eingefahrenen dritten Plätzen. Mit seinem Sieg im Halbliter-Rennen der Tourist Trophy in diesem Jahr wurde Surtees der erste Fahrer in der Geschichte des seit 1907 ausgetragenen Rennens, der die Senior-TT dreimal in Folge gewann.

Am Ende der Saison 1960 beendete John Surtees im Alter von 26 Jahren seine überaus erfolgreiche Motorrad-WM-Karriere. Er trat in 48 Grands Prix an, feierte dabei 38 Siege, insgesamt 45 Podestplätze und sieben WM-Titel.

Anfang der 1980er-Jahre erwarb er eine BMW RS 500, die er bei Oldtimer-Rennen wie dem Goodwood Festival of Speed, in Donington Park und in Montlhéry einsetzte. 2003 erwarb die BMW Group Mobile Tradition das Rennmotorrad, das durch seinen originalen Vorkriegszustand einzigartig ist.

Beim Goodwood Festival of Speed 2011 fuhr Surtees diese BMW wieder vor Publikum.

Automobilrennsport Im Jahr 1960 feierte Surtees beim Großen Preis von Monaco sein Formel-1-Debüt für Lotus.

Nach mehreren Starts für Cooper-Maserati 1961 und einer mit dem vierten WM-Platz abgeschlossenen erfolgreichen Saison 1962 mit dem Lola-Climax wechselte Surtees 1963 zu Ferrari und gewann 1964 die Fahrerweltmeisterschaft.

Surtees verließ Ferrari während der Saison 1966 wegen des seiner Meinung nach zu großen Drucks und persönlicher Differenzen mit Ferrari-Rennleiter Eugenio Dragoni. Surtees startete bei den folgenden Rennen für Cooper-Maserati und wechselte anschließend zunächst für zwei Saisons zu Honda und später zu B.R.M., bevor er Anfang der 1970er-Jahre das Team Surtees Racing Organisation gründete, das von 1970 bis 1978 an der Automobil-Weltmeisterschaft teilnahm.

Insgesamt gewann Surtees in seiner Karriere sechs Grands Prix in der Formel 1: Deutschland 1963 und 1964, Italien 1964 und 1967, Belgien 1966 und Mexiko 1966.

Zudem war er bei Sportwagenrennen sowohl in der Sportwagen-Weltmeisterschaft als Ferrari-Werksfahrer als auch in der amerikanischen CanAm-Serie erfolgreich, die er 1966 in ihrem ersten Austragungsjahr mit einem Lola T70 gewann. Zudem war er als Testfahrer an der Entwicklung des Fahrzeugs beteiligt. 1963 und 1965 gewann er gemeinsam mit Willy Mairesse bzw. Ludovico Scarfiotti das 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring.

1996 wurde er in die International Motorsports Hall of Fame aufgenommen.

Trotz seiner Erfolge gehörte Surtees zu den eher Bescheidenen und hatte kein Talent zum „Showman“. Am 19. Juli 2009 verunglückte sein Sohn Henry bei einem Formel-2-Rennen in Brands Hatch tödlich.

Seit dem Tod von Jack Brabham am 19. Mai 2014 war Surtees der älteste noch lebende Formel-1-Weltmeister. Nachdem er am 10. März 2017 im Alter von 83 Jahren gestorben war, wurde Jackie Stewart der älteste noch lebende Formel-1-Weltmeister.

Ehrungen Aufnahme in die MotoGP Hall of Fame Großbritanniens Sportler des Jahres: 1959

Statistik Erfolge In der Motorrad-Weltmeisterschaft 350-cm³-Weltmeister auf MV Agusta: 1958, 1959, 1960 500-cm³-Weltmeister auf MV Agusta: 1956, 1958, 1959, 1960 38 Grand-Prix-Siege

Saison Klasse Motorrad Rennen Siege Zweiter Dritter Punkte Ergebnis 1952 500 cm³ Norton 1 – – – 1 18. 1955 250 cm³ NSU 1 1 – – 8 7. 350 cm³ Norton 3 – – 2 11 6. 1956 350 cm³ MV Agusta 2 1 1 – 14 4. 500 cm³ MV Agusta 3 3 – – 24 Weltmeister 1957 350 cm³ MV Agusta 1 – – – 3 10. 500 cm³ MV Agusta 3 1 1 – 17 3. 1958 350 cm³ MV Agusta 6 6 – – 32 Weltmeister 500 cm³ MV Agusta 6 6 – – 32 Weltmeister 1959 350 cm³ MV Agusta 6 6 – – 32 Weltmeister 500 cm³ MV Agusta 7 7 – – 32 Weltmeister 1960 350 cm³ MV Agusta 4 2 1 1 22 Weltmeister 500 cm³ MV Agusta 6 5 1 – 32 Weltmeister Gesamt 49 38 4 3 260 7 WM-Titel

Isle-of-Man-TT-Siege Jahr Klasse Maschine Durchschnittsgeschwindigkeit 1956 Senior (500 cm³) MV Agusta 1958 Junior (350 cm³) MV Agusta Senior (500 cm³) MV Agusta 1959 Junior (350 cm³) MV Agusta Senior (500 cm³) MV Agusta 1960 Senior (500 cm³) MV Agusta

Statistik in der Automobil-Weltmeisterschaft Grand-Prix-Siege 1963 (Nürburg) 1964 (Nürburg) 1964 (Monza) 1966 (Spa-Francorchamps) 1966 (Mexiko-Stadt) 1967 (Monza)

Gesamtübersicht Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.Rennrunden Punkte WM-Pos. 1960 Team Lotus Lotus 18 Climax 2.5 L4 4 – 1 – 1 1 6 14. 1961 Yeoman Credit Racing Team Cooper T53 Climax 1.5 L4 8 – – – – – 4 12.1962Bowmaker Racing Team Lola Mk4Climax 1.5 V8 8 – 2 – 1 –194. Lola Mk4A 1 – – – – – 1963 Scuderia Ferrari Ferrari 156/63 Ferrari 1.5 V6 10 1 1 1 1 3 22 4.1964 Scuderia Ferrari Ferrari 158 Ferrari 1.5 V8 8 2 1 1 2 240 1. North American Racing Team Ferrari 158 Ferrari 1.5 V8 2 – 2 – – –1965Scuderia Ferrari Ferrari 158 Ferrari 1.5 V8 4 – 1 1 – –175. Ferrari 1512 Ferrari 1.5 F12 4 – – 1 – –1966 Scuderia Ferrari Ferrari 312/66 Ferrari 3.0 V12 2 1 – – 1 1282. Cooper Car Company Cooper T81 Maserati 3.0 V12 7 1 1 1 1 21967Honda Racing F1 Honda RA273Honda 3.0 V12 6 – – 1 – –204. Honda RA300 3 1 – – – –1968Honda Racing F1 Honda RA300Honda 3.0 V12 1 – – – – –127. Honda RA301 11 – 1 1 1 11969Owen Racing Organisation BRM P138BRM 3.0 V12 4 – – – – –611. BRM P139 5 – – 1 – –1970Team Surtees McLaren M7CFord-Cosworth 3.0 V8 4 – – – – 1318. Surtees TS7 7 – – – – – 1971 Team Surtees Surtees TS9 Ford-Cosworth 3.0 V8 11 – – – – – 3 19. 1972 Team Surtees Surtees TS14 Ford-Cosworth 3.0 V8 1 – – – – – – NC Gesamt 111 6 10 8 8 11 180 Einzelergebnisse Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 1960 DNF 2 DNF DNF 1961 11* 7 5 DNF DNF 5 DNF DNF 1962 DNF 4 5 5 2 2 DNF DNF DNF 1963 4 DNF 3 DNF 2 1 DNF DNF DSQ DNF 1964 DNF 2 DNF DNF 3 1 DNF 1 2 2 1965 2 4* DNF 3 3 7 DNF DNF 1966 DNF 1 DNF DNF DNF 2 DNF 3 1 1967 3 DNF DNF DNF 6 4 1 DNF 4 1968 8 DNF DNF DNF DNF 2 5 DNF DNF DNF 3 DNF 1969 DNF 5 DNF 9 DNF DNS NC DNF 3 DNF 1970 DNF DNF DNF 6 DNF 9* DNF DNF 5 DNF 8 1971 DNF 11 7 5 8 6 7 DNF DNF 11 17 1972 DNF DNS

Le-Mans-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1963 Ferrari 250P Willy Mairesse Ausfall Unfall 1964 SPA Ferrari SEFAC Ferrari 330P Lorenzo Bandini Rang 3 1965 SpA Ferrari SEFAC Ferrari 330P2 Ludovico Scarfiotti Ausfall Kupplungsschaden 1967 Lola T70 Mk.III David Hobbs Ausfall Zündungsschaden

Sebring-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1963 Ferrari 250P Ludovico Scarfiotti Gesamtsieg 1964 SEFAC Ferrari Ferrari 330P Lorenzo Bandini Rang 3

Einzelergebnisse in der Sportwagen-Weltmeisterschaft Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 1962 Maranello Concessionaires Ferrari 250 GTO DNF 2 1963 Ferrari Ferrari 250P 1 DNF 1 DNF 1964 FerrariNART Ferrari 330PFerrari 275PFerrari 250LMFerrari 250 GTO 3 DNF 3 2 DNF 1965 NARTFerrariLola Maranello Concessionaires Ferrari 330P2Ferrari 275P2Lola T70Ferrari 365P2 DNF 2 DNF 1 DNF 2 1966 Ferrari Ferrari 330P3 1 DNF 1967 Lola Lola T70 DNF DNF DNF 1970 Ferrari Ferrari 512S 3 2 3

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