mini|hochkant|Stefan Lazarević Stifterporträt mit Darstellung des Klosters Manasija 1407–1418Die Vita des Despoten Stefan Lazarević (Житија деспота Стефана Лазаревића) ist eine von Konstantin dem Philosophen abgefasste Hagiographie über den serbischen Despoten Stefan Lazarević, die vier Jahre nach dessen Tod 1431 in der Schreibschule des Klosters Manasija (Resava) entstanden ist. Sie stellt das bedeutendste historiographische slawische Werk Südosteuropa des ausgehenden Mittelalters dar und ist eines der wichtigsten Quellwerke zur frühen Geschichte des Osmanischen Reiches sowie allgemein zur Byzantinischen- und Serbischen Geschichte zwischen 1370 und 1430.

Die Vita als historische Quelle Das Werk umfasst 300 Druckseiten und behandelt die Zeit des Fürsten Lazar Hrebeljanović, die Schlacht auf dem Amselfeld sowie insbesondere die Regierung Stefan Lazarevićs und die Verhältnisse und Ereignisse im Osmanischen und Byzantinischen Reich. Es lehnt sich an die Byzantinischen Historiographen wie Nikephoros Gregoras an,Gordana Jovanović 2007: Veljko Vrboric (Hrsg.): Konstantin Filosof: ЖИВОТ СТЕФНА ЛЗАРЕВИЧА ДЕСПОТА СРПСКОГА. Biblioteka Knjizevnost i Jezik, 17, Belgrad. ISBN 978-86-84885-19-9 und läutet in der serbischen Literatur erstmals eine säkulare Richtung in dem bis dahin von der Kirche beeinflussten Genre der Hagiographien (Heiligengeschichten) zu den serbischen Herrschern ein.Marko Šuica 2009: Bitka kod Nikopolja u delu Konstantina Filozofa. Istorijski Časopis, 58, 109–124 Damit überwiegen In der Vita des Despoten Stefan Lazarević bereits die objektiven historischen Quellen, die die ideellen Ideen in den früheren serbischen dynastischen Historiographien nicht kennen.Stanislaus Hafner 1964: Studien zur altserbischen dynastischen Historiographie. Südosteuropa Arbeiten, 62. Oldenbourg, München.

Die Vita entstand im Auftrag des Patriarchen Nikon (1419–1435) und der Synode und ist auch das bei weitem bedeutendste Werk seines Genres in der mittelalterlichen slawischen Literatur Südosteuropas, die in fast moderner Form die Biographie des Despoten schildert,Ivan Dujcev: Rapports litteraires entre les Byzantins, les bulgares et les Serbes aux XIVe et XVe siecles. In: Vojislav J. Duric (Hrsg.): L’ecole de Morava et son age. Belgrad 1971, S. 97. und gleichzeitig zu den wichtigsten historischen Quellwerken des slawischen Südens zählt.Maximilian Braun (Hrsg. und Übersetzer): Lebensbeschreibung des Despoten Stefan Lazarević. Mouton & Co., The Haag. S. VII. Damit erfolgte auch eine gewisse Wende von der monastischen zur höfischen Geschichtsschreibung, in der auch eine Bezugnahme von Autoren der klassischen Antike eine Neuerung bildete.Gerhard Podskalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien 865-1459. München, Beck 2000. ISBN 3-406-45024-5, S. 343. (Google Books: eingeschränkte Vorschau)

Überlieferung Die Vita wurde sicher vor dem Jahr 1431 verfasst, da sich danach jegliche Spur Konstantins verliert. Der Originaltext ist nicht erhalten geblieben, vier Abschriften, zwei serbische und zwei russische datieren vom 15.–17. Jahrhundert. Odesser- oder Cetinje Abschrift – serbischer Redaktion zwischen 1508/10 und 1523/27 Cavtater- oder Bogičever Abschrift – serbischer Redaktion der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts – Museum Bogičevićs in Cavtat Kyrilobelozersker Abschrift – russischer Redaktion des 16. Jahrhunderts – in der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg Volokolamer Abschrift – russischer Redaktion von Ende des 15. Jahrhunderts.

Zudem gibt es noch drei kurze Abschriften russischer Redaktion: Troicker-, Kazaner- und Pogodiner Abschrift.

Form und Entwicklung Die stilistische Form der Vita des Despoten Stafan Lazarević entwickelte sich aus den serbischen dynastischen Herrscherbiographien, die mit der Lebensbeschreibung Stefan Nemanjas als Genre durch den Heiligen Sava in der serbischen Literatur initiiert wurden. Mit der Weiterentwicklung durch Danilo II. (1270–1337) und seine Schüler – „Životi kraljeva i arhiepiskopa srpskih“ –, in der sechs Lebensbeschreibungen den Kern eines Sammelbandes bilden, wurden Hagiographie, Historiographie und panegyrische Rhetorik als Elemente des stilistischen und kompositorischen Schaffens zusammengefügt,Henrik Birnbaum: The Old Serbian Vita. Henrik Birnbaum (Hrsg.) 1974: On medieval and renaissance slavic writing: selected essays. The Haag, Mouton. S. 308 in der sich jedoch eine Tendenz, die strenge hagiographische Tradition zu verlassen und Elemente säkularer Biographien einzufügen, etablierte. Mit den zwei Erben der Tradition – Grigorij Camblak und Konstantin Kostenezki – übernahmen zwei Ausländer die zwei vorgefundenen literarischen Richtungen, indem der Hesychast Camblak den konservativen hagiographischen Stil und die Komposition und Konstantin Kostenezki die säkulare Richtung weiterführte.Henrik Birnbaum 1974: S. 310. Während Camblak jedoch ohne Nachfolgerschaft in Serbien blieb, so stellte Konstantin Kostenezkis Werk den Höhe- und temporären Endpunkt der Entwicklung der serbischen Biographien. Camblaks Werk bleibt dabei ohne großen quellenhistorischen Wert, ist jedoch durch seine intime Lyrik und religiöse Gefühlstiefe ein Werk hoher literarischer Qualität. Dagegen ist die Vita des Despoten Stefan Lazarevic eine historische Quelle erster Ordnung, und da die byzantinische Geschichtsschreibung zwischen 1360 und 1420 ziemlich obskur ist, von größter Relevanz.Henrik Birnbaum 1974 S. 312.

Inhalt Allgemein Kostenezki geht in seinem Werk weit über den Rahmen einer bloßen Vita hinaus; es ist praktisch eine allgemeine historische Studie über die Zeit Stefan Lazarevićs:

Insbesondere werden die osmanischen Thronwirren nach dem Tod Bayezid I. sehr ausführlich behandelt, wie auch überhaupt die türkischen Ereignisse und Verhältnisse im Vordergrund stehen. Zudem war Konstantin als wichtige Persönlichkeit am serbischen Hofe ein Mann, der im Mittelpunkt des politischen Lebens stand und über erstklassiges Informationsmaterial verfügen musste.

Die Vita beginnt in Rückblenden auf die großen Persönlichkeiten des alten Bundes bzw. der Alten Welt sowie die Erzählung der hellenischen Weisen (Thukydides, Aristoteles, Platon) sowie des Hermes Trismegistos und deren angebliche Prophezeiungen, die in Bezug zur Jugend und Herkunft des serbischen Despoten gestellt werden.

Ausführlich berichtet er als Zeitzeuge über die Schlacht auf dem Amselfeld, die Schlacht von Rovine, Schlacht von Nikopolis die Schlacht von Angora, die Zweite Schlacht am Amselfeld sowie über die historischen Persönlichkeiten wie die Herrscherfamilie Stefans und die Osmanischen Sultane und Söhne Bayezids.

In der Schilderung des Lebens Stefans werden Lazar, Olivera Despina, Jefimija, Milica Hrebeljanović, Marko Kraljević, Georg Branković, Vuk Lazarević sowie unter den wechselnden Bündnissen während des Osmanischen Interregnums und Bürgerkriegs die sich bekriegenden Söhnen Bayezids – Mehmed I., Süleyman Çelebi, İsa Çelebi, Mustafa Çelebi und Musa Çelebi chronologisch behandelt.

Schlacht auf dem Amselfeld Konstantins 40 Jahre nach der Schlacht auf dem Amselfeld verfasste Vita zeigt das Ausmaß, das dieses historische Ereignis als Bild bei den Zeitgenossen hinterlassen hat. Ohne Zweifel wuchs seit den frühesten Tagen die Legende über den Ablauf der Schlacht, die Schlacht auf dem Amselfeld wurde als Geschehnis von äußerster moralischer und religiöser Bedeutung interpretiert.Svetozar Koljević 1980: The Epic in the making. Clarendon Press, Oxford. S. 136. ISBN 0-19-815759-2 Konstantin behauptet, dass das Desaster durch Providentielle Intervention im Voraus abgemacht war – zuerst "erwehrten sich Lazars Männer und waren siegreich" jedoch war "dieses nicht die Zeit der Erlösung" und daher "hat der Sohn des [Türkischen] Zaren diese in der Schlacht wieder gefestigt und gewann, da Gott dies so wollte". Lazar starb "gekrönt mit den Lorbeeren eines Märtyrers" während seine Ritter eifrig baten "vor ihm getötet zu werden, um so nicht Zeuge seines Todes sein zu müssen". Der mutigste unter den Rittern – Miloš Obilić – "ein sehr nobler Mann" den "die Neider bei ihrem Meister verleumdeten und des Verrats anklagten" – bewies seine Loyalität und Mut, indem er den Türkischen Sultan Murad trotz der Verunglimpfungen seiner eigenen Landsleute tötete.Svetozar Koljević 1980: S. 156 Dieses Interpretation Konstantins findet sich dann später in weiteren Werken und wurde in der Turcica Memoiren eines Janitscharen Konstantins Mihajlovićs aus Ostrovica noch durch das Motiv der Uneinigkeit und des Verrats als Erklärung der Niederlage ergänzt.

Über den weiteren Ausbau der größten mittelalterlichen religiösen Konzepte wurden diese als Geschirr der Notwendigkeit zur Erklärung dessen, was als größte historische Katastrophe gesehen wurde, genommen, um danach im Zentrum der Legenden der serbischen Heldenepik zu stehen.Svetozar Koljević 1980: S. 158.

Lobpreisung Belgrads mini|Das Tor des Despoten, das Osttor der Oberstadt der heutigen Festung von Belgrad war unter Stefan Lazarević Haupteingang zum Schloss, welches in der Lobpreisung Belgrads durch Kostenezki aufgeführt wird Konstantins Lobpreisung Belgrads ist bis heute eine der bekanntesten und bei weitem die ausführlichste mittelalterliche Darstellung der Stadt, in der sich die Aufzählung von zahlreichen heute Großteils verlorenen Gebäuden findet, wie die einzelnen Funktionen der beiden Häfen, die verschiedenen Stadttore und neuerbauten Kirchen.

Die Große Beschreibung Belgrads durch Konstantin als Jerusalem gehört gleichzeitig zu den wichtigsten Stadt-Lobpreisungen der byzantinischen Kultur.Svetozar Radojčić 2008: Ideja o savršenom gradu u državi kneza Lazara i despota Stefana Lazarevića. Zograf, 32, 5–12 In der Lobpreisung wurde Belgrad damit zeitlich die letzte orthodoxe Stadt der Balkanhalbinsel, die – im letzten Moment – seine Lobpreisung bekommen hat. Diese laus Belgrads beendet die Laudes Konstantinopels, Thessalonikis, Kievs und Preslavs und ist gleichzeitig die erste Lobpreisung einer serbischen Stadt in serbischer Sprache.Svetozar Radojčić 2008, S. 10 Konstantin Kostenezki als Chronist seiner Zeit beschreibt und preist die großen Bauten Belgrads, wobei er sich dabei jedoch häufig in Vergleichen verliert, in denen er versucht Belgrad mit Jerusalem gleichzustellen.Svetozar Radojčić 2008: S. 10 Belgrad wird wie die großen religiösen Archetypen heiliger Städte – Jerusalem(Judentum/Christentum/Islam), Rom (Christentum) und Konstantinopel (Christentum/Islam) – als auf sieben Hügeln erbaut beschrieben. Er zählt diese sieben Hügel Belgrads auf, ist dabei jedoch wenig eindeutig. Konstantin bedient sich weiterhin zahlreicher Übertreibungen, von denen die Darstellung der Donau als Pischon, einem der vier Paradiesflüsse, dabei einer älteren Anschauung angehört und auf Diskussionen von Michael Psellos zurückgeschrieben wird, die Konstantin bekannt war.Svetozar Radojčić 2008, S. 10. Die serbische Residenz wird in einer Überleitung von den alten Paradiesflüssen in einer Blende auf die Neuerrichtung Belgrads an Save und Donau geographisch und topographisch sehr exakt beschrieben:

Alle diese Übertreibungen in den Vergleichen von Stefan mit Salomon und Belgrads mit Jerusalem sind Produkte der Byzantinischen Literatur, die sich auch noch in den späten Lobpreisungen Konstantinopels in gleichlautenden Parallelen fanden. So stehen die wenig maßvollen Epitheten auch in Nikephoros Kallistos Xanthopulos Lobpreisung Konstantinopels in einer überschwänglichen Lobung Andronikos II. als Bauherren, obwohl dieser nur ältere Kirchen erneuerte.Svetozar Radojčić 2008, S. 11

Belgrad, das nach dem Beispiel des von Konstantin dem Großen neubesiedelten Konstantinopels durch den „Apostelgleichen“ einen geregelten Bevölkerungszuwachs erhielt, wird in Vergleichen wie das „salomonische Jerusalem“, das „obere Jerusalem“ (Sion/Oberstadt mit dem Schloss Stefans) bzw. „niedere Jerusalem“ (Donau Unterstadt) gepriesen: