Nitteti ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio. Es wurde erstmals in der Vertonung von Nicola Conforto am 23. September 1756 zum Geburtstag Ferdinands VI. von Spanien in Madrid aufgeführt. Die Leitung hatte der Kastraten-Sänger Farinelli. Der Tenor Anton Raaff sang die Rolle des Amasi. Insgesamt wurde dieses Libretto von mehr als 30 Komponisten vertont.
Eine deutsche Übersetzung des Librettos von Johann Anton Koch erschien 1774 unter dem Namen Nittetis im sechsten Band seiner unvollendet gebliebenen Gesamtausgabe Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte.Johann Anton Koch: Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte, aus dem Italiänischen übersetzt. Sechster Band. Krauß, Frankfurt und Leipzig 1774 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum.
Handlung
In diesem Libretto verarbeitete Metastasio ein ägyptisches Sujet. Pharao Amasi (Ahmose II.) tritt auf Wunsch des Volkes die Nachfolge des abgesetzten Aprio (Apries) an und versucht, seinen Sohn Sammete (Psammetich III.) mit dessen Tochter Nitteti zu verheiraten, obwohl dieser die Schäferin Beroe liebt.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem von Nicola Conforto verwendeten Libretto, das 1756 in Mailand erschien.
Erster Akt
mini|links|Francesco Battaglioli: Finale der Oper Nitteti im Real Teatro del Buen Retiro, Musik von Nicolo Conforto, Madrid 1756
Schattiger Bereich der inneren Gärten im Palast von Kanopus an den Ufern des Nils mit Zugang zu verschiedenen Wohnungen
Am Horizont sieht man die Sonne aufgehen.
Der kyrenische Fürst Amenofi wartet ungeduldig auf seinen Freund Sammete, den Sohn des neuen Königs Amasis. Obwohl dessen Krönung unmittelbar bevorsteht, weilt Sammete noch bei seiner Geliebten, der Schäferin Beroe, der gegenüber er sich als Hirte Dalmiro ausgegeben hat. Schließlich kommt er und berichtet, dass Beroe zusammen mit einem anderen Mädchen von ägyptischen Soldaten entführt wurde. Schweren Herzens macht er sich auf den Weg zur Krönungsfeier. Die Soldaten bringen nun die gefangenen Frauen herbei. Bei der anderen handelt es sich um Nitteti, der Tochter des vorherigen Königs Aprio. Sie hatte sich aus Angst vor dem neuen König im Wald versteckt. Amenofi, der insgeheim in sie verliebt ist, versichert ihr, dass Amasi ihr keine Gewalt antun werde. Bubaste, der Anführer der Soldaten, ist bereits auf dem Weg zum König. Amenofi folgt ihm. Beroe ist besorgt, dass Dalmiro sie nun vergeblich im Wald suchen werde, aber Nitteti beruhigt sie. Nitteti verlässt sich auf Sammete, obwohl dieser ihre Liebe noch nicht erwidert. Bubaste meldet nun die Ankunft des Königs und schickt Nitteti zu ihm.
Sammete kommt in seiner eigenen Kleidung zu Beroe. Sie erkennt, dass ihr Geliebter Dalmiro in Wirklichkeit der Prinz selbst ist und fühlt sich missbraucht. Sammete bittet sie um Vergebung. Er habe sich nur verkleidet, um sicher zu gehen, dass sie ihn als Menschen und nicht als Prinzen liebe. Er werde sie nie verlassen. Die beiden versöhnen sich wieder. Beroe jedoch erkennt, dass sie in ihrer Freundin Nitteti eine Rivalin hat.
Großer Platz an den Stadtmauern von Kanopis, der feierlich für den Einzug und die Krönung des neuen Königs geschmückt ist
Auf der rechten Seite ein prächtiger hoher Thron, an dessen Seite Priester mit den heiligen goldenen Insignien. Im Hintergrund sieht man einen majestätischen Triumphbogen, außerdem einige große Hütten mit Musikern und Publikum. In der Ferne ist die siegreiche ägyptische Armee aufgestellt. Der neue König zieht in einem von Pferden gezogenen und mit militärischen Siegeszeichen geschmückten Triumphwagen ein. Ihm folgen Sprecher der Vasallenstaaten mit ihren jeweiligen Tributgaben, eine große Gruppe ägyptischer Adliger und Sklaven aus Äthiopien und anderen Ländern, Pagen mit Schirmen und farbigen Federn, festlich gekleidetes Volk und schließlich die königliche Wache und Soldaten mit den überlebenden feindlichen Gefangenen.
Pharao Amasi tritt, begleitet von Sammete und Amenofi, unter Klängen von Harmoniemusik, Pauken, Zithern und anderen Instrumenten auf und besteigt den Thron. Der Chor preist die Absetzung des Tyrannen. Bubaste beglückwünscht Amasi und präsentiert ihm Nitteti, das einzige Kind des vorigen Königs, als Kriegsbeute. Amasi ist entsetzt, eine Prinzessin so behandelt zu sehen. Er lässt sie sofort frei und übergibt sie seinem Sohn Sammete, damit er einen würdigeren Aufenthaltsort für sie finde. Sie geht in Begleitung von Sammete, Bubaste und einem Teil des Hofstaats. Auch Amenofi möchte ihr folgen, wird aber von Amasi aufgehalten. Amasi dankt ihm für seine Treue und übergibt ihm als Lohn das zuvor eroberte Kyrene. Anschließend zeigt er ihm ein Schreiben Aprios, nach dem dieser ihm den Thron freiwillig übergeben hat, damit er nicht als Raub in fremde Hände falle. Auf dem Sterbebett hat Aprio ihm das Versprechen abgenommen, seine Tochter Nitteti mit Sammete zu verheiraten. Jetzt fürchtet Amasi, seinen Schwur nicht erfüllen zu können, weil sein Sohn kein Interesse an ihr hat, sondern seine Zeit lieber im Wald oder auf der Jagd verbringt. Er bittet Amenofi daher, sich um Nitteti zu kümmern, damit sie attraktiver für Sammete wird. Amasi geht.
Amenofi rät Beroe, in ihre Heimat zurückzukehren, weil Dalmiro nun Nitteti heiraten müsse. Beroe bricht in Tränen aus, und Amenofi hat ähnliche Gefühle wegen seiner Liebe zu Nitteti. Nachdem er gegangen ist, kommt Sammete und entschuldigt sich bei Beroe für seine Verspätung. Er habe sich auf Wunsch seines Vaters um Nitteti kümmern müssen. Beroe ist gekränkt und will ihn verlassen, um in Einsamkeit zu sterben. Sammete aber versichert ihr, dass er nur sie liebe.
Zweiter Akt
Zimmerreihe im Palast
Beroe fürchtet, Sammete zu verlieren, weil seine Liebe nicht gegen die Macht seines königlichen Vaters bestehen kann. Die nun als Prinzessin gekleidete Nitteti berichtet ihr, dass ihr Vater Sammete inzwischen ihre Hand angeboten habe. Er aber habe abgelehnt. Sie vermutet, dass er in eine andere verliebt ist und wüsste gerne, in wen. Beroe gesteht ihr, dass sie es selbst ist und es sich bei Dalmiro und Sammete um ein und dieselbe Person handelt. Nitteti fühlt sich von ihrer Freundin verraten. König Amasi kommt zu ihnen. Er ist zornig über Sammetes Ablehnung, und Nitteti erzählt ihm von seiner Beziehung zu Beroe. Nachdem sie gegangen ist, will Amasi Beroe näher kennenlernen und unterhält sich mit ihr ausführlich über ihre Beziehung zu Sammete. Sie erzählt ihm, dass sie erst heute erfahren habe, dass es sich bei ihrem Geliebten in Wirklichkeit um Sammete handele. Ihre Liebe sei echt, aber sie hoffe nicht auf eine königliche Hochzeit und sei bereit, auf Sammete zu verzichten. Amasi ist beeindruckt von ihrer Rede und fragt sie, woher ihre gute Erziehung stammt. Sie antwortet, ihr Vater sei Hirte gewesen, der aber zuvor am Hofe Aprios gelebt habe. Amasi verspricht daraufhin, sie finanziell zu unterstützen und unter seinen Freunden einen würdigen Ehemann für sie zu suchen. Bereo hält das jedoch für Verrat an ihrer Liebe. Sie will ihr Leben der Göttin Isis weihen, um ihre Tage als heilige Jungfrau zu verbringen. Amasi ruft nun seinen Sohn hinzu und bittet ihn, Beroe anzuhören. Sammete ist erstaunt, dass sein Vater sein Verhältnis zu Beroe so gut aufgenommen hat. Beroe erklärt ihm jedoch, dass er sie um des Friedens willen verlassen müsse. Bubaste kommt, um sie zum Tempel zu begleiten.
Sammete ist außer sich. Als Nitteti kommt und ihn um Verzeihung dafür bittet, dass sie seinem Vater von Beroe erzählt hat, kann er ihr keine klaren Antworten geben. Er wird von Amenofi zu seinem Vater gerufen und verlässt den Raum. Nitteti befürchtet, dass Sammete verrückt geworden ist und bittet Amenofi, sich um ihn zu kümmern. Nachdem er gegangen ist, kommt Bubaste zurück. Er erzählt Nitteti, dass er Beroe zum Isis-Tempel gebracht habe, aber dann sei Sammete zu ihnen gestoßen und habe sich wie ein Wahnsinniger aufgeführt.
Der große Hafen von Kanopus mit Schiffen und Seeleuten
Sammete versucht Beroe gewaltsam zur Flucht zu bewegen. Sie werden von bewaffneten Männern begleitet. Beroe fleht ihn an, sie in den Tempel gehen zu lassen, aber Sammete will sie trotz eines drohenden Sturmes über das Meer fortführen. Beroe ruft um Hilfe, und es kommt zu einem Kampf zwischen Sammetes Leuten und den königlichen Soldaten. Inzwischen ist auch der Sturm ausgebrochen, und Blitze und Donner sowie das Tosen des Meeres mischen sich mit dem Kampfeslärm. Die königlichen Wachen gewinnen schließlich die Oberhand, und gegen Ende des Kampfes lässt auch der Sturm nach.
Beroe versucht, zum Tempel zurückzugelangen. Auf der linken Seite verteidigt sich Sammete noch gegen zwei Soldaten, aber von rechts nähert sich bereits Amasi mit Verstärkung. Beroe bittet Sammete, endlich nachzugeben und sich nicht länger den Sternen zu widersetzen. Schließlich lässt er sich entwaffnen. Er versichert seinem Vater, dass er ihm Respekt und Liebe entgegenbringe, aber Beroe nicht aufgeben könne. Trotz Beroes Bitten lässt Amasi Sammete einkerkern.
Dritter Akt
Flaches Land mit Blick auf die zu den königlichen Gärten führenden Loggien
Amasi hat einen eigenen Sohn zum Tode verurteilt. Erst nachdem Nitteti ihn um Gnade angefleht hat, gibt er nach und verspricht ihn freizulassen, sofern er jetzt bereit sei, Nitteti zu heiraten. Bubaste wird losgeschickt, um Sammete zu holen. Er muss nun zwischen dem Tod und der Hochzeit mit Nitteti wählen. Während sie warten, meldet Amenofi, dass der Priester der Isis eine Unterredung mit Amasi wünscht. Bubaste kommt zurück und berichtet, dass Sammete sich gegen die Hochzeit mit Nitteti entschieden habe. Amasi verbietet Amenofi und Bubaste zornig jede weitere Fürsprache für Sammete. Beroe jedoch verspricht, weiterhin alles zu versuchen, um Sammete umzustimmen. Mit einem Juwel als Zeichen der königlichen Zustimmung macht sie sich auf den Weg. Auch Amasi entfernt sich, um mit dem Isis-Priester zu sprechen. Bubaste wundert sich, dass der Priester seinen Tempel verlassen hat, was er sonst nie ohne den ausdrücklichen Willen der Götter tut.
Dunkler Boden eines alten Turms, der auf mehreren Seiten von rostigen Toren umgeben ist
In der Ferne sieht man eine breite verfallene Treppe.
Beroe beschwört Sammete, aufzugeben und Nitteti zu heiraten. Erst als sie einen Dolch zieht und mit Selbstmord droht, gibt er nach. Beroe eilt fort, um es dem König mitzuteilen. Nitteti weiß noch nichts von diesem Ergebnis. Sie kommt mit bewaffneten Gefolgsleuten zu Sammete, um ihn zur Flucht zu bewegen – was nun nicht mehr nötig ist. Schließlich wird Sammete von Bubaste abgeholt und zum König gebracht. Nitteti bleibt allein zurück.
Der reich geschmückte Palast von Kanopus
Eine für die Feier der Ankunft des neuen Königs prächtig ausgestattete und beleuchtete Treppe.