Die Tour de France 2016 war die 103. Austragung des wichtigsten Etappenradrennens der Welt. Sie startete am 2. Juli 2016 in Le Mont-Saint-Michel und endete nach 3.529 Kilometern verteilt auf 21 Etappen am 24. Juli 2016 auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris. Dabei wurden auch Abschnitte außerhalb des Mutterlandes Frankreich, in Spanien, der Schweiz und Andorra, ausgetragen. Insgesamt standen neun Flachetappen, zwei mittelschwere Etappen, acht Bergetappen mit vier Bergankünften und zwei Einzelzeitfahren auf dem Programm.
An der Tour de France 2016 nahmen 198 Fahrer aus 22 Radsportteams teil. Das Ziel in Paris erreichten 174 Rennfahrer. In der Gesamtwertung war der Brite Chris Froome aus der Mannschaft Sky ProCycling zum dritten Mal nach 2013 und 2015 erfolgreich. Er ist damit der erste Fahrer seit Miguel Indurain bei der Tour 1995, der seinen im Vorjahr errungenen Gesamtsieg wiederholen konnte. Auf den Plätzen zwei und drei folgten der Franzose Romain Bardet und der Kolumbianer Nairo Quintana.
In der Punktewertung siegte der Slowake Peter Sagan (Tinkoff) zum fünften Mal in Folge. Die Bergwertung konnte sein Mannschaftskamerad Rafał Majka aus Polen zum zweiten Mal nach 2014 gewinnen. Bester Nachwuchsfahrer wurde der Brite Adam Yates (Orica-BikeExchange). In der Mannschaftswertung siegte das spanische Movistar Team.
Ausgangslage Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes
Karte nach Teilnehmernationen 220px|zentriert
mini|links|Der Äthiopier Tsgabu Grmay ist der erste Rennfahrer aus seinem Land bei der Frankreich-Rundfahrt.
Für die Rundfahrt waren 198 Fahrer in 22 Mannschaften zu je neun Startern gemeldet. Die Teilnehmer stammten aus 35 Nationen. Das größte Kontingent stellte traditionell das Heimatland der Tour. Es nahmen 38 Franzosen an der Rundfahrt teil. Nach Frankreich folgten Spanien mit 18 Fahrern, die Niederlande mit 15, Belgien mit 14 und Italien mit 13 Startern. Zwölf Rennfahrer kamen aus Deutschland, jeweils neun aus Australien und der Schweiz. Außerdem waren vier Österreicher am Start der Tour de France 2016. Tsgabu Grmay aus der Lampre-Merida-Mannschaft war der erste Äthiopier bei der Tour.
Der am 14. Mai 1974 geborene Matteo Tosatto war mit 42 Jahren wie im Jahr zuvor der älteste Starter der Frankreich-Rundfahrt. Tossato ist über zwei Jahre älter als Greg Henderson, der am 10. September 40 Jahre alt wird und damit der zweitälteste Rennfahrer im Tour-Aufgebot war. Drittältester Sportler war in diesem Jahr Haimar Zubeldia mit 39 Jahren.
Am jüngsten im Starterfeld 2016 war der Norweger Sondre Holst Enger aus dem Schweizer IAM-Team, er wurde am 17. Dezember 1993 geboren und war zum Start der Rundfahrt damit 22 Jahre alt. Der jüngste Starter der Tour 2015, Merhawi Kudus, war noch einen Monat jünger als Holst Enger, wurde aber in diesem Jahr nicht nominiert. Zweitjüngster Starter im Feld war Luka Pibernik von Lampre-Merida, geboren am 23. Oktober 1993, gefolgt von Dylan Groenewegen aus den Niederlanden, geboren am 21. Juni 1993.
Das höchste Durchschnittsalter aller 22 Mannschaften wies das Team Lotto Soudal auf, die Rennfahrer im Tourkader waren dort im Durchschnitt 33 Jahre alt. Das jüngste Team war die Mannschaft Lampre-Merida mit einem mittleren Alter von 27 Jahren. Der durchschnittliche Rennfahrer bei der Tour de France 2016 war etwa 30 Jahre alt. In die Wertung um den besten Nachwuchsfahrer fielen in diesem Jahr 29 Sportler, rund 15 % des Feldes.
Der Franzose Sylvain Chavanel bestritt 2016 seine 16. Tour de France und hatte damit die meisten Tour-Starts aller Fahrer aus dem Feld vorzuweisen. Haimar Zubeldia kam auf 15 Starts, Thomas Voeckler nahm an seiner 13. Frankreich-Rundfahrt teil. Der Australier Adam Hansen hatte seit der Vuelta a España 2011 an jeder Grand Tour teilgenommen und auch jede Rundfahrt beendet. Mit der Tour 2016 bestritt er seine 15. große Landesrundfahrt in Folge bis zum Ende.
Mannschaften und Fahrer + Kurzübersicht der Mannschaften # C L Team 18 UCI WorldTeams 41–49 ALM 21–29 AST 91–99 BMC 81–89 CDT 101–109 DDD 181–189 EQS 121–129 FDJ 111–119 TGA 71–79 IAM 141–149 KAT 151–159 LAM 51–59 TLJ 161–169 LTS 11–19 MOV 201–209 OBE 1–9 SKY 31–39 TNK 61–69 TFS 4 UCI Professional Continental Teams 131–139 BOA 191–199 COF 171–179 DEN 211–219 FVC # – Startnummer; C – UCI-Code; L – Land
Automatisch startberechtigt waren die 18 UCI WorldTeams. Zusätzlich wurden vom Veranstalter ASO vier UCI Professional Continental Teams eingeladen.
Zwei Mannschaften änderten zur Tour de France ihre Namen. Die australische Mannschaft Orica GreenEdge wechselte den Sponsor und ging unter dem Namen Orica-BikeExchange an den Start. Das US-amerikanische Cannondale Pro Cycling Team erhielt einen Co-Sponsor und änderte seinen Namen in Cannondale-Drapac Pro Cycling Team. Drapac Capital Partners war seit 2006 Sponsor von Drapac Professional Cycling.
→ Start- und Ergebnisliste Die französische Mannschaft setzte mit dem bereits zweimal unter den besten Zehn platzierten Romain Bardet auf das Gesamtklassement. Im letzten Jahr war der Franzose Neunter in der Endabrechnung. Unterstützt wurde Bardet dabei unter anderem von Domenico Pozzovivo, der bisher vor allem beim Giro d’Italia Erfolge feiern konnte und 34-jährig erstmals bei der Frankreich-Rundfahrt startete. Weitere erfahrene Sportler im Mannschaftsaufgebot waren Cyril Gautier, Jan Bakelants, Samuel Dumoulin und Alexis Vuillermoz.
→ Start- und Ergebnisliste Kapitän der mit kasachischer Lizenz startenden und traditionell auf die Gesamtwertung ausgerichteten Mannschaft Astana war Fabio Aru, der die Vuelta a España 2015 gewann. Es war die erste Teilnahme des Italieners bei der Tour de France. Prominentester Helfer Arus war der Tour-Sieger von 2014 und Gewinner des Giro d’Italia 2016, Vincenzo Nibali. Unterstützt wurden die beiden außerdem von Jakob Fuglsang, der 2013 Gesamtsiebter werden konnte, vom mehrfachen Tour-Etappensieger Luis León Sánchez und dem 38 Jahre alten und 23-mal bei einer der großen Landesrundfahrten gestarteten Paolo Tiralongo.
→ Start- und Ergebnisliste Mit einer Doppelspitze aus Tejay van Garderen und Richie Porte startete die BMC-Mannschaft in die Tour de France 2016. Van Garderen war im Jahr 2012 bester Jungprofi der Tour und konnte die Frankreich-Rundfahrt 2012 und 2014 jeweils auf dem fünften Gesamtrang abschließen. Der erst zu Saisonbeginn von der Sky-Mannschaft gekommene Richie Porte war vor allem in der Vorsaison mit Siegen bei Paris–Nizza, der Katalonien-Rundfahrt und beim Giro del Trentino erfolgreich. Für Etappensiege kam Klassikerspezialist Greg Van Avermaet in Frage. In den Bergen waren unter anderem Damiano Caruso, Amaël Moinard, Brent Bookwalter und Marcus Burghardt als Helfer für die beiden Teamkapitäne tätig.
→ Start- und Ergebnisliste Das deutsche Professional Continental Team Bora-Argon 18 hatte als Ziel für die Tour de France 2016 das Herausfahren eines Etappensieges ausgegeben. In der Gesamtwertung sollten sich Emanuel Buchmann und Patrick Konrad aus Österreich unter den zwanzig Besten platzieren. Für den Etappenerfolg sollten auch Bartosz Huzarski, Jan Bárta oder der Sprinter Sam Bennett sorgen. Paul Voß und Andreas Schillinger waren neben Buchmann die weiteren Deutschen im Mannschaftskader.
→ Start- und Ergebnisliste Neuverpflichtung Pierre Rolland (bis zur letzten Saison beim Team Europcar) führte die Mannschaft als Kapitän in die Frankreich-Rundfahrt. Der zweimalige Tour-Etappensieger und Gewinner der Nachwuchswertung im Jahr 2011 wollte sich eine gute Platzierung im Gesamtklassement herausfahren, aber auch seine dritte Etappe bei der Rundfahrt gewinnen. In den Jahren 2011, 2012 und 2015 war Rolland bereits unter die besten Zehn der Tour de France gekommen. Rolland war mit seiner achten Teilnahme auch gleichzeitig der erfahrenste Tour-Fahrer im Aufgebot von Cannondale. Unterstützt wurde Rolland unter anderem von Lawson Craddock. Für einen Etappenerfolg hätte Ramūnas Navardauskas sorgen können.
→ Start- und Ergebnisliste Das französische Team war ursprünglich ganz auf Sprinter Nacer Bouhanni ausgerichtet, dem Geoffrey Soupe, Christophe Laporte, Jérôme Cousin, Cyril Lemoine und Borut Božič für den Sprintzug zur Seite gestellt waren. Am 29. Juni wurde bekannt, dass Bouhanni aufgrund einer Handverletzung, die er sich bei einem Streit mit Hotelgästen zugezogen hatte, nicht bei der Tour starten kann. Seinen Platz nahm Nicolas Edet ein, der gemeinsam mit Daniel Navarro, Arnold Jeannesson und Luis Ángel Maté in den Bergen zum Zug kommen sollte.
mini|Sprinter Mark Cavendish gewann bisher 26 Tour-Etappen.
→ Start- und Ergebnisliste Die Mannschaft Dimension Data nahm im letzten Jahr unter dem Namen MTN-Qhubeka mit einer Wildcard erstmals an der Tour de France teil. Bei der zweiten Teilnahme, als direkt eingeladenes UCI WorldTeam, sollte vor allem der 26-fache Tour-Etappensieger Mark Cavendish für Etappensiege bei Sprintankünften sorgen. Der Brite wechselte zur Saison 2016 gemeinsam mit seinem wichtigsten Anfahrer Mark Renshaw zur südafrikanischen Mannschaft. Die auf Bergetappen erfolgreich gewesenen Daniel Teklehaimanot (erster afrikanischer Träger des Gepunkteten Trikots 2015) und Serge Pauwels (13. Gesamtrang 2015) waren wieder im Mannschaftskader, genauso wie Stephen Cummings und Edvald Boasson Hagen, die schon Etappen der Frankreich-Rundfahrt gewinnen konnten.
→ Start- und Ergebnisliste Die französische Mannschaft, in den letzten Jahren unter dem Namen des ehemaligen Sponsors Europcar aufgetreten, hatte zur Tour den bis dahin erfolgreichsten Fahrer nach Etappensiegen, Bryan Coquard, im Aufgebot. Auf ihn sollten sich die Anstrengungen in den Flachetappen konzentrieren. Bisher war Coquard noch kein Etappenerfolg bei der Tour de France gelungen. Im Kader von Direct Énergie standen zudem zwei erfahrene und bekannte französische Radprofis: Sylvain Chavanel und Thomas Voeckler hatten beide bei der Tour schon Etappen gewonnen und das Gelbe Trikot getragen. Voecklers beste Platzierung im Gesamtklassement war ein vierter Rang aus dem Jahr 2011. Beide Fahrer sollten sich in Ausreißergruppen auf die Jagd nach Etappenerfolgen in den Bergen machen.
→ Start- und Ergebnisliste Wichtigste Personalie des belgischen Teams war Marcel Kittel, der die Tour-de-France-Sprintankünfte der Jahre 2013 und 2014 dominierte und in der Saison 2016 bis Tourbeginn zehn Siege einfahren konnte. Für die Formierung von Kittels Sprintzug waren Iljo Keisse, Maximiliano Richeze, Fabio Sabatini und Julien Vermote im Tour-Aufgebot von Etixx-Quick Step. Im bergigen Terrain sollten dann Daniel Martin und der erstmals bei einer großen Landesrundfahrt startende Julian Alaphilippe zum Zug kommen. Alaphilippe konnte in dieser Saison bereits die Kalifornien-Rundfahrt und die Nachwuchswertung des Critérium du Dauphiné für sich entscheiden. In den Zeitfahren und Bergetappen hatte außerdem Tony Martin Chancen auf vordere Platzierungen.
mini|Thibaut Pinot belegte im Jahr 2014 den dritten Gesamtrang.
→ Start- und Ergebnisliste Die Mannschaft startete mit zwei Schweizern und sieben Franzosen in die Tour de France 2016. Sie war in diesem Jahr auf die Gesamtwertung und Etappensiege in Bergetappen ausgerichtet, da der Sprinter Arnaud Démare nicht nominiert wurde. Im Gesamtklassement sollte sich Thibaut Pinot möglichst weit vorn platzieren. Pinot war 2014 als Gesamtdritter bester Nachwuchsfahrer der Frankreich-Rundfahrt und errang bisher dreimal eine Top-10-Platzierung bei Grand Tours. Im letzten Jahr konnte er eine Etappe gewinnen, wurde aber in der Endabrechnung nur 16. Zu den erfahrensten Helfern Pinots gehörten Jérémy Roy und William Bonnet, die ihre neunte bzw. achte Tour de France absolvierten.
→ Start- und Ergebnisliste