Mathieu van der Poel (* 19. Januar 1995 in Kapellen, Belgien) ist ein niederländischer Radrennfahrer, der auf der Straße, im Cyclocross, auf dem Mountainbike und im Gravel aktiv ist. Neben einem Weltmeistertitel auf der Straße, acht im Cyclocross und einem im Gravelrennen konnte er mit Mailand–Sanremo, Paris–Roubaix und der Flandern-Rundfahrt drei der fünf Monumente des Radsports gewinnen.
Sportlicher Werdegang
Kindheit und Junioren-Jahre Mathieu van der Poel wurde am 19. Januar 1995 im belgischen Kapellen geboren. Sein Vater Adrie van der Poel hatte als Radprofi mit der Flandern-Rundfahrt, Lüttich–Bastogne–Lüttich und dem Amstel Gold Race drei der prestigeträchtigsten Eintagesrennen des Straßenradsports gewonnen und war zudem 1996 Cyclocross-Weltmeister geworden. Seine Mutter ist die Tochter des Franzosen Raymond Poulidor, der die Tour de France dreimal auf dem zweiten Gesamtrang beendet hatte und als einer der größten Radsportler Frankreichs gilt. In seiner Kindheit betrieb Mathieu van der Poel zahlreiche Sportarten und spielte beim Fußballverein Willem II Tilburg. Im Alter von elf Jahren entschloss er sich jedoch, seinen Fokus auf den Radsport zu legen, wobei er von Anfang an in mehreren Disziplinen trainierte. Bereits in jungen Jahren wurden er und sein älterer Bruder von Christoph Roodhooft unterstützt, der die Geschwister mit Material versorgte.
In den Nachwuchsklassen (nieuwelingen) bestritt Mathieu van der Poel seine ersten nationalen Cyclocross-Rennen in der Saison 2009/2010, wobei er sich bei den niederländischen Meisterschaften nur dem ein Jahr älteren Erik Kramer geschlagen geben musste. Im Jahr darauf gewann er alle 29 Rennen, bei denen er gestartet war und wurde in Sint-Michielsgestel erstmals niederländischer Meister.
Mit der Saison 2011/2012 stieg Mathieu van der Poel in die Klasse der Junioren auf, wo er für den Club BOXX Veldritacademie seine ersten internationalen Cyclocross-Rennen bestritt. Nachdem er bei seinem ersten Rennen, dem Vlaamse Industrieprijs Bosduin, seinen ersten Sieg gefeiert hatte, belegte er kurz darauf bei der ersten Station der Superprestige-Serie in Ruddervoorde den dritten Rang. Der Sieg ging damals an den wenige Monate älteren Belgier Wout van Aert. Bei den nachfolgenden 24 Rennen ging van der Poel 23-mal als Sieger hervor. Zudem sicherte er sich die Gesamtwertungen des UCI-Cyclocross-Weltcups, der Superprestige-Serie und GVA Trofee. Darüber hinaus wurde er in Lucca Cyclocross-Europameister und krönte sich in Koksijde vor Wout van Aert erstmals zum Cyclocross-Weltmeister der Junioren. In der Saison 2012/2013 gewann Mathieu van der Poel alle 24 Cyclocross-Rennen, bei denen er an den Start gegangen war. Er entschied erneut die Gesamtwertungen der drei großen Rennserien für sich und wurde ein weiteres Mal Europa- und Weltmeister, wobei er sich bei letzterem Rennen mit fast einer Minute Vorsprung durchsetzte.
links|mini|220x220px|In Florenz wird Mathieu van der Poel Straßenrad-Weltmeister der Junioren (2013)
Neben seinen Erfolgen im Cyclocross-Sport, zeigte Mathieu van der Poel auch bereits in jungen Jahren auf der Straße auf. In seiner ersten Saison als Junior gewann er die Bergwertung der Trofeo Karlsberg und sicherte sich den Gesamtsieg bei der Ronde des Vallées. Bei seinen ersten Straßenradsport-Weltmeisterschaften im niederländischen Valkenburg belegte er im Sprint den neunten Rang. In seinem zweiten Junioren-Jahr war Mathieu van der Poel auf der Straße ähnlich erfolgreich wie in der vorangegangenen Cyclocross-Saison und gewann mit der Tour du Valromey, Trophée Centre Morbihan und dem Grand Prix Rüebliland drei Junioren-Rundfahrten. Zudem feierte er jeweils einen Etappensieg beim Course de la Paix Juniors und Grand Prix Général Patton und wurde erstmals nationaler Meister im Straßenrennen der Junioren. Am Ende der Saison 2013 ging er für die niederländische Nationalmannschaft bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften in Florenz an den Start. Nachdem er aufgrund von Rückenproblemen im Einzelzeitfahren nur den 50. Rang belegt hatte, griff er im Finale des Straßenrennens an und krönte sich so zum Junioren-Weltmeister.
Frühe Profi-Jahre Mit der Cyclocross-Saison 2013/2014 stieg Mathieu van der Poel in die Klasse U23 auf und unterschrieb seinen ersten Profi-Vertrag beim belgischen BKCP-Powerplus-Team, das unter der Leitung von Christoph Roodhooft stand. Von den 27 internationalen Rennen, die er in seiner ersten Saison als U23-Fahrer bestritt, gewann er elf, wobei er sich in der Gesamtwertung des UCI-Cyclocross-Weltcups und der Superprestige-Serie vor Wout van Aert durchsetzte, der bereits im Jahr zuvor in die U23-Klasse aufgestiegen war. Mathieu van der Poel musste sich dem Belgier jedoch in der Bpost bank trofee geschlagen geben und konnte ihm auch bei den Cyclocross-Weltmeisterschaften in seiner Heimat Hoogerheide nicht folgen. Als Dritter wies van der Poel damals einen Rückstand von mehr als einer Minute auf Wout van Aert auf. Während Mathieu van der Poel den Großteil der Saison in der Klasse U23 fuhr, ging er vereinzelt auch bei Rennen der Elite-Klasse an den Start und gewann die Boels Classic Internationale Cyclo-cross Heerlen. Auch auf der Straße bestritt er nun Rennen in der Elite-Klasse. Im Alter von erst 19 Jahren gewann er im Jahr 2014 die Ronde van Limburg und die Gesamtwertung der Baltic Chain Tour. In den nachfolgenden Saisonen legte er seinen Fokus jedoch vermehrt auf den Cyclocross-Sport.
mini|Mathieu van der Poel (vorne) und Wout van Aert (hinten)|links
Nach nur einem Jahr in der Klasse U23 wechselte Mathieu van der Poel mit der Cyclocross-Saison 2014/2015 in die Elite-Klasse. Bei seinem ersten Rennen, einem Wettkampf der Superprestige-Serie im niederländischen Gieten, setzte er sich vor seinem Landsmann Lars van der Haar durch. Im Anschluss konnte er jedoch mit dem Scheldecross und Waaslandcross nur zwei kleinere Rennen gewinnen, ehe er beim Nachtcross in Diegem ein weiteres Mal in der Superprestige-Serie erfolgreich war. Nachdem er erstmals niederländischer Meister der Elite-Klasse geworden war, siegte Mathieu van der Poel auch im UCI-Cyclocross-Weltcup und entschied den Wettkampf von Hoogerheide für sich. Am 1. Februar 2015 ging Mathieu van der Poel im Alter von 20 Jahren erstmals bei den Cyclocross-Weltmeisterschaften in der Elite-Klasse an den Start. Bereits in der ersten Runde des Kurses im tschechischen Tábor konnte er einen kleinen Vorsprung herausfahren, ehe er sich mit 15 Sekunden Vorsprung vor Wout van Aert zum jüngsten Cyclocross-Weltmeister aller Zeiten kürte. Im Regenbogentrikot gewann er am Ende der Saison den Krawatencross, die Boels Classic Internationale Cyclo-cross Heerlen und eine weitere Station der Superprestige-Serie, bei der er die Gesamtwertung für sich entschied.
In den vier nachfolgenden Saisonen dominierten Mathieu van der Poel und Wout van Aert den Cyclocross-Sport. In jener Zeit gewannen die beiden mehr als 90 % der ausgetragenen Rennen des UCI-Cyclocross-Weltcups und der Superprestige-Serie (59 von 65 Rennen). Mathieu van der Poel wurde dreimal Gesamtsieger der Superprestige-Serie (2016/2017, 2017/2018, 2018/2019), einmal Gesamtsieger des UCI-Cyclocross-Weltcup (2017/2018) und zweimal Gesamtsieger der X²O Badkamers Trofee (früher DVV Verzekeringen Trofee, 2017/2018, 2018/2019). Bei den Cyclocross-Weltmeisterschaften musste er sich jedoch dreimal in Folge seinem Rivalen Wout van Aert geschlagen geben, der in den Jahren 2016, 2017 und 2018 mit teils großen Vorsprüngen gewann. In der Saison 2018/2019 bestritt Mathieu van der Poel 33 internationale Rennen, von denen er mit zwei Ausnahmen alle für sich entschied. Während er beim Rapencross nach einem Sturz ausschied, konnte seine Dominanz in jenem Jahr nur beim Koppenbergcross gebrochen werden. Nachdem er zum zweiten Mal Cyclocross-Europameister geworden war, ging Mathieu van der Poel als Favorit bei den Weltmeisterschaften im dänischen Bogense an den Start. Nach vier von zwölf zu fahrenden Runden setzte er sich gemeinsam mit Wout van Aert von den restlichen Fahrern ab, ehe er wenig später auch den Belgier distanzierte und zum zweiten Mal Cyclocross-Weltmeister wurde.
Konzentration auf Mountainbike und Straßenradsport mini|Mathieu van der Poel fährt in Albstadt erstmals aufs Podest eines Mountainbike-Weltcup-Rennens (2017)
Neben den Cyclocross-Rennen im Winter ging Mathieu van der Poel auch weiterhin bei Straßenrennen und ab dem Jahr 2016 auch bei Mountainbike-Rennen an den Start. In der Saison 2016 bestritt er seine ersten Cross-Country (XCO) Wettkämpfe im UCI-Mountainbike-Weltcup, wobei er anfangs keine Top-Platzierungen einfahren konnte. Ein Jahr später stand er in Albstadt erstmals als Zweiter auf dem Podest und musste sich nur dem damals vierfachen Weltmeister Nino Schurter geschlagen geben. Mit der Einführung der kürzeren Short-Track-Wettbewerbe (XCC) im Jahr 2018 folgten die ersten Siege des Niederländers, der mit Albstadt, Val di Sole und La Bresse drei Wettkämpfe der neuen Disziplin gewinnen konnte. Weiter stand er auch bei drei XCO-Rennen auf dem Podest und holte bei seinen ersten Mountainbike-Weltmeisterschaften in Lenzerheide hinter Nino Schurter und Gerhard Kerschbaumer die Bronzemedaille. Auf der Straße ging Mathieu van der Poel zu jener Zeit mit seiner Beobank-Corendon-Mannschaft (später Corendon-Circus) noch bei kleineren Rennen an den Start. Er gewann jedoch in den Jahren 2017 und 2018 zwei Mal die Boucles de la Mayenne, sowie Etappen des Arctic Race of Norway, die Ronde van Limburg und Dwars door het Hageland. Bei der Belgien-Rundfahrt 2017 setzte er sich im Sprint vor Philippe Gilbert und Wout Van Aert durch, der nun ebenfalls vermehrt Straßenrennen bestritt. Nachdem Mathieu van der Poel im Jahr 2018 erstmals niederländischer Meister im Straßenrennen geworden war, ging er bei den Straßenradsport-Europameisterschaften in Glasgow an den Start. Gemeinsam mit Wout van Aert fuhr er in der Spitzengruppe, ehe er sich im Sprint dem Italiener Matteo Trentin knapp geschlagen geben musste.
mini|Mit Dwars door Vlaanderen gewinnt Mathieu van der Poel erstmals ein Rennen der UCI WorldTour
Im Jahr 2019 erhielt die Mannschaft Corendon-Circus eine Einladung zur Flandern-Rundfahrt, einem der fünf Monumente des Radsports. In Vorbereitung auf das Rennen gewann Mathieu van der Poel eine Etappe der Tour of Antalya und den Grand Prix de Denain, der teilweise auf den Kopfsteinpflaster-Sektoren von Paris–Roubaix ausgetragen wird. Nachdem van der Poel bei Gent–Wevelgem auf Rang vier gesprintet war, griff er bei Dwars door Vlaanderen 65 Kilometer vor dem Ziel an, wodurch sich eine kleine Ausreißergruppe bildete. Im Sprint setzte er sich gegenüber dem Franzosen Anthony Turgis durch und gewann so sein erstes Rennen der UCI WorldTour, die die höchste Rennserie im Straßenradsport darstellt. Vier Tage später ging Mathieu van der Poel als Mitfavorit bei der Flandern-Rundfahrt an den Start und belegte im Sprint aus der ersten größeren Gruppe den vierten Rang. Nachdem er kurze Zeit später den Pfeil von Brabant im Sprint vor Julian Alaphilippe gewonnen hatte, nahm er mit dem Amstel Gold Race das größte niederländische Straßenrennen in Angriff. Van der Poel hatte versucht, sich zunächst 45 Kilometer vor dem Ziel abzusetzen, ehe sich mit Julian Alaphilippe, Michał Kwiatkowski und Jakob Fuglsang drei Fahrer von der Favoritengruppe lösten, die drei Kilometer vor dem Ziel einen Vorsprung von 40 Sekunden aufwiesen. Nachdem Mathieu van der Poel maßgeblich dazu beigetragen hatte, die erste Verfolgergruppe an das Spitzentrio heranzuführen, eröffnete er den Sprint 300 Meter vor dem Ziel, schloss die verbliebenen Meter und gewann sein zweites WorldTour-Rennen.
mini|Mathieu van der Poel gewinnt die Tour of Britain 2019