Wout van Aert (* 15. September 1994 in Herentals) ist ein belgischer Radrennfahrer, der Cyclocross- und Straßenrennen bestreitet. Er wurde in den Jahren 2016, 2017 und 2018 Cyclocross-Weltmeister und konnte mit Mailand–Sanremo 2020 sowie Paris–Roubaix 2026 zwei Monumente des Radsports gewinnen. Zudem feierte er zwischen 2019 und 2025 zehn Etappensiege bei der Tour de France und sicherte sich im Jahr 2022 die Punktewertung.

Werdegang

Kindheit und Junioren-Jahre Wout van Aert wurde in Belgien als Sohn niederländischer Eltern geboren. Sein Name enthält deshalb, anders als in Belgien üblich, wie in den Niederlanden ein kleingeschriebenes „van“ anstelle eines großgeschriebenen „Van“. Im Alter von acht Jahren fuhr er sein erstes Radrennen.

Im Alter von 16 Jahren bestritt Wout van Aert seine ersten Cyclocrossrennen in der Junioren Klasse. Nachdem er in der Saison 2010/2011 ohne Mannschaft an den Start gegangen war, wurde er am 1. September 2011 Mitglied des Young Telenet-Fidea Cycling Teams, das als Farmteam von Telenet-Fidea diente. In der Saison 2011/2012 gewann er mit dem Superprestige-Bewerb von Ruddervoorde sein erstes Rennen. Dabei setzte er sich vor dem Franzosen Quentin Jauregui und dem Niederländer Mathieu van der Poel durch. Obwohl er bei allen nachfolgenden Rennen, mit Ausnahme des Weltcups von Liévin, in die Top 10 fuhr und elf Mal auf dem Podest stand, konnte er mit dem Fidea Cyclo-cross Leuven jedoch nur ein weiteres Saisonrennen gewinnen. Bei seinen ersten Cyclocross-Europameisterschaften verpasst er als Vierter eine Medaille, ehe er sich bei seinen ersten Weltmeisterschaften in Koksijde nur Mathieu van der Poel geschlagen geben musste.

Frühe Cyclocross-Jahre Im Gegensatz zu dem im Januar 1995 geborenen Mathieu van der Poel, stieg Wout van Aert in der Saison 2012/2013 in die Klasse U23 auf. Mit dem Jahreswechsel wurde er Mitglied beim Telenet-Fidea Team, bei dem er seinen ersten Vertrag erhielt. Seine ersten Siege feierte er bei den Superprestige-Stationen von Zonhoven, Gavere und Gieten, ehe er mit dem Internationale Sluitingsprijs sein letztes Saisonrennen gewann. Nachdem er bei den Europameisterschaften Fünfter geworden war, belegte er im US-amerikanischen Louisville bei den Weltmeisterschaften hinter Mike Teunissen und Wietse Bosmans den dritten Rang. Zudem ging er in jener Saison als Gesamtsieger der Superprestige-Serie hervor.links|mini|Wout van Aert im Trikot des Führenden des UCI-Cyclocross-Weltcups (2015)|315x315pxNachdem er bereits im Frühjahr des Jahres 2013 erstmals an einem Elite-Rennen teilgenommen hatte, startete Wout van Aert beim Elite-Wettbewerb des CrossVegas in die Saison 2013/2014. Dabei belegte er den fünften Platz. Vorrangig bestritt er jedoch weiterhin U23 Rennen und feierte zwölf Saisonsiege. Beim Cyclocross de Namur Citadelle war er dabei erstmals in einem Rennen des UCI-Cyclocross-Weltcups erfolgreich. Nachdem er bei den Europameisterschaften als Vierter erneut eine Medaille verpasst hatte und bei den belgischen Meisterschaften wegen eines Frühstarts disqualifiziert worden war, krönte sich Wout van Aert im niederländischen Hoogerheide erstmals zum U23 Weltmeister. Er gewann das Rennen mit einem Vorsprung von fast einer Minute vor Michael Vanthourenhout und Mathieu van der Poel. Nach zwei Jahren bei der Telenet-Fidea Mannschaft wechselte Wout van Aert zum neu gegründeten Vastgoedservice-Golden Palace Team. Zu Beginn der Saison 2014/2015 ging er in der Superprestige-Serie und im UCI-Cyclocross-Weltcup weiterhin in der Klasse U23 an den Start, fuhr die Bpost Bank Trofee jedoch bereits in der Elite Klasse. Beim Koppenbergcross setzte er sich im Alter von 20 Jahren vor Sven Nys durch und gewann so sein erstes Cyclocross-Eliterennen. Tags drauf siegte er zum zweiten Mal bei der U23 Austragung des Cyclocross Zonhoven, ehe er eine Woche später U23 Europameister im deutschen Lorsch wurde. Am 22. November 2014 ging Wout van Aert beim Duinencross Koksijde erstmals bei einem Elite-Wettbewerb des UCI-Cyclocross-Weltcup an den Start. Bereits in der zweiten Runde setzte er sich gemeinsam mit Mathieu van der Poel von den restlichen Fahrern ab, ehe er auch den Niederländer distanzierte und mit einem Vorsprung von 41 Sekunden gewann. Im Anschluss kehrte er jedoch in die Klasse U23 zurück und unterlag Mathieu van der Poel nach mehreren Siegen beim Weltcup in Hoogerheide, seinem letzten Wettbewerb vor den Weltmeisterschaften im tschechischen Tábor. Bei den Weltmeisterschaften gingen Wout van Aert und Mathieu van der Poel erstmals in der Elite-Klasse an den Start und zählten trotz ihres jungen Alters zu den Favoriten. Bereits in der ersten Runde konnten die beiden einen kleinen Vorsprung herausfahren, doch wenig später musste Wout van Aert seinen Konkurrenten ziehen lassen. Schlussendlich belegte er mit einem Rückstand von 15 Sekunden den zweiten Platz, nachdem er sich im Sprint vor Lars van der Haar durchgesetzt hatte. Am Ende der Saison ging Wout van Aert nur noch bei Rennen der Elite-Klasse an den Start und gewann die Gesamtwertung der Bpost Bank Trofee mit einem Vorsprung von rund sechs Minuten. Insgesamt konnte er in der Saison 2014/2015 17 Siege einfahren, von denen er elf in der Elite-Klasse holte.

Cyclocross-Weltmeistertitel mini|Wout van Aert (vorne) und Mathieu van der Poel (hinten)|links|315x315px Ab der Saison 2015/2016 dominierten Wout van Aert und Mathieu van der Poel den Cyclocross-Sport. In den nachfolgenden vier Saisonen gewannen die beiden mehr als 90 % der ausgetragenen Rennen des UCI-Cyclocross-Weltcups und der Superprestige-Serie (59 von 65 Rennen). In der Saison 2015/2016 triumphierte Wout van Aert in den Gesamtwertungen des UCI-Cyclocross-Weltcups, der Superprestige-Serie und der Bpost Bank Trofee und konnte somit die drei großen Rennserien des Cyclocross-Sports in einer Saison für sich entscheiden. Weiters gewann er 17 von 33 Rennen und stand mit Ausnahme von drei Wettkämpfen immer auf dem Podium. Sein bis dahin größter Triumph gelang ihm bei den Weltmeisterschaften im belgischen Heusden-Zolder, wo er sich bei regnerischen Bedingungen knapp vor Lars van der Haar durchsetzte und mit 21 Jahren erstmals das Regenbogentrikot überstreifte. Weiters wurde Wout van Aert in seiner bis dahin erfolgreichsten Cyclocross-Saison belgischer Meister und Vize-Europameister.

Die erste Hälfte der Saison 2016/2017 bestritt er für sein bisheriges Team, das zwischenzeitlich unter dem Namen Crelan-Vastgoedservice fuhr, ehe er mit dem Jahreswechsel Teil der neugegründeten Vérandas-Willems-Crelan-Mannschaft wurde. Nun konnte er als Teil eines UCI Professional Continental Team auch an größeren und bekannteren Straßenrennen teilnehmen, wobei sein Fokus zunächst auf dem Cyclocross-Sport blieb. In der Saison 2016/2017 gewann Wout van Aert 17 Cyclocross-Rennen und sicherte sich die Gesamtwertung des UCI-Cyclocross-Weltcups und der DVV Trofee (ehemals Bpost Bank Trofee). Bei den Europameisterschaften gewann sein Landsmann Toon Aerts, während er sich im Sprint um Platz zwei Mathieu van der Poel geschlagen geben musste. Nach seinem zweiten belgischen Meistertitel reiste er als Vorjahressieger zu den Weltmeisterschaften im luxemburgischen Beles, wo er seinen Titel verteidigte und sich mit einem Vorsprung von 44 Sekunden vor Mathieu van der Poel durchsetzte.

In der Saison 2017/2018 konnte Wout van Aert nur neun seiner 32 Cyclocross-Rennen gewinnen und unterlag Mathieu van der Poel in den drei großen Rennserien. Bei den Weltmeisterschaften im niederländischen Valkenburg setzte sich jedoch der zwischenzeitlich 23-jährige Belgier durch und holte so seinen dritten Titel in Folge. Auf dem schwer zu fahrenden Kurs setzte er sich bereits früh ab und gewann schlussendliche mit einem Vorsprung von mehr als zwei Minuten, was dem größten Zeitunterschied seit dem Jahr 1979 entsprach.

Anfänge im Straßenradsport mini|van Aert gewinnt Schaal Sels Wout van Aert bestritt bereits als Junior seine ersten Straßenrennen, fokussiert sich zunächst jedoch vermehrt auf den Cyclocross-Sport. Im Jahr 2016 gewann er den Prolog der Belgien-Rundfahrt und belegte den achten Gesamtrang, wodurch er erstmals seine Fähigkeiten auf der Straße zeigte. Weiters gewann er im selben Jahr das Eintagesrennen Schaal Sels und wurde im Alter von 21 Jahren Neunter der belgischen Meisterschaften. Nach seinem Wechsel zur Vérandas-Willems-Crelan-Mannschaft konnte er im Jahr 2017 die Ronde van Limburg, den Grand Prix Cerami und die Bruges Cycling Classic für sich entscheiden, wobei er sich bei letzterer im Sprint vor dem Niederländer Mathieu van der Poel durchsetzte, der auch zusehends mehr Rennen auf der Straße bestritt. Weiter ging er mit der BinckBank Tour erstmals bei einem Etappenrennen der UCI WorldTour an den Start. mini|Mathieu van der Poel, Matteo Trentin und Wout van Aert (v. l. n. r.) bei den Straßenradsport-Europameisterschaften 2018 Im Jahr 2018 bestritt Wout van Aert mehrere Frühjahresklassiker und zeigte mit mehreren guten Resultaten auf. Nach seinem Debüt beim Omloop Het Nieuwsblad ging er bei der Strade Bianche an den Start und stand hinter Tiesj Benoot und Romain Bardet als Dritter auf dem Podest. Bei Gent–Wevelgem sprintete er auf den zehnten Rang, ehe er mit der Flandern-Rundfahrt sein erstes Monument des Radsports bestritt. Er erreichte das Ziel mit der ersten größeren Gruppe und belegte schlussendlich den neunten Rang. Eine Woche später wurde er 13. bei Paris–Roubaix. Das Rennen wurde jedoch vom Tod seines Teamkollegen Michael Goolaerts überschattet, der aufgrund eines Herzinfarkts verstarb. Nachdem er die Österreich-Rundfahrt bestritten hatte, gewann Wout van Aert nach einem Etappensieg die Gesamtwertung der Dänemark-Rundfahrt. Am Ende der Straßen-Saison ging er für die belgische Nationalmannschaft bei den Straßenradsport-Europameisterschaften in Glasgow an den Start und war Teil der Spitzengruppe, die um den Sieg sprintete. Wout van Aert belegte den dritten Platz und musste sich nur dem Italiener Matteo Trentin und Mathieu van der Poel geschlagen geben.

Aufgrund seiner guten Leistungen unterschrieb Wout van Aert bereits im Juli 2018 einen ab 2020 gültigen Dreijahresvertrag beim niederländischen UCI WorldTeam LottoNL-Jumbo (später Jumbo-Visma). Bis dahin sollte er bei der Vérandas Willems-Crelan-Mannschaft bleiben, die jedoch im August 2018 die Fusion mit dem Roompot-Nederlandse Loterij Team bekanntgab. Trotz seines laufenden Vertrags verließ Wout van Aert daraufhin seine aktuelle Mannschaft, was ihm durch die Union Cycliste Internationale freigestellt wurde. Zwischen den Beteiligten blieb diese Frage vor einem belgischen Gericht Gegenstand eines Rechtsstreits, bei dem Teammanager Nick Nuyens vor einem Arbeitsgericht in Mechelen Schadensersatz in Höhe von 1.150.000 Euro einklagte. Die Klage wurde im November 2019 abgewiesen.

2019: Wechsel zu Jumbo-Visma mini|Wout van Aert im Weißen Trikot bei der Tour de France 2019