Die Bayraktar TB2 () ist eine für mittlere Höhen und lange Flugdauer (MALE) ausgelegte Kampf- und Aufklärungsdrohne (UCAV). Sie wurde vom türkischen Unternehmen Baykar entwickelt und wird seit 2016 bei den türkischen Streitkräften eingesetzt. Aufgrund ihres Kampfeinsatzes rückte die Drohne verschiedentlich in den Blick der Weltöffentlichkeit, so bei Konflikten in Aserbaidschan, Syrien, Libyen und in der Ukraine, bei denen jeweils Videos in den sozialen Medien weite Verbreitung fanden, die zeigten, wie die Kampfdrohne Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Boote und Boden-Luft-Raketenabwehrsysteme zerstörte. Bis Juli 2023 wurden über 500 Bayraktar-TB2-Drohnen hergestellt.
Drohne und Bewaffnung Name, Entwickler und Hersteller mini|Bayraktar TB2 bei ersten Testversuchen
Die Bayraktar TB2 wurde vom Unternehmen Baykar entwickelt. Bayraktar ist der Name des 2021 verstorbenen Firmengründers Özdemir Bayraktar, der türkische Ausdruck bayraktar bedeutet auf Deutsch auch „Fahnenträger“. Geschäftsführer ist Haluk Bayraktar. Sein jüngerer Bruder Selçuk Bayraktar ist technischer Direktor des Unternehmens, gilt als treibende Kraft hinter dem Drohnenprogramm und ist ein Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Selçuk Bayraktar hatte die Bayraktar TB2 und ihre Vorgängerversionen insbesondere für den Einsatz im Guerillakrieg entwickelt. Die erste von Selçuk Bayraktar entwickelte Drohne kam zur Überwachung von PKK-Milizen im ostanatolischen Bergland zum Einsatz. 2016 erfolgte dann der erste Beschuss einer PKK-Stellung in der Osttürkei durch eine Bayraktar TB2.
Drohne
Die vollautonome Drohne kann 24 Stunden ohne Unterbrechung in der Luft bleiben und erreicht eine Flughöhe von 7300 Metern. Sie kann im autonomen Modus ohne Bodensteuerung eines Koordinators starten, zu einem programmierten Ziel fliegen, es ausspähen, zurückkehren und selbständig landen. Ende November 2014 wurden den türkischen Streitkräften nach erfolgreich absolvierter Testphase sechs Drohnen und zwei Kontrollzentren geliefert. Die Drohne wird nach NATO-Normen gebaut, auch die Wartung erfolgt nach deren Vorgaben. Für NATO-Mitglieder wie Polen und Ungarn ist das ein wichtiger Kaufanreiz.
Die in der Bayraktar TB2 eingesetzte Elektronik stammt Medienangaben zufolge in weiten Teilen aus den USA und Kanada. Die Flugmotoren wurden ursprünglich von dem in Gunskirchen (Österreich) ansässigen Unternehmen BRP-Rotax produziert. Das Unternehmen stellte nach öffentlichem Diskurs im Herbst 2020 die Lieferung von Flugzeugtriebwerken in „Länder mit unklarer Nutzung“ ein und erklärte 2022 gegenüber Medien, seine Flugmotoren würden „ausschließlich für die zivile Nutzung hergestellt, konstruiert oder zertifiziert“. Das Unternehmen versuche, die Verwendung der Motoren „in Konfliktsituationen in Zukunft zu verhindern“. Nachdem die Auslieferung der von Rotax hergestellten 912er Motoren für die Nutzung in der Bayraktar TB2 gestoppt wurde, reagierte Baykar Defense auf diese Einschränkungen mit der Verwendung des vom türkischen Unternehmen TEI (TUSAŞ Motor Sanayii A.Ş./Tusaş Engine Industries) produzierten Motors des Typs PD170. Das Argos-II-HDT-Zielerfassungssystem stammt von der deutschen Firma Hensoldt.
Der Kaufpreis der TB2 ist geringer als der US-amerikanischer oder israelischer DrohnenRainer Hermann, Drohnenmacht Türkei, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Oktober 2021. und wird als niedriger eingeschätzt als der der größeren chinesischen Wing Loong. Neben Berichten von erfolgreichen Militäreinsätzen trug auch der vergleichsweise geringe Anschaffungspreis von rund 2 Millionen Euro zum Erfolg der Drohne bei. Ermöglicht wurde die Begrenzung des Preises unter anderem dadurch, dass auch Komponenten aus anderen Industriezweigen verbaut wurden, wie Kleinflugzeugmotoren für den Antrieb und ein ursprünglich für Autos entwickeltes GPS.
Bewaffnung
Die Drohne kann im Kampfeinsatz mit bis zu vier lasergelenkten Mini-Bomben der Typen MAM-L (22 kg) und MAM-C (6,5 kg) oder mit der L-UMTAS-Rakete (37,5 kg) ausgerüstet werden. abgerufen am 16. Mai 2023. Medienangaben zufolge sollen an der Entwicklung der Präzisionsraketen des türkischen Herstellers Roketsan, die nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums in der Türkei gefertigt werden, auch deutsche Unternehmen wie die in Bayern ansässige Firma TDW beteiligt gewesen sein.
Im Dezember 2015 wurde der erfolgreiche Abwurf einer MAM-L-Luft-Boden-Gleitbombe mit Lasersteuerung von einer Bayraktar-TB2-Drohne vermeldet.
Im Juni 2023 wurde bekanntgegeben, dass die Bayraktar TB2 in Zukunft den Kemankeş Marschflugkörper tragen kann. Ein erster Testflug sowie der Abwurf des Marschflugkörpers wurden erfolgreich im Juli 2023 durchgeführt.Die Türkei testet Bayraktar TB2 mit einem neuen Kemankes-Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 200 km und einer Geschwindigkeit von bis zu 720 km/h – gagadget.com.
An vier verschiedenen Aufhängepunkten können die folgenden Waffen mitgeführt werden: UMTAS (Luft-Boden-Rakete) L-UMTAS MAM-L Smart Micro Munition (MAM-C, MAM-L, MAM-T) CIRIT 70 mm lasergelenkte Rakete TUBITAK-SAGE Bozok Lasergelenkte Rakete TUBITAK-SAGE Togan Luft zu Boden / 81mm Mörsergranate TUBITAK-SAGE Kuzgun Modular Joint Ammunition Kemankeş
Technische Daten
Kenngröße Daten Länge 6,5 m Spannweite 12 m Höhe 2,2 m Leermasse 420 kg max. Startmasse 700 kg Nutzlast 150 kg Höchstgeschwindigkeit Marschgeschwindigkeit Dienstgipfelhöhe Reichweite 150 km max. Flugdauer 27 h Antrieb offiziell TEI PD170 (ursprünglich ein Rotax-912-Motor mit )
Einsatz Seit 2016 wurde die Drohne bei den türkischen Streitkräften durch Kampferprobung gegen die inländische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), deren Rückzugsräume in den Nachbarländern und die syrischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zur Marktreife verbessert.
Aufgrund der ihr zugeschriebenen Erfolge im Kampfeinsatz rückte die Bayraktar-TB2-Drohne verschiedentlich in den Blick der Weltöffentlichkeit, so bei Konflikten in Aserbaidschan, Syrien, Libyen und in der Ukraine, bei denen jeweils Videos in den sozialen Medien weite Verbreitung fanden, die zeigen sollten, wie die Kampfdrohne russische Rüstungsgüter zerstörte. Eine ausführliche Analyse im Wall Street Journal kam 2021 zu dem Ergebnis, dass der Einsatz der Bayraktar TB2 nicht nur direkte militärtaktische Wirkung in militärischen Konflikten gehabt, sondern auch geopolitisch Einfluss auf das strategische Gleichgewicht zwischen Ländern wie der Türkei und Russland ausgeübt habe. In Stellvertreterkriegen in Syrien, Libyen und Aserbaidschan habe der Einsatz der Bayraktar-TB2-Drohnen demzufolge zur Zerstörung zahlreicher Panzer und Flugabwehrstellungen „russischer Proteges“ geführt. So habe der Bayraktar-TB2-Einsatz 2020 in Libyen maßgeblich die Kriegslage gegen den von Russland unterstützten Chalifa Haftar gewendet und im selben Jahr die Kräfteverhältnisse im Bergkarabach-Konflikt in Aserbaidschan zuungunsten der von Russland unterstützten Streitkräfte Armeniens verschoben. Dort mit Verweis auf:
Beim Überfall Russlands auf die Ukraine trug der Einsatz der Bayraktar TB2 nach bisheriger Expertenmeinung dazu bei, dass sich das ukrainische Militär zunächst trotz waffentechnischer Unterlegenheit gegen das russische Militär behaupten konnte (Stand: April 2022) und die Bayraktar-TB2-Drohne wurde auf Seite der Ukraine zum Symbol des Widerstands gegen den Angriff Russlands.
Das Waffensystem Bayraktar TB2 erwarb sich beim Einsatz in Konflikten in Syrien, in Libyen, in Berg-Karabach und in der Ukraine den Ruf einer Wunderwaffe und nahm die Spitzenposition im weltweiten Rüstungsexportschub der Türkei ein.
Konflikt zwischen der Türkei und der PKK in der Türkei und im Nordirak Im eigenen Land sowie im Nordirak setzten die türkischen Streitkräfte die Bayraktar TB2 im Kampf gegen die Milizen der seit 1984 gegen den türkischen Staat kämpfenden PKK ein, die von der Türkei, Deutschland, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird.
Die Verwendung der relativ leisen, auch nachts und aus großer Höhe zur Überwachung einsetzbaren Drohnen durch die türkische Armee anstelle von Kampfflugzeugen und Hubschraubern erschwerte es den PKK-Kämpfern, sich in den Gebirgsregionen im Südosten der Türkei zu verbergen und dort weiterhin verhältnismäßig frei zur Vorbereitung von Angriffen auf zivile und militärische Ziele zu operieren.
Im Nordirak erfolgt der Kampf der Türkei gegen die PKK, die ihr Hauptquartier zu Beginn der 1990er Jahre in die nordirakischen Kandil-Berge verlegt hatte und dort seit 1992 mit Erlaubnis des Iraks und seit 1998 mit Unterstützung der beiden größten kurdischen nordirakischen Parteien von der Türkei bekämpft werden kann, inzwischen (Stand: 2021) vorwiegend durch Bayraktar-TB2-Kampfdrohnen und ohne Bodentruppen. Unter den 37 Militärbasen (Stand: 2021) im Irak, die die Türkei mit Erlaubnis der eng mit der Türkei kooperierenden Regierung der Autonomen Region Kurdistan betreibt, befinden sich nach Angaben der Menschenrechtsorganisation CPT auch diejenigen, die die Bayraktar-TB2-Kampfdrohnen lenken. Nach Angaben der Luftkriege analysierenden Nichtregierungsorganisation Airwars kamen im Jahr 2020 auch zwischen 27 und 33 Zivilisten (ohne Angabe zur eingesetzten Luftwaffengattung) zu Tode. Laut einer Pressemitteilung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurde die Verletzung von mindestens sechs Zivilisten in der kleinen irakischen Ortschaft Kuna Masi (Bezirk Sharbazher) am 25. Juni 2020 vom Bezirksverwalter Sharbazhirs auf einen Luftangriff zurückgeführt, Dort mit Verweis auf: bei dem es sich laut dem nordkurdistanischen Medienunternehmen Rûdaw um einen Präzisionsraketenangriff einer türkischen Kampfdrohne gehandelt habe. Dort mit Verweis auf: Laut HRW soll der Angriff auf Kämpfer der iranischen PKK-Schwesterorganisation Partei für ein Freies Leben in Kurdistan (PJAK) abgezielt haben, wobei nach Angaben des Bezirksverwalters von Sharbazhir ein PJAK-Kämpfer getötet und laut HRW drei weitere PJAK-Kämpfer verletzt worden waren.
Während des Einsatzes im innertürkischen Konflikt mit kurdischen Aufständischen wurden die Kampfdrohnen ausführlich erprobt. Die Testserien im Südosten der Türkei wurden von 2005 bis 2009 von Özdemir Bayraktar, dem Entwickler der Drohnentechnologie, geleitet. Nach Einschätzung von Verteidigungsexperten konnte die Rüstungsindustrie der Türkei die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Feldeinsatz der Drohnen im Konflikt der Türkei mit der PKK für die fortlaufende Ausreifung dieser Waffentechnologie nutzen, womit seinerseits erfolgreich eine internationale Marktaufwertung der nun als kampferprobt geltenden türkischen Rüstungsgüter und im Zuge dessen eine hohe Steigerung von Ausfuhrgeschäften mit Rüstungsgütern und Fluggeräten erreicht worden sei.
Syrischer Bürgerkrieg Bei der Militäroperation Schutzschild Euphrat bombardierte die türkische Luftwaffe Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in al-Bab, dabei kam die Bayraktar-Drohne zum Einsatz. Neben Aufklärungsflügen beschoss sie Ziele mit Luft-Boden-Raketen. Die Türkei setzt Bayraktar-TB2-Drohnen in Syrien im Kampf gegen die kurdische Miliz YPG ein, die von Wissenschaftlern als syrischer Arm der PKK, von den USA als wichtigster militärischer Verbündeter im Syrien-Konflikt und von der Türkei als Terrororganisation betrachtet wird. Als Ende Februar / Anfang März 2020 türkische Truppen im syrischen Idlib verstärkt mit syrischen Regierungstruppen zusammenstießen, wurden die Drohnen Bayraktar TB2 und ANKA-S in größerer Zahl eingesetzt. Nach Angaben der türkischen Regierung trug dies entscheidend dazu bei, einen Vormarsch der syrischen Regierungstruppen zu stoppen. Eine Vereinbarung mit Russland, die türkische Flugzeuge über Teilen Syriens nicht zulässt, aber Drohnen erlaubt, förderte den Einsatz.Volker Pabst in NZZ: Die Türkei ist zur heimlichen Drohnen-Grossmacht geworden. Artikel vom 11. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.