Brieskow-Finkenheerd ist eine Gemeinde im Südosten von Brandenburg im Landkreis Oder-Spree. Sie ist Sitz des gleichnamigen Amtes.
mini|hochkant=1.35|Brieskow-Finkenheerd, Luftaufnahme (2015)
Geographie Brieskow-Finkenheerd liegt 13 Kilometer südlich der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) und 16 Kilometer nördlich der amtsfreien Stadt Eisenhüttenstadt direkt an der Oder und am Oder-Neiße-Radweg.
Der Ort und der Brieskower See liegen im westlichen Teil des Naturschutzgebietes Mittlere Oder. Der Helenesee, der aus einem früheren Kohletagebau entstand, ist als Naherholungsgebiet ungefähr 6 Kilometer vom Ort entfernt.
Brieskow-Finkenheerd befindet sich in der Landschaft des Berliner Urstromtals.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Wohnplätze Brieskow, Finkenheerd und Margarethensiedlung.Brieskow-Finkenheerd. Ministerium der Justiz und für Digitalisierung Brandenburg.
Geschichte Der Ort Brieskow wurde 1354 erstmals urkundlich unter dem Namen Wrissigk erwähnt. Es war bis zur Reformation im Besitz des Kartäuser-Klosters Frankfurt. Nach Auflösung der Klöster kam es in den direkten Besitz der Brandenburger Kurfürsten. Seit 1883 nannte sich das Fischer- und Bauerndorf Brieskow, das sich mit der Revolution von 1848/1849 zu einer Industriegemeinde entwickelte. Der Name Finkenheerd tauchte zum ersten Mal in einer Flurkarte von 1750 auf. Er hatte seinen Ursprung in einem Gebiet, in dem Vogelsteller Schlaggarn auslegten, um Vogelfang zu betreiben. Bis 1846 befanden sich dort nur ein Gasthof und ein Schleusenwärterhaus. Mit dem Bau der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn um 1846 entstanden am Standort Finkenheerd Fabriken und Wohnhäuser. Die Deutsche Reichsbahn als Nachfolgerin der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn gab dem dort entstandenen Bahnhof mit all seinen industriellen Anlagen um 1900 den Namen Finkenheerd. Der Ortsteil hatte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges keine eigene Amtsverwaltung. Der Amtsbezirk Brieskow vollzog bis dahin die Verwaltungsgeschäfte. Im Jahre 1941 wurde ein Lager für 400–800 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Nationen errichtet, die beim Ausbau der Märkischen Elektrizitätswerke eingesetzt wurden.
Am 1. Januar 1949 wurde der Gemeindename in Brieskow-Finkenheerd geändert.
Brieskow gehörte seit 1817 zum Kreis Lebus in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Eisenhüttenstadt-Land im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 127 1890 1 359 1910 1 582 1925 2 220 1933 2 902 1939 2 942 Jahr Einwohner 1946 3 022 1950 3 472 1964 3 592 1971 3 431 1981 2 961 1985 2 753 Jahr Einwohner 1990 2 633 1995 2 570 2000 2 686 2005 2 585 2010 2 446 2015 2 320 Jahr Einwohner 2020 2 344 2021 2 337 2022 2 325 2023 2 290 2024 2 282 2025 2 253
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree. S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Brieskow-Finkenheerd besteht aus 12 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 66,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 SPD 41,0 % 5 42,0 % 5 Wählergemeinschaft Brieskow-Finkenheerd 37,7 % 4 39,2 % 5 Einzelbewerber Ivo Kiesewetter – – 12,7 % 1 Einzelbewerber Lars Wendland – – 6,1 % 1 Die Linke 21,3 % 3 – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister 1998–2014: Ralf Theuer 2014–2019: Frank Richter (Wählergemeinschaft Brieskow-Finkenheerd) seit 2019: Horst Siebke (SPD)
Siebke wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 50,7 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Am 9. Juni 2024 wurde er ohne Gegenkandidat mit 79,0 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Wappen Das Wappen wurde am 21. Juli 1999 genehmigt.
Blasonierung: „Wellenförmig geteilt von Gold und Blau; oben nebeneinander drei stachlige, schwarze Sanddornzweige mit roten Früchten und blauen Blättern bei den äußeren Zweigen, unten ein silberner Karpfen.“Wappen Gemeinde Brieskow-Finkenheerd. Ministerium der Justiz und für Digitalisierung Brandenburg.
Sehenswürdigkeiten und Kultur In der Liste der Bodendenkmale in Brieskow-Finkenheerd sind die Bodendenkmale aufgeführt.
Kirchen Evangelische Kirche mini|Evangelische Kirche
Bis 1934 besaß der Ort keine evangelische Kirche. Die evangelischen Gläubigen gingen in die Dorfkirche nach Lossow, einem heutigen Ortsteil von Frankfurt (Oder). Der Grundstein für eine eigene Kirche wurde 1932 gelegt; am 29. Juli 1934 erfolgte die feierliche Einweihung der Martin-Luther-Kirche in Brieskow-Finkenheerd. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Kirche, beschädigt durch Granateneinschläge, der Roten Armee als Pferdestall. 1968 wurde der Altarraum neu gestaltet. Die südöstliche Wand der Apsis bekam kleine kreisrund angeordnete und bunt verglaste Fenster.
Im hinteren Teil der Kirche steht seit 1973 die von der Orgelbaufirma Sauer gebaute Orgel, für die die Gemeinde zehn Jahre lang Spendengelder sammelte. 1998/99 erfolgte eine gründliche Renovierung, und das Dach wurde neu gedeckt. Auf der Zugangsseite wurde ein Kreuz mit einer stilisierten Weltkugel angebracht. Am 31. Oktober 2001 wurde die Kirche wieder geweiht. Eine neue Kanzel erhielt das Gotteshaus 2003. Sie trägt das Familienwappen Martin Luthers; in einem Kranz aus Rosen das Herz und darin das Kreuz. Hinter der Kirche befindet sich ein Glockenstuhl, in dem drei Glocken aus dem Jahre 1966 hängen. Die Martin-Luther-Kirche in Brieskow-Finkenheerd unterhält regen Kontakt zur Kirchengemeinde in Köln-Klettenberg.
Katholische Kirche Den Jahre währenden Bemühungen der Frankfurter Pfarrei beim Breslauer Fürstbischof um ein eigenes Gotteshaus für die Gemeinde ist es zu verdanken, dass 1934 eine katholische Kirche im Ort geweiht werden konnte. Sie ist der heiligen Barbara geweiht, der Patronin der Bergleute. Auf einem Gartengrundstück erhebt sich der gedrungene Bau mit einem kleinen Glockenturm. Eine lateinische Inschrift, die mit dem Relief der Namenspatronin auf die Stifter der Kapelle hinweist, befindet sich unter dem Turm. Im Vorraum hängt ein Bild der heiligen Barbara. 1969 erfolgte die Renovierung der Kirche; 2000 erhielt sie eine andere Farbgestaltung und die Empore wurde geöffnet. Seit Juni 2004 wird die Kirche von der Russisch-Orthodoxen Christi Erlöser Kirchengemeinde zu Frankfurt (Oder) (Moskauer Patriarchat) genutzt.Russisch-Orthodoxe Christi Erlöser Kirchengemeinde
Neuapostolische Kirche Seit 1988 haben die Bürger von Brieskow-Finkenheerd, die sich zur Neuapostolischen Kirche bekennen, in Groß Lindow ein eigenes Gotteshaus, erschaffen in über 4.000 Stunden freiwilliger Arbeit, an denen sich auch Mitglieder benachbarter Gemeinden beteiligten. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Gemeinde ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Neben der seelsorgerischen Arbeit ist der Gemeinde vor allem die Musik wichtig. So tritt ihr Chor auch außerhalb ihres kirchlichen Kreises, wie unter anderem im Alten- und Pflegeheim Müllrose, auf.
Kirche Apostelamt Seit 1991 hat die Kirche Apostelamt Jesu Christi ein kleines Gemeindezentrum im Ort. Hergerichtet wurde sie aus der Baracke einer ehemaligen Bezirksakademie. Kontakte werden zu den Nachbargemeinden Frankfurt (Oder), Lebus, Müllrose, Eisenhüttenstadt und Fürstenwalde/Spree gepflegt.
Museum Seit Gründung des Heimatvereins Brieskow-Finkenheerd 2005 wird das kulturelle Erbe der Gemeinde im alten Schulgebäude im Heimat-, Schul- und Bergbaumuseum präsentiert.
Regelmäßige Veranstaltungen Der 1982 gegründete Finkenheerder Fastnachtclub FFC e. V. in der Tradition des sorbisch-wendischen Brauchtums, bestreitet jährlich zum 11. November die fastnachtstypischen Höhepunkte.
Ein traditioneller Sommernachtsball findet einmal im Jahr am Brieskower See statt.
Seit 2013 gibt es das jährliche Seifenkistenrennen.
Ebenso hat sich der Fischer- und Hoftag, der einmal jährlich stattfindet, etabliert. Am Brieskower See steht hier die Unterhaltung durch verschiedene Künstler sowie ein Festprogramm für die Familie im Vordergrund.
Vereine Für kulturelle Vielfalt sorgen unter anderem der Finkenheerder Tanzsportclub, der Finkenheerder Fastnachtclub FFC e. V., die Kulturschmiede und der Heimatverein.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Der Ort Brieskow-Finkenheerd war seit 1354 ein Bauern- und Fischerdorf; später entwickelte sich daraus ein Industriestandort. Ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt wurde der Ort um 1668. Mit Entstehung des Friedrich-Wilhelm-Kanals erfolgte in Brieskow-Finkenheerd ein reger Schiffs- und Umschlagverkehr. Eine rasche Industrialisierung erfolgte durch den Bau der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn, deren Schienenstrang um 1846 den Friedrich-Wilhelm-Kanal kreuzte und somit zahlreiche Unternehmer anzog. Im Ort entstanden eine Ofenfabrik, eine Kalkbrennerei, eine Holz- und Imprägnierfabrik, eine Dach- und Sandsteinbrennerei, schließlich 1877 eine Schneidemühle. 1874 begann die Firma Richard Sonnenburg mit der Herstellung von Glukosesirup; um 1920 wurde diese von den Maizena-Werken übernommen und unter dem Namen Finkenheerder Obstwerke AG weitergeführt und ausgebaut.
Kraftwerk Finkenheerd
Bereits 1916 beschloss das Märkische Elektrizitätswerk unter ihrem neu berufenen Vorstandsvorsitzenden Georg Warrelmann den Bau eines Braunkohlekraftwerkes in Finkenheerd. Aber erst einige Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs konnte 1921 mit dem Bau des Kraftwerkes am Brieskower See, 13 Kilometer von Frankfurt (Oder) entfernt, begonnen werden. Das technische Konzept hatte Warrelmann entwickelt, die maschinelle Ausstattung lieferte die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG). Die vorhandene Brikettfabrik wurde stillgelegt, neue Tagebaue erschlossen und neue Schächte abgeteuft. Aus der geförderten Kohle wurde nun Elektroenergie gewonnen. 1923 wurden die ersten beiden Turbinensätze in Betrieb genommen, die zusammen 12,5 Megawatt leisteten und bis zu ihrer Stilllegung 200 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugten. Die Anlage verfügte zunächst über zwei 110 Meter hohe Schornsteine (erbaut von der Bauunternehmung Dyckerhoff & Widmann AG),Bautechnische Mitteilungen des Deutschen Betonvereins 1928, Nr. 4 (April 1928) später über insgesamt sechs bis zu 125 Meter hohe Schlote. Das Kraftwerk sollte Frankfurt (Oder) sowie weitere 21 Landkreise mit Strom versorgen. 1924 und 1928 wurden zusätzliche, leistungsfähigere Turbinen installiert. Im Herbst 1931 folgte die sechste Turbine, mit der eine Gesamtleistung von 170 Megawatt verfügbar war.