Der Oger ist ein Roman des deutschen Schriftstellers Oskar Loerke, der 1921 erschien. Die Handlung konzentriert sich auf die Hauptfigur Martin Wendenich, der über die Geschichte seiner Familie schreibt.

Handlung Loerkes Roman Der Oger spiegelt eine Problematik wider, die in der Zeit um 1921 vorherrschte. Individualität war in dieser Zeit kaum vorhanden. Kinder übernahmen meist die Berufe der Eltern und waren von ihrem Elternhaus so stark geprägt, dass sie kaum eigene Wege einschlagen und sich nach ihrem eigenen Willen entwickeln konnten.

Die Hauptperson des Romans ist Martin Wendenich. Er verlässt sein Zuhause wegen des Vaters, der an Epilepsie leidet und geistig verwirrt ist. Er geht, wie schon sein Bruder vor ihm, als Maschinist auf einen Fischkutter, um auf der Nordsee Fische zu fangen und sich von seiner Familie abzulenken. Doch das ständige Fischmorden bekommt ihm nicht. Bei der nächsten anstehenden Ausfahrt macht er eine Pause und schreibt stattdessen die Geschichte seiner Familie auf.

Der Großvater Leonhard Wendenich ist einer der wenigen Menschen, der sich mehr Gedanken über sein Leben macht. Da er auch geistig über dem Durchschnitt seiner pommerschen Bauernnachbarn liegt, führt er sein Geschlecht aus dem Bauerndasein heraus. Doch seine sublime Spätliebe zu seiner Schwiegertochter, die auch anders als die Nachbarn ist, zeigt die zunehmende Vergeistigung der ganzen Familie. Leonhards Sohn, Andreas Wendenich, steht komplett im Schatten des Vaters. Seine Frau ist, wie zuvor schon beschrieben, edel und verklärt. Andreas ist ihr nicht gewachsen. Sein Sohn Johann ist noch im Kindesalter, als sich bei ihm die Krankheit durch einen heftigen Anfall äußert. Johann ist der psychisch angeschlagene Vater des Protagonisten Martin, von dem am Anfang erzählt wurde. In dieser Krankheit quälen das Kind Wach- und Fieberträume, in dem es eine schreckliche Gestalt, einen „Oger“, sieht, der es verfolgt. Das Kind meint, diesen Oger in einem Fleck des abgebröckelten Mörtels an der Kirchenmauer gegenüber dem Haus der Familie Wendenich zu sehen, und, obwohl der Vater diese Stelle wieder verputzt, um dem Sohn damit zu helfen, verschwindet der Oger nicht, sondern verfolgt in anderer Gestalt die Familie und besonders Johann. Sobald er aus diesen Anfällen erwacht, scheint die Krankheit verschwunden zu sein, doch sie ruht weiterhin tief in ihm. Johann wird für den Bauernberuf als ungeeignet befunden und soll auf das Gymnasium gehen, doch auch dieses muss er wegen erneuter Anfälle in der Pubertät abbrechen. Trotz der Krankheit und entgegen dem Rat des Großvaters heiratet Johann und zeugt fünf Kinder. Dies sieht Martin, obwohl er dessen Sohn ist, als die eigentliche Schuld seines Vaters. Während er seine Geschichte aufschreibt und sich so intensiver als früher damit beschäftigt und versucht, sein Leben zu analysieren, merkt er, dass seine Herkunft nicht so zufällig und irrational ist, wie er geglaubt hatte. Er fasst am Ende seiner Notizen, der analytischen Betrachtung seines Lebens, die Vergangenheit in einem Satz zusammen: „Es gibt keine Krankheit.“ Der Sohn Martin stellt nun genauso wie sein Großvater Leonhard vor ihm fest, dass der Kranke ein Teil seiner Identität ist. Der Oger, der das Kind heimsucht, ist eine besondere Gestalt der Welt und gehört genauso zu ihm wie alles andere.Dieser Artikel ist angelehnt an: Jan Röhnert: Oskar Loerke. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. 18 Bände. Metzler, Stuttgart/Weimar 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, Band 10, S. 254.

Figurenkonstellation Martin Wendenich = Protagonist Leonhard Wendenich = Großvater Andreas Wendenich = Sohn von Leonhard Wendenich Johann Wendenich = Sohn von Andreas Wendenich und Vater von Martin Wendenich

Ausgaben Oskar Loerke: Der Oger. Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg/Berlin 1921 (Digitalisat im Internet Archive) Oskar Loerke: Der Oger. Roman hrsg. von Dieter Heimböckel und Claus Zittel, Düsseldorf: C. W. Leske, 22022 (= Kometen der Moderne, Band 2).

Literatur Jan Röhnert: Oskar Loerke. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. 18 Bände. Metzler, Stuttgart/Weimar 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, Band 10, S. 252–254.

Einzelnachweise

Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch)