mini|Schloss Groß Leuthen Die Standesherrschaft Leuthen, auch Standesherrschaft Groß Leuthen, vorher Herrschaft Leuthen oder Herrschaft Groß Leuthen war eine kleine niederlausitzische Adelsherrschaft mit Sitz in Groß Leuthen (Landkreis Dahme-Spreewald, Land Brandenburg). Sie wird im Laufe des 14. Jahrhunderts (?) urkundlich fassbar und war bis Anfang des 16. Jahrhunderts lediglich ein Rittersitz. 1517 ist erstmals von einer Herrschaft die Rede, die 1646 Sitz und Stimme in der Herrenkurie der Niederlausitzischen Ständeversammlung hatte. Es gab auch im Landkreis Neumarkt (Regierungsbezirk Breslau, Schlesien) eine Herrschaft Leuthen.

Geographische Lage Die Standesherrschaft Leuthen lag im Westen des Kreises Lübben oder Krummspreeischen Kreises. Sie grenzte (um 1800) im Westen an das Amt Lübben, im Norden an die Rittergüter Wittmannsdorf, Schuhlen und Mittweide, im Osten an die Standesherrschaft Lieberose und das Lübbener Amtsdorf Goyatz, im Süden an die Rittergüter Glietz und Groß Leine sowie an das frühere Amt Neu Zauche.

Geschichte Die Herrschaft Leuthen bildete sich im Verhältnis zu den anderen (Standes-)Herrschaften der Niederlausitz relativ spät zu einer Herrschaft heraus. Bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts wird Leuthen nicht unter den wichtigen Schlössern, Städten und Höfen der Niederlausitz aufgezählt. Sie dürfte ursprünglich zum Burgward Lübben gehört haben, in vorreformatorischer Zeit zählte Leuthen in kirchlicher Hinsicht zur Sedes Lübben.

1368 erscheint zwar ein Tammo von deme Luthen als Zeuge in einer Urfehdeerklärung gegen einen Herrn von Torgau und die Stadt Beeskow. Es ist allerdings nicht klar, ob dieser Tammo tatsächlich aus dem später so genannten Groß Leuthen stammte, oder aus Orten gleichen Namens in den Kreisen Cottbus und Sorau. Sicher aus der gleichen Familie stammte der Segemund von Lu(e)ten, der beim Verkauf der Herrschaft Beeskow 1394 einer der Zeugen von Hans von Biberstein und Herzog Swantibor III. von Pommern-Stettin war. Die Herrschaften Beeskow und Storkow war zu dieser Zeit noch feste Bestandteile der Mark Lausitz.

Die erste sichere urkundliche Nennung des Ortes selber stammt aus dem Jahr 1424. Zu dieser Zeit war Leuthen wohl schon im Besitz des Heinrich von Keyne, der 1425 am Überfall des Hans von Biberstein auf die Bürgerschaft der Stadt Beeskow beteiligt war (Heynrich Keyne zcu deme lwten). Johann von Biberstein erzwang auf diese Weise die Erbhuldigung von Rat und Bürgerschaft der Stadt Beeskow. Heinrich von Keyne ist zumindest bis 1437 als Besitzer von Leuthen nachgewiesen. Die Eintragung im Lübbener Stadtrechnungsbuch von 1437 lässt an der Identifizierung dieses zcu deme lwten als Groß Leuthen keine Zweifel. Das Geschlecht der von Keyne (auch Koyne) stammte wahrscheinlich von der Burg Kayna nördlich von Weißenfels bzw. südwestlich von Merseburg. In die Lausitz kamen sie als Söldner und Söldnerführer. Ein Heinrich von Keyne und sein Sohn Karl mussten am 17. August 1426 dem Herzog Friedrich I. von Sachsen und Bischof Nikolaus (Lubich) von Merseburg Urfehde schwören. 1446 wird mit Heinrich Czabelticz (Zabeltitz) ein Nachfolger auf der Herrschaft Leuthen genannt. Er erhielt von Friedrich von Biberstein das Schussrecht auf alles Wild in den Herrschaft Beeskow und Storkow. In einer Urkunde von 1447 wird allerdings klar, dass er nicht alleiniger Besitzer der Herrschaft war. In dieser Urkunde von 1447 bitten Heinrich Czabelticz und Heinrich Crakow Gebrüder (sic! wahrscheinlich Stiefbrüder) ihren Lehensherrn Friedrich von Biberstein, dass er Anna, der Frau des Heinrich von Czabelticz das Dorf Groß Beuchow zum Leibgedinge genehmigen möge. Bereits 1439 hatte Heinrich Czabelticz durch den Landvogt der Niederlausitz Nickel von Polenz die Anwartschaft auf das Dorf Klein Leine erhalten, das zur Herrschaft Leuthen gehörte. 1449 war Heinrich von Crakow Harnischmeister von Kurfürst Friedrich II. den Sanftmütigen. Wahrscheinlich ist es derselbe Heinrich von Crakow, der 1441 einen freien Hof in Lübben und Getreidezinsen in Treppendorf von Hans von Buxdorf gekauft hatte, und die er seiner Frau Barbara zum Leibgedinge übergab. In den folgenden 70 Jahren ist die Besitzgeschichte bisher nicht dokumentiert.

Nach dem Tod König Vladislav II. (1516) erhielt Wilhelm Schenck Herr von Landsberg auf Wusterhausen am 20. April 1517 die Lehensbestätigung für seine ererbten väterlichen Güter, nämlich „Große-Leutten und den sicz daselbst, darzu die dörfer Bückichen, Brießk (= Ressen), Golin, Klein-Leutten, Dolgen und Klein Lein … darzu allerley freye jagt von Leutten an umb Grödisch, Krug, Dörnhoffe bies an Bieberßdorff und fort bies an die Brießnische grenze und im Spewy (Splaw), aber in der Grobowe und doselbst weiter hienein nach Schlepzig soll sich der herr und ander besitzer des guts Leutten nicht anmassen“. Außerdem erhielt er bestätigt sechs Wiesen: „eine zwischen Unser Lieben Frauen Berge unter dem Dorf Kruge (Krugau) gelegen, genannt die Möllwiese und die wiese Werder genant an dem thamme gelegen, als man von dem Kruge gegen Schlepzig zeucht, die vierde wiese hinter dem Dorf Kruge gelegen, genannt der Kanin-Werder, und auch zwei Wiesen hart bei Kuschkow gelegen.“ Mitbelehnt mit Wilhelm waren seine Vettern Otto und Heinrich Schenken von Landsberg auf Teupitz. Diese Lehensbestätigung zeigt, dass die Schenken von Landsberg schon um 1500 auf Groß Leuthen ansässig waren, denn der Vater des Wilhelm, Albrecht Schenk von Landsberg war bereits 1501 verstorben. 1526 hatte die Herrschaft Leuthen 6000 Gulden Schatzung, die damals mit acht von Tausend berechnet wurde, also 48 Gulden. Nach dem Tod des böhmisch-ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács erhielt Wilhelm am 21. Februar 1527 erneut eine Lehensbestätigung seiner Güter. Am 2. Juli 1538 wurde er zudem mit der Neuen Mühle (Neumühle zwischen Guhlen und Ressen) belehnt, die er von Georg von der Zauche erworben hatte. Wilhelm Schenck von Landsberg heiratete 1533 Magdalena Gräfin Reuß von Plauen, Tochter des Heinrich XIII., Reuß von Plauen, „der Stille“ genannt und der Anna Dorothea von Colditz. Er ließ um 1550 das Schloss in Groß Leuthen errichten, eine Dreiflügelanlage im Stil der Renaissance. Die beiden hatten vier Söhne, Albrecht (* 1555), Wilhelm Heinrich (* 1562), Hans (* vor 1555) und Carl (* 1562). Wilhelm starb bereits 1559, Magdalena 1571.

mini|Grabplatte des Wilhelm Schenk von Landsberg (1510–1559) in der Dorfkirche Groß Leuthen

Erben waren seine drei Söhne; Wilhelm Heinrich und Carl traten aber ihrem Bruder Albrecht Schloss und Dorf Leuthen und die zugehörigen Dörfer in brüderlicher Teilung ab. Nach dem Tod Kaiser Maximilians II. erhielt Albrecht einen vom 12. Oktober 1578 datierten Lehnbrief. Die beiden Brüder wurden mit je 2329 Gulden 13 Groschen abgefunden. 1584 lieh Albrecht dem Arnt von Röbel auf Leibchel 1400 Taler, für die ihm Arnt von Röbel Leibchel und Glietz als Pfand einsetzte. Allerdings scheint Albrecht nicht in der Lage gewesen zu sein, den Betrag in bar auszubezahlen, denn Wilhelm Heinrich erhielt 1589 einen Lehnbrief über seinen Anteil an der Herrschaft Leuthen. Der vierte Sohn Hans war schon vor 1559 verstorben. Er war mit Melusine von Klitzing verheiratet gewesen, einer Tochter des Lippold von Klitzing, Hauptmann der Ämter Dahme und Jüterbog. Am 6. März 1559 verglich sich Wilhelm mit Melusine von Klitzing dahin, dass sie 2530 Gulden zu ihrer freien Verfügung erhielt. Dafür erklärte sie, dass sie keine weiteren Ansprüche mehr mache. Aber auch die Schwester Barbara der drei überlebenden Brüder hatte noch Anrecht auf einen Erbteil. Sie war mit Moritz Graf von Schlick verheiratet, einem Sohn des Stefan Graf von Schlick, der 1526 in der Schlacht bei Mohács gefallen war. Die Ehe von Moritz Graf von Schlick, der 1578 starb, und der Barbara Schenkin von Landsberg blieb kinderlos. Nach längerem Streit vergleichen sich die Geschwister 1581 dahin, dass die drei Brüder ihrer Schwester 2000 Taler zu ihrer freien Verfügung ausbezahlen sollten. Da alle drei Brüder nicht flüssig waren, verpfändete Albrecht seiner Schwester das Dorf Goyatz, Carl und Wilhelm Heinrich die Herrschaft Wusterhausen. 1590 teilten die beiden Brüder Wilhelm Heinrich und Albrecht den Teupitzer und Wusterhausener Besitz. Carl wurde mit 30.000 Gulden abgefunden. Albrecht besaß nun die Herrschaft Leuthen sowie Märkisch Buchholz, Wilhelm Heinrich die Herrschaft Teupitz und Schenkendorf. Albrecht Schenk von Landsberg heiratete 1601 Eva Freiin von Schönburg.

17. Jahrhundert 1622 sind die Söhne des Albrecht Georg und Joachim Schenck von Landsberg Besitzer der Herrschaft Leuthen. Georg war Landrichter in der Niederlausitz und mit Anna Gräfin von Eberstein verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Nach Götz Freiherr von Houwald starb Georg am 11. Mai 1633; dagegen gibt Rudolf Biedermann den 5. Mai 1632 als seinen Todestag an. Erbe war sein Bruder Joachim, der mit Elisabeth Anna-Maria Freiin von Putlitz verheiratet war. Er wurde 1634 aufgefordert, den letzten Lehnsbrief vorzulegen; in dieser Urkunde wird das Gut Leuthen erstmals als Herrschaft bezeichnet. Joachim war Herr auf Buchholz, Teupitz und Wusterhausen und erhielt 1634 den Lehnbrief für die Herrschaft Leuthen. Mitbelehnt waren seine Vettern Hans Otto, Wilhelm Heinrich, Christian, Philipp Ernst, Hieronymus Adam auf Buchholz, Teupitz und Wusterhausen. Joachim Schenk von Landsberg und Elisabeth Anna-Maria Freiin von Putlitz hatten vier Kinder, die Söhne Albrecht Ludwig und Joachim Friedrich und die Töchter Anna Magdalena und Eva-Maria. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1639 übernahm der Sohn Albrecht Ludwig die Herrschaft Leuthen, während Joachim Friedrich die Herrschaft Buchholz bekam. Albrecht Ludwig (* 1621) heiratete 1641 Anna-Maria von Köckritz, mit der er sechs Kinder hatte, die Söhne Albrecht Ludwig, Joachim Friedrich und Otto Wilhelm sowie die Töchter Erdmuth, Eleonore-Elisabeth und Juliane. Albrecht Ludwig starb 1650. Erbe der Herrschaft waren seine drei Söhne, die am 6. Februar 1668 die Lehnspflicht wegen der Herrschaft Leuthen ablegten. Albrecht Ludwig blieb unverheiratet und war Hauptmann in holländischen Diensten. Joachim Friedrich war in 1. Ehe mit Margaretha-Catharina Gräfin Promnitz verheiratet, in zweiter Ehe mit Elisabeth-Margaretha Gräfin Lynar. Beide Ehen blieben kinderlos und 1677 trat er seinen Anteil an der Herrschaft Leuthen gegen eine Abfindung in Geld und Aufnahme in die Gesamte Hand an seinen Bruder Otto Wilhelm ab. Otto Wilhelm heiratete in erster Ehe Anna Maria von Hoym und in zweiter Ehe Eva Helena von Wedel. Er war Direktor des Konsistoriums der Niederlausitz und Oberamtsrat. In der Landtagsordnung von 1669 wurde festgeschrieben, dass die Herrschaft Leuthen Sitz und Stimme in der Herrenkurie der Niederlausitzischen Ständeversammlung hat. 1688 kaufte er seinem Schwager Friedrich Wilhelm von Hoym die sog. Kittlitzsche Wiese ab. Er hatte bis dato auch die Gesamte Hand an dem Gut Schlabendorf seines Schwagers erhalten. 1691 kaufte er den Huhlschen Anteil am Dorf Skuhlen (= Schuhlen) von Hans Henning von Köckritz. Aus der ersten Ehe stammten der Sohn Ludwig Alexander und die Tochter Christiana Louisa, aus der zweiten Ehe die Söhne Carl Albrecht und Wilhelm August sowie die Töchter Maria Clara, Elisabeth Sophie, Eva Dorothea Tugendreich und Helena Eleonora.

18. Jahrhundert