Diese Liste schwerer Seeunfälle 1901–1910 verzeichnet Unfälle der Seeschifffahrt mit Toten oder hohen Sachschäden im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.
Liste Datum Name Tote Hergang 22. Februar 1901 City of Rio de Janeiro 138 Der amerikanische Passagierdampfer geriet in der Bucht von San Francisco in dichten Nebel und streifte einen Unterwasserfelsen, der den gesamten Rumpf des Schiffes aufriss. Er sank innerhalb weniger Minuten. 138 der 220 Menschen an Bord kamen ums Leben. Der Untergang der City of Rio de Janeiro gilt als das bis heute schwerste Schiffsunglück im San Francisco Bay Area, und das Wrack hat den Status eines amerikanischen Kulturdenkmals. 15. August 1901 Islander 40 Der kanadische Passagierdampfer Islander, der Passagiere und Fracht auf der Inside Passage an der Westküste der Vereinigten Staaten und Kanadas transportierte, rammte im Lynn Canal südlich von Juneau einen Eisberg. Versuche, das Schiff auf Grund laufen zu lassen, scheiterten. Die Islander sank innerhalb von 15 Minuten, wobei 40 Passagiere und Besatzungsmitglieder ihr Leben verloren. 13. November 1901 Beauchamp 10 Bei einem Hilfseinsatz für ein auf dem Barber Strand während eines Orkans gestrandeten Schiffes kenterte das in Caiste stationierte Rettungsboot Beauchamp beim Versuch, in die offene See zu gelangen. Nur zwei der zwölf Besatzungsmitglieder überlebten das Unglück. 6. Mai 1902 Camorta 739 Im Mündungsgebiet des Flusses Irrawaddy (Indischer Ozean) geriet das britische Passagierschiff Camorta in einen Zyklon und sank. Das Schiff war mit 739 Passagieren und Besatzungsmitgliedern auf dem Weg nach Rangun (Burma). Es gab keine Überlebenden. 8. Mai 1902 Roraima 57 Das kanadische Passagierschiff Roraima lag während des Ausbruchs des Vulkans Mont Pelé im Hafen von Saint-Pierre auf Martinique vor Anker und wurde von der gewaltigen Glutwolke zerstört. 57 der 68 Menschen an Bord kamen ums Leben. 24. Juni 1902 S 42 5 In der Elbemündung sank das deutsche Torpedoboot S 42 (145 t) nach einer Kollision mit dem britischen Frachter Firsby. Von den 16 Mann Besatzung des Torpedobootes kamen fünf Mann ums Leben. 20. Juli 1902 Primus 101 Auf der Rückfahrt von einer Ausflugsfahrt ins Alte Land kollidierte das Hamburger Fahrgastschiff Primus in der Elbe mit dem Hochseeschlepper Hansa der Hapag, geriet in Brand und sank nach kürzester Zeit. Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen fanden 101 Menschen den Tod. 8. Januar 1904 Clallam 56 Das kanadische Dampfschiff geriet in der Juan-de-Fuca-Straße an der Küste des US-Bundesstaats Washington in einen Sturm. Wasser drang in den Rumpf ein und löschte die Feuer in den Kesseln. Das Schiff driftete mehrere Stunden manövrierunfähig dahin und kenterte schließlich vor San Juan Island am Eingang zum Puget Sound. Mehr als die Hälfte der Menschen an Bord kam ums Leben, darunter alle Frauen und Kinder. Anfang März 1904 Conemaugh 40 Der belgische Frachter Conemaugh (2.328 BRT) der Red Star Line, mit einer Ladung Zucker auf dem Weg von Honolulu nach Philadelphia, ging aus ungeklärten Gründen vor Kap Hoorn verloren. Sowohl der genaue Untergangsort als auch der Zeitpunkt (vermutlich Anfang März 1904?) sind nicht bekannt. Letzter bekannter Aufenthaltsort des Schiffes war Coronel (am 28. Februar 1904). Die gesamte Besatzung von 40 Mann verschwand mit dem Frachter. Trümmer oder Leichen wurden nie gefunden. 15. Mai 1904 Yoshino 319 Während des russisch-japanischen Krieges geriet die japanische 3. Kreuzerdivision in der Nacht des 14./15. Mai 1904 im Gelben Meer in dichten Nebel und verlor den Zusammenhalt. Gegen 1.30 Uhr rammte dabei der Geschützte Kreuzer Yoshino den Panzerkreuzer Kasuga und kenterte. Mit dem Kreuzer gingen 319 Besatzungsangehörige unter. 107 Überlebende wurden von dem Panzerkreuzer gerettet. Die japanische Admiralität ließ nach dem Unglück die Rammsporne von all ihren Kriegsschiffen entfernen. 15. Juni 1904 General Slocum1.021 Der US-amerikanische Raddampfer General Slocum geriet am 15. Juni 1904 auf dem East River (New York) (USA) in Brand und sank. 1.021 Deutschamerikaner kamen bei der Katastrophe ums Leben, vor allem Frauen und Kinder. Bis zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 war das die größte zivile Katastrophe in den Vereinigten Staaten. 28. Juni 1904 Norge 625 Das dänische Passagierschiff befand sich mit 795 Menschen an Bord auf dem Weg von Kopenhagen nach New York City, als die starke Strömung und Schwierigkeiten mit dem Kompass es vom Kurs abbrachten. Die Norge kollidierte mit einem Riff beim Rockall-Felsen und sank in 20 Minuten. Es gab nur 170 Überlebende. Der Untergang der Norge war das bis dahin größte Schiffsunglück im Nordatlantik. 21. Juli 1905 Bennington 66 Das US-amerikanische Kanonenboot Bennington (1.710 ts) wurde im Hafen von San Diego durch eine Kesselexplosion schwer beschädigt. Etwa 80 Mann der Besatzung befanden sich auf Landgang. Von den 112 an Bord verbliebenen kamen 66 ums Leben. Alle 46 Überlebenden wurden verletzt. Das Schiff ging zwar nicht verloren, wurde aber wegen der schweren Schäden nicht wieder in Dienst genommen und in den 1920er Jahren selbst versenkt. 12. September 1905 Mikasa 339 Nach einem Brand explodierte auf dem japanischen Linienschiff Mikasa (15.200 t) eine Kartuschenkammer sowie ein Torpedo. Infolge der Explosionen sank das Schiff im Hafen von Sasebo. Von den 935 Mann Besatzung kamen 339 Mann ums Leben, und 343 Mann wurden verletzt. Das Schiff wurde später gehoben und 1907 wieder in Dienst gestellt. 17. November 1905 S 126 33 In der Kieler Förde sank das deutsche Hochseetorpedoboot S 126 (420 t) nach einer Kollision mit dem deutschen Kleinen Kreuzer Undine. Von den 56 Mann Besatzung des Hochseetorpedobootes kamen 33 Mann ums Leben. 18. November 1905 Hilda 125 An der bretonischen Küste näherte sich das britische Dampfschiff Hilda seinem Reiseziel, der Einfahrt in den Hafen von Saint-Malo. Ein schwerer Schneesturm hinderte die Hilda aber daran, in den Hafen einzulaufen. Vor der Insel Cézembre rammte der Dampfer ein Riff, strandete und brach auseinander. Nur sechs Personen konnten aus der aufgewühlten See gerettet werden. 22. Januar 1906 Valencia 136 Der amerikanische Passagierdampfer verfehlte bei schwerer See, starken Winden und eingeschränkter Sicht vor Vancouver Island die Einfahrt in die Juan-de-Fuca-Straße und strandete auf einem Riff. Fast alle Rettungsboote kenterten oder wurden fortgespült. Wegen der schlechten Wetterverhältnisse und der aufgewühlten See konnten Rettungsschiffe nichts für die Schiffbrüchigen tun. Nur 37 Personen überlebten, ausschließlich Männer. Es handelte sich um eines der schwersten Schiffsunglücke im pazifischen Nordwesten. 4. August 1906 Sirio 442 Der italienische Passagierdampfer befand sich auf dem Weg von Genua nach Buenos Aires, als er vor Cabo de Palos an der Südküste Spaniens ein Riff rammte und kenterte. Mehr als die Hälfte der Passagiere und Besatzungsmitglieder ertrank. Es handelte sich um eine der größten Katastrophen in der Geschichte der zivilen italienischen Dampfschifffahrt. 18. November 1906 Dix 45 Die Passagierfähre Dix, die der Puget Sound Mosquito Fleet angehörte, kollidierte zwei Meilen nördlich von Alki Point, dem westlichsten Punkt der Stadt Seattle, mit dem zehnmal größeren Schoner Jeanie. Das Schiff sank fünf Minuten nach dem Zusammenstoß; mehr als die Hälfte der Menschen an Bord starb. Es handelte sich um eines der schwersten Schiffsunglücke im Puget Sound. 16. Dezember 1906 Prinzessin Victoria Luise 1 Durch einen Navigationsfehler strandete das deutsche HAPAG-Kreuzfahrtschiff Prinzessin Victoria Luise vor der Hafeneinfahrt von Kingston (Jamaika) und musste nach der Rettung der Passagiere aufgegeben werden. Der Kapitän erschoss sich an Bord des Havaristen. Die Prinzessin Victoria Luise war das erste als Kreuzfahrtschiff gebaute Passagierschiff und der erste Totalverlust eines Kreuzfahrtschiffes. 11. Februar 1907 Larchmont 140 Der Raddampfer Larchmont der amerikanischen Reederei Joy Steamship Line kollidierte vor der Insel Block Island an der Küste des US-Bundesstaats Rhode Island mit dem Segelschiff Harry Knowlton. Der Dampfer wurde fast vollständig durchtrennt, während die Kessel explodierten. Nach 15 Minuten ging die Larchmont unter. Nur 17 Menschen überlebten, darunter nur zwei Frauen. Es war das bis heute schwerste Schiffsunglück im Rhode Island Sound. 21. Februar 1907 Berlin 168 Beim Einlaufen in den Hafen von Hoek van Holland wurde das britische Passagierschiff Berlin der Great Eastern Railway vom stürmischen Seegang angehoben und auf den nördlichen Molenkopf gedrückt, wo es beim Ablaufen der Welle aufsaß und in zwei Teile zerbrach. Weitere Wellen rissen zahlreiche Passagiere vom festsitzenden Schiff und zerschlugen alle Rettungsboote. Von den auf dem Heckteil des Schiffes festsitzenden Schiffbrüchigen konnten insgesamt 15 Menschen gerettet werden.Otto Mielke: Katastrophen auf See. Verlag Gerhard Stalling Oldenburg, Hamburg 1957. 22. Februar 1907 Imperatrix 40 Der Passagierdampfer Imperatrix, der der größten Reederei Österreich-Ungarns, dem Österreichischen Lloyd, gehörte und sich mit 140 Menschen an Bord auf dem Weg von Triest nach Bombay befand, geriet vor Elafonisi an der Südwestküste von Kreta in einen Sturm, wurde vom Kurs abgelenkt und prallte auf die Klippen. Durch den Untergang kamen 40 Menschen ums Leben. 12. März 1907 Iéna 118 Im Hafen von Toulon ereignete sich an Bord des französischen Linienschiffes Iéna (11.668 ts) in den frühen Morgenstunden des 12. März eine Serie verheerender Explosionen. Da das Schiff im Trockendock lag, konnten die Munitionskammern nicht geflutet werden. Das Linienschiff wurde infolgedessen weitgehend zerstört und fiel im Dock um. Auch das in der Nähe liegende Linienschiff Suffren wurde beschädigt. Insgesamt kamen 118 Seeleute ums Leben. Die Iéna wurde in einer aufwendigen Bergungsaktion später wieder aufgerichtet und anschließend zwei Jahre lang repariert. Das Unglück, das durch nicht lagerbeständiges Cellulosenitrat verursacht wurde, führte in Frankreich zum Rücktritt des Marineministers Gaston Thomson und zu einem großen Skandal. 21. Juli 1907 Columbia 88 Der amerikanische Passagierdampfer Columbia (2.722 t), der sich mit 251 Menschen an Bord auf dem Weg von San Francisco nach Portland befand, kollidierte bei Shelter Cove in dichtem Nebel mit dem Schoner San Pedro (457 t) und sank innerhalb weniger Minuten. 88 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben. Die San Pedro überstand den Zusammenstoß. 13./14. Dezember 1907 Thomas W. Lawson 16 Auf der Reise von Philadelphia nach London strandete und sank der US-amerikanische Segeltanker und Siebenmastgaffelschoner Thomas W. Lawson während des Versuchs, einen Sturm innerhalb der westlichen Scilly-Inseln abzuwettern, 16 Seeleute und der Lotse kamen ums Leben. Dies war die erste Ölkatastrophe. 30. April 1908 Matsushima 141 Nach einem Manöver explodierte im Hafen von Makung (Pescadores-Inseln) aus ungeklärten Gründen die Munitionskammer des japanischen Geschützten Kreuzers Matsushima. Das etwa 4.200 ts große Schiff zerbrach in zwei Teile und sank. 141 Seeleute fanden bei dem Unglück den Tod. Etwa 200 Überlebende konnten von Hafenfahrzeugen gerettet werden. 20. September 1908 Star of Bengal 110 Bei stürmischem Wetter strandete die Bark Star of Bengal an der Küste der Insel Coronation Island an der Südküste Alaskas. Das Schiff lief auf Felsen, zerbrach in drei Teile und sank innerhalb von drei Minuten. Wegen des sehr schlechten Wetters scheiterte der Versuch des Schleppers Hattie Gage, den Menschen auf der Bark in der gefährlichen Situation zu helfen. Nur 27 der insgesamt 137 Menschen an Bord der Star of Bengal überlebten. Oktober 1908 Neustria 41 Der Dampfer Neustria (2.926 t) der französischen Reederei Compagnie Francaise de Navigation a Vapeur Cyprien Fabre & Compagnie legte am 27. Oktober 1908 in New York mit Ziel Marseille ab und verschwand auf dem Nordatlantik. 23. Januar 1909 Republic 6 Der 15.000 BRT große Passagierdampfer Republic der britischen White Star Line kollidie