mini|Peter Obernburgers Namenszug auf einer Urkunde in Wien 1567Wien, 23. August 1567. HStA München, Kurbayern ÄA 4293, fol. 35r. mini|Obernburgers Siegel von 1567Wien, 11. November 1567. HStA München, Kurbayern ÄA 4293, fol. 66v. mini| Legitimation, Verleihung des Namens und Wappens der Familie der Obernburger durch Kaiser Karl V. nebst Erhebung in den rittermäßigen Adelsstand mit Erbnachfolge mini|Titelblatt der Legitimation durch Kaiser Karl V., Brüssel 18. Juni 1555Brüssel, 18. Juni 1555. HHStA Wien, AV-FHKA, Obernburger Peter, fol.1r-7r. mini|Das Hochzeitsgedicht für Peter und Anna Obernburger (geb. Müller) Ingolstadt 1563Ingolstadt 1563. Universitätsbibliothek München, alte Drucke 1501-1600.0014/W 2 H.lit. 176, S. 138. mini|Neue Informationstafel zu allen drei Obernburgern am Epitaph im Kirchturm der Stadt Obernburg am Main, angebracht am 3. Juli 2023 Peter Obernburger (* um 1530Geburtsjahr unsicher, vermutet aus dem Studienbeginn 1548 in Mainz;Ein Wohnsitz der Familie in Mainz ist nicht nachgewiesen, aber sehr wahrscheinlich. Grund: Die Mainzer Kurfürsten waren Stellvertreter des Kaisers bei dessen Abwesenheit und residierten in der Regel auf der Martinsburg in Mainz. Dort befand sich auch die stationäre kaiserlich-kurfürstliche Reichskanzlei, in der Peters Vater als Registrator arbeitete. † 16. November 1588 in Dillingen an der Donau) war Doktor beider Rechte, Sekretär bei Kaiser Karl V., seiner Schwester Königin Maria von Ungarn und seinem Bruder Kaiser Ferdinand I., Hofrat beim Bayerischen Herzog Albrecht V., dem Großmütigen, sowie Reichshofrat bei den Kaisern Maximilian II. und Rudolf II. Zuletzt war er Herr von Hofmark und Schloss Train in Niederbayern.
Biografie Herkunft und Familie Peter Obernburger wurde um 1530 als Sohn des Mainzer Klerikers und Registrators Peter Obernburger (um 1490–1553) und seiner ledigen Mutter Elisabeth SchermarLothar Gross: Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559 bis 1806, Wien 1933, S. 366, Fußnote 89: „Seine [Peter Obernburgers] Mutter hieß ‚Elisabeth Schermar‘“.Koch Dachau 2022, S. 47: Biografische Notizen und ein Brief vom 10. Juni 1574 an Ihren Sohn Peter in Wien. Eine buchstabengetreue Transkription liegt in dem am 14. Juni 2022 vermachten Vorlass von Günther Koch im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg. mit großer Wahrscheinlichkeit in Mainz geboren. Er hatte zwei uneheliche Schwestern, SabinaKoch Dachau 2022, S. 67: Biografische Notizen. und eine Schwester unbekannten Namens. Über Kindheit und Schule ist nichts bekannt.
Studium in Ingolstadt Am 26. Oktober 1548 immatrikulierte sich Peter Obernburger für das Jurastudium an der Universität Ingolstadt.Pölnitz 1937, S. 645, Zeile 33: „Obernburger Petrus, Moguntinensis 1548 Oktober 26“. Er schloss es nach bereits drei Jahren mit dem Doktor beider Rechte ab.Lanzinner 1980, S. 383: „Obernburger Peter, zum Train IUD [Iuris utriusque Doctor].“
Sekretär bei Kaiser Karl V. ab 1555 Der oberste Sekretär bei Kaiser Karl V., Johannes Obernburger, holte seinen sprachbegabten, frisch promovierten Neffen Peter am 12. Dezember 1551 als Schreiber in die mobile kaiserliche Hofkanzlei nach Innsbruck und ermöglichte ihm den Start einer sehr ertragreichen Karriere im kaiserlichen Dienst.Brück Anton 1989, S. 114.Koch Dachau 2022, S. 58: „Doch sollte Peter Obernburger nach Innsbruck gehen und mit dem Kaiser verhandeln“ [wegen der Anstellung als Schreiber]. In den turbulenten Zeiten des sich anbahnenden Fürstenaufstands 1552 durch Kurfürst Moritz von Sachsen schickte Karl V. Peter Obernburger in geheimem Auftrag zu seiner Schwester, der Königin Maria von Ungarn. Sie fungierte in den Niederlanden als Statthalterin des Reichs. Der Kaiser warb um militärische Unterstützung aus dem Norden. „Am 7. März kam ein Schreiben der Königin [Maria] an, in dem sie ihre Hilfe versprach. Das war umso notwendiger, als Peter Obernburger, aus Innsbruck zurück, melden musste, der Herr von Arras habe seinen Mitteilungen keinen Glauben schenken wollen […] Obernburger wurde darauf mit neuer Instruktion sofort zur Königin [Maria] abgefertigt.“Brück Anton 1989, S. 128.
Von 1552 bis 1555 ist Peter als Schreiber in der kaiserlichen Hofkanzlei nachgewiesen.Lanzinner 1980, S. 383. Am 18. Juni 1555 legitimierte Kaiser Karl V. in Brüssel die uneheliche Geburt von Peter und erhob ihn in den Adelsstand.Koch 2022, S. 59: Abbildung der Titelseite der Legitimationsurkunde. „Legitimation, Verleihung des Namens und Wappens der Familie der Obernburger nebst rittermäßigem Adelsstandes und der Erbnachfolge.“ HHStA Wien, Reichstagsakten Allgemeines Verwaltungsarchiv, Obernburger Peter und Familie. Fol.1-7r. Eine Kopie der vollständigen Urkunde liegt im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Vorlass Günther Koch. Eine Transkription steht noch aus. Am 24. Oktober 1555 würdigt ihn Kaiser Karl V. in Brüssel mit „Palatinat und Salvagardia“ und verlieh ihm den Titel eines kaiserlichen Sekretärs.Groß 1933, S. 366 Zeile 15: „am 24. Oktober vom Kaiser mit dem Palatinat und dem Titel eines kaiserlichen Sekretärs ausgezeichnet.“ Original des Palatinats im HHStA Wien RRB 20, fol.25r-29r. (Kopie im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg) Mit dieser Auszeichnung war u. a. das Recht verbunden, Doktorgrade zu verleihen.
Sekretär bei Königin Maria von Ungarn 1555 bis 1560 Kurz nach seiner Legitimation 1555 ernannte auch Königin Maria Peter Obernburger zu ihrem Sekretär.Gross 1933, S. 366 Zeile 14: „nachdem ihn bereits Königin Maria ihn zu Ihrem Sekretär ernannt hatte“ Kaiser Karl V. „ermächtigte [seinen Bruder] Ferdinand am 8. August 1556, die Verhandlungen mit den Kurfürsten nach eigenem Ermessen zu führen. Zu diesem Zeitpunkt ging de facto die kaiserliche Gewalt auf Ferdinand über“. Kurz nach seiner Abdikation verließ der kaiserliche Sekretär Peter Obernburger am 25. August 1556 die Hofkanzlei Karls V. mit 300 Gulden Abfindung auf Reichssteuer.HHStA Wien, RHR Resol. Prot. 12, fol. 61v-63v. (Kopie im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg). Siehe auch bei: Koch Dachau 2022, S. 60. Für die Jahre 1557 bis 1559 sind seine Aufenthaltsorte und Tätigkeiten, vermutlich im Umfeld von Königin Maria, nicht bekannt. 1560 wird er als Sekretär der verstorbenen Königin von Ungarn und Böhmen in einer Urkunde genannt. Für seine Arbeiten für die Königin stand ihm ab 1559 eine Leibrente von 87.600 Maravedís zu, die ihm in drei Margen ausgezahlt wurde. Wie bei seinem Onkel Johannes Obernburger wurden dabei viele Gelder über das Bankhaus Fugger transferiert, bei denen beide ein Konto hatten.Notizen zu Peter Obernburger. In: Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Oberdeutsche Kaufleute in Sevilla und Cadiz (1525–1560), Band XXI, Stuttgart 2001, Urkunden 848, 898, 914 u. a.
Sekretär bei Kaiser Ferdinand I. ab 1560 „1560 ließ er [Peter Obernburger] sich nun auch von Ferdinand den Titel eines kaiserlichen Sekretärs und Hofdieners sowie einen Schutz- und Schirmbrief erteilen“.Groß 1933, S. 366, Zeile 22. 1561 unterbrach Peter seinen kaiserlichen Dienst und ging im Alter von über 30 Jahren zum vertiefenden Studium nach Italien an die Universität von Bologna.Knod 1899, S. 384: „Nr. 2618. Obernburger Petrus (II) [Matrikel] S. 339 Zeile 11. 1561. d [ominus] Petrus Obernburger Moguntinus unum coronatum.“ Angaben zum Studienfach und zu Beginn und Abschluss fehlen. Bemerkenswert ist, das sein gleichnamiger Vater 1537 und 1538 zwei Jahre lang an der gleichen Universität in noch höherem Lebensalter von etwa 47 Jahren studiert hatte. „In den folgenden Jahrzehnten waren [Peter] Obernburger und [Andreas] Erstenberger [von Freyenthurn (1528-1592)]Koch Dachau 2022, S. 105-106 Itinerar und biografische Notizen die führenden Sekretäre der Reichskanzlei.“Gross 1933, S. 167, Zeile 16.
Treffen mit Wolf Haller in Obernburg 1562 Im Jahr 1562 traf Peter Obernburger seinen Schwager und kaiserlichen Sekretärskollegen Wolf Haller (1525–1591)Koch Dachau 2022, S. 68. Itinerar und biografische Notizen. in der Heimatstadt seines Vaters in Obernburg am Main. Anlass dieses Treffens dürften Auseinandersetzungen um das beträchtliche Erbe des 1552 verstorbenen Johannes Obernburger gewesen sein. Bezeugt ist diese Zusammenkunft durch eine Obernburger Stadtrechnung über zwei Flaschen Wein.Stadtarchiv Obernburg, Ratsprotokolle, Stadtrechnungen 1562, S. 28: „Kaiserlichen Sekretär Wolf Haller und Peter Obernburger verehrte man 2 Flaschen Wein, 19 alb 2 &.“ Wolf Haller war im Juni 1552 als einer von zwei Nachfolgern von Johannes Obernburger als kaiserlicher Sekretär benannt worden. Er war mit einer der Schwestern von Peter Obernburger verheiratet. Nähere Angaben zur Eheschließung sind nicht bekannt. Wolf Haller soll 1563 dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Obernburg 1000 Gulden von der Reichsstadt Nürnberg für die Stiftung einer Freischule in Obernburg ausgehändigt haben.Stadtarchiv Obernburg: „Die Schule in Obernburg“, fol. 2Koch Dachau 2022, S. 72 Tabellenzeile 6.
Hofrat beim bayerischen Herzog Albrecht V. von 1562 bis 1567 Am 11. August 1562 legte Peter Obernburger in München seinen Ratseid ab und wurde am 16. August bayerischer Hofrat und Mitglied der Gelehrtenbank.Lanzinner 1980, S. 383. Ein Hochzeitsgedicht aus dem Jahr 1563 belegt, dass er sich mit Anna Müller, einer Bürgertochter aus Ingolstadt, verehelichte.Einblattdruck von Christoph Wilhelm Putsch. Universitätsbibliothek München, Alte Drucke 1501–1600. Sign. 0014/W 2 H.lit. 176. S. 138 Nähere Angaben zur Hochzeit sind nicht bekannt. Sein Jahreseinkommen in München betrug anfangs 150 Gulden, 250 Gulden ab dem 1. Januar 1564 und 300 Gulden ab dem 1. April 1566.Lanzinner 1980, S. 383. Am 2. Mai 1566 bestätigte Kaiser Maximilian II. die im Jahr 1555 von Karl V. empfangenen Privilegien.Gross 1933, S. 366, Zeile 24. Am 19. Dezember 1566 stimmte Herzog Albrecht V. zu, dass Peter Oberburger als Reichssekretär an den Hof von Kaiser Maximilian II. nach Wien ging.HStA München, Personen Select Cart. 270 Obernburger, fol 51.
Reichshofrat unter Kaiser Maximilian II. von 1567 bis 1576 Wolf Haller war 1566 in Wien als Reichssekretär zurückgetreten. Peter Obernburger wurde zu seinem Nachfolger bestellt.Gross 1933, S. 365. Er wurde vom Kaiser gerühmt wegen seiner katholischen Rechtgläubigkeit und seiner Sprachkenntnisse, die sich auf die lateinische, spanische, italienische und französische Sprache erstreckten.Gross 1933, S. 366, Zeilen 29–31. „Seine Tätigkeit umfasste den ganzen Bereich der deutschen Expedition, einschließlich der politischen Agenden und der Judizial- und Gratialsachen.“Gross 1933, S. 367, Zeilen 8–11. „Es bedarf kaum der Erwähnung, dass Obernburger selbstverständlich auch für die geheimen Angelegenheiten herangezogen wurde. Auch für die Familienangelegenheiten des Herrscherhauses, die in der Regel damals von anderen Sekretären behandelt wurden, war er tätig, so etwa bei den Verhandlungen über die projektierte Ehe [des ältesten Kaisersohnes] Rudolf II. mit der Infantin Isabella.Im Rahmen der habsburgischen Heiratspolitik wurde Isabella Clara Eugenia in ihrem dritten Lebensjahr mit Rudolf, dem ältesten Sohn Kaiser Maximilians II., verlobt. Nach zwanzig Jahren Verlobungszeit löste Rudolf jedoch die Verlobung. Im Alter von einunddreißig Jahren verlobte sich die Infantin mit Erzherzog Albrecht VII. von Österreich. Hier hat er die Vollmachten, wohl aus Gründen der Geheimhaltung, auch selbst mundiert.“Gross 1933, S. 367, Zeilen 14–20. Allerdings kam die Ehe auch nach 18 Jahren Verlobung nicht zustande.