Gore ist eine niederländische Hardcore-Punk-/Metal-/Noise-Rock-Band aus Venlo. Gore spielen avantgardistischen Hardcore, der vom Metal genauso beeinflusst ist wie vom Industrial und die düstersten und härtesten Momente von Black Sabbath, Black Flag und Big BlackSimon Reynolds im Melody Maker, 1987 in sich vereinigt, ausschließlich instrumental. Die Band erspielte sich in der Hardcore-Szene der späten 1980er-Jahre eine ausgezeichnete Live-Reputation und wurde von der Kritik sehr positiv aufgenommen. Trotzdem blieb der Band der kommerzielle Erfolg und eine größere Bekanntheit versagt.
Geschichte Gore I: Frey / Lommen / de Swart 1985–1988 Peter de Swart (Gitarre) und Martin van Kleef (Bass) verließen ihre Band Disgust und gründeten mit Danny Arnold Lommen (Schlagzeug), der zuvor bei Pandemonium Gitarre gespielt hatte, 1985 eine neue Band. Bereits kurze Zeit später verließ van Kleef die Band und wurde durch Rob Frey ersetzt, der unter dem Pseudonym Marij Hel agierte. De Swart benutzte bei Gore das Pseudonym Pieter de Sury und Danny Arnold Lommen verschiedene Variationen seines Namens wie Danny A. Lome oder Danny Arnold.Rob Frey’s Linernotes zu Hart Gore / Mean Man’s Dream, Southern Lord
Der Einstieg von Frey markierte die eigentliche Geburtsstunde von Gore und er war das einzige Bandmitglied aus den Zeiten der Bandgründung, das kontinuierlich bis zur endgültigen Auflösung 1997 in der Band verblieb. Obwohl vor allem Pieter de Swart zahlreiche Songs der Band geschrieben hat, galt Frey als der kreative Kopf hinter Gore, eine Rolle, die er nach der Neugründung der Band im Jahre 1991 ebenso wieder innehatte.
Am 28. Februar 1986 gaben Gore ihr erstes Konzert. Sie spielten als Vorgruppe von Swans im Effenaar Club in Amsterdam. Im März nahmen Gore im Tango Studio in Eindhoven ihr Debütalbum auf. Unter dem Titel Hart Gore erschien es auf dem niederländischen Label Eksakt Records. Hart Gore wurde live im Studio aufgenommen, es wurden keine Overdubs oder nachträgliche Aufnahmen hinzugefügt. Für Hart Gore arbeitete die Band das erste Mal mit dem Produzenten Theo van Eenbergen zusammen. Van Eenbergen produzierte in den folgenden Jahren mehrere Alben der Band. Das Cover der Schallplatte zeigt eine Fotografie von Egon Notermans, ein von einem Samuraischwert durchbohrtes Schweineherz.
Das Album beinhaltet zehn reduzierte, repetitive, rifflastige und rhythmusdominierte Stücke. Die Stücke sind fast gänzlich frei von Melodie, aber mit zahlreichen Tempowechseln durchsetzt. Rückkopplungen und Verzerrungen ersetzen Harmonien, Lautstärke ist integraler Bestandteil der Musik. Obwohl Hart Gore rein instrumental gehalten ist, liegen dem Album Texte zu den Songs bei. Außer beim letzten regulären Album der Band Mest 694'3 ist dies bei allen Veröffentlichungen von Gore der Fall. Die kontroversen Texte sind nicht weniger radikal und roh wie die Musik von Gore. Die vulgären Ausbrüche von Gewaltbildern und Obszönitäten geben Einsicht in die negative Weltsicht der Band. Die Texte sind mit „Val Hard“ unterzeichnet, dabei handelt es sich allerdings um ein weiteres Pseudonym von Rob Frey.
Im Januar 1987 entstand das Folgealbum Mean Man’s Dream. Wiederum im Tango Studio und unter der Regie von Theo van Eenbergen, wurde Mean Man’s Dream live im Studio aufgenommen, es wurden keine Overdubs oder ähnliches hinzugefügt. Mean Man’s Dream war monotoner, minimalistischer und metallischer als Hart Gore zuvor. Es gibt auf Mean Man’s Dream keine Schnörkel, keine charismatischen Fixpunkte wie Gesang oder Solos, sondern nur Riffs und monotonen Rhythmus. Auf dem Cover befand sich wiederum eine Fotografie von Egon Notermans. Das schlichte Bild zeigt ein Fleischermesser, das auf einer zerkratzten Metallfläche liegt. Das Album bekam international überwiegend positive Kritiken, verkaufte sich verhältnismäßig gut und wird von vielen Fans als das essentielle Gore-Album angesehen.
Im Sommer unternahmen Gore eine ausgedehnte Europatournee zusammen mit Henry Rollins. Auf dieser Tournee entstanden die Aufnahmen, die auf einer Gore / Henry Rollins Split-LP veröffentlicht wurden. Im Anschluss verbrachte Frey mehrere Wochen in den USA auf der Suche nach einer Plattenfirma für den US-amerikanischen Markt. Er verhandelte dort mit SST Records, die Plattenfirma von Black Flags Greg Ginn. Es kam letztlich aber nicht zu einer Zusammenarbeit.
Die Gore/Henry Rollins-Split-LP erschien im Herbst 1987 und enthält vier Live-Stücke von Gore, die bei einem Konzert am 9. Juni im De Bakkerij Club in Eindhoven aufgenommen wurden. Drei der vier Stücke stammen von den ersten beiden Alben, das Stück Arena jedoch findet sich nur hier. Gore / Henry Rollins Live ist das letzte Gore-Album, das bei Eksakt Records erschien.
Am 27. Oktober nahmen Gore die erste von drei Sessions für die Peel Sessions-Serie der britischen DJ-Legende John Peel auf, die am 4. November von der BBC gesendet wurde.Gore Peel Sessions auf der Keeping It Peel-Seite der BBC Die Aufnahmen zur ersten Peel Session sind die letzten Aufnahmen, die in der ursprünglichen Besetzung Frey / Lommen / de Swart entstanden sind. Pieter de Swart verließ kurz darauf die Band.
Gore II: Frey / Lommen / Stroobants / Benli 1988–1989 Nachdem de Swart 1988 die Band verlassen hatte, stießen die beiden Gitarristen Frank Stroobants (unter dem Pseudonym Frankie Stroo) und Yussef Benli (unter dem Pseudonym Joes Bentley) zur Band. Gore wurde eingeladen, beim New Music Seminar in New York aufzutreten und nahm an. Sie unterzeichneten dort einen Vertrag mit der Plattenfirma Megadisc Records, die das nächste Album veröffentlichen sollte. auf MTV.com Wrede (The Cruel Peace), das nächste Studioalbum von Gore, wurde im August 1988 im As the Grass Is Two Asses High Studio in Weesp, Niederlande aufgenommen und erschien als Doppel-LP bei Megadisc Records.
Produziert wurden die Aufnahmen von Theo van Eenbergen und Steve Albini. Es war die letzte Zusammenarbeit von Gore mit van Eenbergen, der in den folgenden Jahren eng mit Henry Rollins zusammenarbeitete und unter dem Pseudonym Theo van Rock alle Alben der Rollins Band bis 1997 produzierte.Rollins Band Diskografie bei Discogs Auf dem Cover findet sich ein weiteres Mal eine Fotografie von Egon Notermans. Sie zeigt einen grünen Wald, durch den ein Weg führt. Auf dem Waldweg liegt ein Fleischermesser. Es befinden sich nur vier Songs auf dem Album, auf jeder Seite der Doppel-LP einer. Die langen Kompositionen mit Laufzeiten zwischen knapp 15 und 25 Minuten zeigen sich differenzierter und melodischer als die Stücke auf den früheren Alben. Dem Album blieb eine breite Anerkennung allerdings versagt, und die Reaktionen bei Hörern und Kritikern blieben hinter den Erwartungen zurück.
Am 29. November 1988 nahmen Gore ihre zweite Peel-Session mit zwei Stücken von Wrede auf, die am 6. Dezember ausgestrahlt wurde. Anfang 1989 lösten Gore sich nach bandinternen Differenzen offiziell auf. Schlagzeuger Danny Arnold Lommen schloss sich der deutschen Band Caspar Brötzmann Massaker an, mit denen er bis zu deren Auflösung zusammenspielte, und arbeitete danach mit Dee Dee Ramone. Gitarrist Frank Stroobants spielte nach seiner Zeit bei Gore in verschiedenen Bands und veröffentlicht bis heute Solo-Projekte.Frank Stroobants Homepage
Gore III: Frey / Koolen / van Reede 1991–1997 Es dauerte zwei Jahre, bis Bassist Frey Gore 1991 wieder aufleben ließ. Mit Johan van Reede (Gitarre) und Bardo Koolen (unter dem Pseudonym Bardo Maria, Schlagzeug) formierte er die Band neu. Die ersten Aufnahmen dieser Besetzung entstanden im Rahmen einer weiteren Peel-Session. Am 9. Juli 1991 wurden fünf neue Stücke vom kommenden Album aufgenommen und am 21. September in Peels Sendung ausgestrahlt.
Lifelong Deadline, das vierte Studioalbum von Gore, wurde im August/September 1992 aufgenommen und im Winter von Armageddon Records als Doppel-CD veröffentlicht. Im Gegensatz zu früheren Alben schrieb Rob Frey von 1989 bis 1992 das gesamte Material alleine und übernahm auch selbst die Produktion. Die Stücke auf dem Album sind komplexer als die auf den frühen Veröffentlichungen. Wie die frühen Gore als Vorläufer von Stoner Rock und Sludge Metal angesehen werden, kann Lifelong Deadline als Vorwegnahme des Math-Rock gelten. Lifelong Deadline ist experimenteller als die früheren Alben, und die erste Veröffentlichung von Gore, die nicht rein instrumental eingespielt wurde. Zwar wird immer noch nicht gesungen, die Aufnahmen sind aber gespickt mit zahlreichen Samples von Naturaufnahmen und absurden, gesprochenen Szenen, die mit dem zwanzigköpfigen Essemble The United Voices from the House of Suspicion aufgenommen wurden. Erstmals ist auf Lifelong Deadline ein Gastmusiker zu hören, der Pianist Bart Spaan begleitet das Stück Waiting Time.
Beim deutschen Label Permis De Construire erschien 1992 eine Mortar betitelte Kompilation, die zwei Stücke beinhaltete, die unter dem Namen Gore/Hoer geführt wurden. Es handelt sich hierbei nicht um Aufnahmen von Gore, sondern um ein Sideproject von Rob Frey. Frey war von dem Choreographen Xander Vervoort eingeladen worden, Musik für dessen Shows zu schreiben, und vertonte zwei Shows von Verwoort. Stereo wurde 1991 unter dem Bandnamen Rob Frey’s Hoer von Megadisc Records veröffentlicht. Von diesem Album stammen auch die beiden Tracks der Mortar-Kompilation. Ein zweiter Verwoort-Soundtrack, Truth & Trust, erschien 1992 bei Barooni Records.
Die deutsche Band Bohren & der Club of Gore wählten 1992 ihren Namen als Homage an Gore.Bohren & the Club of Gore Homepage
Im Juni 1993 spielten GORE ein weiteres Mal am New Music Seminar in New York.Gore Biografie auf der holländischen Muziek Encyclopedie Das Konzert wurde aufgenommen und erschien teilweise auf dem Album Slow Death.
Frey gründete das Label Messback Music, das sich ausschließlich um Veröffentlichungen von Gore und Freys anderen Projekten kümmert. Als erstes veröffentlichte Messback die Alben Hart Gore und Mean Man’s Dream erstmals auf CD, sowie ein Kompilations-Tape unter dem Titel In the Name of Rotten, Evil & Gore. Das Tape enthält Live- und Demoaufnahmen aus den Jahren 1985–1987. Die meisten der Aufnahmen wurden 2008 auf den Southern-Lord-Wiederveröffentlichungen von Hart Gore und Mean Man’s Dream wiederveröffentlicht, der Song Cracking Walls hingegen findet sich nur auf In the Name of Rotten, Evil & Gore. Gore absolvierte eine Europatournee, um die Veröffentlichungen zu promoten. 1995 erschien bei Messback Music ein weiteres Projekt von Frey. Unter dem Projektnamen CET wurde das Album This Is No House / This Is A Tree veröffentlicht.
Nachdem es wieder eine Zeit still um Gore geworden war, erschien 1996 eine weitere, eher ungewöhnliche Veröffentlichung. Mit dem niederländischen Popsänger Henk Westbroek nahmen Gore vier Stücke für eine EP auf. Die Aufnahmen entstanden im Juni und Dezember 1995 im NOB Audio Studio. Als Gore & Henk wurden die Stücke unter dem Titel Voor Nu De Eeuwigheid auf Messback veröffentlicht. Bei nur einem der vier Stücke spielt Gore-Schlagzeuger Bardo Maria, die anderen Stücke werden mit dem Schlagzeuger Johnbert Dijker eingespielt. Es handelt sich um die einzige Gore-Veröffentlichung, auf der tatsächlich gesungen wird. Westbroek hatte in den 1980er Jahren als Sänger der Popband Het Goede Doel mehrere kommerzielle Hits in den Niederlanden und galt als einer der erfolgreichsten Musiker des Landes.Henk Westbroek Biografie auf der Homepage des Künstlers