Die Liste schwerer Seeunfälle 1876–1900 verzeichnet Unglücke der Seefahrt, bei denen Tote oder hohe Sachschäden zu beklagen waren.

Liste Datum Name Tote Hergang 11. September 1877 Avalanche und Forest 106 Der 1.210 Tonnen große britische Dreimast-Segler Avalanche wurde vor der Isle of Portland von dem Segelschiff Forest gerammt. Von den 97 Menschen an Bord schafften es drei Besatzungsmitglieder, von der sinkenden Avalanche auf die Forest zu springen. Die Forest war ebenfalls schwer beschädigt und sank kurz nach der Avalanche. In der schweren See sanken die Rettungsboote der Forest, sodass von ihren 21 Besatzungsmitgliedern nur neun überlebten. Insgesamt kamen auf beiden Schiffen 106 Menschen um, während zwölf überlebten. 31. Januar 1878 Metropolis 85 Das ehemalige Kriegsschiff Stars and Stripes der United States Navy, das seit dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs unter dem Namen Metropolis als Passagierschiff im Dienst war, geriet mit 248 Passagieren und Besatzungsmitgliedern in den Outer Banks an der Küste von North Carolina in einen schweren Sturm. Der Rumpf schlug leck und lief voll, sodass die Maschinen versagten und die Feuer gelöscht wurden. Manövrierunfähig rollte der Dampfer in der schweren See und wurde von Brechern schwer beschädigt. Er strandete schließlich bei Currituck Beach in der stürmischen Brandung. Ein Teil der Menschen an Bord schaffte es an Land, aber 85 Menschen ertranken oder wurden in den Wellen von Trümmern erschlagen oder gegen Felsen geschleudert. 24. März 1878 Eurydiceetwa 350 100px|rechts Das Schulschiff Eurydice der britischen Royal Navy geriet auf der Fahrt von Bermuda nach Portsmouth in einen Schneesturm und sank aus unbekannten Gründen vor der Isle of Wight, wobei sich zwei Menschen retten konnten.HMS Eurydice, St Ann's Church, abgerufen am 26. Januar 2021. 31. Mai 1878 Großer Kurfürst 269 Während eines Manövers im Ärmelkanal kollidierten die beiden deutschen Panzerschiffe Großer Kurfürst und König Wilhelm vor Folkestone miteinander. Beide Schiffe hatten zuvor versucht, zwei Fischerbooten auszuweichen; das Signal zum Abdrehen war aber missverstanden worden. Bei dem Zusammenstoß wurde die Großer Kurfürst so schwer beschädigt, dass sie wenig später sank. Das Sinken wurde noch dadurch beschleunigt, dass sich das Schiff nicht im Verschlusszustand befunden hatte. Mit dem Schiff gingen 269 Besatzungsangehörige unter. 218 Mann konnten von deutschen und britischen Schiffen gerettet werden. 18. Dezember 1878 Byzantinca. 150 Der französische Passagierdampfer Byzantin der Compagnie de Navigation Fraissinet kollidierte bei orkanartigem Wetter am Eingang der Dardanellen während eines Anlegemanövers mit dem britischen Dampfschiff Rinaldo und kenterte fünf Minuten später. Von den etwa 260 Passagieren und Besatzungsmitgliedern wurden 113 gerettet. 28. Februar 1879 Vingorla 68 Durch ein Leck im Laderaum kam es 70 Seemeilen nordwestlich von Bombay zum Wassereinbruch an Bord des britischen Passagierdampfers Vingorla. Das Schiff sank einige Stunden später. 68 Menschen kamen bei dem Untergang ums Leben. 24. Mai 1879 Ava 70 Etwa 70 Seemeilen vor der Mündung des Flusses Hugli an der Küste von Westbengalen (Indien) wurde das britische Dreimast-Dampfschiff Ava der British India Steam Navigation Company bei aufgewühlter See von dem Segelschiff Brenhilda mittschiffs gerammt und fast in zwei Hälften geteilt. Zwei Rettungsboote wurden beschädigt und waren unbrauchbar; in den anderen drei entkamen 53 Menschen und setzten zur Brenhilda über. 70 Passagiere und Besatzungsmitglieder, darunter der Kapitän, kamen ums Leben. 2. Dezember 1879 Borussia 169 Vier Tage nach dem Ablegen in A Coruña (Spanien) geriet das britische Passagierschiff Borussia der Dominion Line auf dem Nordatlantik in einen Sturm. Durch ein Leck im Rumpf drang so viel Wasser ein, dass die Pumpen nichts mehr ausrichten konnten und der Maschinenraum geflutet wurde. Das Schiff sank, bevor alle Rettungsboote zu Wasser gelassen werden konnten. Nur 15 Menschen in zwei Booten überlebten. 16. Oktober 1880 Alpena 80 Der Raddampfer Alpena, mit Passagieren und Fracht auf dem Weg nach Chicago, verschwand auf dem Michigansee in einem schweren Sturm, der als „The Big Blow“ bekannt wurde. Niemand an Bord überlebte; die genauen Umstände des Unglücks blieben ungeklärt. 29. Oktober 1880 Rettungsboot Eliza Adams 11 Beim Versuch, die Seeleute der gestrandeten Brigg Ocean Queen zu retten, kenterte das in Wells-next-the-Sea (England) stationierte Ruderrettungsboot. Nur zwei der 13 Besatzungsmitglieder konnten sich retten, die übrigen fanden den Tod. 7. Februar 1881 Bohemian 35 Auf einer Fahrt von Boston nach Liverpool lief der britische Frachtdampfer Bohemian der Reederei S. S. Bohemian Co. Ltd. bei Caher Island an der Mizen-Halbinsel im Nebel auf Felsen; 35 der 57 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. 29. April 1881 Tararua 131 Das neuseeländische Passagierschiff rammte in der Nähe von Waipapa Point an der Küstenregion The Catlins (neuseeländische Südinsel) ein Riff und sank 20 Stunden später. Nur 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder überlebten. Es handelte sich um das bis heute zweitschwerste Schiffsunglück Neuseelands. 13. Juni 1881 Jeannette 33 Das Expeditionsschiff Jeannette unter George W. DeLong wurde 1879 vor Sibirien vom Packeis eingeschlossen. Nach 21 Monaten wurde es vom Eis zerdrückt und sank. Beim Versuch, Sibirien zu erreichen, starben 33 von 60 Besatzungsmitgliedern. 30. August 1881 Teuton 236 Der britische Passagierdampfer Teuton rammte vier Meilen vor Quoin Point an der Küste der südafrikanischen Kapkolonie ein Riff und sank während des Versuchs, die Hafenstadt Simon’s Town zu erreichen. Von den 272 Passagieren und Besatzungsmitgliedern überlebten nur 36. 5. Oktober 1881 Koning der Nederlanden 90 An Bord des niederländischen Passagierdampfers Koning der Nederlanden brach mitten auf dem Indischen Ozean die Welle und der Maschinenraum wurde geflutet. Alle 216 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten das Schiff verlassen, bevor es sank. Da die Koning der Nederlanden aber 400 Seemeilen vom nächsten Land unterging, verloren sich die Rettungsboote auf dem Ozean. Nur drei wurden gefunden; 90 Menschen verschwanden spurlos. 14. Oktober 1881 Unglück von Eyemouth 189 19 Boote, rund die Hälfte der Fischereiflotte von Eyemouth, sanken während eines plötzlich hereinbrechenden Orkans oder wurden aufgrund des gezeitenbedingt niedrigen Wasserstandes bei ihrer Rückkehr an der steinigen Küste vor der Stadt zerstört. 7. Januar 1883 City of Brussels 10 Der Passagierdampfer City of Brussels der Inman Line wurde beim Einlaufen in die Mündung des River Mersey in dichtem Nebel von dem Frachtschiff Kirby Hall gerammt und fast in zwei Hälften geschnitten. Er sank 20 Minuten nach der Kollision; zwei Passagiere und acht Besatzungsmitglieder starben. 19. Januar 1883 Cimbria 437 Am 19. Januar 1883 kollidierte der HAPAG-Passagierdampfer Cimbria auf der Reise von Hamburg nach New York City in dichtem Nebel bei Borkum mit dem britischen Dampfer Sultan und sank. 18. Januar 1884 City of Columbus 103 Vor Martha’s Vineyard prallte der amerikanische Passagierdampfer City of Columbus bei stürmischem Wetter auf einen Unterwasserfelsen und sank. Die schwere See spülte die meisten Passagiere von Bord und die Rettungsboote zerschellten beim Versuch, sie zu Wasser zu lassen, am Schiffsrumpf. 29 Menschen, die sich an die Takelage klammerten, konnten gerettet werden, während 103 ertranken oder im eiskalten Wasser an Unterkühlung starben, darunter alle Frauen und Kinder an Bord. 3. April 1884 Daniel Steinmann 121 Bei Sambro Island Light am Hafeneingang von Halifax verhinderten stürmische See und dichter Nebel das Einlaufen des belgischen Passagierschiffs Daniel Steinmann. Dreimal wurde der Dampfer gegen die Felsen des Riffs Mad Rock Shoal geschleudert und sank nach dem dritten Aufprall. Von den 130 Menschen an Bord wurden nur neun gerettet, darunter der Kapitän. 18. April 1884 State of Florida 130 Der britische Passagierdampfer State of Florida, auf dem Weg von New York nach Glasgow, kollidierte mitten auf dem Nordatlantik mit der kanadischen Bark Ponema. Beide Schiffe sanken. 118 der 162 Menschen an Bord des Dampfers und 12 der 15 Besatzungsmitglieder der Bark kamen ums Leben. Die Überlebenden wurden zwei Tage danach von einem norwegischen Segelschiff gerettet. 22. Juli 1885 Zephyr 8 Beim Versuch, die Besatzung einer auf den Barber Sands in der englischen Grafschaft Norfolk gestrandeten Bark zu retten, stürzte der Mast der Bark, in den sich die Schiffbrüchigen gerettet hatten, auf das Rettungsboot. Acht der 13 Besatzungsmitglieder des Rettungsbootes fanden bei dem Unglück den Tod. 30. Mai 1886 Ly-ee-Moon 71 Der australische Passagierdampfer Ly-ee-Moon strandete auf den Felsen der Landzunge Cape Green an der Küste von New South Wales. Das Schiff brach nach wenigen Minuten auseinander. Nur 15 Menschen konnten sich über den abgeknickten Vordermast und eine Seilverbindung an Land retten. 71 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. 10. Dezember 1886 Rettungsbootunglück vor Blackpool 44 Während eines Sturmes strandete die Hamburger Bark Mexico auf der Reise von Liverpool nach Ecuador vor Blackpool. Von drei englischen Rettungsbooten, die zur Rettung der 12-köpfigen Besatzung ausliefen, gelang es nur einem, die Mexico zu erreichen und die Besatzung komplett zu retten. Die Rettungsboote Laura Janet (Station St. Annes) und Eliza Fernley (Station Southport) kenterten dagegen beim Versuch, den Havaristen zu erreichen. Nur drei der insgesamt 27 Besatzungsmitglieder beider Boote überlebten das Unglück. Mitte Dezember 1886 (?) Unebi 174 Der in Frankreich gebaute japanische Geschützte Kreuzer Unebi, auf Überführungsreise von Frankreich nach Japan, sank im nördlichen Südchinesischen Meer im Sturm. Von der Überführungsmannschaft (174 Mann) überlebte niemand. Untergangsort und das genaue Datum des Sinkens (angenommen wird Mitte Dezember 1886) sind nicht bekannt. Im Jahre 1897 wurden auf den Pescadores-Inseln Trümmer des Schiffes gefunden. 20. Januar 1887 Kapunda 297 Vor Maceió an der brasilianischen Küste kollidierte der britische Eisen-Klipper Kapunda, der sich auf dem Weg von London nach Australien befand, mit der Bark Ada Melmore. Die Kapunda wurde fast in zwei Hälften geteilt und sank innerhalb von fünf Minuten. Von den 313 Menschen an Bord wurden nur acht Besatzungsmitglieder und acht Passagiere, allesamt Männer, gerettet. 297 Menschen kamen ums Leben, darunter alle Frauen und Kinder. 17. April 1887 Tasmania 35 Der P & O-Liner Tasmania strandete an der Südküste von Korsika auf den Klippen Les Moines (korsisch I Munacci, englisch Monachi Rocks). Alle Passagiere konnten gerettet werden, aber 35 Mitglieder der Mannschaft, darunter der Kapitän, starben. 19. November 1887 W. A. Scholten 132 Das Dampfschiff der niederländischen Holland-America Line, das zwischen Rotterdam und New York verkehrte, kollidierte im Ärmelkanal in dichtem Nebel mit dem bei Dover ankernden britischen Kohlenfrachter Rosa Mary. Der Dampfer bekam sofort schwere Schlagseite und sank nach 20 Minuten. 132 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben. 14. August 1888 Geiser 118 30 Meilen südlich von Sable Island (Neufundland) kam es bei Regen und Nebel zur Kollision der Passagierschiffe Geiser und Thingvalla der dänischen Reederei Thingvalla-Linie, als die Thingvalla in voller Fahrt in die Steuerbordseite der Geiser fuhr, die dann innerhalb von fünf Minuten unterging. Die beschädigte Thingvalla rettete 31 Menschen und wurde nach Halifax geschleppt. 22. August 1888 City of Chester 16 Kurz vor Fort Point an der kalifornischen Küste kam es in dichtem Nebel zu einer Kollision zwischen dem amerikanischen Küstendampfer City of Chester (1.106 BRT) und dem britischen Ozeandampfer Oceanic (3.707 BRT). Die Oceanic blieb flott, doch die City of Chester sank sechs Minuten nach dem Zusammenstoß mit dem Verlust von drei Besatzungsmitgliedern und 13 Passagieren. 13. September 1888 Sud America 79