Die S-500 Prometei ( Прометей, Prometheus) ist ein russisches Raketenabwehrsystem von Almas-Antei. Eine alternative Bezeichnung lautet 55R6M „Triumfator-M“ (55Р6М Триумфатор-М).

Entwicklungsgeschichte

Im Jahr 2002 begann Almas-Antei mit dem Projekt „Wlastelin“ (), mit einer umfassenderen Modernisierung des Raketen- und Flugabwehrsystems S-300WM.Steven J. Zaloga: The Russian S-300 and S-400 Missile Systems. New Vanguard, Vereinigtes Königreich, 2023, ISBN 978-1-4728-5376-9. S. 75–76. Das Projekt verwendete später die Bezeichnung S-500 und erhielt schließlich den Codenamen „Prometei“ (Prometheus).Tomasz Szulc: Russian Surface-to-Air Missiles by 2005. Military Technology Magazine. Volume 28, Issue 8, August 2004, S. 60–62. Als ein vorrangig auf die Abwehr ballistischer Raketen spezialisiertes System hätte es – in Ergänzung zur S-400 Triumf – ab 2016 in Dienst gestellt werden sollen. Nach einigen Verzögerungen begannen die konkreten Entwicklungsarbeiten erst im Jahr 2010 und der geplante Indienststellungstermin im Jahr 2016 konnte nicht eingehalten werden.Missilethreat.csis.org: S-500 Prometheus

Die ersten Schießversuche wurden Ende Juni 2014 durchgeführt. Der erste Langstrecken-Schießversuch des Systems fand im Jahr 2018 auf dem Übungsgelände Sary-Schagan statt, bei dem ein Ziel in 480 km Entfernung getroffen worden sein soll. Im Dezember 2019 erklärte der stellvertretende russische Verteidigungsminister, dass vorläufige staatliche Tests ab dem Jahr 2020 stattfinden sollen.

Im Juli 2021 fand ein erster erfolgreicher Test eines Serien-Systems auf dem Testgelände Kapustin Jar statt. Im Dezember 2021 sei laut der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti bei Übungen in der Arktis erstmals eine mit Hyperschallgeschwindigkeit fliegende Rakete abgefangen worden. Im Oktober 2021 wurde von der staatlichen Nachrichtenagentur TASS vermeldet, dass die erste S-500-Batterie für die Truppenerprobung in die Weltraumtruppen eingegliedert worden sei und zur Luftverteidigung Moskaus eingesetzt werde. Diese Batterie sei aber noch nicht voll ausgerüstet. Neben verschiedenen noch nicht fertig entwickelten Komponenten würden auch die exoatmosphärischen Abfangraketen fehlen.

Anfang 2022 wurde von dem vom russischen Verteidigungsministerium betriebenen Sender Swesda vermeldet, dass eine zweite S-500-Batterie bis zum Jahr 2025 an die Streitkräfte Russlands geliefert werden soll.Tvzvezda.ru: Поставки зенитных ракетных систем С-500 «Прометей» в ЮВО распланированы до 2025 года Weiter wurde berichtet, dass die Serienproduktion vorbereitet würde.Tvzvezda.ru: В России организовано серийное производство зенитной ракетной системы С-500 Die Raketen werden in eigens dafür eingerichteten Werken in Kirow und Nischni Nowgorod hergestellt. Nachdem Sergei Tschemesow, Rostec-Generaldirektor, erklärte, dass am 30. Juni 2019 mit der Serienproduktion der Raketen begonnen werden soll, geschah dies erst im April 2022.Armyrecognition.com: Almaz-Antey launches S-500 Prometheus missile batch production

Im Februar 2024 sollen bei einer weiteren Testkampagne erfolgreich Ziele mit Hyperschallgeschwindigkeit abgefangen worden sein.Armyrecognition.com: Russia to deploy two variants of S-500 Prometheus air defense missile system in Ukraine Weiter berichtete Sergei Schoigu im April 2024, dass sich die S-500 kurz vor der Indienststellung befinde. Im Westen geht man davon aus, dass sich die Serienproduktion der S-500 aufgrund der Sanktionen gegen Russland seit dem Überfall auf die Ukraine vermutlich auf unbestimmte Zeit verzögern wird.Pavel Luzin: ‘’Russia’s Mystery of Missile Defense’’. Eurasia Daily Monitor Volume 20, Issue 49, März 2023.

Konzeption Neben den Radaranlagen bilden laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik das Herzstück der S-500 die Abfangraketen „77N6-N“ () und 77N6-N1. Diese basieren auf den 9M82- und 9M83-Lenkwaffen des S-300WM-Systems, unterscheiden sich aber in Größe und Reichweite. Da der ABM-Vertrag die Maximalgeschwindigkeit der 9M82- und 9M83-Lenkwaffen auf 3000 m/s begrenzte, ist anzunehmen, dass die neuen Abfangraketen nach dem Aufkündigen des Vertrages eine höhere Geschwindigkeit erreichen. Die Abfangraketen sind in erster Linie für den Einsatz gegen ballistische Raketen in der Atmosphäre und am Rande des Weltraums vorgesehen. Die maximale Schussdistanz der S-500 beträgt nach Herstellerangaben rund 500 km bis zu einer Höhe von rund 100 km. Das S-500-System soll imstande sein, gleichzeitig zehn Interkontinentalraketen bzw. deren Sprengköpfe zu bekämpfen. Dabei sollen Ziele bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 7.000 m/s (25.200 km/h) bekämpft werden können. Die Abfangraketen sollen ballistische Raketen durch einen direkten Treffer (englisch: „Hit-To-Kill“) zerstören und somit eine sichere Vernichtung des Gefechtskopfes gewährleisten.First regiment of S-500 new air defense missile system will protect Moscow and center of Russia. In: Armyrecognition.com, 21. August 2014 (englisch). Die anfänglich berichtete Fähigkeit zur Antisatellitenwaffe wird von westlichen Experten angezweifelt.Sidharth Kaushal: RUSI Missile Defence Conference 2022 – Conference Report. Royal United Services Institute for Defence and Security Studies, 2022, ISSN 2397-0286.Tong Zhao & Dmitry Stefanovich: Missile Defense and the Strategic Relationship among the United States, Russia, and China. American Academy of Arts & Science, 2023, ISBN 0-87724-156-2.

Die frei zugänglichen Informationen über das Waffensystem sind begrenzt. Illustrationen aus dem Jahr 2011 zeigen gepanzerte, geländegängige Lastkraftwagen der Reihen BAS-6909 und BAS-6403 aus der Fertigung des Brjansker Automobilwerks mit drei, vier und fünf Achsen als Plattformen für mehrere Komponenten des S-500. Die Transport- und Startbehälter der Abfangraketen ähneln stark den entsprechenden Fahrzeugen für S-300W aus der Produktion des Kirowwerks. Die Verlastung auf LKW würde eine deutliche Mobilitätssteigerung gegenüber älteren sowjetischen bzw. russischen Raketenabwehrsystemen bedeuten.

Das Gesamtsystem wird anfangs wohl auf viele Elemente des Vorgängers S-300WM und der S-400 zurückgreifen, darunter die Radaranlagen 98L6, 91N6 und 96L6-TsP (unter der Bezeichnung 96L6 Teil des S-400) sowie das Mastsystem 40W6MT (S-400: 40W6M/MD). Der Feuerleitstand wird mit 55K6MA bezeichnet, was auf eine modernisierte Version dieser Komponente aus dem System S-400 mit der Typenbezeichnung 55K6 hindeutet. Zudem wird ein weiterer Typ eines Feuerleitstands mit der Kennung 85Sch6-2 erwähnt, möglicherweise eine Leiteinheit für eine verstärkte Batterie.

Einsatz

Im Juni 2024 berichtete der Militärnachrichtendienst der Ukraine, dass eine russische S-500-Batterie auf der Krim stationiert worden war. Die S-500-Batterie wurde zum Schutz der Krim-Brücke dorthin verlegt.Twz.com: S-500 Prometheus Air Defense System Now Protecting Russia’s Kerch Bridge: Ukraine’s Spy Boss

Nutzerstaaten – Seit 2024 befindet sich vier S-500-Batterien im 15. Luftabwehrregiment der Weltraumtruppen in der Truppenerprobung.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Flugabwehrrakete Kategorie:Anti-Raketen-Rakete Kategorie:Militärische Ausrüstung (Russland)