Der Markt, oft auch Alter Markt, ist eine historisch bedeutende Straße in der Altstadt von Frankfurt am Main. Er verläuft vom Domplatz am Kaiserdom St. Bartholomäus über den Hühnermarkt zum Römerberg. Vom Mittelalter bis zur Zerstörung durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main 1944 bildete er die wichtigste Ost-West-Verkehrsachse im alten Stadtkern. Über den Markt zogen die Kaiser nach ihrer Krönung im Dom zum Römerberg, daher wird der Markt heute zuweilen auch als Krönungsweg bezeichnet.

Nach dem Krieg zunächst eine Trümmerbrache, wurde das Gelände mit dem Bau der U-Bahn-Station Dom/Römer und des Technischen Rathauses Anfang der 1970er Jahre so umgestaltet, dass der Straßencharakter nicht mehr erkennbar war. Nach dem Abriss des Technischen Rathauses entstand der Altstadtkern im Rahmen des Dom-Römer-Projektes bis Ende 2017 neu. Dabei wurde nach über 70 Jahren auch das historische Straßennetz mitsamt dem Markt rekonstruiert.

Lage mini|links|Eine Übersichtskarte aus dem Jahr 1906 – In der Mitte ist die Lage des Marktes zu sehen mini|links|Die Sicht vom Markt in Richtung Römerberg 2006

Der Markt gehörte zu dem regelmäßigen Straßenraster der Altstadt, das in der Stauferzeit ab Ende des 12. Jahrhunderts entstand und die großen Plätze miteinander verband. Zwischen Dom und Römer verliefen drei Ost-West-Achsen ungefähr parallel zum Main: der Markt zwischen Domplatz und Römerberg im Norden, die Bendergasse zwischen Krautmarkt und Römerberg in der Mitte und schließlich die Saalgasse zwischen Weckmarkt und Römerberg im Süden. Unter diesen Achsen war der Markt die verkehrsreichste und bedeutendste. Seine Verlängerung östlich des Domplatzes in Richtung Fahrgasse bildete die Kannengießergasse, seine westliche Verlängerung über den Römerberg in Richtung Paulsplatz die schmale Wedelgasse.

An der Nordseite des Marktes öffnete sich auf halber Strecke zwischen Dom und Römerberg der Hühnermarkt. Nach Süden zweigten im Verlauf mehrere Gassen ab. Von Ost nach West waren dies die Höllgasse zwischen Domplatz und Krautmarkt, die Gasse Unter den Tuchgaden, die Lange Schirn, sowie drei schmale Gassen, die sich im Süden am Fünffingerplätzchen wieder trafen: Goldhutgasse, Drachengasse und Schwertfegergasse. Kurz vor dem Römerberg zweigte schließlich die Rapunzelgasse nach Süden ab. Sie verlief unmittelbar hinter den Häusern der Römerberg-Ostzeile, deren Fassaden bereits zum Römerberg wiesen. Von allen diesen Gassen sind zurzeit nur die Drachengasse, Schwertfegergasse und Rapunzelgasse erkennbar. Sie entstanden Anfang der 1980er Jahre beim Wiederaufbau der Römerberg-Ostzeile neu.

Kurz vor dem Römerberg in Höhe des Steinernen Hauses weitete sich der Markt zu einem kleinen Plätzchen, das offiziell keinen eigenen Namen trug, aber im Allgemeinen als Kräutermarkt bezeichnet wurde. Hier traf die am Hühnermarkt beginnende, nördlich parallel zum Markt verlaufende Gasse Hinter dem Lämmchen auf den Markt.

An den wichtigen Straßenecken standen markante Bauten, die zu den bedeutendsten Frankfurts gehörten. Das Haus zur Goldenen Waage (Markt 5) stand an der Ecke zur Höllgasse. Das neben dem Roten Haus (Markt 15) gegenüber dem Hühnermarkt gelegene Neue Rote Haus (Markt 17) war auf drei Eichenholzsäulen errichtet, so dass das Erdgeschoss einen offenen Durchgang zum Tuchgaden und zur Langen Schirn bildete. Das Steinerne Haus (Markt 44) bildete, wie schon sein Name anzeigt, eine Ausnahme unter den mittelalterlichen Frankfurter Bürgerhäusern, die ansonsten vorwiegend als Fachwerkbau über einem Erdgeschoss aus rotem Mainsandstein ausgeführt waren. Ein besonders prächtiges Beispiel für diesen Baustil ist das 1981 bis 1983 nach historischen Plänen wiederaufgebaute Haus Großer und Kleiner Engel am westlichen Ende des Marktes an der Ecke zum Römerberg. Es gehört zweifellos zu den am häufigsten abgebildeten Häusern der Frankfurter Altstadt.

Geschichte mini|Ansicht vom Domplatz in Richtung Westen, um 1900. Links das Haus zur Goldenen Waage, rechts Markt 8, der Hauptzugang zum Hof Rebstock am Markt mini|Carl Abt: Alter Markt von Westen, 1908

Das Gebiet um den Markt gehört zu den ältesten Siedlungsflächen Frankfurts. Es war topographisch durch zwei Anhöhen geprägt, die sich einige Meter über die sumpfige Niederung am rechten Mainufer erhoben und noch heute deutlich erkennbar sind: den Domhügel und den Samstagsberg. Wegen ihrer einigermaßen hochwassersicheren Lage in der Nähe der Furt, die der heutigen Stadt ihren Namen gab, waren sie seit der Jungsteinzeit regelmäßig und seit der Antike durchgehend besiedelt. Reste der römischen Niederlassung auf dem Domhügel wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ausgegraben.Egon Wamers: Zur Archäologie der Frankfurter Altstadt – Der archäologische Garten. In: Frankfurt am Main und Umgebung. Theiss, Stuttgart 1989, ISBN 3-8062-0585-X, S. 154–159 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 19) Zwischen den beiden Hügeln, etwa entlang der Langen Schirn, befand sich vermutlich ein Wasserlauf, der den Hauptstrom des Mains mit einem nördlich gelegenen Nebenarm, der Braubach, verband. Die Wasserläufe verlandeten im frühen Mittelalter und wurden später kanalisiert bzw. zugeschüttet.

Mittelalter Zwischen Höllgasse und Langer Schirn verläuft der Markt etwa am nördlichen Rand der karolingischen Königspfalz Frankfurt. Reste der Pfalz fand man 1953 bei Grabungen im Keller des im Bombenkrieg zerstörten Hauses zur Goldenen Waage.Ernst Mack: Von der Steinzeit zur Stauferstadt. Die frühe Geschichte von Frankfurt am Main. Knecht, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7820-0685-2, S. 121 ff. Nach älterer Auffassung verfiel sie in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, möglicherweise durch einen Brand, der sich zwischen 1017 und 1045 zugetragen haben muss. Danach wurde spätestens in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Pfalz ganz aufgegeben und ihre Reste überbaut, wobei das Baumaterial wiederverwendet wurde. Nach neueren Forschungen könnten Teile der karolingischen Königshalle dagegen noch, zumindest als Ruine, bis ins 13. oder frühe 14. Jahrhundert bestanden haben. Die spätere Bebauung orientierte sich im Bereich Höllgasse und Markt jedenfalls an der Pfalz, während der westlich davon gelegene Tuchgaden quer über das Areal der Pfalz verlief.Eine Ausführliche Darstellung zum Niedergang der karolingischen Pfalz mit allen Referenzen findet sich im Artikel zur Königspfalz Frankfurt.

Unter der Herrschaft der Staufer nahm die politische Bedeutung Frankfurts wieder zu. Damit einher ging ein rasches Wachstum der Stadt im 13. Jahrhundert, die sich nun auf ein weit größeres Gebiet innerhalb der Staufenmauer erstreckte. Die in dieser Zeit entstandenen Straßen bilden ein klar erkennbares Raster aus drei Nord-Süd-Achsen (Fahrgasse, Neue Kräme und Kornmarkt, von Ost nach West) und sechs Ost-West-Achsen mit dem Markt im Zentrum. Seine Lage begünstigte die Ansiedlung von Handelsgeschäften, sogenannten Kramläden oder Krämen, die vor allem während der Frankfurter Messe für den Warenumschlag genutzt wurden. 1296 bezeichnet ein Zinsbuch des Bartholomäusstiftes den ganzen Straßenzug zwischen Fahrgasse und Römerberg als vicus Apothecae. Im 14. Jahrhundert findet sich durchweg der Name vicus Institorum.Battonn, Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band III. S. 160. Der entsprechende deutsche Name lautete Krämergasse oder Kramgasse.

Kaiserkrönungen Eine besondere Bedeutung bekam die Gasse jedes Mal, wenn ein neuer Kaiser zu wählen war. Bereits seit 1147 hatte die Mehrzahl der Wahlen in Frankfurt stattgefunden, so dass sich allmählich ein Gewohnheitsrecht herausbildete: Alse man den kiunig kiesen wil, daz sol man tuon ze Frankenfurt.Schwabenspiegel, Kapitel 129 Mit der Goldenen Bulle wurde dieses Recht 1356 ein für alle Mal festgeschrieben. Von 1376 bis 1792 fanden 16 Wahlen in Frankfurt statt. Am Tag der Wahl versammelten sich die sieben Kurfürsten nach einem allgemeinen Läuten der Frankfurter Kirchenglocken im Römer, um ihr Festgewand anzulegen. Von dort begaben sie sich über den Markt in die Bartholomäuskirche, wo sich die Wahl und Ernennung des römischen Königs vollzog. Die anschließende Krönung zum Kaiser fand traditionell in Aachen statt, erst ab 1562 ebenfalls in Frankfurt. Nach der Krönung verließ der Kaiser den Dom und zog wiederum in feierlicher Prozession über den Markt zum Römerberg, wo die symbolischen Erzämter vollzogen wurden und das Volk den neuen Herrscher bejubelte.

Neuzeit mini|Blick in den Markt während Kanalarbeiten, 1867 mini|Anton Burger: Die Schirn am Alten Markt, 1869

Seit dem frühen 17. Jahrhundert fanden die Wochenmärkte nicht mehr auf dem Römerberg statt, sondern in der Krämergasse. Der frühere Name kam daher allmählich außer Gebrauch, stattdessen hieß die belebte Wohn- und Geschäftsstraße nun einfach Markt. Die Mehrzahl der teils prächtigen Fachwerkhäuser stammte aus dem 16. bis 18. Jahrhundert oder war zumindest in dieser Zeit modernisiert oder umgebaut worden. Der Tuchgaden war ein Zentrum des Gewand- und Tuchhandels, im Neuen Roten Haus und in der Langen Schirn hatten die Metzger ihre Verkaufsstände. Das gotische Haus Schildknecht/Spiegel an der Ecke zum Hühnermarkt mit seinem gewaltigen Geschossüberhang von fast zwei Metern war Sitz der Schuhmacherzunft.

Der junge Johann Wolfgang Goethe lernte das lebhafte Treiben in diesem Viertel kennen, sooft er seine Tante Melber besuchte, die das Haus zum Esslinger am Hühnermarkt bewohnte. Er beschrieb den Aufenthalt dort ausführlich in seiner Autobiographie Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit.

Noch in hohem Alter ließ er Mephisto über die enge Gasse spotten:

Ich suchte mir so eine Hauptstadt aus, Im Kerne Bürger-Nahrungs-Graus. Krummenge Gäßchen, steile Giebeln, Beschränkten Markt, Kohl, Rüben, Zwiebeln; Fleischbänke, wo die Schmeißen hausen, Die fetten Braten anzuschmausen; Da findest du zu jeder Zeit Gewiß Gestank und Tätigkeit. (Faust. Der Tragödie zweiter Teil Vierter Akt. Hochgebirg)

Im Laufe des 19. Jahrhunderts zogen viele wohlhabende Bürger in die neuen Stadtviertel außerhalb der Wallanlagen. In die Altstadt, auch an den Markt, zogen vornehmlich kleine Handwerker und Arbeiterfamilien. Das Viertel blieb bis zum Zweiten Weltkrieg dicht bewohnt. Die großen Straßendurchbrüche der Braubachstraße und der Bethmannstraße Anfang des 20. Jahrhunderts berührten den Markt nicht. 1898 erwarb die Stadt Frankfurt das bedeutende Fachwerkhaus Zur Goldenen Waage und ließ es restaurieren. Seit 1913 befand sich hier eine Außenstelle des Historischen Museums.

Zerstörung und Nachkriegszeit mini|Blick vom Dom auf die freie Fläche der ehemaligen Altstadt – Rechts sind die Ruinen des Steinernen Hauses zu sehen; Ansicht von 1956 mini|Blick vom Dom in Richtung Römer auf den Markt, Juni 1988 mini|Blick vom Domturm, April 2018

Am 22. März 1944 zerstörte ein Luftangriff die historische Altstadt. Im Viertel zwischen Dom und Römer brannten sämtliche Häuser aus, auch am Markt. Viele der Bewohner konnten sich jedoch vor den Flammen retten. Die mittelalterlichen Frankfurter Häuser hatten zum großen Teil sehr fest gefügte Gewölbekeller, die verhältnismäßig gut gegen Sprengbomben geschützt und seit 1940 untereinander verbunden waren. Auf diese Weise bildeten sie ein unterirdisches Netz. Viele Überlebende konnten so rechtzeitig vor dem Feuersturm in Richtung Mainufer oder zum Ausstieg am Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg fliehen.