Karl Thoma (eigentlich Johann Nikolaus Carl ThomaGeneral-Anzeiger, 6. September 1901, S. 8; * 1857 in Aachen; † 17. Juli 1923General-Anzeiger, 19. Juli 1923, S. 2; zeitpunkt.nrw) war ein deutscher Architekt und Regierungsbaumeister, der vor allem in seiner Heimatstadt Bonn wirkte.
Leben und Wirken Thoma besuchte die Volksschule und das Gymnasium in seiner Geburtsstadt Aachen. Anschließend begann er dort an der Technischen Hochschule (bis 1880 Polytechnische Schule) ein Studium der Architektur und Technik. Ab Ostern 1883 war er als Regierungsbauführer bei der Kreisbauinspektion Bonn tätig und in dieser Eigenschaft mit der Erweiterung des Akademischen Kunstmuseums (1883–1884), mit dem Umbau des Physikalischen Instituts und mit einem Entwurf für das Pathologische Institut beschäftigt. Für die Provinzialverwaltung der Rheinprovinz in Düsseldorf übernahm er die Entwurfsausarbeitung und die Bauleitung des Provinzialmuseums in Trier. 1888 bestand Thoma die Baumeisterprüfung in Berlin und erhielt anschließend seine Ernennung zum Königlich Preußischen Regierungsbaumeister. Nachfolgende Stationen Thomas waren das Auswärtige Amt in Berlin, für das er Entwürfe zu Kolonialbauten ausarbeitete, die Stadt Berlin unter dem Stadtbaurat James Hobrecht sowie die Vertretung der Kreisbauinspektion Marienwerder. Von 1889 bis 1892 war Thoma – wiederum für die Provinzialverwaltung in Düsseldorf – als Bauleiter des Neubaus des Provinzialmuseums in Bonn (1944 kriegszerstört) tätig.Deutsche Bauzeitung, 8. September 1923, 57. Jahrgang, No. 72/73; bg.polsl.pl (PDF). Mit Abschluss dieses Projekts beendete Thoma seine Beamtenlaufbahn und gründete in Köln gemeinsam mit Ferdinand Schmitz ein Architekturbüro, 1899 ließ er sich in Bonn mit einem eigenen Büro nieder.
Thomas Werk aus seiner Zeit als freischaffender Architekt bis zum Ersten Weltkrieg umfasst sowohl private Wohnhäuser, Industrie- und Geschäftsbauten als auch öffentliche und sakrale Gebäude. Zu seinen bedeutendsten Projekten können die Instandsetzung des Kreuzgangs und der Osttürme des Bonner Münsters (ab 1897Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Bonn. L. Schwann, Düsseldorf 1905, S. 181 (=Provinzialverband der Rheinprovinz: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 5, Abt. 3, S. 477). Unveränderter Nachdruck: Verlag Schwann, Düsseldorf 1981, ISBN 3-590-32113-X; .), das Bonner Bürgervereinshaus (1909), das Münsterhaus (1912), die Münsterkaplanei (heute nicht mehr existentPeter Jurgilewitsch, Wolfgang Pütz-Liebenow: Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Bouvier Verlag, Bonn 1990, ISBN 3-416-80606-9, S. 148.), das Warenhaus Tietz am Münsterplatz sowie der Anschluss des Pfarrhauses an das Gangolfshaus gelten.
Thoma war langjähriges Mitglied des Bundes Deutscher Architekten. Um 1903 wurde er zum Vorsitzenden des „Architekten- und Ingenieur-Vereins“ in Bonn gewählt, dieser ernannte ihn nach Aufgabe des Vorsitzes 1920 zu seinem Ehrenmitglied. Kommunalpolitisch engagierte sich Thoma für die Zentrumspartei als Mitglied im Bonner Stadtrat. Zeitweilig war er zudem Vorsitzender der „A.G. für Thonindustrie zu Niederpleis“.Tonindustrie-Zeitung, 1902, Band 26, S. 1332; A. Seydel. Er gehörte auch einer von der Stadt Bonn für die Beurteilung besonderer Bauprojekte eingerichteten Gestaltungskommission zur Überwachung des 1909 veröffentlichten „Ortsstatuts zum Schutz der Stadt Bonn gegen Verunstaltung“ an.Franz Josef Talbot (mit Fotografien von Achim Bednorz): Bonner Südstadt. Emons Verlag, Köln 2018, ISBN 978-3-7408-0468-8, S. 158, 232.
Werk
Bauten in Bonn Bauzeit Ortsteil Adressebei nicht mehr bestehenden Bauten – falls bekannt – die zuletzt gültige Adresse Bild Objekt Maßnahme Anmerkungen 1900 Gronau Coblenzerstraße 99heute Adenauerallee Villa (erbaut 1853)Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 2, Katalog (1), S. 173–199. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994) Erweiterung (Bauherr: Jean Balthazar) um 1952 für Auswärtiges Amt abgebrochen 1901/1902 Bonn-Zentrum Friedensplatz 12 Wohn- und Geschäftshaus Neubau Denkmalschutz 1902/1903 Südstadt Kaiserstraße 69 Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1902/1903 Südstadt Kaiserstraße 71 100px Wohnhaus Neubau (Bauherr: Karl ThomaGerhard Kirchlinne: Die Bonner Südstadt: Eines der prächtigsten Gründerzeitviertel Deutschlands. Bonn 2015, ISBN 978-3-00-050248-4, S. 104.) Denkmalschutz 1903 Südstadt Goebenstraße 35 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1903 Südstadt Goebenstraße 37 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1903 Südstadt Goebenstraße 41 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1903 Südstadt Goebenstraße 43 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1903 Südstadt Goebenstraße 45 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1904 Weststadt Kaufmannstraße 45 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1905/1906 Südstadt Bonner Talweg 60 100px Verbindungshaus Neubau (Bauherr: AMV Makaria Bonn)Franz Josef Talbot (mit Fotografien von Achim Bednorz): Bonner Südstadt. Emons Verlag, Köln 2018, ISBN 978-3-7408-0468-8, S. 161. Denkmalschutz 1906 Bonn-Zentrum Remigiusstraße 1 100px weitere Bilder Wohn- und Geschäftshaus Neubau (mit Josef Steinkrüger) Denkmalschutz 1906 Gronau Buschstraße 22 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1908 Südstadt Königstraße 17a Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1909 Poppelsdorf Jagdweg 16 100px Remise der Schreibwaren-Fabrik Soennecken Neubau Denkmalschutz; 1986 umfassend renoviertInformationstafel am ehemaligen Hauptgebäude der Schreibwaren-Fabrik Friedrich Soennecken 1909 Südstadt Poppelsdorfer Allee / Prinz-Albert-Straßebis 1972 Kronprinzenstraße () Gesellschaftshaus des Bonner Bürgervereins Neubau um 1970 abgebrochen 1909–1910 Bonn-Zentrum Tempelstraße 10–12 100px Jüdisches GemeindehausElfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil I: Regierungsbezirk Köln. (=Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland, Band 34.1) J.P. Bachem Verlag, Köln 1997, ISBN 3-7616-1322-9, S. 476/477. Neubau 1938 zerstörtNicole Bemmelen: Die Neue Judengasse in Bonn – Entstehung und Zerstörung. In: Bonner Heimat- und Geschichtsverein, Stadtarchiv Bonn (Hrsg.): Bonner Geschichtsblätter: Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, Band 51/52 (2001/2002), Bonn 2003, S. 197–284 (hier: S. 249); . 1911–1912 Bonn-Zentrum In der Sürst 2–6 100px weitere Bilder „Münsterhaus“ NeubauPaul Metzger: Bonn am Rhein in alten Ansichten. Band 2. Zaltbommel 1981, ISBN 978-90-288-1635-0, S. 18. () Denkmalschutz; später Dresdner BankWalter Belz, Hans Kammerer: Kammerer + Belz: Werkbericht. J. Hoffmann, 1985, S. 128. 1913/1914 Südstadt Poppelsdorfer Allee 45 Wohnhaus Um-/Ausbau, Vorblendung Fassade Denkmalschutz; früher dänische Botschaft, heute Hausdorff Center for Mathematics 1914/1915 Südstadt Venusbergweg 17/17a 100px Doppelvilla Neubau Denkmalschutz
Bauten außerhalb Bonns Bauzeit Ortsteil Adresse Bild Objekt Maßnahme Anmerkungen 1910–1911 Kesseling Steinerbergstraße 1 100px Wanderhütte („Steinerberghaus“)Steinerberghaus beschert seit 100 Jahren Gipfelglück hoch über der Ahr. In: Rhein-Zeitung, 28. Februar 2011. Neubau (Bauherr: Eifelverein) heute „Landgasthof Steinerberghaus“ steinerberghaus.de
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen Landeskonservator Rheinland (Hrsg.); Eberhard Grunsky, Volker Osteneck: Die Bonner Südstadt. 2., veränderte Auflage. Rheinland-Verlag, Köln 1976, ISBN 3-7927-0265-7, S. 21 (= Arbeitsheft 6).
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