mini|hochkant=1.5|Kongress des World Wildlife Funds 1973 in der Bonner Beethovenhalle mit Prinz Bernhard der Niederlande (2. v. l.) und Prinz Gyanendra von Nepal (4. v. l.)
Beim The 1001: A Nature Trust, der nach den 1001 beteiligten Mitgliedern als Club (der) 1001 bekannt ist, handelt es sich um eine Stiftung, die zur finanziellen Unterstützung des World Wildlife Fund (WWF; später: World Wide Fund for Nature) eingerichtet wurde. Sie wurde zu Beginn der 1970er Jahre mit Unterstützung des südafrikanischen Unternehmers Anton Rupert und des damaligen Präsidenten des WWF International, Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, ins Leben gerufen.
Gründung Nach Angabe des WWF startete der damalige und erste Präsident des WWF International, Prinz Bernhard der Niederlande, 1970 eine Initiative, die dem WWF eine zuverlässige finanzielle Grundlage verschaffen sollte. Der WWF richtete einen Vermögensstock über zehn Millionen US-Dollar ein, der als „The 1001: A Nature Trust“ bekannt wurde. Prinz Bernhard fungierte als Raison d’Être des Clubs der 1001 und stand im Mittelpunkt eines umfangreichen Ordenssystems, das der WWF nach dem Vorbild moderner Monarchien in den Jahren vor Prinz Bernhards Rücktritt eingeführt hatte, um Elitenbildung und -bindung zu fördern.
Die ursprüngliche Idee für die Einrichtung des Klubs scheint vom WWF-Gründungsmitglied Anton Rupert gekommen zu sein und wurde dem WWF zufolge von Prinz Bernhard „konkret gemacht“. In den Club flossen Ruperts Kenntnisse der Vermarktung sowie seine und Prinz Bernhards komplexen und weltweiten Business-Netzwerke ein. Prinz Bernhard war insbesondere wohlbekannt für seine weitreichenden Kontakte im Businessbereich und zu Machtträgern auf der ganzen Welt. Er war zeitlebens Teilnehmer, Präsident und Förderer mehrerer bedeutender Business-Netzwerke, darunter die Bilderberg-Group (seit 1954) und die weniger bekannte Mars and Mercury Group (gegründet 1926). Die Gründung des Kapitalfonds, mit dessen Zinsen der WWF seine administrativen Fixkosten decken und potenziellen Spendern versichern konnte, „dass 100 Prozent des Geldes, das dem internationalen Sekretariat für den Naturschutz gespendet wird, tatsächlich für Naturschutzprojekte ausgegeben werden“, wurde als „größtes Vermächtnis“ (Alexis Schwarzenbach) Ruperts bezeichnet.
Vorgeschichte Der WWF war gegründet worden, um Finanzmittel bereitzustellen, blieb dabei aber im Gegensatz zu anfänglichen Erfolgen zunächst nur begrenzt erfolgreich. WWF-Mitbegründer Peter Scott war davon ausgegangen, die notwendigen Summen aufbringen zu können und hatte sich von „den Reichen“ eine Summe von 25 Millionen US-Dollar erwartet. Doch erst nach Jahren, 1968, erreichte die Gesamtsumme der beim WWF eingegangenen Spenden eine Million Britische Pfund. Diese Summe wurde für die vielfältigen Aufgaben, die sich dem WWF stellten, als zu gering angesehen. Der WWF hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 2,3 Millionen britische Pfund ausgeben zu können. 1968 schrieb Prinz Bernhard im WWF-Jahrbuch, dass zum Erreichen dieses Zieles neue Geldquellen erschlossen werden müssten. Der WWF hatte zu diesem Zeitpunkt zwar bereits Kontakte zu „den Reichen“ aufbauen können, erhielt von ihnen aber nicht die erhofften Summen. Der WWF war einerseits der Auffassung, dass nicht an Bedingungen gebundene Finanzmittel anzustreben seien, es aber andererseits sehr viel leichter war, zweckgebundene Spenden für konkrete Projekte zu erhalten, als Geld, um die Verwaltungskosten einer Organisation zu decken. 1971 wurden die Finanzen des WWF mit der Gründung des Exclusiv-Clubs The 1001: A Nature Trust dann auf eine neue Grundlage gestellt. Prinz Bernhard wendete sich an 1001 wohlhabende Personen mit dem Anliegen, dem WWF jeweils 10.000 US-Dollar zur Verfügung zu stellen.
Ablauf Die Gründung eines Kapitalfonds war bereits im Jahr 1964 vom Bankier und WWF-Stiftungsrats-Mitglied Samuel Schweizer vorgeschlagen worden, doch hatte der WWF bis zum Beitritt von Rupert lediglich umfassende Recherchen darüber angestellt, wie man in verschiedenen Ländern Steuerfreiheit erlangen konnte, und zudem einen Plan von Max Nicholson aus dem Jahr 1961 aufgegriffen, der die Gründung eines exklusiven Clubs für schwerreiche WWF-Förderer vorsah. Als der WWF sich auf der Suche nach einer Möglichkeit befand, das Vermögen von 10 Millionen US-Dollar aufzubringen, unterbreitete Anton Rupert dem WWF-Präsidenten Prinz Bernhard den Vorschlag, eintausend Personen dazu zu bewegen, jeweils einen Betrag von 10.000 US-Dollar zu leisten.
Rupert hatte von diesem Plan, Finanzmittel für einen Kapitalfonds in Höhe von zehn Millionen US-Dollar zu sammeln, erfahren, als er im Januar 1970 Vorsitzender des neu gegründeten Fundraising-Ausschusses wurde. Er besprach sich mit einem Mitarbeiter und Manager seines Unternehmens Rothmans International, dem Ökonomen und Juristen Charles de Haes, der für Rupert im Sudan und in Kenia Zigarettenfabriken aufgebaut und gemanagt hatte. Rupert und de Haes beschlossen, 1000 Personen um eine Spende von jeweils 10.000 US-Dollar zu bitten. De Haes sollte für die Umsetzung zwei Jahre lang unbeschränkte Vollmacht erhalten und sein Gehalt in dieser Zeit weiter von Rupert erhalten. Nachdem Rupert und de Haes ihren Plan Peter Scott und Fritz Vollmar bei einem Treffen in Slimbridge, dem Mittelpunkt von Scotts Engagement für den Schutz von Wildvögeln in Gloucestershire, unterbreitet hatten, beschlossen Rupert und de Haes, eintausend Spendern eine persönliche Einladung von Prinz Bernhard zukommen zu lassen, gemeinsam mit ihm den Club 1001 zu gründen. Rupert und de Haes besuchten Prinz Bernhard in den Niederlanden und präsentierten ihm die auf Briefpapier der Londoner Hauptniederlassung von Rothmans gefertigten Einladungen, für die Zigarettenschatel-Designer Rothmans das Club-Logo – einen Globus und die in Gold geprägten Ziffern 1001 – entworfen hatten. Prinz Bernhard akzeptierte das Logo und machte Charles de Haes zu seinem „ehrenamtlichen persönlichen Assistenten“, der den Club 1000 aufbauen sollte.
Gemeinsam entwickelten Rupert und Prinz Bernhard 1970 das Konzept des Clubs der 1001, mit welchem dem WWF dazu verholfen werden sollte, seine Betriebskosten abzudecken. Im November 1970 stimmte der WWF-Stiftungsrat dem Plan zu, der bis Ende 1973 vollständig umgesetzt wurde. Die 1000 wohlhabenden Personen erhielten für die einmalige Spende lebenslange Mitgliedschaft im Club unter Geheimhaltung ihrer Namen durch den WWF. Die Mitglieder – Individuen oder Körperschaften – erhielten für die beträchtliche Spende Zugang zu exklusiven Feiern und Diners, auf denen sie mit anderen wohlhabenden und adligen Personen in Kontakt kommen konnten. Auch Firmen konnten die 10.000 US-Dollar im Namen von ausgewählten Repräsentanten bezahlen, doch wurde die Mitgliedschaft im Club ausschließlich an Einzelpersonen vergeben. In den Broschüren des Clubs erschienen die Mitglieder nur in Form von Namenslisten, unter Angabe des Landes, in dem sich ihr Wohnsitz befand. Vom Londoner Traditionsjuwelier Garrard hergestellte Club-1001-Anstecknadeln fungierten als „wirkungsvolles Mittel, zögerliche Stiftungsratsmitglieder bei Sitzungen unter Gruppendruck zu setzen“ (Alexis Schwarzenbach) und de Haes entwickelte in der Folge eine Art „Schneeballsystem“, indem er jedes neue Mitglied um Adressen von potenziellen Spendern bat, die er dann aufsuchte. Die Außendarstellung des Club 1001 bediente sich der Symbolik eines vornehmen Golf- oder Country-Clubs. Clubmitglieder kamen auf Empfängen, die im Palast von Prinz Bernhard in den Niederlanden abgehalten wurden, zusammen. Der WWF organisierte sowohl internationale und nationale Treffen für die Mitglieder als auch spezielle Ausflüge zu WWF-Projekten in aller Welt. Gelegentlich fanden gesellschaftliche Zusammenkünfte zugunsten der Mitglieder in Städten wie Los Angeles, London oder Genf statt, die in der Regel von einem dort lebenden Mitglied ausgerichtet wurden. Es konnten auch exklusive Urlaubsreisen gebucht werden, von denen eine Ostafrika-Safari im Jahr 1974 unter Teilnahme von 20 zahlenden Mitgliedern dir erste war. Um die Steuerfreiheit nicht zu gefährden, beinhalteten die Mitgliedsbeiträge jedoch keine Leistungen wie etwa die Nutzung eines Clubhauses oder freien Eintritt in WWF-gesponserte Wildtierreservate.
Anton Rupert und Prinz Bernhard arbeiteten dabei für die Förderung und Vermarktung des Natur- und Artenschutzes eng zusammen. Beide entwickelten ihre Netzwerke, aus denen sich der Club der 1001 des WWF rekrutieren sollte. Rupert, selbst ein enger und lebenslanger Freund Prinz Bernhards, wurde allgemein als führender Afrikaner-Geschäftsmann Südafrikas angesehen und war Gründer und Vorsitzender des Tabak-Konzerns Rembrandt, Leiter von Rothmans International und einer der vermögendsten Männer Südafrikas. Im früheren Teil seiner Laufbahn war Rupert viele Jahre lang eng mit dem Afrikaner Broederbond verbunden, dem nationalistischen Geheimbund der Afrikaner, der starken Einfluss auf die Regierungen während der Apartheid-Ära ausgeübt hatte. Auf Vorschlag Prinz Bernhards von 1968 hin, einen nationalen Zweig des WWF in Südafrika zu gründen, richtete Rupert als südafrikanischen Ortsverband des WWF die Southern African Nature Foundation (SANF) ein, zu deren Präsident er selbst wurde, und gewann südafrikanische Geschäftsleute dafür, dessen Stiftungsrat beizutreten. Zudem fungierte Rupert über einen Zeitraum von 22 Jahren hinweg, bis 1990, als Kurator des WWF International, obwohl eine Klausel in der Original-Gründungsurkunde des WWF für Mitglieder eine Begrenzung von zwei dreijährigen Amtszeiten vorsah. Rupert gewann innerhalb der WWF-Kreise derart an Einfluss, dass er in der Lage war, den Generaldirektor für die internationale Hauptgeschäftsstelle des WWF in der Schweiz zu stellen.
Rupert unterbreitete noch während der Präsidentschaft Prinz Bernhards für den WWF International, 1971 oder kurz zuvor, den Vorschlag, Prinz Bernhard einen persönlichen Assistenten zu stellen, der dazu abgestellt werden sollte, in der Hauptgeschäftsstelle des WWF International zu arbeiten, während sein Gehalt weiter von seinem Mutterkonzern bezahlt werden sollte. Für diese Verwendung schlug Rupert de Haes vor. 1971 wurde der von Rupert kostenlos zur Verfügung gestellte de Haes damit beauftragt, an der Seite von Prinz Bernhard zu arbeiten, um eine dauerhafte Stiftung für den WWF zu gründen und das operative Ziel von 10 Millionen US-Dollar durch Anwerbung der Spenden zu erreichen. De Haes, der während der Gründungsphase des Club der 1001 allen WWF-Ländersektionen (ursprünglich „National Appeals“, ab 1977 „Nationale Organisationen“ oder kurz „NOs“ genannt) einen Besuch abstattete, führte seinen Auftrag in der Zeit von 1971 bis 1973 so erfolgreich aus, dass er 1975 neben Fritz Vollmar zum Ko-Generaldirektor von WWF-International und dann 1977 oder 1978 zum alleinigen Generaldirektor ernannt wurde, ein Posten, den er bis 1993 besetzte.Während Bonner angab, dass de Haes sein Gehalt auch während seiner Zeit als WWF-Generaldirektor von Rupert erhielt, wurde dies vom WWF bestritten. (Quelle: Günter Murr, Entwicklung und Handlungsmöglichkeiten von Umweltverbänden in der internationalen Politik: das Beispiel WWF, Schriftenreihe zur politischen Ökologie, Bd. 1, ökom-Verl., München 1996, S. 51, Fußnote 213; mit Verweis auf Bonner 1993, S. 70.) Laut Schwarzenbach wurde sein Gehalt ab 1975 nicht mehr von Anton Rupert bezahlt, für dessen Unternehmen er nicht mehr arbeitete, sondern von einer Sponsorengruppe, zu der auch Luc Hoffmann gehörte. (Quelle: Alexis Schwarzenbach, WWF: Die Biografie, Collection Rolf Heyne, 1. Aufl., München 2011, S. 155, Fußnote 55/S. 332) Im November 1973 hatte de Haes das angestrebte Ziel von 1000 Spendern erreicht, von denen 60 aus Deutschland kamen.
In den 1990er Jahren war die Höhe der Einlage der 1000 Spender bereits auf jeweils 25.000 US-Dollar aufgestockt worden.
Ziele und Bedeutung