Pegida, kurz für Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Akronym: PEGIDA), war eine islam- und fremdenfeindliche, völkische, rassistische und rechtsextreme Organisation. Sie veranstaltete vom 20. Oktober 2014 bis zum 20. Oktober 2024 in Dresden Demonstrationen gegen eine von ihr behauptete Islamisierung und die Einwanderungs- und Asylpolitik Deutschlands und Europas. Ähnliche, deutlich kleinere Demonstrationen fanden, zum Teil durch rechtsextreme Personen oder Gruppierungen angemeldet und organisiert, in weiteren Städten statt.

Bei Pegida in Dresden traten neurechte und rechtspopulistische Akteure aus Deutschland und anderen Staaten Europas auf. Wissenschaftler, Politiker, Vertreter von Religionsgemeinschaften und weitere zivilgesellschaftliche Organisationen warnen vor Nationalismus, Islamfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die von diesen Demonstrationen ausgingen. Zudem wurden Beiträge verbreitet, die an die antisemitisch konnotierte Verschwörungstheorie des Great Reset bzw. des Großen Austauschs angelehnt sind. Verfassungsschutzbehörden der Länder weisen auf rechtsextreme Tendenzen bei Pegida selbst und Ablegern von Pegida hin. Insgesamt radikalisierte sich die Bewegung seit 2015 und verkleinerte sich seit Ende desselben Jahres hinsichtlich der Teilnehmerzahlen an Demonstrationen kontinuierlich. Ob mit Pegida-Organisatoren oder Demonstranten ein Dialog geführt werden kann und soll, wurde kontrovers diskutiert. Seit Mai 2021 wurde die Bewegung durch das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen als „erwiesene extremistische Bestrebung“ eingestuft und beobachtet.

Gegen mehrere Pegida-Organisatoren und -Redner sind Strafverfahren anhängig bzw. Verurteilungen erfolgt. Von führenden deutschen Politikern wurde namentlich Pegida nach dem Mordanschlag eines mutmaßlichen Rechtsextremisten auf die damalige Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker vorgeworfen, den geistigen Boden für die Tat bereitet zu haben.

Im Herbst 2024 verkündete der – seit 2016 auf Teneriffa lebende – mehrfach verurteilte Gründer Lutz Bachmann, dass es immer schwerer werde, Mitglieder zu gewinnen, sodass die Organisation vor dem Aus stünde: Die letzte Pegida-Demonstration in Dresden fand am 20. Oktober statt.

Pegida in Dresden Entstehung Lutz Bachmann gründete am 11. Oktober 2014 die geschlossene Facebook-Gruppe Friedliche Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes. Damit protestierte er gegen eine Solidaritätskundgebung am Vortag in der Dresdner Innenstadt für die in Deutschland verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und deren bewaffneten Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS). Ab dem 16. Oktober beteiligte sich Siegfried Däbritz, ein nationalistischer Politiker aus Meißen, an der Gruppe und forderte Demonstrationen gegen „die fortschreitende Islamisierung unseres Landes“ und „Glaubenskriege auf unseren Straßen“ durch „terroristische, islamistische Kräfte“ wie PKK und al-Qaida zählte. Man solle der Regierung Ablehnung von „Political Correctness“ und der „ständigen Beschimpfung als Nazis“ zeigen und dazu die Parole „Wir sind das Volk“ der Montagsdemonstrationen 1989/1990 in der DDR verwenden. Gegenüber rechtsextremen Teilnehmern der Gruppe, die „friedliebend“ im Namen durch „national“ ersetzen wollten, betonte er, die Initiative dürfe kein Sammelbecken für „rechte Spinner, Neonazis und dergleichen“ werden. Bachmann bevorzugte die Selbstbezeichnung „Patriot“, um der „Nazikeule“ zu begegnen, die er als öffentliche Reaktion auf die geplanten Kundgebungen erwartete.

Däbritz sowie Thomas Tallacker, CDU-Stadtrat in Meißen und Mitgründer Pegidas, fielen seit Sommer 2013 im Internet mit verächtlichen und rassistischen Äußerungen über Muslime, Kurden, Türken und Asylbewerber auf. Deswegen drängte die CDU Meißen Tallacker, sein Mandat niederzulegen,Interne Facebook-Gruppe – Pegida-Anführer nutzen Hitler-Zitate und rassistische Parolen. In: Spiegel Online. 10. Januar 2015, abgerufen am 21. Januar 2020. und leitete ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn ein. Däbritz besuchte am 26. Oktober 2014 die Kölner Kundgebung der Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa), bei der es zu Gewalt kam. Danach warb er nach MDR-Recherchen auf einer Facebookseite der Hogesa des Ostens mit beleidigenden Aussagen über Muslime („bärtige Ziegenwämser“) für die Teilnahme an Pegida. Dort wurden auch öffentliche Koranverbrennungen und die von Muslimen gefordert.

Als weiteren Gründungsanlass Pegidas sah Bachmann „die schrecklichen Ereignisse in Hamburg und Celle“: Zwei Straßenschlachten zwischen Kurden und Islamisten am 8. bzw. 7. Oktober 2014.Stefan Locke: „Pegida“-Demonstrationen – Die neue Wut aus dem Osten. In: faz.net. 7. Dezember 2014, abgerufen am 9. April 2020.Frank Jansen: Der IS-Konflikt schwappt nach Deutschland über. In: tagesspiegel.de. 8. Oktober 2014, abgerufen am 24. April 2020. Als Vorbild zum Namen nannte er CDU-Wahlplakate der 1960er Jahre mit dem Motto „Rettet die abendländische Kultur“.Kristian Frigelj, Vanessa Schlesier: Islamfeinde protestieren als Dügida in Düsseldorf. In: welt.de. 8. Dezember 2014, abgerufen am 3. Mai 2020. Seit dem 20. Oktober 2014 rief Pegida zu einem „Abendspaziergang“ in der Innenstadt Dresdens auf.Marcus Lütticke: „Pegida“ ins Netz gegangen. In: dw.com. 12. Dezember 2014, abgerufen am 23. Mai 2020.

Zur weiteren Vorgeschichte Pegidas zählen Berichte über Ereignisse von 2014, die allgemeine Distanz zu Politikern, etablierten Parteien und Medien kennzeichne und verbinde: Die „Montagsmahnwachen“ gegen „Kriegsrhetorik“ gegenüber Russland im Ukraine-Konflikt (seit März 2014), den mit Wahlkampfthemen wie Asylmissbrauch und Ausländerkriminalität erzielten Einzug der rechtspopulistischen und rechtsextremen ParteiRassistisch und rechtsextrem: Klare Abgrenzung von der AfD geboten. Pressemitteilung. In: institut-fuer-menschenrechte.de. 7. Juni 2021, abgerufen am 31. Juli 2025. Alternative für Deutschland (AfD) in die Landtage von Sachsen, Brandenburg und Thüringen (August) und die Treffen von etwa 4000 gewaltbereiten, islamfeindlichen und rassistischen Hooligans am 26. Oktober in Köln und 15. November 2014 in Hannover.Steven Geyer: Populistische Bewegungen: Pegida, Hogesa, Montagsmahnwachen: Geeint in der Wut auf Staat und Medien. In: berliner-zeitung.de. 10. Dezember 2014, abgerufen am 28. Mai 2020.Hannah Beitzer: Das Jahr der großen Wut. In: sueddeutsche.de. 26. Dezember 2014, abgerufen am 15. Juni 2020.Jannis Brühl: Was Hooligans und Neonazis verbindet. In: sueddeutsche.de. 27. Oktober 2014, abgerufen am 12. Juli 2020. Der MDR sah den Beginn von Islamfeindlichkeit bei größeren Bevölkerungsteilen, den Pegida zeige, im Zusammenwirken von Bürgern mit Rechtsextremisten bei den Protesten gegen ein Asylbewerberheim in Schneeberg am 1. November des Vorjahres.

Führungskreis mini|Lutz Bachmann, 2015 mini|Kathrin Oertel, 2015

Nach Angaben von Lutz Bachmann stammte das ursprüngliche zwölfköpfige Organisationsteam Pegidas aus seinem engsten Freundeskreis, aus der „Partyszene“ und Sportvereinsanhängern Dresdens. Dieser Kreis hatte Kontakte zu einigen Dresdner FDP-Politikern. Von den Gründungsmitgliedern waren zuvor nur drei politisch aktiv.

Nach Medienberichten über Bachmanns Vorstrafen bot er am 1. Dezember 2014 seinen Rückzug aus dem Leitungsteam an. Dies lehnten die Teilnehmer per Akklamation ab.Cornelius Pollmer, Jens Schneider, Jan Bielicki: Demos gegen Islamisten – Rechts orientierte Wutbürger. In: sueddeutsche.de. 3. Dezember 2014, abgerufen am 29. Juli 2020. Am 19. Dezember 2014 wurde die Initiative als Verein eingetragen.Vereinsregister des Amtsgerichts Dresden, Blatt VR 7750. Bachmann war bis 21. Januar 2015 Vereinsvorsitzender. Bis zum 27. Januar war René Jahn Vizevorsitzender und Kathrin Oertel Schatzmeisterin,Christina Hebel, Ferdinand Otto: Pegidas Frontfrau. In: Spiegel Online. 6. Januar 2015, abgerufen am 10. Oktober 2020. Pressesprecherin und Hauptrednerin.Steven Geyer: Antrag beim Dresdner Finanzamt – Pegida will sich staatlich fördern lassen. In: ksta.de. 11. Januar 2015, abgerufen am 14. November 2020. Bis Mitte 2016 hatte der Verein nur sieben Mitglieder, obwohl hunderte Mitgliedsanträge gestellt worden seien.S. Lohse: Druck auf Lutz Bachmann wächst: Streit bei Pegida – Jetzt geht es ums Thema Geld. In: dnn.de. 17. Juni 2016, abgerufen am 21. November 2020. Außerdem wurde am 5. März 2015 der Pegida Förderverein mit Bachmann als Vorsitzendem gegründet.David Schraven, Ulrich Wolf, Marta Orosz: Von der Stasi zu Pegida. Wie ein Anwalt mit Stasi-Vergangenheit half, Pegida aufzubauen. In: correctiv.org. 1. April 2016, abgerufen am 18. Juni 2016.

OrganisationsteamStefan Locke: Pegida-Organisatoren – Die im Dunkeln sieht man nicht. In: faz.net. 16. Dezember 2014, abgerufen am 24. Dezember 2020.Xaver Bitz: Pegida: Das sind die Köpfe der Bewegung. In: merkur.de. 16. Dezember 2014, abgerufen am 28. Dezember 2020.Uli Hauser: Wutbürger, die nicht reden wollen. In: stern.de. 15. Dezember 2014, abgerufen am 2. Januar 2021. Beruf oder Tätigkeit Weiteres Lutz Bachmann Werbebranche Vorsitzender von Pegida e. V. und Pegida Förderverein e. V. jeweils ab Gründung; mehrfach verurteilter Straftäter Vicky Bachmann Werbebranche Ehefrau von Lutz Bachmann Thomas Hiemann Vertreter eines Dresdner Eishockeyfanclubs Tom Balazs arbeitslos, gelernter Hotelfachmann Verurteilt wegen Sozialbetrugs (Schwarzarbeit als Glühweinverkäufer) Stephan Baumann Kassenwart im Pegida e. V. ab Ende Februar 2015 und im Pegida Förderverein e. V. bei Gründung Siegfried Däbritz Sicherheitsunternehmer mit Kontakten zur HoGeSa, ehemaliger FDP-Stadtratskandidat in Meißen Stellvertretender Vorsitzender im Pegida e. V. ab Ende Februar 2015 und im Pegida Förderverein e. V. bei Gründung Frank Ingo Friedemann früher Geschäftsführer eines Hamam, Vorstand des Dresdner Sportfördervereins Austritt 25. Januar 2015 René Jahn führt einen Hausmeisterservice Vizevorsitzender des Vereins bis Austritt 27. Januar 2015 Kathrin Oertel nach eigener Aussage Wirtschaftsberaterin Schatzmeisterin und Pressesprecherin des Vereins bis Austritt 27. Januar 2015 Achim Exner Mitglied der Dresdner AfD Im Vereinsvorstand bis Austritt 27. Januar 2015 Bernd-Volker Lincke Wirtschaftsberater Im Vereinsvorstand bis Austritt 27. Januar 2015 Thomas Tallacker ehemaliger CDU-Stadtrat aus Meißen Im Vereinsvorstand bis Austritt 27. Januar 2015 Tatjana Festerling Ab Ende 2015 im Orgateam und Verein bis Mitte Juni 2016Matthias Meisner: Bei Pegida fliegen die Fetzen – Festerling: „Bachmann verhält sich exakt so wie Merkel.“ In: tagesspiegel.de. 16. Juni 2016, abgerufen am 26. Januar 2021.

Die Veranstalter grenzten sich nicht von teilnehmenden Neonazis und Hooligans ab, betonten aber, Pegida sei nicht rechtsextrem, und verwiesen auf das Versammlungsgesetz, das jedem die Teilnahme erlaube.Steffi Dobmeier, Lenz Jacobsen: Die wichtigsten Thesen von Pegida. In: zeit.de. 9. Dezember 2014, abgerufen am 2. Februar 2021. Den Zuwachs an Teilnehmern begrüßte Bachmann am 8. Dezember 2014 auf der Pegida-Webseite mit dem Satz „Deutschland erwacht, wir werden jeden Tag mehr!“Albrecht Meier, Martin Niewendick: Innenminister de Maizière: „Pegida ist eine Unverschämtheit“. In: tagesspiegel.de. 9. Dezember 2014, abgerufen am 14. Februar 2021. Laut Gordian Meyer-Plath (Verfassungsschutz Sachsen) gebe es Hinweise auf Verbindungen zwischen Veranstaltern und Fußballhooligans. Der Verdacht habe sich jedoch bisher nicht bestätigt. Offiziell beobachte man Pegida nicht. Die Abgrenzung der Veranstalter nach rechts erscheine ernsthaft, und die Rechten würden bisher nicht von den Demonstrationen profitieren. Die Zeit (17. Dezember 2014) bezweifelte dies mit dem Hinweis, dass Mitveranstalter Siegfried Däbritz zuvor bei der HoGeSa aktiv gewesen sei und am 3. Oktober auf Facebook deren inhaltliche Nähe zur deutschen Identitären Bewegung und zur German Defence League festgestellt habe.