mini|Theodore Roosevelt, Fotoporträt der Pach Brothers (1904) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Theodore Roosevelt
Theodore „Teddy“ Roosevelt, Jr. [] (* 27. Oktober 1858 in New York City, New York; † 6. Januar 1919 in Oyster Bay, New York) war ein US-amerikanischer Politiker, der von 1901 bis 1909 als 26. Präsident der Vereinigten Staaten amtierte.
Nach der Teilnahme am Spanisch-Amerikanischen Krieg, in dem er die Rough Riders befehligte, wurde er Ende 1898 zum Gouverneur von New York gewählt. Unter William McKinley war er ab dem 4. März 1901 für etwa sechs Monate Vizepräsident, bis er nach dem tödlichen Attentat auf McKinley am 14. September 1901 im Alter von 42 Jahren zum Präsidenten vereidigt wurde. Damit ist Roosevelt – bezogen auf sein Lebensalter bei der Amtseinführung – der bislang jüngste Staatspräsident in der Geschichte der USA.
Als Kandidat der Republikanischen Partei wurde er 1904 wiedergewählt, bevor er 1908 vorerst auf die Kandidatur für eine weitere Amtszeit verzichtete. Sein Nachfolger wurde William Howard Taft, der ebenfalls der Republikanischen Partei angehörte. Weil er mit dessen Politik unzufrieden war und die Republikaner 1912 nicht ihn, sondern erneut den Amtsinhaber nominiert hatten, kandidierte Roosevelt für die auf seine Initiative neu gegründete Progressive Partei neben Taft für das US-Präsidentenamt. Er wie auch Taft unterlagen jedoch bei der Wahl im November 1912 Woodrow Wilson, dem Kandidaten der Demokratischen Partei.
Auf internationaler Ebene war Roosevelt im Jahr 1906 als erstem Amerikaner der Friedensnobelpreis zuerkannt worden, nachdem er im Vorjahr mit seiner diplomatischen Initiative maßgeblich zum Ende des Russisch-Japanischen Krieges beigetragen hatte.
Sein Vorgehen gegen die großen Konzerne, welches zur Auflösung von mehreren Kartellen führte, trug ihm den Ruf des „trust buster“ ein.
Leben bis zur Präsidentschaft mini|Theodore Roosevelt während des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 mini|NYPD Commissioner Roosevelt auf Rundgang
Familie, Schulzeit und Studium Theodore Roosevelt wurde 1858 in New York City als Sohn von Theodore Roosevelt senior (* 22. September 1831; † 9. Februar 1878) und dessen Frau Martha „Mittie“ Bulloch (* 8. Juli 1835; † 14. Februar 1884) in eine sehr vermögende und gesellschaftlich etablierte Familie geboren. Sein Vater, der niederländischer Herkunft war, war ein erfolgreicher und international tätiger Geschäftsmann, den Roosevelt in seiner Jugend auf vielen Reisen nach Europa und Ägypten begleitete. So weilte er unter anderem auch einige Monate in Deutschland und sprach auch etwas Deutsch (ebenso wie Französisch und Italienisch). Von 1876 bis 1880 studierte er an der Harvard University, wobei ihn besonders die Naturgeschichte faszinierte. 1882 erschien mit The Naval War of 1812 sein – nach Einschätzung des Historikers Nagel bis in die moderne Zeit gültiges – Buch über den Seekrieg zwischen Großbritannien und den USA, in dem er erstmals sein Interesse an Aufrüstung und Bedeutung der Kriegsflotte zeigte.Dominik Nagl: „I am a part of everything that I have read“ – Der „Cowboy“-Präsident Theodore Roosevelt als Schriftsteller und Literaturkritiker. In: Patrick Ramponi u. a. (Hrsg.): Dichter und Lenker: Die Literatur der Staatsmänner, Päpste und Despoten von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Tübingen 2014, S. 253–268, hier: S. 257f.
Im Abgeordnetenhaus von New York und sein Rückzug 1882 begann auch die politische Karriere Roosevelts: Er ließ sich als unabhängiger Kandidat der Republikanischen Partei für das Abgeordnetenhaus von New York aufstellen und wurde gewählt. Er setzte sich massiv für Reformen ein, wodurch andere Abgeordnete auf ihn aufmerksam wurden. 1884 zog er sich allerdings nach dem Tod seiner Mutter und seiner ersten Ehefrau am selben Tag, dem 14. Februar, wieder zurück. Er lebte zwei Jahre auf seiner Ranch in North Dakota, um am Buch Die Eroberung des Westens zu arbeiten und sich als Cowboy zu betätigen. Bereits im Herbst 1883 hatte er ein Drittel seines Vermögens in diese und eine weitere Ranch im Dakota-Territorium investiert.Edward P. Kohn (Hrsg.): A Most Glorious Ride: The Diaries of Theodore Roosevelt, 1877–1886. State University of New York Press, Albany 2015, ISBN 978-1-4384-5513-6, S. 220. Die Vermögensverhältnisse beziehungsweise den Lebensstil eines Manhattaners der High Society konnte er dennoch nicht ganz hinter sich lassen. So brachte er unter anderem ein Jagdmesser nach North Dakota mit, das er bei dem bekannten Juwelier Tiffany & Co. erworben hatte.Paul Grondahl: I Rose Like a Rocket: The Political Education of Theodore Roosevelt. University of Nebraska Press, Lincoln 2004, ISBN 0-8032-5987-5, S. 145.
Bürgermeisterwahl in New York und Leiter der Polizeibehörde 1886 kandidierte er, nominiert von den Republikanern, für das Amt des Bürgermeisters von New York City. Er erzielte offiziell 27 Prozent der Stimmen und verlor somit bei der jedoch von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl.Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 273. Das unter Kontrolle von Tammany Hall stehende New York Police Department hatte den Ruf, eines der korruptesten in Amerika zu sein. Roosevelt wurde im Jahr 1895 für zwei Jahre zum Leiter der New Yorker Polizeibehörde ernannt und reformierte die Polizei radikal. Mit seinen rigiden Alkoholverboten an Sonntagen machte er sich zwar viele Feinde, behielt jedoch seine konsequente Linie bei.
Stellvertretender Marineminister, Spanisch-Amerikanischer Krieg und Gouverneur 1897 trat er in das Kabinett von Präsident William McKinley als stellvertretender Marineminister ein. In dieser Position unterstützte er die Forderung nach einem Krieg gegen Spanien, welches sich den Unabhängigkeitsbestrebungen Kubas widersetzte. Am 25. April 1898 begann der Spanisch-Amerikanische Krieg und Roosevelt legte sein Amt als stellvertretender Marineminister nieder, um ein Kavallerieregiment aufzustellen, das er als Oberst kommandierte. Mit seinen „Rough Riders“, die sich aus verwegenen Cowboys, aber auch aus Sportreitern aus der Ostküsten-Oberschicht zusammensetzten, zeigte er großen Wagemut und Führungskraft. Der Einsatz auf Kuba, wo er auch einen Spanier tötete, brachte ihm den Ruf eines Kriegshelden ein. Für seine Leistungen erhielt er 2001 posthum die Medal of Honor. 1898 kandidierte er für das Amt des Gouverneurs des Staates New York und gewann diese Wahl. Sein neues Amt trat er zum 1. Januar 1899 an. Als Gouverneur setzte er sich für Reformen der Arbeitsbedingungen in den Betrieben ein und verbesserte das Versorgungs- und Verkehrssystem.
mini|The administration’s promises have been kept („die Versprechen der Regierung wurden gehalten“); Werbeplakat der Republikaner zur Präsidentschaftswahl 1900
Kandidatur als Vizepräsident Seine wachsende Popularität ließ ihn im Jahr 1900 als idealen Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten erscheinen, obwohl vor allem der konservative Parteiflügel Vorbehalte gegen ihn hatte und Roosevelt es zunächst vorzog, aufgrund der größeren Gestaltungsmöglichkeiten Gouverneur zu bleiben. Roosevelt akzeptierte im Sommer 1900 schließlich die Nominierung als Running Mate von Präsident William McKinley, der im November 1900 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde. Roosevelt wurde am 4. März 1901 zum Vizepräsidenten vereidigt.Ragnhild Fiebig-von Hase: Theodore Roosevelt (1901–1909). Repräsentant des «modernen» Amerika. In: Christof Mauch (Hrsg.): Die amerikanischen Präsidenten. 5., fortgeführte und aktualisierte Auflage. München 2009, S. 254–269, hier: S. 258. Entsprechend kandidierte er 1900 nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Gouverneur; seine Amtsperiode endete turnusgemäß zum Jahreswechsel auf 1901 (damals war der Gouverneur von New York anders als heute auf zwei – und nicht vier – Jahre gewählt).
Präsidentschaft (1901–1909) mini|Roosevelts Vereidigung zum Präsidenten im September 1901 mini|Wahlplakat der Republikaner von 1904 mini|Roosevelt (links) mit seinem späteren Vizepräsidenten Charles W. Fairbanks (1904) Am 14. September 1901 erlag William McKinley den Folgen eines acht Tage zuvor in Buffalo verübten Attentats. Durch den Tod des Präsidenten rückte Roosevelt automatisch für den Rest der Amtszeit in das höchste Staatsamt auf. Mit 42 Jahren war er damit, bezogen auf sein Lebensalter bei der Amtseinführung, der bisher jüngste amerikanische Präsident. John F. Kennedy war bei seinem Amtsantritt 1961 ein Jahr älter.
Kurz nach seinem Amtsantritt ließ er den Amtssitz des Präsidenten, das Weiße Haus, umfassend restaurieren. Im Rahmen der Renovierung wurde die ursprüngliche Schlichtheit des Baus wiederhergestellt, gleichzeitig mit dem West Wing ein Seitenflügel hinzugefügt. Mit den zusätzlichen Flächen trug man auch der wachsenden Größe des Präsidentenstabes Rechnung. Im Jahr 1904 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen.Ragnhild Fiebig-von Hase: Theodore Roosevelt (1901–1909). Repräsentant des «modernen» Amerika. In: Christof Mauch (Hrsg.): Die amerikanischen Präsidenten. 5., fortgeführte und aktualisierte Auflage. München 2009, S. 254–269, hier: S. 259.
Als 1904 erneut Präsidentschaftswahlen anstanden, wurde Roosevelt einstimmig zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner nominiert. Zunächst wurde eine parteiinterne Gegenkandidatur des konservativen Senators Mark Hanna erwartet. Dieser verstarb jedoch im Februar des Jahres, womit Roosevelts Führungsrolle in der Partei nun unumstritten war. Demokratischer Gegenkandidat wurde Alton B. Parker, der dem konservativen Flügel seiner Partei angehörte. Bei der Präsidentschaftswahl am 8. November 1904 besiegte Roosevelt seinen Herausforderer mit 56,7 Prozent der Stimmen deutlich. Im Wahlmännergremium erhielt er 336 Stimmen, Parker 140. Seine erneute Vereidigung zum Präsidenten fand am 4. März 1905 vor dem Kapitol in Washington statt. Durch die vorangegangene Wahl wurde mit Charles W. Fairbanks erstmals seit Roosevelts Aufrücken zum Präsidenten auch das seit 1901 vakante Amt des Vizepräsidenten wieder besetzt. Obwohl Roosevelt die Wahl von Fairbanks auf dem Nominierungskonvent zunächst missfiel, akzeptierte er diese, um den konservativen Parteiflügel zu befrieden. Roosevelt war der erste nach dem Tod eines Präsidenten aufgerückte Vizepräsident, der von seiner Partei wieder aufgestellt wurde und mit seinem Wahlsieg auch der erste Präsident, dem nach einem solchen Aufrücken aus dem Amt des Vizepräsidenten die Wiederwahl gelang. Dies sollte sich 1924, 1948 und 1964 wiederholen.
Noch am Wahlabend 1904 kündigte Roosevelt an, die ersten dreieinhalb Jahre im Weißen Haus als komplette Amtszeit zu werten und sich damit 1908 keiner erneuten Wiederwahl zu stellen. Bereits wenig später bereute er diese Aussage, letztlich hielt er sich jedoch an die Ankündigung.Ragnhild Fiebig-von Hase: Theodore Roosevelt (1901–1909). Repräsentant des «modernen» Amerika. In: Christof Mauch (Hrsg.): Die amerikanischen Präsidenten. 5., fortgeführte und aktualisierte Auflage. München 2009, S. 254–269, hier: S. 260.
Innenpolitik Sozial- und Wirtschaftspolitik Roosevelt begann rasch, seine Ideen im Land zu verwirklichen. Innenpolitisch stärkte er die Arbeitnehmer und setzte sich mit der Anwendung des Sherman Antitrust Act massiv für die Monopolkontrolle gegenüber Wirtschaftsunternehmen (Trusts) ein.
Dafür richtete er im Justizministerium die Anti-Trust Division ein, die bis zum Ende seiner Amtszeit 44 Antitrustverfahren führte. Sein Kampf gegen die großen Konzerne brachte Roosevelt den Ruf als „trust buster“ (trust-Brecher) ein.Fritz Engelmann: Der Kampf gegen die Monopole in den USA. Die rechtliche Behandlung der wirtschaftlichen Konzentrationsbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika. Berlin/Tübingen 1951, S. 50 f. Gegen den Eisenbahntrust unter Führung von J. P. Morgan ließ er sogar Staatsklage einreichen.