Dirk Laabs (* 1973 in Hamburg) ist ein deutscher Autor mit dem Schwerpunkt Terrorismus, investigativerMarcus Böick: D. Laabs: Der deutsche Goldrausch. H-Soz-u-Kult, 29. Mai 2012; Jörg Roesler: „Mythos und schwelende Wunde“ die Treuhandanstalt. Deutschland Archiv (2012), 10. Journalist und Filmemacher. Für die Dokumentarfilme Die Fremden im Paradies – Warum Gotteskrieger töten und Der Fall Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses wurde er ausgezeichnet.
Leben Journalistischer Werdegang Laabs studierte Philosophie und Politische Wissenschaften und lebte zwei Jahre in Israel. Er begann 1992 als Reporter bei der Boulevardzeitung Hamburger Morgenpost. Nach biografischen Angaben war er von 1995 bis 1996 freier Mitarbeiter für die Fernsehsendungen DAS! und Extra 3 des Norddeutschen Rundfunks. Danach arbeitete er u. a. für die Privatsender MTV und Sat.1. Von 1999 bis 2001 absolvierte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg.
Von 2001 bis 2003 war er mit dem thematischen Schwerpunkt Terroranschläge am 11. September 2001 für die Los Angeles Times tätig. Ferner war er am John Jay College of Criminal Justice der City University of New York Berater für das Thema islamistischer Terrorismus. Mehreren nationalen und internationalen Rundfunkanstalten (u. a. BBC Four und France 24) gab er Interviews. In den folgenden Jahren arbeitete er für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Financial Times Deutschland, den Spiegel und den Stern.
Er wirkte u. a. als Dozent an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, wo er heute lebt.
Tätigkeit als Dokumentarfilmer Laabs ist seit 2001 Regisseur, Drehbuchautor und Produzent zahlreicher Dokumentarfilme und Features, produziert für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Arte, ZDF, 3sat, NDR, SWR, BR, ARD und WDR.Filmografie, Webseite von Dirk Laabs, abgerufen am 18. November 2014. Eines seiner Essays diente 2006 als Grundlage für den Dokumentarfilm Hamburger Lektionen von Romuald Karmakar.Christian Böhme: „Es gibt kein definitives Begreifen“. In: Jüdische Allgemeine, Ausgabe 43, 25. Oktober 2007. 2007 führte er Regie für den Dokumentarfilm Operation OPEC – Terroranschlag in WienThomas Riegler: Im Fadenkreuz. Österreich und der Nahostterrorismus 1973 bis 1985 (= Zeitgeschichte im Kontext. Band 3). V & R Unipress, Göttingen 2012, ISBN 978-3-89971-672-6, S. 12., der die politischen Hintergründe der OPEC-Geiselnahme von 1975 analysiert. 2008 war er gemeinsam mit Karmakar Autor des WDR-Hörspiels „Na hören sie doch mal auf zu grinsen“ – Fragmente des Stammheim-Prozesses.Svea Bräunert: Soundscape Stammheim. In: Norman Ächtler, Carsten Gansel (Hrsg.): Ikonographie des Terrors? Formen ästhetischer Erinnerung an den Terrorismus in der Bundesrepublik 1978–2008 (= Beiträge zur neueren Literaturgeschichte. Nr. 273). Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8253-5709-2, S. 199–221, hier: S. 211. Ursprünglich war er 2012 federführend an der Ausarbeitung des Dokumentarfilms Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand beteiligt, zog dann allerdings aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Produzenten Thomas Kufus die Regie zurück.Hanns-Georg Rodek: Erna Schmidt, übernehmen Sie!. In: Die Welt, 28. August 2012, Nr. 201, S. 21; David Ensikat: VEB Abwicklung. In: Der Tagesspiegel, 30. August 2012, Nr. 21438, S. 31.
Politischer Sachbuchautor Laabs ist Autor mehrerer politischer Sachbücher. Seine erste Monografie, Tödliche Fehler. Das Versagen von Politik und Geheimdiensten im Umfeld des 11. September, die er 2003 gemeinsam mit Oliver Schröm publizierte, wurde trotz zurückhaltender Resonanz als außerordentliche Rechercheleistung beschrieben.Vgl. Jochen Bittner: Der 11. September – Fakten und Fiktionen. In: Die Zeit, 11. September 2003, Nr. 38. Das Buch Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand von 2012 wurde zum Teil in der Wirtschaftsgeschichte besprochen, die es als gelungenes populäres, mitunter als polarisierendes Werk einordnete.Vgl. Achim Engelberg: Auftritt der Zyniker. derfreitag.de, 4. Juni 2012; Stephan Hilsberg: Die Treuhandgeschichte und ihre Wahrnehmung. Deutschlandradio Kultur, 13. Mai 2012; Richard Schröder: Dirk Laabs, Der deutsche Goldrausch. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 25. Jahrgang (2013), ISBN 978-3-8487-1034-8, S. 331–334.Vgl. Rainer Karlsch: Dirk Laabs: Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 100 (2013) 2, S. 253–254; Marcus Böick: D. Laabs: Der deutsche Goldrausch. H-Soz-u-Kult, 29. Mai 2012; Jörg Roesler: „Mythos und schwelende Wunde“ die Treuhandanstalt. Deutschland Archiv (2012), 10; Andreas Rödder: Schlachthaus des Westens?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. September 2012. Eckhard Jesse merkte kritisch an, dass es nicht frei von „verschwörungstheoretischen Elementen“ gewesen sei.Eckhard Jesse: Hauptbesprechungen: Trotz guter Recherchen zu den NSU-Morden – viele Unklarheiten bleiben. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 27. Jahrgang (2015), Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-2522-9, S. 309–311, hier: S. 309. Laabs war mit seinem Band von April bis August 2012 in der Bestsellerliste des Manager Magazins vertreten.Siehe: Bestsellerliste des Manager Magazins vom 20. April 2012, S. 124; 25. Mai 2012, 22. Juni 2012, S. 118; S. 116; 20. Juli 2012, S. 106; 24. August 2012, S. 112 2014 veröffentlichte Laabs gemeinsam mit Stefan Aust ein breit in den Medien rezensiertes Werk über den NSU: Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU, das im Juni 2014 auf der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher gelistet war.Siehe: Spiegel-Bestsellerliste vom 2. Juni 2014, S. 128; 7. Juni, S. 129; 16. Juni, S. 113. Das Buch wurde von weiten Teilen der Feuilletons vor allem als umfangreiche und gut recherchierte, einführende Chronik wahrgenommen. Sie sei notwendig, reiche aber nach Meinung einiger Meinungsmacher nicht an Austs Arbeit zur RAF (Der Baader-Meinhof-Komplex) heran.Vgl. Samuel Salzborn: ; Birgit Güll: Der Verfassungsschutz und der rechte Terror. In: Vorwärts, 22. Mai 2014; Winfried Dolderer: Fesselnde Chronik des Rechtsterrorismus. Deutschlandfunk, 26. Mai 2014; Georg Seeßlen: Rechter Terror, Tiefer Staat. derfreitag.de, 2. Juni 2014; Aschot Manutscharjan: Kurz notiert. In: Das Parlament, Nr. 27, 30. Juni 2014; Holger Schmidt: . NDR Kultur, 31. Oktober 2014; Toralf Staud: Extrem rechts. In: Die Zeit, 3. Juli 2014, Nr. 28, S. 44; Claus Christian Malzahn: Was weiß der Verfassungsschutz über den NSU?. In: Die Welt, 22. Mai 2014, Nr. 118, S. 8; Wolfgang Gast: NSU und amtliches Versagen. In: taz, 21. Juni 2014, S. 27; Florian Sendtner: Heimatschützer, Neonazis, Mörder. In: Bayerische Staatszeitung, 13. Juni 2014, S. 4; Frank Jansen: Angeklagter Staat. In: Der Tagesspiegel, 28. Mai 2014, Nr. 22058, S. 29; Nils Minkmar: Das doppelte Deutschland. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Juni 2014, Nr. 137, S. 9; Eckhard Jesse: Hauptbesprechungen: Trotz guter Recherchen zu den NSU-Morden – viele Unklarheiten bleiben. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 27. Jahrgang (2015), Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-2522-9, S. 309–311.
Im Zuge der Buchveröffentlichung war er vielfältig zu Autorenlesungen und Vorträgen eingeladen. Auch wurde er von politischen Parteien und deren Stiftungen als Podiumsgast hinzugezogen, so von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg sowie der Linksfraktion im Bund und Hessen und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Laabs und Aust waren ferner Tagungsteilnehmer der „Rechtsextremismuskommission“ von Bündnis 90/Die Grünen unter der Leitung von Cem Özdemir und Gesine Agena.
Auszeichnungen Preise 2004: Gewinner des Treatment-Wettbewerbs für Dokumentarfilme/Dokumentationen (Kategorie Dokumentation) des Bayerischen Rundfunks für Die Fremden im Paradies – Warum Gotteskrieger tötenDokuwettbewerb: Alle Gewinner, br.de, abgerufen am 30. Mai 2014. 2007: Axel-Springer-Preis für junge Journalisten (2. Preis, Kategorie Fernsehen)Barbara Möller: Axel-Springer-Preis für Nachwuchsjournalisten. In: Hamburger Abendblatt, 16. Mai 2007, Nr. 113, S. 10. für Die Fremden im Paradies – Warum Terroristen töten 2015: Gewinner des Georg von Holtzbrinck-Preises für Wirtschaftspublizistik (Kategorie Elektronische Medien) für Der Fall Deutsche BankHB: Ausgezeichnete Wirtschaftsberichterstattung. handelsblatt.com, 26. November 2015. 2019: Gewinner Ernst-Schneider-Preis in der Kategorie „Fernsehen: Große Wirtschaftssendung“ für Geheimakte Finanzkrise – Droht der nächste Jahrhundert-Crash? Förderpreise und Stipendien 2009: Gerd Ruge Projekt-Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW für junge DokumentarfilmerSechs neue Gerd Ruge-Stipendiaten. In: Rheinische Post, 20. August 2009, Nr. 192. 2012: Förderpreis Opus Primum der VolkswagenStiftung für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation: Der deutsche Goldrausch – Die wahre Geschichte der TreuhandNDR Kultur Sachbuchpreis für David Van Reybrouck. boersenblatt.net, 13. November 2012. Nominierungen und Shortlists 2009: Nominierung für den Grimme-Preis (Kategorie Serien & Mehrteiler) für Who‘s Afraid of America? Gewalt und Gnade , Grimme-Preis, abgerufen am 18. November 2014. 2010: Nominierung für den Juliane Bartel Medienpreis für Ruandas starke Frauen 2014: Shortlist zum NDR Kultur Sachbuchpreis für Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie des NSU. buchjournal.de, 28. Oktober 2014. 2016 Nominierung TV Festival Monte-Carlo in der Kategorie Current Affairs Documentary „Der Fall Deutsche Bank“
Filmografie (Auswahl) 2002: Das Meer als Supermarkt? Buch und Regie 2002: Irgendwo da unten – Ein Jahr 1. LigaAndreas Höfer (Red.): Doppelpass. Fussball und Film. Hrsg. vom Deutschen Filmmuseum, Belleville Verlag, München 2002, ISBN 3-936298-44-0, S. 86, 136. Buch, Regie und Produktion (mit Julia Möhn) 2003: Tödliche Fehler – Wie die Todespiloten den Geheimdiensten entkamen Buch, Regie und Produktion 2004: The Hamburg Cell Entwicklung und Produktion 2005: Die großen Kriminalfälle (Der Polizistenmörder und Bandenchef Bernhard Kimmel) Buch und Regie (mit Roland May) 2005: die Story (Ein fast perfekter Mord – Wer erschoss Marta Russo?) Buch und Regie 2006: Schliemanns Erben (Das Geheimnis der Wüstenkönige) Buch und Regie 2006: Die Fremden im Paradies – Warum Gotteskrieger töten Produktion, Buch und Regie 2006: Warum Terroristen töten – eine Analyse Produktion, Buch und Regie 2007: Operation OPEC – Terroranschlag in Wien Buch und Regie 2008: Disco Sucks Buch und Regie 2008: Who‘s Afraid of America? Gewalt und Gnade Buch und Regie 2008: 24h Berlin – Ein Tag im Leben Episoden-Regie 2009: Ruandas starke Frauen Buch und Regie 2013: Experiment Energiewende – Deutschlands einsame Revolution Produktion und Regie (mit Michael Wech) 2013: Europa – Nein Danke! England und die EU Regie 2015: Der Fall Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses 2016: Der NSU Komplex (3-teiliger Dokumentarfilm, zusammen mit Stefan Aust) 2019: Angriff auf die Demokratie: Wurde der Brexit gekauft?
Schriften (Auswahl) mit Oliver Schröm: Tödliche Fehler. Das Versagen von Politik und Geheimdiensten im Umfeld des 11. September. Aufbau-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-351-02564-5. Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand. Pantheon, München 2012, ISBN 978-3-570-55164-6. mit Stefan Aust: Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU. Pantheon, München 2014, ISBN 978-3-570-55202-5. Bad Bank. Aufstieg und Fall der Deutschen Bank. DVA, München 2018, ISBN 978-3-421-04800-4. Staatsfeinde in Uniform. Wie militante Rechte unsere Institutionen unterwandern. Ullstein, Berlin 2021, ISBN 978-3-430-21032-4. mit Michael Kraske: Angriff auf Deutschland: Die schleichende Machtergreifung der AfD. Beck, München 2024, ISBN 978-3-406-82311-4.