Die vierte HMS Implacable (R86) der Royal Navy war ein Flugzeugträger der dritten Gruppe der Illustrious-Klasse. Die beiden Schiffe dieser Gruppe, die auch Implacable-Klasse genannt wurde, hatten einen Antrieb über vier Wellen und einen größeren Flugzeughangar. Das im Oktober 1938 bestellte Schiff kam im August 1944 als sechstes und letztes Schiff dieser Klasse in Dienst. Bei der Home Fleet wurde die Implacable von Oktober bis Dezember 1944 gegen den Schiffsverkehr der deutschen Besatzer vor der norwegischen Küste eingesetzt. 1945 wurde das Schiff in den Pazifik befohlen, wohin es über Ceylon und Australien verlegte. Im Juni wurde die Implacable gegen Truk eingesetzt und nahm im August an den Angriffen der alliierten Flotte gegen die japanischen Hauptinseln teil.
Nach der japanischen Kapitulation wurde der Träger bis zum Jahresende als Transporter für befreite Kriegsgefangene und heimkehrende australische Truppen eingesetzt. Von 1946 bis 1950 befand sich das Schiff bei der Home Fleet und kam dann in die Reserve. Ein erwogener umfassender Umbau des Schiffes wurde nicht durchgeführt. Von 1952 bis 1954 diente die Implacable als Schulschiff. 1955 erfolgte der Abbruch des Schiffes.
Geschichte der Implacable Erster moderner Flugzeugträger der Royal Navy war die 1938 fertiggestellte Ark Royal (22.000 ts, 60 Flugzeuge). Nach ihr bestellte die Admiralität die neu konstruierte Illustrious-Klasse (23.000 ts, 33 Flugzeuge), die etwas kürzer als die Ark Royal war und ein gepanzertes Flugdeck hatte. Die bestellten sechs Schiffe dieser Klasse wurden in drei Varianten fertiggestellt. 1940/41 wurden drei Schiffe (Illustrious, Formidable, Victorious) nach dem Ursprungsentwurf fertig und 1941 auch noch das überarbeitete Einzelschiff Indomitable (23.000 ts, 45 Flugzeuge). Für die beiden letzten Schiffe wurde der Entwurf überarbeitet und sie kamen, auch wegen der herrschenden Prioritäten, erst 1944 in den Dienst der Navy. Die Implacable und ihre bei John Brown & Co in Clydebank gebaute Schwester Indefatigable waren die ersten Flottenträger, die auf den Werften am Clyde entstanden.
Baugeschichte Der Auftrag für die beiden letzten Flugzeugträger der Illustrious-Klasse sollte zu etwas schnelleren Schiffen mit einer verstärkten Flugzeuggruppe führen. Um innerhalb der erlaubten Schiffsgröße von 23.000 ts der Flottenverträge zu bleiben, musste die Panzerung des Ursprungsentwurfs reduziert werden.Friedman: British Carrier Aviation. S. 141. Die Implacable hatte eine Länge von 233,6 m (766,5 ft) über alles und 222,5 m (730 ft) in der Wasserlinie. Die Breite des Schiffsrumpfes in der Wasserlinie betrug 29,18 m (95,75 ft)Friedman, S. 366. bei einem Tiefgang von 8,9 m (29,33 ft) bei voller Ausrüstung. Damit überschritten die beiden letzten Träger deutlich die ursprünglich vorgegebene Größe und verdrängten ausgerüstet 32.110 ts. Das 231,6 m (760 ft) lange Flugdeck hatte eine größte Breite von 27,4 m (90 ft). Der obere Hangar unter dem Flugdeck war 139,6 m (458 ft) lang, der darunter befindliche untere Hangar nur 63,4 m (208 ft); beide hatten eine maximale Breite von 18,9 m (62 ft). In ihnen sollten 48 Maschinen Platz finden. Durch die Nutzung von Abstellplätzen auf dem Flugdeck war die Aufnahme von 81 Maschinen möglich. Da beide Flugzeughallen nur eine Höhe von 4,26 m (14 ft) hatten, war bei Fertigstellung die Nutzung der modernen von den USA im Lend-Lease-Verfahren erhaltenen Corsair-Jagdflugzeuge nicht möglich, wie auch später die Unterbringung vieler Nachkriegsmaschinen und Hubschrauber. Die Implacable verfügte über zwei Aufzüge in der Mitte des Rumpfes. Der vordere bediente nur die obere Halle und war 13,7 × 10 m (45 zu 33 ft) groß. Der hintere Aufzug maß 13,7 × 6,7 m (45 zu 22 ft) und bediente beide Hallen. Das Flugdeck der Implacable und ihrer Schwester hatte eine 76-mm-(3-in)-Panzerung. Die Seiten der Flugzeughangars waren mit 1,5 bis 2 in (37–52 mm) gepanzert und hatten an den Enden 52 mm (2 in) starke Panzerschotten. Auch die Decks der Hallen waren wie die Außenseiten gepanzert. Für den Flugbetrieb verfügte die Implacable über einen hydraulischen Katapult im vorderen Bereich des Flugdecks.
Die Schiffe der dritten Gruppe erhielten vier Parsons-Turbinen, die je eine Welle antrieben, um die geforderte höhere Geschwindigkeit zu erreichen. Den Dampf für die Turbinen erzeugten acht Admiralitäts-Kessel. Die Turbinen konnten bis zu 148.000 shp leisten, was eine Höchstgeschwindigkeit von 32,5 kn ermöglichte.Friedman, S. 367. Bei den Abnahmetests erreichte die Implacable 31,89 kn bei einer Antriebsleistung von 151.200 shp. Zum Schutz hatte die Implacable einen Seitenpanzer von 114 mm (4,5 in), der allerdings nur den zentralen Bereich des Schiffes abdeckte.
Die Artilleriebewaffnung der Implacable bestand aus 16 114-mm-Mehrzweckgeschützen in acht Doppeltürmen. Je vier standen auf ausladenden Plattformen auf beiden Seiten des Rumpfes. Anders als auf den vorangehenden Trägern hatten die beiden Träger der letzten Gruppe Türme mit flachen Dächern, die auf der Höhe des Flugdecks endeten. Die auch für die Bekämpfung von Seezielen geeigneten schwersten Geschütze des Trägers hatten eine Reichweite von bis zu 19 km (20760 yd). Zur leichten Flugzeugabwehrbewaffnung gehörten fünf Achtfach-2-pounder („pom-pom“)-Geschütze, von denen zwei auf dem Flugdeck vor der Insel und eins hinter der Insel standen, dazu die beiden anderen in Schwalbennestern auf der Backbordseite, auf der sich auch noch eine Vierfach-(„pom-pom“)-Lafette befand.Friedman, S. 144, 367. Die maximale Reichweite dieser Waffen betrug 6200 m. Dazu waren auf dem Träger noch 19 Einzel- und 21 Zwillings-20-mm-Oerlikon Maschinenkanonen aufgestellt, die eine Reichweite von 4300 m hatten.
Vor dem Einsatz im Pazifik wurden einige Oerlikons durch 40-mm-Bofors-Geschütze ersetzt, da den Oerlikons eine erfolgreiche Abwehr von Kamikaze-Angreifern nicht zugetraut wurde. Dazu erhielt der Träger noch zwei zusätzliche Vierfach-„pom-pom“. Beim Kriegsende verfügte die Implacable über vier einzelne Bofors sowie je 17 Zwillings-/Einzel-Oerlikons. Im April 1946 hatte das Schiff zwölf Bofors, acht Zwillings- und vierzehn Einzel-Oerlikons.Friedman, S. 149, 154. 1945 hatte die Implacable eine Besatzung von 2300 Mann.Hobbs: British Aircraft Carriers. 2013, S. 109. Um die zusätzlichen Besatzungen, Wartungspersonal und Vorräte bei einer Flugzeuggruppe von 81 Maschinen unterzubringen musste der untere Hangar genutzt werden und fiel als Abstellplatz für Einsatzmaschinen weg. Bei maximal 4690 t Treiböl in den Bunkern konnten die Schiffe bis zu 6720 sm bei 20 kn zurücklegen. Für den Betrieb der Flugzeuge hatten die Schiffe 94.650 impgal Flugzeugbenzin an Bord.Friedman, S. 144.
Die Kiellegung der Implacable erfolgte als Baunummer 672 bei Fairfield Shipbuilding and Engineering Co. in Govan am 21. Februar 1939. Der Bau wurde 1940/41 zeitweise stillgelegt wegen des Neubaus und der Reparatur dringend benötigter Schiffe für die Schlacht im Atlantik. So erfolgte der Stapellauf erst am 10. Dezember 1942. Getauft wurde das Schiff durch Königin Elizabeth. Am 22. Mai 1944 wurde das Schiff abgeliefert. Die Abnahmefahrten offenbarten etliche Mängel. Ihre Beseitigung schob die endgültige Abnahme bis zum 28. August 1944 hinaus.
Einsatzgeschichte Wie die Mehrheit der britischen Neubauten wurde auch die Implacable zuerst der Home Fleet zugeteilt und trainierte über die nächsten Monate verschiedene Einsatzformen. Eingesetzte Flugzeuge waren die Fairey Fireflies Mk.I der Staffel 1771 und die Fairey Barracuda Mk.II Torpedobomber der Staffeln 828 und 841.Sturtivant: The Squadrons of the Fleet Air Arm. S. 284, 309, 471.
Ihr erster Auftrag war im Oktober 1944 die Suche nach dem neuen Ankerplatz der Tirpitz, die ihren bisherigen im Kåfjord bei Alta verlassen hatte. Implacable verließ am 16. Oktober 1944 Scapa Flow und einige ihrer Fireflies entdeckten schon zwei Tage später das deutsche Schlachtschiff bei der Insel Håkøya nahe Tromsø. Ein Angriff war nicht beabsichtigt, da die Implacable keine geeigneten Jagdflugzeuge an Bord hatte, um ihre Bomber wirkungsvoll gegen die zu erwartende deutsche Luftverteidigung zu schützen. Bei den Aufklärungsflügen wurde allerdings ein deutscher Frachter angegriffen und beschädigt. Auf dem Rückmarsch landeten dann die Supermarine Seafires F.III der Staffeln 887 und 894 auf der Implacable, die bis dahin dem Schwesterschiff Indefatigable zugeteilt waren.Sturtivant, S. 370, 386. mini|Die bei Lödingen versenkte Karmøy Diese fünf Staffeln waren auch beim folgenden Einsatz Ende Oktober 1944 an Bord, der sich gegen den deutschen Schiffsverkehr an der norwegischen Küste richtete. Bei drei Angriffen in verschiedenen Bereichen versenkten die Maschinen vier Schiffe (Minensucher M 433, Vorpostenboot V 5722, 1157 t-Flugzeugtender Karl Meyer sowie den 2498 BRT-Dampfer Karmøy) und beschädigten zwei Marinefährprähme und das U-Boot U 1060, das auf Strand gesetzt am folgenden Tag von der Royal Air Force endgültig zerstört wurde.24.10.–4. November 1944, Norwegen Operation »Athletic« Die Versenkung der 2498 BRT großen norwegischen Karmøy mit ihrer Ladung Schwefelkies durch eine Barracuda soll die letzte Versenkung eines Schiffes mit einem Torpedo durch die Marineluftwaffe im Zweiten Weltkrieg gewesen sein. Gesichert wurde der Träger bei diesem Raid durch den Kreuzer Mauritius und die Zerstörer Myngs, Venus, Verulam, Volage und die kanadischen Algonquin und Sioux, die fast alle auch erst 1944 in den Dienst gekommen waren. Gleichzeitig griffen Geleitträger Campania und Trumpeter den Küstenverkehr an (Operation Hardy) und die RAF die U-Boot-Bunker und Hafenanlagen in Bergen. Diese Angriffe sollten die deutsche Luftverteidigung belasten und zersplittern. Am 29. Oktober 1944 erfolgte dann noch ein Angriff mit 32 Avro-Lancaster-Bombern von Lossiemouth in Schottland gegen die Tirpitz, der das Schiff endgültig bewegungsunfähig machte.
mini|Fireflies vor dem Start am 27. November 1944 mini|Die norwegische Rigel