mini|Nordkoreanische Bauern bei der Feldarbeit mini|Ein nordkoreanischer Bauernhof, 2008

Die nordkoreanische Landwirtschaft steht von Natur aus vor großen Herausforderungen, zu denen neben dem gebirgigen Terrain die extremen Jahreszeiten und stark schwankenden Niederschlagsmengen zählen. Der Ackerbau wird insbesondere durch kalte Winter, die lange und heftige Regenzeit (besonders in der Landesmitte, weniger ausgeprägt im Norden) und im Frühling durch eine lange Trockenzeit erschwert. Da weite Teile des Landes aus Hügeln und Bergen bestehen, sind insgesamt nur ca. 17 % des Landes landwirtschaftlich nutzbar.http://www.fao.org/docrep/019/aq118e/aq118e.pdf Zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die in Nordkorea angebaut werden, zählen unter anderem Reis, Mais, Kartoffeln, Sojabohnen, Hülsenfrüchte, Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel und Eier. In den 1990er Jahren kam es zu mehreren Ernteausfällen durch mehrere Überschwemmungen und einer Dürre, deren Folgen bis heute anhalten. Selbst in guten Jahren müssen 4 bis 20 % des lebensnotwendigen Getreides importiert werden.

Die landwirtschaftliche Ausgangslage in Nordkorea

Der Ackerbau in Nordkorea ist auf die westlichen Provinzen Hwanghaebukdo, Hwanghaenamdo, Pyonganbukdo und Pyongannamdo konzentriert. Die intensivere Bewirtschaftung dieser Gebiete lässt sich durch die längeren Anbauzeiten, ein flaches Terrain, ausgeglichenere Regenfälle und bessere Böden erklären. In anderen Regionen Nordkoreas wird oft Ackerbau auf höher gelegenen Felder (Darakbat) betrieben, oft auch ohne Billigung der Behörden. Deshalb wird dort meist Tierhaltung und Obstanbau betrieben. Die untere Graphik stellt den Anteil der Landwirtschaft in Gebirgsregionen je nach Landkreis im Vergleich mit der Gesamtlandwirtschaft dar.

Anbauprodukte

Die Hauptanbauprodukte in der DVRK sind Reis, Mais und Kartoffel. Während Reis neben Getreide zu den traditionellen Feldfrüchten Koreas zählt, werden in jüngster Zeit Anstrengungen unternommen, die Produktion von Mais und Kartoffeln zu steigern.

Reisanbau mini|Reisanbau in Nordkorea Der Reisanbau stellt den traditionellen Zweig des koreanischen Ackerbaus dar. Die Reisfelder in Nordkorea sind auf die westlichen Küstenebenen konzentriert, in denen das mildere Klima bessere Voraussetzungen als im Rest des Landes bietet.http://faostat3.fao.org/browse/rankings/commodities_by_country/E Da Reis in der koreanischen Küche eine wichtige Rolle spielt, wird er gewöhnlicherweise auf den besten Feldern angebaut. Die knappen Ressourcen an Düngermitteln und auch Maschinen werden hauptsächlich für den Reisanbau verwendet.

Maisanbau Der Maisanbau wurde in den letzten Jahren aus wirtschaftlichen Gründen vorangetrieben und spielt eine immer wichtigere Rolle für die nordkoreanische Landwirtschaft. In Nordkorea wird der Mais häufig in Gewächshäusern gepflanzt und anschließend auf Standorte ins Freiland gesetzt. Bei den Maissorten, die in Nordkorea angebaut werden, handelt es sich um sehr resistente Sorten, die harten Wintern standhalten können. Das Painted Montana Corn wurde vom amerikanischen Wissenschaftler Dave Christensen in den Jahren 2003 und 2004 nach Nordkorea eingeführt und half, die Nahrungsmittelknappheit zu überwinden.http://www.non-gmoreport.com/articles/apr09/ancient_corn_solution_to_modern_climate.php Die Maissorte war bereits vor der Entdeckung Amerikas 1492 vom Indianerstamm der Mandan angebaut worden und wächst in sehr hohen Höhenlagen, was für Nordkorea ideal ist. Der Maisanbau wie auch der Kartoffelanbau findet vorwiegend auf hügeligem Terrain statt.

Kartoffelanbau

Ebenso wie Mais spielt auch die Kartoffel eine immer bedeutendere Rolle in der nordkoreanischen Landwirtschaft. Nach der Hungersnot in den 1990er Jahren fand die Kartoffelrevolution statt, mit der der Anbau von Kartoffeln forciert wurde. Der Grund für die Wahl der Kartoffel sind ihre gute Anpassungsfähigkeit und ihr hoher Nährstoffgehalt. Im Zeitlauf von zehn Jahren hat sich der Anteil des Kartoffelanbaus auf 200.000 Hektar vervielfacht und der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr ist von 16 Kilogramm auf 60 Kilogramm (Steigerung von 375 %) angestiegen. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Zusammenarbeit mit Entwicklungshilfeorganisationen. Mit Hilfe aus Finnland wurden im Jahr 2000 in der Region um die Hauptstadt Pjöngjang die Kartoffelfelder mit Zugang zu einem Bewässerungssystem angelegt. In Zusammenarbeit zwischen Nordkorea und der FAO wurden spezielle Frühkartoffelsorten angebaut, die in den südlichen und nördlichen Gebirgsregionen angebaut werden sollen. Obwohl traditionell Reis gegenüber der Kartoffel bevorzugt wurde, spielt die Kartoffel eine wichtigere Rolle auf dem Speiseplan der Nordkoreaner als noch vor wenigen Jahren. Aus den Kartoffeln werden üblicherweise Nudeln und Pfannkuchen zubereitet oder Suppen gekocht.

Sojaanbau

Obwohl die Fläche, auf der Sojasprossen angebaut werden, von 2008 bis 2011 stetig angestiegen ist, sind die Produktionszahlen in den letzten zwei Jahren wieder rückläufig.http://38north.org/2013/12/rireson121813/ Da Sojabohnen eine wichtige Proteinquelle darstellen, hat dies große Konsequenzen für die nordkoreanische Bevölkerung. Der Grund für den Rückgang der Sojaproduktion liegt in den künstlich niedrig gehaltenen Sojapreisen, die Bauern davor abhalten, Soja anzubauen. Mit Hilfe von FirstSteps Kanada wurden nordkoreanische Fabriken mit Maschinen versorgt, die aus Sojasprossen Sojamilch produzieren.

Obstanbau und Viehzucht

Obstanbau In den letzten Jahren hat sich der Trend in Nordkorea verstärkt, Obst anzubauen. Ein bekannter Betrieb ist dabei die Taedong-KolchoseNordkorea: Innenansichten eines totalen Staates S. 120 in der Nähe der Hauptstadt Pjöngjang und eine weitere in Kosan, im Osten des Landes, mit 4000 Mitarbeitern.http://www.fruitnet.com/asiafruit/article/158701/north-korea-unveils-apple-orchard Der Anbau von Apfelbäumen soll zum einen den Boden stabilisieren und Erdrutsche abwenden, zum anderen auch zu einem vielfältigeren Nahrungsangebot beitragen. Mittlerweile gehört Nordkorea zu den 20 Ländern mit der weltweit größten Produktion von Äpfeln (knapp hinter Deutschland und doppelt so viel wie Südkorea).http://faostat3.fao.org/browse/rankings/commodities_by_country/E.

Viehzucht Auch die Viehzucht spielt für die nordkoreanische Landwirtschaft eine immer bedeutendere Rolle und wird vor allem in den gebirgigeren Regionen in der Mitte und im Osten des Landes betrieben. Neben Ziegenhaltung und Rinderzucht wird auch Milch produziert. Ein Beispiel für Milchproduktion ist die Farm in Kubin-Ri, welche mit Hilfe der Schweizer Hilfsorganisation agape betrieben wird. Einen schweren Schlag stellte für die nordkoreanische Landwirtschaft der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche 2011 dar, von der insgesamt 10.000 Tiere betroffen waren. Nach zahlreichen Berichten gibt es in der Nähe von Konzentrationslagern Milchwirtschaftsbetriebe und Viehställe, welche von den Gefangenen betrieben werden. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der dort arbeitenden Häftlinge werden als unmenschlich beschrieben.

Nahrungsmittelverteilungssystem Seit den 1950er Jahren erhielt die Mehrheit der Nordkoreaner ihre Lebensmittel durch das öffentliche Verteilungssystem (ÖVS). Das ÖVS setzt voraus, dass Bauern in Agrarregionen einen Teil ihrer Produktion an die Regierung abgeben, welche wiederum den Überschuss an die städtischen Regionen weiterleiten, wobei sie keine eigenen Nahrungsmittel anbauen können. Etwa 70 % der nordkoreanischen Bevölkerung einschließlich der gesamten Stadtbevölkerung haben auf diese Art Zugang zu Lebensmittel.FAO/WFP Crop and Food Security Assessment Mission to the Democratic People's Republic of Korea (Report). Food and Agriculture Organization/World Food Programme. 2013. Vor den Flutkatastrophen wurde die allgemeine Bevölkerung 600–700 Gramm Reis täglich versorgt, Schwerstarbeiter, Soldaten, Sicherheitspersonal und hohe Beamte mit 700 bis 800 Gramm Reis. Im Jahr 2013 erhielt eine Person durchschnittlich 573 Gramm Cerealien pro Tag, allerdings schwankten die Zahlen je nach Alter und Beruf. Der Produktionsrückgang betraf die durch das Verteilungssystem verteilte Menge an Nahrungsmittel. Die Knappheit wurde dadurch verschlimmert, dass die nordkoreanische Regierung den Bauern weitere Sanktionen auferlegte. Als die Bauern, welche nie durch das ÖVS versorgt wurden, beauftragt wurden, ihre eigenen Nahrungsmittelrationen von 167 Kilogramm auf 107 Kilogramm zu senken, hielten die Bauern einen Großteil ihrer Produktion zurück. Flüchtlinge berichteten, dass das ÖVS die täglichen Rationen von 150 Gramm (1994) auf 30 Gramm (1997) pro Tag reduzieren musste. Das ÖVS versorgte die Bevölkerung von April bis August 1998 (die sogenannte magere Jahreszeit) und von Mai bis September 1999 überhaupt nicht mit Nahrungsmitteln. Im Januar 1998 erklärte die nordkoreanische Regierung, dass sie keine Rationen mehr verteilen werde und sich die Haushalte selbst um die Versorgung kümmern müssen. Seit 2005 versorgte das ÖVS die Haushalte nur mit etwa der Hälfte des benötigten Energiegehalts. Seit 2008 hat sich die Situation erkennbar gebessert und von 2009 bis 2013 erhält eine Einzelperson etwa 400 Gramm pro Tag, obwohl die Rationen von Mai bis September 2011 auf 200 Gramm pro Tag fielen. Es wird geschätzt, dass in den frühen 2000ern eine durchschnittliche nordkoreanische Familie 80 % ihres Einkommens aus illegalen Nebeneinkünften bezog. Ab 2002 und 2010 wurden der private Verkauf und Märkte gesetzlich legalisiert. 2013 wurden Märkte in den Städten alle zehn Tage abgehalten. Die Märkte spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Nahrungsmittelbeschaffung.

Landwirtschaftsstruktur und Landwirtschaftspolitik in Nordkorea

Rechtliche Grundlagen und Betriebsformen Die nordkoreanische Landwirtschaft ist ähnlich wie in der früheren UdSSR oder DDR in Form von staatlichen Kooperativen (Kolchosen) organisiert und orientiert sich dabei an der nordkoreanischen Chuch’e-Ideologie. Die nordkoreanische Verfassung definiert die nordkoreanische Wirtschaft als Planwirtschaft und schränkt den Privatbesitz an den Produktionsmitteln stark ein.Sozialistische Verfassung der Demokratischen Volksrepublik Korea, Pyongyang 2014 Bereits in den späten 1940er Jahren wurden in Nordkorea massive Landreformen durchgeführt und vorhandener Privatbesitz kollektiviert. Im Gesetz über die Verfügung von Grundbesitz wird das Land als Besitz des Staates bezeichnet. In der offiziellen Übersetzung heißt es dazu „“Art. 10; The Land Law of the Democratic People’s Republic of Korea., Pyongyang 1992 Der Staat hat darüber hinaus die Aufgabe, das sozialistische Landwirtschaftsmodell und die Kooperativen zu beschützen. Das von der Verfassung geforderte Primat des Staates im Bereich der Landwirtschaft stimmt allerdings mit der Realität nicht mehr vollkommen überein. Seit den Reformen der letzten Jahre werden verstärkt Gemüse und Obst in Kleingärten angebaut und in Märkten verkauft. Einige Bauern besitzen auch Privatfelder neben den Kollektivfeldern, auf denen sie für den Eigenbedarf und Verkauf anbauen. Die nordkoreanischen Bauern, die üblicherweise stark durch die Vorgaben der zentralen Planungsbehörden beeinflusst waren, erhielten mehr Freiheiten und können ab 2012 Überschüsse (30–40 %) auf Märkten verkaufen. Teilweise leisten dabei auch Hilfsorganisationen der lokalen Bevölkerung Unterstützung und beraten sie dabei, wie man effizient im eigenen Garten Gemüse anbauen kann.http://www.nkeconwatch.com/nk-uploads/DPRK-agricultur-Lankov-Kim-Kwak.pdf

Gründe für die landwirtschaftliche Stagnation und Gegenmaßnahmen der Regierung