Der Australian Cattle Dog ist eine von der FCI anerkannte Hunderasse aus Australien (Gruppe 1, Sektion 2, Standard Nr. 287).
Beschreibung mini|alt=Ein schlafender hellbrauner Hund, zwischen seinen Vorderläufen ein weißer Hundewelpe|Ein weißer Welpe, der Fleck um das Auge herum war schon bei der Geburt sichtbar Der Australian Cattle Dog ist ein kompakter, robuster und sehr wendiger Hund. Er ist 43 bis 51 cm groß und 16 bis 25 kg schwer. Vorherrschend sind die Farben Rot gesprenkelt (red speckled) sowie Blau, Blau gesprenkelt (blue speckled) und Blau getüpfelt (blue mottled), immer mit lohfarbenen Abzeichen. Teilweise sind Abzeichen an Kopf und Rutenansatz vorhanden.
Australian Cattle Dogs werden weiß geboren und bekommen ihre eigentliche Farbe erst im Alter von einigen Wochen, Masken und Flecken sind allerdings von Anfang an sichtbar. Einen ersten Hinweis auf die zu erwartende Farbe des Fells liefert die Färbung der Haut an den Pfotenballen der Welpen. Blaue oder schwarze Pfotenballen deuten auf blaue Hunde hin, rote oder braune Pfotenballen auf rote. Je größer der Anteil rosafarbener Haut ist, desto heller wird das Fell des heranwachsenden Hundes sein.Robert Kaleski: Australian barkers and biters. Chapter III. The Australian Cattle Dog. Teil 2, in: The Sydney Stock and Station Journal. 2. August 1921, S. 7.
Aktuell lautet die Beschreibung im FCI-Standard:Fédération Cynologique Internationale (FCI): , abgerufen am 2. September 2013.
Der Australian Cattle Dog ist entsprechend dieser Beschreibung ein harter, unermüdlicher und intelligenter Arbeitshund. Fremden gegenüber ist er manchmal eher reserviert. In der ursprünglichen Zucht der Siedler wurde nur mit den besten Treibhunden und Wächtern gezüchtet. Deren Merkmale besitzt die Rasse bis heute.
Der Australian Cattle Dog zeigt – wie viele andere Hunderassen auch – ein sehr breites Verhaltensspektrum. Während einige Tiere leicht führbar sind, bedarf es bei anderen einer guten Kenntnis der rassespezifischen Verhaltensweisen, um ihnen gerecht zu werden. Rüden können sehr rangbewusst sein. Unsichere und inkonsequente Menschen sollten keinen Cattle Dog halten. Im Umgang mit anderen Hunden bedarf es besonderer Verantwortung, da vor allem Rüden gern auf eine Kampfaufforderung eingehen.
Verwendung mini|alt=Ein Schaf in einer Koppel, links daneben, nur halb im Bild, ein zweites Schaf. Rechts läuft von hinten ein Hund heran, mit offenem Maul und aufgestellten Ohren|Australian Cattle Dog bei der Arbeit mit Schafen. Cambden, NSW, Australien 2006 mini|alt=Ein Hund springt über ein grün-weißes Hindernis auf den Fotografen zu, der Körper ist langgestreckt und die Rute hoch erhoben|Ein Australian Cattle Dog beim Agility
Die ursprüngliche Verwendung des Cattle Dog war das Treiben von Rindern. Die geforderte Arbeitsweise unterschied sich deutlich von der beim Treiben von Schafen: So war es unerwünscht und für die Hunde gefährlich, die Rinder von vorne bellend anzugehen. Ein Grund für die Einkreuzung von Dingos in der frühen Geschichte der Cattle Dogs bestand darin, dass Dingos nur selten bellen. Gute „Silent Heeler“ näherten sich dem Vieh lautlos und fassten immer das hintere Bein des Rindes, auf dem das Gewicht ruhte, und zwar von hinten, weil seitliches Zufassen zu gefährlich war. Unmittelbar nach dem Zufassen legten sie sich flach hin, um dem Tritt des Rindes zu entgehen. Als Fehler galt es, wenn der Hund nicht das belastete Bein fasste, denn das steigerte die Gefahr, einen Tritt zu erhalten. Unerwünscht war es auch, dass ein Hund an das Vieh herankroch und nach oben biss, weil auf diese Weise die Arbeitsgeschwindigkeit abnahm.Robert Kaleski: Cattle Dogs. Requirements of a Good One In: Mornington Standard. 3. Oktober 1903, Seite 1.
Soweit Australian Cattle Dogs in der Rinderhaltung eingesetzt werden, sind diese Anforderungen bis heute unverändert; daneben gibt es sie auch als Hütehunde in der Schafhaltung. Die dazu notwendigen Verhaltensanlagen sind in Australian Cattle Dogs immer noch vorhanden.
Als Familienhund ist der Australian Cattle Dog anspruchsvoll und sollte über tägliche Spaziergänge hinaus beschäftigt werden, zum Beispiel durch Hundesport wie Agility, Obedience und Dogdancing oder als Reitbegleithund.Gabriele Metz: Ein Power-Verein für einen Power-Hund. Der Australian Cattle Dog Club Deutschland e. V. In: , Ausgabe 02/2011, S. 6–10
Herkunft und Geschichte Die Ursprünge der Rasse Die Weite der Anfang des 19. Jahrhunderts neu besiedelten und zur Rind- und Schafhaltung genutzten Landstriche Australiens brachte es mit sich, dass Rinder über Hunderte von Kilometern zu anderen Weidegründen oder zum Verkauf getrieben werden mussten. Das war eine gefährliche und zeitraubende Tätigkeit, zum einen, weil keine geeigneten Treibhunde existierten, und zum anderen wegen der Wildheit der in der freien Landschaft lebenden Rinder, die noch dazu gefährliche Hörner hatten.A. J. „Bert“ Howard: Hall’s Heelers - Origins of the Cattle Dog in Australia. Online, abgerufen am 3. September 2013.
Der Australian Cattle Dog wurde von den frühen Siedlern in Australien für die Treibarbeit an Kühen gezüchtet. Die ersten importierten Hunde sahen vermutlich den Ahnen des Old English Sheepdogs ähnlich. Diese Tiere waren jedoch dem heißen Klima nicht angepasst, und ihr langes Fell war völlig ungeeignet für die australische Vegetation.Noreen R. Clark: A dog called Blue. The Australian Cattle Dog and the Australian Stumpy Tail Cattle Dog, 1840–2000. WriteLight, Blackheath, NSW, Australien 2003, ISBN 978-0-9581934-3-6.
Darüber hinaus waren diese Hunde über Generationen zum Hüten und Treiben von Schafen gezüchtet worden. Mit ihrer Angewohnheit, die Schafe von vorne anzugehen und dabei zu bellen, brachten sie die Rinder beim Treiben zum Ausbrechen. Das war wegen der großen Gefahr, die von einer durchgehenden Rinderherde ausgeht, und wegen der daraus resultierenden Minderung von Fleischqualität und Milchleistung unerwünscht. Auch die Hunde waren durch die Hörner der Rinder oder ihre Tritte äußerst gefährdet.Robert Kaleski: Australian barkers and biters. Chapter III. The Australian Cattle Dog. Teil 1, in: The Sydney Stock and Station Journal. 26. Juli 1921, S. 7.
Anfang der 1830er Jahre begann der junge Großgrundbesitzer und Rinderzüchter Thomas Simpson Hall (1808–1870) auf seinem Anwesen Dartbrook bei Muswellbrook, New South Wales mit der planmäßigen Zucht eines hornlosen Rindes und eines geeigneten Treibhundes. Anfang des 19. Jahrhunderts war in der britischen Grafschaft Durham eine neue Rinderrasse gezüchtet worden, Durhams oder Shorthorns genannt. Einige der Rinder wurden ohne Hörner geboren und Thomas Hall konnte mit Hilfe in Großbritannien lebender Verwandter einige Fleischrinder importieren, mit denen er seine Zucht hornloser Rinder aufbaute.
Wie viele der frühen Siedler in Australien war auch Thomas Hall ein Bewunderer des Dingo. Ebenfalls mit Hilfe von Verwandten in Großbritannien importierte er blau getüpfelte Drover Dogs (Arbeitshunde von Viehtreibern) aus der Grafschaft Northumbria. Mit diesen Hunden und den Nachkommen eingefangener und gezähmter Dingos begann er ab etwa 1832 die planmäßige Zucht seiner später als Hall’s Heelers bekannten Treibhunde. Detaillierte Angaben über die Zahl der Kreuzungen und Rückkreuzungen existieren nicht, doch bis 1840 war ein für Hall zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Die von Hall gezüchteten Hunde waren für die Arbeit derart gut geeignet, dass es bis zu seinem Tod 1870 weder Anlass für weitere Veränderungen gab, noch Hall’s Heeler an Interessenten außerhalb der Familie und den Mitarbeitern Halls abgegeben wurden.Robert Kaleski: Cattle Dogs. In: Bairnsdale Advertiser and Tambo and Omeo Chronicle. 8. September 1903, Seite 4.
Der Weg zum Ausstellungshund Noch 1865 gab es auf einer Hundeausstellung in Melbourne eine Klasse für Sheep and cattle dogs, in einem Ausstellungsbericht wurde festgestellt, dass es keinen intelligenteren Hund als den Collie gebe, und dass die Treibhunde die wertvollsten Tiere in Australien seien. Eine Rassebeschreibung existierte nicht, der „cattle dog“ wurde über seine Arbeitsleistung definiert und „Collie“ war seinerzeit eine allgemeine Bezeichnung für Hütehunde. Es wurde der Wunsch geäußert, dass für Treibhunde auf Ausstellungen ein Zertifikat über ihre Arbeitsleistung vorgelegt werden solle, da diese, und nicht das Aussehen, den Wert solcher Hunde darstellten.ohne Verfasser: The Victorian dog show. In: The Sydney Morning Herald. 2. November 1865, S. 3.
mini|alt=Ein Mann von etwa 30 Jahren mit dunklem Mantel und einem schwarzen Hut, einer Melone, auf dem Kopf. Er kniet auf dem Boden und streichelt einen mittelgroßen Hund|Robert Kaleski schrieb den ersten Rassestandard des Australian Cattle Dog Eigenen Angaben zufolge war der spätere Journalist und Schriftsteller Robert Kaleski (1877–1961) ab den 1880er Jahren einer derjenigen, die sich um die Reinzucht des Blue Speckle Cattle Dog bemühten, damals war dies oder Red Speckle Cattle Dog die Bezeichnung für die heutigen Australian Cattle Dogs. Der Schlachter Fred „Pialla“ Davis brachte um 1870, nach Thomas Halls Tod, einige „Hall’s Heeler“ zum von seiner Familie betriebenen Schlachthof in Canterbury, New South Wales mit. Dabei handelte es sich um hervorragende Treibhunde, aber die Farbe war unbefriedigend, entweder ganz rot wie ein Dingo, oder mit braungrauen Flecken und schwarzen Sprenkeln.Robert Kaleski: Our prosperity rests on dogs. In: The Sunday Herald. 2. April 1950, S. 9.
Kaleski, Alec Davis, der Sohn von Fred Davis, John George „Jack“ Bagust (-1909) und dessen Bruder James Henry „Harry“ Bagust (1860–1914), alle aus Canterbury, wollten aus den Hall’s Heelers eine attraktive aber reine Rasse züchten. Sie kreuzten daher verschiedene Hunderassen ein, darunter sehr wahrscheinlich schwarz-lohfarbene australische Kelpies „für die Arbeitsleistung“, bis der moderne Australian Cattle Dog entstanden war. Um 1910 waren sie bemüht, die schwarze Farbe bei den Hunden auf Kopf, Sattel und einen Fleck am Rutenansatz zu beschränken und bei dem roten Farbschlag die Beine ganz in roter Farbe zu erhalten. Noch in den 1880er Jahren konnte ein blauer „Hall’s Heeler“ in die Zuchtlinien von Kaleski und anderen eingekreuzt werden, von dem alle Hunde des blauen Farbschlags abstammen sollen.ohne Verfasser: Australian stock dogs. Evolution of „Silent Heelers“. Collie crossed with Dingo. In: Chronicle (Adelaide, Südaustralien). 7. Januar 1932, S. 12.
Sichere Erkenntnisse zu den Rassen, aus denen der Australian Cattle Dog hervorgegangen ist bleiben genetischen Untersuchungen vorbehalten. Neben den aus Großbritannien importierten Treibhunden Thomas Halls und seinen Dingos gilt die Einkreuzung von Kelpies als sicher. Als weitere Rassen werden Dalmatiner und Bullterrier genannt, doch sind zeitgenössische und spätere Berichte zum großen Teil widersprüchlich und anekdotenhaft. Zum Anfang des 20. Jahrhunderts kam es in den Cattle Dog Clubs in Australien und New South Wales zu Vereinsstreitigkeiten. Im Zuge der Auseinandersetzungen wurden, teilweise unter Pseudonym, zahlreiche Zeitungsartikel verfasst, in denen mehr oder weniger weit gehende Behauptungen zu den in die Cattle Dogs eingekreuzten Hunderassen aufgestellt wurden. Diese Veröffentlichungen halten einer gewissenhaften Prüfung überwiegend nicht stand.