Katzendorf ist eine Wüstung durch den Uranabbau im Raum um Culmitzsch bei Berga/Elster und gehört zum Ortsteil Großkundorf in der Landgemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf im Landkreis Greiz in Thüringen. mini|Schloss Katzendorf um 1945

Geschichte Das Dorf Katzendorf wurde am 10. April 1432 erstmals urkundlich erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 138. 1465 wurde es als Katzindorf benannt.Ernst Müller: Staats-Handbuch für das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. 1864. T. L. A. Kühn, Weimar 1864, S. 259. u. S. 260. Die Einwohner des Dorfes waren stark landwirtschaftlich orientiert und geprägt. 1880 lebten hier 60 Einwohner, 1882 existierten 10 Wohnhäuser und im Dorf gab es auch ein Schloss Katzendorf. Das Schloss gehörte zum Rittergut Wolframsdorf, respektive juristisch betrachtet das Rittergut Wolframsdorf zum Schloss Katzendorf,Ernst Müller: Staatshandbuch für das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. 1885. Hermann Böhlau, Weimar 1885, S. 317. und war im Besitz der Familien von Wolframsdorf, von und zu Mannsbach und via HeiratGothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1862. Zwölfter Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1861, S. 508. von Leipziger, ab 1905 nach preußischer Genehmigung wieder von Leipzig.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel 1916. Siebzehnter Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1915, S. 469–470.

Das Gut und dieses Haus waren sachsen-weimarisch, während der übrige Teil des Ortes zum Königreich Sachsen gehörte.Archivportal Thüringen, Rittergut Wolframsdorf mit Haus in Katzendorf Im Rahmen der Bodenreform wurde 1945 die letzte Eigentümerin des Ritterguts, Erika von Leipzig (1895–1968), Tochter des Erich von Leipzig, enteignet und vertrieben.Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1988. Band XX, Band 93 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1988, , S. 216–217. 1947 wurde das Schloss Katzendorf abgerissen. Nach 1945 wurden im Ort Neubauernstellen eingerichtet, wodurch die Einwohnerzahl kurzfristig auf 95 Personen (48 Altbürger, 47 Neubürger, zum Beispiel Kriegsflüchtlinge) anstieg.Informationen von Zeitzeugen zum Dorf Katzendorf, In: Literatur: Annerose Kirchner: Spurlos verschwunden: Dörfer in Thüringen – Opfer des Uranabbaus. Ch. Links Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-569-0, S. 54, 56, 59–62.Wüstungen Culmitzsch und Katzendorf, In: Gerhard Hempel: Das nördliche Vogtland um Greiz, Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2006, Band 68, ISBN 978-3-412-09003-6, S. 169–178. Der übrige Ort wurde später Opfer des Uranabbaus. Sie wurden Spielball des Kalten Krieges, denn der Abbau des Urans erfolgte unter strengster Geheimhaltung. Sie wussten erst nicht, worum es ging. Erst später sickerte die Wahrheit durch. 1952 wurde der Ort wegen des Wismut-Tagebau devastiert. Erika von Leipzig lebte zuletzt in München. mini|Schloss Katzendorf mini|Damm des Absetzbeckens im ehemaligen Ort Culmitzsch

Uranbergbau der Wismut Die sogenannte Lagerstätte Culmitzsch war die viertgrößte von der Wismut ausgebeutete Uranlagerstätte. Der Tagebau wurde bis zu 70 Metern unter Geländeniveau abgeteuft. Dabei wurden 90 Millionen Kubikmeter Gestein bewegt. Die Absetzbecken lagen nördlich und südlich des Ortes und stellten eine große Gefahr für den Ort und die Einwohner dar. Zusammen mit Culmitzsch mussten auch Teile von Sorge-Settendorf, Katzendorf, Schmirchau, Lichtenberg und etwa zwei Drittel der Dorffläche von Gauern dem Uranbergbau weichen.Martin Straub: Abgebaggerte Dorfzeit, Mitteldeutsche Zeitung, vom 7. Mai 2010, abgerufen am 21. Juni 2021. Es gab auch eine Wismut-Werkbahn, die verschiedene Strecken betrieb, unter anderem die Strecke Bf Teichwolframsdorf–Tagebau Sorge-Settendorf/Katzendorf-Trünzig von 1953 bis 1965 und die Strecke Bf Gauern–Tagebau Culmitzsch von 1957 bis 1967.

Persönlichkeiten Hugo von Leipziger (1822–1896), deutscher Verwaltungsjurist Erich von Leipzig (1860–1915), deutscher Oberst und Militärattaché, Sohn des Hugo von Leipziger

Literatur Katzendorf, In: Annerose Kirchner: Spurlos verschwunden: Dörfer in Thüringen – Opfer des Uranabbaus. Ch. Links Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-569-0. Katzendorf, In: Paul Lehfeldt: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Heft XXV, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Verwaltungsbezirk Neustadt, Amtsgerichtsbezirk Weida, Verlag Gustav Fischer, Jena 1897, S. 289.; Reprint Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2014, ISBN 978-3-86777-373-7, S. 289.

Weblinks Friedrich-Ebert-Stiftung: Infos zum Uranbergbau bzw. Tagebau in Sorge-Settendorf, Trünzig und Katzendorf IAA Trünzig: ehemaliger SDAG Wismut Tagebau Trünzig-Katzendorf, Revier Ronneburg, Thüringen Verschwundene Dörfer: 2. Culmitzsch und Katzendorf mit Gedenkstein Katzendorf

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