Frauen in der Informatik behandelt bedeutende heutige und historische Informatikerinnen, die z. B. zur Entwicklung von Computern beigetragen haben, sowie die Situation von Frauen in der Informatik.

Geschichte von Frauen in der Informatik Einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der Informatik leistete im 19. Jahrhundert die Mathematikerin Ada Lovelace, die als erste Programmiererin in die Geschichte einging. Die Mathematikerin und Physikerin Grace Hopper setzte durch die Entwicklung des ersten Compilers (A-0) 1952 einen weiteren Meilenstein. Die folgende Grafik zeigt die Lebenszeit verschiedener wichtiger Informatikerinnen zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert.

19. Jahrhundert mini|Porträt der Ada Lovelace (1815-1852) (Gemälde von Margaret Sarah Carpenter 1836)

Der Entwicklungsprozess der heute unter der Bezeichnung Informatik bekannten Wissenschaft begann mit der britischen Mathematikerin Ada Lovelace (1815–1852). 1842 entwarf sie einen Algorithmus, mit welchem Bernoulli-Zahlen mit einer Rechenmaschine (Analytical Engine) berechnet werden konnten. Deswegen gilt sie als erste Programmiererin, obwohl die Analytical Engine zu ihren Lebzeiten nie gebaut wurde.John Fuegi, Jo Francis: Lovelace & Babbage and the creation of the 1843 “notes”. In: Annals of the History of Computing. Band 25, Nr. 4, 2003, S. 16–26 (englisch; doi:10.1109/MAHC.2003.1253887). Die in den 1970er Jahren entwickelte Programmiersprache Ada ist nach Ada Lovelace benannt. Trotz der Würdigung von Ada Lovelace als erste Programmiererin sind in der Geschichte der Informatik nur vergleichsweise wenige Frauen bekannt geworden, da Frauen im 18. und 19. Jahrhundert und bis ins 20. Jahrhundert hinein der Zugang zu Bildung und Hochschulausbildung aus verschiedenen Gründen verwehrt war. Frauen wurde daher kein akademischer Titel verliehen, sie durften weder an Hochschulen unterrichten noch wissenschaftliche Arbeiten unter ihrem Namen veröffentlichen. Auch unsichtbare Barrieren, wie jene des guten Betragens, erschwerten Frauen den Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen wie Bibliotheken.Ute Hoffmann: Computerfrauen: Welchen Anteil haben Frauen an Computergeschichte und -arbeit? 2. Auflage. Hampp, München 1987, S. 43–85. Viele Wissenschaftlerinnen waren auf die Hilfe von Männern angewiesen, um die Zugangsbeschränkungen zu den wissenschaftlichen Ressourcen kompensieren zu können. Zu dieser Zeit war die Wissenschaft jedoch „noch nicht so weit professionalisiert“,Ute Hoffmann: Computerfrauen: Welchen Anteil haben Frauen an Computergeschichte und -arbeit? 2. Auflage. Hampp, München 1987, S. 43–85, hier S. 43. sodass es durchaus möglich war, sich informell Wissen anzueignen. Dieser Umstand erforderte von Frauen ein großes Ausmaß an Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, um neben den sozialen Verpflichtungen der Wissenschaft nachgehen zu können.

20. Jahrhundert mini|Grace Hopper an der Eingabe-Tastatur des UNIVAC I (um 1960)

Als Frühgeschichte des Computers gilt der Zeitraum von 1930 bis 1950. In dieser Phase bestand Programmieren aus einer Vielzahl von Arbeitsschritten. Vom Programmentwurf über die Codierung bis zur tatsächlichen „Umsetzung des Programmes in die Maschinensprache“ waren mehrere, zum Teil komplexe Arbeitsschritte notwendig. Auf der letzten Ebene bedeutete dies, dass Schalter in dem Programm entsprechend auf on oder off gestellt werden mussten. Mit Ausnahme der Hardwareentwicklung waren mit zahlreichen Programmier-Schritten Frauen befasst. Auch in der sog. letzten Ebene waren überwiegend Frauen tätig.Christine Zimmer, Britta Schinzel: Informatik-Frauen. In: Freiburger FrauenStudien. Nr. 1, 1998, S. 223–238, hier S. 232 (PDF: 1 MB, 17 Seiten auf ssoar.info).

Während des Zweiten Weltkriegs war die Tätigkeit des Programmierens fast ausschließlich in der Hand von Frauen. Zu dieser Zeit und danach wurde in den USA die Softwareentwicklung als Frauenberuf angesehen. Grund dafür war nicht die Würdigung der wissenschaftlichen Arbeit von Frauen, sondern die Delegation der Programmierarbeit an Bürokräfte mit niedrigem Status. Programmieren wurde als leichte Tätigkeit angesehen und für die Entwicklung von Hardware als nicht so wichtig erachtet. Die durch den Zweiten Weltkrieg hervorgerufene Verknappung männlicher Arbeitskräfte ermöglichte Frauen die Verfolgung höher qualifizierter Tätigkeiten in Bezug auf Programmieren. In dieser Zeit war die Arbeit am Computer auf einige wenige militärische und universitäre Projekte beschränkt, die dadurch gekennzeichnet sind, dass eine stille, aber große Präsenz von Frauen gegeben war. Durch die Weiterentwicklung der Computerarbeit in den 1950ern und durch die Veränderung beruflicher Konturen wandelte sich die einstige Frauenarbeit hin zum Männerberuf.

Deutschlands Wirtschaft verzeichnete in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre einen erhöhten Bedarf an Fachkräften in der Datenverarbeitung. Hochschulabsolventen wurden – vor ihrem eigentlichen Einstellungszweck – zu dieser Zeit beim Eintritt ins Berufsleben über längere Zeit in Datenverarbeitung ausgebildet. Dies äußerte sich nachteilig in einer hohen finanziellen Belastung für die Unternehmen sowie in einer Beschränkung des Umfangs der Ausbildungsinhalte für die künftigen Fachkräfte. Um dem entgegenzuwirken, führte Deutschland analog zu den USA den Studiengang Informatik ein.Reuse Bernd, Vollmar Roland: Informatikforschung in Deutschland. 2011, ISBN 978-3-540-76549-3, S. 5. „Der Handlungsrahmen für die Vorbereitung des ‚Überregionalen Forschungsprogramms Informatik‘ kam vom ersten ‚Programm für die Förderung der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Datenverarbeitung‘, kurz dem ‚Ersten DV-Programm‘ der Bundesregierung.“

Gertrude Blanch wurde 1938 als technische Direktorin des Mathematical Tables Project eingestellt. Ihre Arbeit bildete den Grundstein für den Übergang von handgesteuerten Rechenmaschinen zur modernen Computerära. Vier Jahre später (1942) wurden Hedy Lamarr und George Antheil mit ihrer gemeinsamen Erfindung, welche dem heutigen Bereich der „wireless communication“ zugeordnet wird, bekannt.

Marlyn Meltzer begann im Jahre 1945 ihre Laufbahn in der Informatik. Aufgrund ihrer Kompetenz in Mathematik und der Bedienung von Rechenmaschinen wurde sie in das erste Team der ENIAC-Programmiererinnen aufgenommen. Obwohl 6 Frauen an der Programmierung des ENIAC maßgeblich beteiligt waren, wurden im Februar 1946 bei dessen Präsentation nur die beteiligten Männer gewürdigt. Kathy Kleiman machte die Öffentlichkeit darauf aufmerksam und erreichte so, dass im Jahre 1997 die 6 beteiligten Programmiererinnen bei einem Festakt in Silicon Valley nach über 50 Jahren ausgezeichnet wurden. Diese Programmiererinnen – Kathleen McNulty Mauchly Antonelli, Jean Bartik, Frances Elizabeth „Betty“ Holberton, Marlyn Meltzer, Frances Spence und Ruth Teitelbaum waren ab diesen Zeitpunkt als ENIAC-Frauen bekannt und wurden 1997 in die Women in Technology International (WITI) Hall of Fame aufgenommen. Kathleen Booth entwickelte 1948 die ARC Assembler Sprache für Computersysteme am Birkbeck College der University of London.

Die Mathematikerin und Physikerin Grace Hopper setzte durch die Entwicklung des ersten Compiler (A-0)1952 einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Informatik. 1944 wurde sie dem Navy-Computerprojekt zum Bau der Mark I – der ersten programmierbaren Großrechenanlage von Amerika – zugeteilt. In der Nachkriegszeit arbeitete sie ebenso an den Weiterentwicklungen des Mark II und Mark III mit.

mini|Eingeklebte Motte mit dem Eintrag First actual case of bug being found („Erster tatsächlicher Fall eines aufgefundenen Bugs/Käfers“) im Logbuch des Teams von Grace Hopper (9. September 1947)

Bei Defekten führte die Suche nach den kaputten Bauteilen der Großrechenanlagen jedoch vermehrt zu Frustrationen. Am 9. September 1947 machten sich die Teammitglieder wieder einmal an die Behebung einer Fehlfunktion. Sie entdeckten dabei eine tote Motte, die sich in einem Relais verfangen hatte, entfernten sie vorsichtig und klebten sie in das Logbuch des Mark II mit der Bemerkung „First actual case of bug being found.“This day in history. In: computerhistory.org. Abgerufen am 18. Februar 2016 (englisch).

Die Wurzeln der Bezeichnung bug (für einen Programmfehler) gehen jedoch auf Thomas Edison zurück, der bereits 1878 an seinen Erfinderkollegen Tivadar Puskás folgende Notiz schrieb: “The first step [in all of my inventions] is an intuition, and comes with a burst, then difficulties arise – this thing gives out and [it is] then that ‚Bugs‘ – as such little faults and difficulties are called – show themselves […].” (Übersetzt: Der erste Schritt [bei allen meinen Erfindungen] ist eine Intuition, die mit einem Knall kommt, dann entstehen Schwierigkeiten – das Ding gibt nach, und es zeigen sich ‚Bugs‘ - wie solche kleinen Fehler und Schwierigkeiten genannt werden.)

Populär wurden die Bezeichnungen bug und debugging allerdings erst durch Grace Hopper, welche im Jahr 1957 durch ihre Vorarbeiten an der Programmiersprache COBOL erneut in Erscheinung trat, wodurch sie ihren Spitznamen „Grandma COBOL“ erhielt. Sowohl sie als auch Jean E. Sammet hatten eine leitende Tätigkeit bei der Entwicklung der Programmiersprache COBOL inne.

Jean E. Sammet publizierte 1969 mit „Programming languages: history and fundamentals“ ein Werk, welches heute als Standardwerk der Programmiersprache gilt. Darüber hinaus war sie Präsidentin der ACM (Association for Computing Machinery) von 1972 bis 1974 und somit die erste Präsidentin dieser Organisation.

Auch Adele Goldberg war als Präsidentin dieser ältesten Computerfachvereinigung der Welt im Zeitraum von 1984 bis 1986 tätig. Die US-amerikanische Forscherin war unter anderem auch Leiterin des Entwicklungsteams der Programmiersprache Smalltalk (Programmiersprache).

Zweifellos erwähnenswert sind auch die Errungenschaften von Rózsa Péter, welcher 1952 als erster Frau Ungarns der Doktortitel der Mathematik verliehen wurde. Sie erfand die „rekursive Funktion“ und legte die Grundlage der theoretischen Informatik.

Die amerikanische Informatikerin Frances E. Allen trat durch ihre Kompetenz im Bereich der Programmoptimierung und Parallelisierung in Erscheinung und wurde dadurch zur Pionierin in der Compilertechnik. 1959 arbeitete sie am damaligen Supercomputer IBM 7030 Stretch mit.

Ebenso gilt Nancy Lynch als wichtige Frau im Bereich der Informatik. Sie gilt als Expertin im Bereich Verteiltes Rechnen und verteilte Systeme. Sie promovierte 1972 im Bereich Mathematik am Massachusetts Institute of Technology und hat dort bis heute eine Professur inne. Weiters erhielt sie mehrere Preise für ihre Forschungsbeiträge:

2001: PODC Influential-Paper Award; 2006: Van Wijngaarden Award; 2007: Knuth Prize; 2007: Edsger W. Dijkstra Prize in Distributed Computing; 2010: IEEE Emanuel R. Piore Award; 2012–2013: Athena Lecturer award. Auch die Tätigkeiten von Christiane Floyd sind hervorzuheben, da sie die erste Informatikprofessorin im deutschsprachigen Raum ist und als führende Forscherin im Bereich der partizipativen Softwaregestaltung eine wichtige Position einnimmt.

Die deutsche Informatikerin Marianne Laqueur wurde als erste Computerspezialistin bekannt und war über 40 Jahre in diesem Bereich tätig.

Radia Perlman, eine Softwareentwicklerin und Netzwerktechnikerin, trat erstmals durch die Erfindung des Spanning Tree Protocol in Erscheinung. Dieser Algorithmus wurde 1990 zum IEEE 802.1D Standard erklärt. Im weiteren Verlauf ihrer Karriere brachte sie ihr Wissen in den Bereichen Netzwerkdesign und -Standardisierung ein und leistete somit einen nennenswerten Beitrag zum Fortschritt.

Corinna Cortes wurde durch die theoretischen Grundlagen im Bereich der Support Vector Machine bekannt. In ihrer weiteren Laufbahn befasste sie sich mit Datenbanken und Suchalgorithmen, wodurch sie zum Data-Mining einen beachtlichen Teil beisteuerte.