Die Gemeinschaft Brot des Lebens (en.: Bread of Life Community, fr.: Communauté du Pain de Vie) ist eine Vereinigung von Gläubigen in der römisch-katholischen Kirche, gegründet 1976 in Frankreich. Die ursprüngliche Gemeinschaft war nach eigenen Angaben in 25 Ländern vertreten und zählte einige hundert Mitglieder. Sie wurde 1984 im Bistum Bayeux kirchlich anerkannt und am 9. April 2015 von Bischof Jean-Claude Boulanger aufgelöst.Verfügung von Bischof Jean-Claude Boulanger vom 9. April 2015, abgerufen am 18. Februar 2022. Am 8. Juni 2016 erhielt die Gemeinschaft vom Berliner Erzbischof Heiner Koch neue Statuten und damit eine erneute kirchliche Anerkennung unter dem Namen Maison du Pain de Vie/Brot des Lebens.

Geschichte Die Gemeinschaft entstand aus einem Kreis konvertierter Ehepaare, die in Évreux lebten. Die Führung übernahmen Pascal und Marie-Annick Pingault.Olivier Landron: Les communautés nouvelles. Nouveaux visages du catholicisme français. Éditions du Cerf, Paris 2004, ISBN 2-204-07305-9, S. 201. Die Bewegung verbreitete sich ab 1981 über mehrere französische Diözesen. 1984 wurde die Gemeinschaft im Bistum Bayeux von Bischof Jean Badré kirchenrechtlich als eine Vereinigung von Gläubigen diözesanen Rechts „ad experimentum“ (probeweise) für 6 Jahre anerkannt. Bischof Pierre Pican SDB erteilte 1990 die endgültige diözesane Anerkennung.

Bereits 1993 hatten Mitglieder den Bischöfen Missstände gemeldet, darunter einen „Personenkult um das Gründerpaar“ sowie einen aufgezwungenen Lebensstil mit Isolation, Druck und Demütigungen. 1995 nahm sich ein Mitglied das Leben. Laut der französischen Website L’Envers du Décor, die Missstände in katholischen Gemeinschaften dokumentiert, erfüllte die Gemeinschaft auf Grundlage vorliegender Zeugenaussagen 20 von 26 Kriterien für Merkmale einer Sekte, die von der französischen Bischofskonferenz erarbeitet worden waren – darunter Gründerkult, Familienbrüche und Kontrolle der Beichtväter.

Die internen Spannungen verschärften sich in den Jahren 2001 bis 2004 weiter. Unterschiedliche Auffassungen über die Führungsstruktur führten zu Zerwürfnissen, und die örtlichen Gemeinschaften strebten mehr Selbstbestimmung an.Brot des Lebens in Berlin: Kirchenrechtliche Situation.

Durch ein Dekret vom 9. April 2015 löste Bischof Jean-Claude Boulanger die Gemeinschaft als Vereinigung von Gläubigen auf. Er verwies dabei auf die „schwerwiegenden Führungsprobleme“ und auf das faktische Ende der Gemeinschaft durch die Zerstreuung ihrer Mitglieder und die Schließung ihrer Häuser.

Gerichtsurteil zur Rentenversicherung Die Mitglieder der Gemeinschaft mussten ihre Berufe aufgeben, ihr Vermögen und sämtliche Einkünfte einschließlich Familienbeihilfen an die Gemeinschaft abführen und sich ihr vollständig widmen. Die Gemeinschaft führte für ihre Mitglieder keinerlei Rentenversicherungsbeiträge an die zuständige kirchliche Rentenkasse Caisse d’Assurance Vieillesse, Invalidité et Maladie des Cultes (CAVIMAC) ab. Die Gründer bezeichneten diese gesetzliche Verpflichtung als „unevangelisches Prinzip, das dem Geist der Hingabe an die Vorsehung widerspricht“ – obwohl Pascal und Marie-Annick Pingault selbst bei der Rentenkasse für Künstler versichert waren.

Ein erstes Urteil wurde bereits 2011 gefällt. Die soziale Kammer des Berufungsgerichts Caen bestätigte dieses am 13. Juni 2019 und verurteilte Pascal und Marie-Annick Pingault sowie den Dachverband der Gemeinschaft zur gesamtschuldnerischen Zahlung von 72.079 Euro Schadensersatz an ein ehemaliges Mitglied, das zwischen 1981 und 2005 keinen einzigen Rentenbeitrag angesammelt hatte. Das Gericht erkannte dabei eine persönliche Haftung der Gründer an, die über die Haftung der Gemeinschaft als solcher hinausgeht. Am selben Tag gab das Gericht einem weiteren ehemaligen Mitglied in einem gleichgelagerten Fall recht.

Neugründung 2016 Nach der Auflösung des französischen Zweigs erarbeiteten verbliebene Mitglieder neue Statuten. Diese wurden am 8. Juni 2016 vom Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, unter dem Namen Maison du Pain de Vie/Brot des Lebens kanonisch anerkannt. Die Gemeinschaft ist seit 2004 in der Pfarrei St. Nikolaus in Berlin-Friedrichshain ansässig und betreibt dort in den Wintermonaten eine Notübernachtung.

Laut der eigenen Gründungsgeschichte der Berliner Gemeinschaft geht diese unmittelbar auf Pascal und Marie-Annick Pingault zurück: „Die Gemeinschaft Brot des Lebens wurde in den siebziger Jahren in Frankreich gegründet. Ursprung war die Bekehrung des Ehepaares Pascal und Marie-Annick Pingault.“ Die Statuten von 2016 benennen das von den Pingaults verfasste Livre de Vie als verbindliche spirituelle Grundlage für alle Mitglieder und sehen vor, dass der Ältestenrat bei wichtigen Fragen auf das Gründerpaar zurückgreift.

Laut der französischen Website L’Envers du Décor, die Missstände in katholischen Gemeinschaften dokumentiert, hatte das Gründerpaar Pingault bereits 2004, also noch vor der offiziellen Auflösung des französischen Zweigs 2015, eine neue Vereinigung unter dem Namen Maison du Pain de Vie ohne kanonische Anerkennung gegründet und versuchte, sich in Deutschland zu etablieren.

Selbstverständnis Der geistige Ursprung der Gemeinschaft liegt in der charismatischen Erneuerungsbewegung des Katholizismus der 1960er Jahre. Als Leitwort dient seit der Gründung ein Vers aus dem Evangelium nach Lukas: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe.“ . Die Gemeinschaft versammelt sich in der Feier der heiligen Messe und in der eucharistischen Anbetung um den eucharistischen Jesus, das „Brot des Lebens“ , und verkündigt das „Kommen des Reiches“. Ihre Spiritualität legte das Gründerpaar in einem 1993 erschienenen, umfangreichen Buch dar.

Dieses Selbstverständnis trägt die Berliner Neugründung von 2016 weiter. Die Gemeinschaft versteht sich als generationsübergreifende Lebensgemeinschaft, die gesellschaftliche Trennungen – etwa zwischen Alten, Kranken, Kindern und Erwachsenen – bewusst überwindet. Sie richtet sich an Familien, Ledige, im Zölibat lebende Schwestern und Brüder, Eremiten, Pilger sowie Diakone und Priester. Die im Zölibat lebenden Mitglieder tragen einen rotbraunen Habit und leben nicht in separaten Häusern, sondern sind in das gemeinsame Leben mit den Familien eingegliedert.

Organisation Historische Struktur Die Gesamtleitung der ursprünglichen Gemeinschaft nahm ein Generalrat wahr, dieser bestand aus neun Personen aus der Gründergeneration (Collège des Anciens, Ältestenrat) und dem hauptverantwortlichen Ehepaar. Die örtlichen Gemeinschaften wurden als „Familien“ bezeichnet.

Die Mitgliedschaft unterteilte sich in die gottgeweihten Männer und Frauen und die „Kameraden“ (compagnons). Die Gottgeweihten legten ein Gelübde nach den Evangelischen Räten ab, die Kameraden ein Versprechen. Zur weiteren Mitgliedschaft gehörten die „Mitglieder einer Familie“: Männer und Frauen, die das Leben der Gemeinschaft nach ihren häuslichen und beruflichen Möglichkeiten teilten.

Die Gemeinschaft betreute Schulen, Kinderheime und Notunterkünfte, sie vermittelte Ausbildungsplätze und organisierte für Jugendliche Sommercamps. In Deutschland war sie ab 1994 im Kloster Vinnenberg im Münsterland ansässig und betrieb dort eine Hostienbäckerei.

Struktur laut Statuten 2016 Die Statuten von 2016 unterscheiden drei formelle Mitgliedschaftsformen: Anawim (Menschen, die in ihren Grenzen und ihrer Armut Christus geweiht sind), Compagnons (Gefährten, die ein jährlich erneuertes Versprechen ablegen und meist außerhalb der Gemeinschaftshäuser leben) und Donnés (Mitglieder, die durch Gelübde vollständig in die Gemeinschaft eingebunden sind und in Gemeinschaftshäusern leben). Daneben gibt es informelle Zugehörigkeitsformen wie Familiers und Amis.

Die Donnés sind zur vollständigen Abgabe ihres Einkommens an die Gemeinschaft verpflichtet. Laut Statuten verzichten Mitglieder und ehemalige Mitglieder auf jegliche finanzielle Ansprüche gegenüber der Gemeinschaft, auch nach einem Austritt. Die Statuten halten zudem ausdrücklich fest, dass die Ortskirche nicht für die Sozialversicherung und Altersvorsorge der Mitglieder haftet.

Literatur Andreas Martin (Red.): Die Geistlichen Gemeinschaften der katholischen Kirche. Kompendium. St. Benno-Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-7462-1995-7, S. 109–110. Olivier Landron: Les communautés nouvelles. Nouveaux visages du catholicisme français. Éditions du Cerf, Paris 2004, ISBN 2-204-07305-9. Communauté Maison du Pain de Vie/Brot des Lebens: Statuts. Genehmigt durch Erzbischof Heiner Koch, Berlin, 8. Juni 2016. PDF (französisch), abgerufen am 1. Mai 2026.

Weblinks The Bread of Life Community (englisch) Gemeinschaft Brot des Lebens in Berlin La Maison du Pain de Vie (französisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholische Bewegung Kategorie:Pfingstbewegung Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1976