Der pix (Personalmanagement-Professionalisierungs-Index) ist eine empirische Langzeitstudie. Das Konzept wurde durch eine Gruppe von Wissenschaftlern und Praktikern als Bestandteil der Professionalisierungsinitiative für das Personalmanagement der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) entwickelt. Als „wissenschaftlicher Vater“ gilt Rainer Marr. Seit Mai 2004 wird regelmäßig ein Gesamtindex im Rahmen von Online-Befragungen der ordentlichen Mitgliedsunternehmen der DGFP erhoben. Angestoßen durch Walter A. Oechsler wurde 2005/06 ein fachwissenschaftlicher Diskurs um die Evidenz der Indizes geführt.Vgl. Christian Scholz: ZfP-Diskurs: Der Professionalisierungsindex der DGFP in einer notwendigen Diskussion. In: Zeitschrift für Personalforschung 20 (2006) 1, S. 5–6.

2010/11 wurde pix überarbeitet und firmiert heute unter: DGFP Langzeitstudie „Professionelles Personalmanagement“ (pix).

Hintergrund: Professionalisierungsinitiative Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) startete 2001 eine Professionalisierungsinitiative für das Personalmanagement in deutschen Unternehmen. Zu den Elementen dieser Initiative gehörten zuallererst Professionelle Standards und daraus abgeleitet das DGFP Professionalisierungsprogramm und ein Body of Knowledge. Es folgten schließlich zwei Studien, zum einen die Studie „Megatrends und HR-Trends“ (2011) und zum anderen die DGFP Langzeitstudie „Professionelles Personalmanagement“ (pix) (2010/11). Letztere knüpft in modifizierter Version direkt an das Pilotprojekt von 2004, dem Personalmanagement-Professionalisierungs-Index (pix) an. Die DGFP misst damit die Veränderung der Professionalität im Personalmanagement von deutschen Unternehmen.

An der Ausgestaltung 2004 waren Wissenschaftler wie Gerold Frick (Aalen), Rainer Marr (München), Achim Seisreiner (Potsdam) und Dieter Wagner (Potsdam) und Praktiker von DaimlerChrysler, John Deere, der Lufthansa, von Ingram Micro, der Boston Consulting Group und von Watson Wyatt sowie die Vertreter der DGFP, René Pannier und Hans Böhm, beteiligt.Christiane Geighardt (Bearb.): Ergebnisse einer Befragung der DGFP e.V. Zur Professionalisierung des Personalmanagements. Hrsg. durch die Deutsche Gesellschaft für Personalführung, PraxisPapier 5/2004, Düsseldorf 2004, S. 4.

pix-Befragungen Studie von 2004 Die erste Studie, die 2004 erhoben wurde, wurde in das Standardwerk von Hentze & Graf (2005) aufgenommen. Sie ermittelte 20 Indices, darunter den Personalmanagement-Professionalisierungs-Index (pix). Der PIX selber ergab sich aus der Berechnung von 14 Indices im gestuften Verfahren. Dadurch sollte möglich werden, einen Zusammenhang zwischen Indexwerten und Unternehmenserfolg herzustellen. Die DGFP stützte sich theoretisch auf vier Managementaufgaben eines professionellen Personalmanagements:Vgl. Klaus J. Zink: Personalwirtschaft und Arbeitswissenschaft: Notwendigkeit integrativer Konzepte. In: Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 59 (2005) 5, S. 385–394. das Wertmanagement (Strategisches Personalmanagement und Wertschöpfungsmanagement), das Beziehungsmanagement (Internes und Externes Beziehungsmanagement), das Instrumenten-/Prozessmanagement, und das Kultur-/Kompetenzmanagement.

Die Professionalität dieser Felder hänge von weiteren Gestaltungskomponenten ab: Akteure, Instrumente, Organisation, Prozesse und Systeme. Schließlich seien zwei Dimensionen der Wirkungsprofessionalität auszumachen:Vgl. Joachim Hentze, Andrea Graf: Personalwirtschaftslehre 2 (= Uni-Taschenbücher. Band 1374). 7. Auflage, Haupt, Bern 2005, ISBN 3-8252-0650-5, S. 407–410. unmittelbare Ergebnisse der Managementhandlung mittelbarer Einfluss auf Unternehmenserfolg

Die Rücklaufquote der Online-Befragung, bestehend aus 80 Items, betrug 18 Prozent, was 254 Institutionen entspricht.Gisela Feller: Ein Klimaindex für die Weiterbildungslandschaft. In: Report. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung 30 (2007) 3, S. 61–74. Im Ergebnis kam die Studie bei einer Likert-Skala (von 0 „nicht professionell“ bis 4 „maximal professionell“) auf einen durchschnittlichen PIX-Wert von 2,49. Dabei lag etwa das Instrumenten-/Prozessmanagement mit 2,72 weiter vorn als das Wertmanagement mit 2,20.

Die Professionalitätswerte aus dem Jahr 2004 im Einzelnen:juh.: . In: Lebensmittel Zeitung, 6. August 2004, S. 46. Professionalitätswert 2004 Management der personalwirtschaftlichen Prozesse 2,80 Management der personalwirtschaftlichen Instrumente 2,64 Management der internen Beziehungen 2,61 Kulturmanagement 2,57 strategisches Personalmanagement 2,39 Kompetenzmanagement 2,36 Management der externen Beziehungen des Unternehmens 2,36 Wertschöpfungsmanagement 2,00 Gesamtbereich des Personalmanagements (pix) 2,49

Folgejahre Auch in den nachfolgenden Jahren wurde PIX erhoben,Unprofessionelles Kulturmanagement. In: Personal. Zeitschrift für Human Resource Management, Nr. 10, 1. Oktober 2005, S. 40.Hagen Ringshausen: Personalentwicklung fördert, fordert underhöht die Qualität. In: Führen und Wirtschaften im Krankenhaus 25 (2008) 6, S. 588–589. der Gesamtindex blieb soweit stabil.Führungskultur stärker im Visier. In: Personalmagazin, 1/2007, S. 75.Lutz Dreesbach: Professionelles Personalmanagement. Einfluss auf Erfolg des Unternehmens. In: Die Welt, 5. Juni 2008, Nr. 130, S. WR4.Frank Hartmann: Führen wie ein Trainer. In: Creditreform, Nr. 4, 2. April 2007, S. 46. Von Seiten der DGFP hieß es im Jahr 2007 „Der Erfolg eines Unternehmens korreliert unter anderem relativ stark mit der Qualität und Verfügbarkeit von Personal, der Innovationsfähigkeit des Unternehmens sowie der Effizienz der Personalprozesse.“

Fachwissenschaftlicher Diskurs (2005/06) Einführung Nach der Einführung von pix wurde die DGFP aus wissenschaftlichen Kreisen stark kritisiert.mer: Die Anforderungen an Personaler steigen. In: Personalmagazin, 8/2006, S. 13. Der wissenschaftliche Streit wurde maßgeblich in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Zeitschrift für Personalforschung (ZfP) ausgetragen. Darüber hinaus erschienen Beiträge in den führenden deutschen Fachmagazinen für Personal. Auch verschiedene Herausgeber und ChefredakteureRandolf Jessl: Profis der Nation. In: Personalmagazin, 12/2005, S. 3. nahmen Stellung. Wesentliche Wortführer der Kritik waren Walter A. Oechsler (Mannheim) und Werner Nienhüser (Duisburg-Essen).Michael Faust, Reinhard Bahnmüller, Christiane Fisecker: Das kapitalmarktorientierte Unternehmen. externe Erwartungen, Unternehmenspolitik, Personalwesen und Mitbestimmung (= Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung. 135). Edition Sigma, Berlin 2011, ISBN 978-3-8360-8735-3, S. 289.

Schröder (2010) fasste die wichtigsten Kritikpunkte zusammen: Inhaltliche und methodische Schwächen der veröffentlichten Fragebögen Fehlender Theoriebezug Normatives Professionsverständnis

Kritik und Replik Nach der Entwicklung von pix wurde die Konzeption scharf durch den Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Walter A. Oechsler angegriffen. Er bezeichnete sie als „Ad-hoc-Aktionismus“ und zwar „ohne Methode und Nutzen“. Schwächen sehe er vor allem im theoretisch-methodischen Ansatz und in der empirischen Vorgehensweise. Oechsler sehe es als Rückschlag für die Forschung an.Vgl. Walter A. Oechsler: Personalforschung als Ad-hoc-Aktionismus. Der Personalmanagement-Professionalisierungs-Index der DGFP. In: Zeitschrift für Personalforschung 19 (2005) 2, S. 107–119.Vgl. Walter A. Oechsler: Wie unprofessionell darf ein Messinstrument sein?. In: Personalwirtschaft 23 (2005) 6, S. 26–27. Im Zuge des angestoßenen Streites trat Oechsler vom Vorstandsamt in der DGFP zurück.Bernhard Münster, Randolf Jessl: Bündeln statt spalten (Interview mit Gerold Frick). In: Personalmagazin, 3/2008, S. 16.

Die Wirtschaftswissenschaftler Hans Böhm (Geschäftsführer) und Sascha Armutat (Projektleiter) von der DGFP nahmen zur Kritik Stellung.Vgl. Hans Böhm, Sascha Armutat: Professionalität auf dem Prüfstand (Standpunkt). In: Personalwirtschaft 32 (2005) 8, S. 30–31. Böhm erwiderte zudem auf seiner Webseite „Wie destruktiv darf professorale Kritik sein?“.

Die Replik nahm wiederum der Siegener Wirtschaftswissenschaftler Volker Stein zum Anlass, auf mangelnde Kritikfähigkeit der Autoren hinzuweisen.Vgl. Volker Stein: PIX – Personalmanagement-Professionalisierungs-Index (DGFP). Rhetorik statt Qualität. In: Computer + Personal 13 (2005) 7, S. 28–30. Stein ließ neben seinem Zeitschriftenaufsatz eigens ein universitäres mehrseitiges Arbeitspapier unter dem Titel PIX – Qualitätserosion im rhetorischen Gewand der strahlenden Seriosität? Ein wiederkehrendes Muster anfertigen.Vgl. Volker Stein: PIX – Qualitätserosion im rhetorischen Gewand der strahlenden Seriosität? Ein wiederkehrendes Muster (= Arbeitspapier des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation, Personal- und Informationsmanagement. Nr. 85). Universität des Saarlandes, Saarbrücken 2005.

Rainer Marr gab Oechsler in einigen verbesserungswürdigen Punkten Recht, glaubt aber, dass dieser die Intention hinter dem Index falsch verstanden habe. Er führte aus: „Der Anspruch des Arbeitskreises war es nicht [...] die theoretische Forschung voran zu bringen, sondern Hilfestellung für die Wirtschaftspraxis zu bieten. Grundlage hierfür war die praktische Expertise der Arbeitskreismitglieder und die darin begründete spezifische Professionalität sowie ein dialogischer Prozess von erheblicher Dauer und Intensität.“Rainer Marr: Wann ist eigentlich etwas "Personalforschung"? Anmerkungen zum Beitrag "Personalforschung als Ad-hoc-Aktionismus: Der Personalmanagement-Professionalisierungs-Index der DGFP" von Walter A. Oechsler. In: Zeitschrift für Personalforschung 20 (2006) 1, S. 7–11.Vgl. Rainer Marr: Wesentliche Impulse für mehr Qualität. In: Personalmagazin 12/2005, S. 18.

Der Psychologe Hans-Peter Hummel von der Ergo Versicherungsgruppe (heute auch Lehrbeauftragter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) sieht für den pix noch „deutliche[n] Optimierungsbedarf“. Positiv bewertet er allerdings die Praxisrelevanz der Kennzahl und die zukünftige Einsatzmöglichkeit als Benchmark. Nicht zustimmen möchte er der Fundamentalkritik Walter A. Oechslers.Vgl. Hans-Peter Hummel: Unterstützung des Professionalisierungsstrebens im Personalmanagement mit Hilfe des Personalmanagement-Professionalisierungs-Index (PIX) der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP e.V.) – eine kritische Betrachtung. In: Zeitschrift für Personalforschung 20 (2006) 1, S. 12–21.

Albert Martin, Wirtschaftswissenschaftler, von der Universität Lüneburg macht den Schöpfern der Indizes dahingehend keine direkten Vorwürfe, als dass systematische Bestrebungen dieser Art inhaltliche, methodische oder methodologische Probleme begründen können. Er wünsche sich aber eine eingehendere Behandlung theoretischer Fragestellungen und mehr Kompromissbereitschaft.Vgl. Albert Martin: Die Beurteilung der Personalarbeit: Informationen mit beschränkter Einsicht. In: Zeitschrift für Personalforschung 20 (2006) 1, S. 22–41.

Der Wirtschaftswissenschaftler Werner Nienhüser, Lehrstuhlinhaber an der Universität Duisburg-Essen resümierte 2006, dass pix lediglich einen „bescheidenen Beitrag zur realtheoretischen Forschung“ leiste. Man könne mit diesem Konzept nahezu alle Personalstrategien legitimieren. Es finde eine Verengung auf ökonomische Größen statt. Unklar bleibe, ob man bei der Wirkung auf den Unternehmenserfolg wirklich von Kausalität und nicht lediglich von Korrelation sprechen könne. Durch einseitige affirmative Formulierungen würde es im Zweifelsfall zum Störfaktor der Sozialen Erwünschtheit kommen. Pix habe in der Gesamtbetrachtung eine symbolische und verkaufsfördernde Funktion und fungiere mehr als rhetorisches Mittel, so Nienhüser.Vgl. Werner Nienhüser: Substanzielle und symbolische Personalmanagement-Forschung – das Beispiel des „Personalmanagement-Professionalisierungs-Index“ der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. In: Zeitschrift für Personalforschung 20 (2006) 1, S. 42–57.