mini|Findling am Brauereiplatz
Neuzelle (niedersorbisch Nowa Cala, bis 1928 Schlaben, niedersorbisch Sławin) ist eine amtsangehörige Gemeinde im Südosten von Brandenburg im Landkreis Oder-Spree, ein staatlich anerkannter Erholungsort und vor allem durch das Kloster Neuzelle bekannt. Sie ist Sitz des Amtes Neuzelle. Besonders medial bekannt wurde Neuzelle durch die Rückkehr der Mönche des Zisterzienserordens aus Heiligenkreuz in den Ort im Jahr 2018.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht nach ihrer HauptsatzungHauptsatzung der Gemeinde Neuzelle aus zwölf Ortsteilen:
Hinzu kommen die Wohnplätze Forsthaus Treppeln Heidehof Kolonie Bomsdorf Kummro Neumühle Schlaubemühle Schwerzkoer Mühle Vorwerk Bomsdorf Vorwerk Steinsdorf WaldseehotelDienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Neuzelle abgerufen am 12. Juni 2026
Geschichte Ortsname Der Name Neuzelle wurde vom Kloster Neuzelle übernommen. Dieser stammt von Nova Cella, lateinisch für neue Zelle, abgeleitet vom Mutterkloster Cella, später Altzella.
Das Dorf hieß bis 1928 Schlaben, sorbisch Sławin, und hat eine slawische Namensherkunft.
Geschichte der Ortsteile Bahro ( Barow) ist ein Gassendorf, das bis 1817 zum Kloster Neuzelle gehörte, hier wurden Wein, Hanf und Flachs angebaut. Im Ort kreuzen sich die Landesstraßen L 45 und L 452. Bomsdorf (Bónojce) ist ein altes Gutsdorf und gehörte als einziges Dorf im heutigen Amt nie zum Kloster Neuzelle, es war Stammsitz der Adelsfamilie von Bomsdorff. Göhlen (Gólin) war bereits in der Bronzezeit besiedelt. Das heutige Dorf entstand im Mittelalter durch deutsche Bauern und wurde nach dem südlich davon gelegenen Göhlensee (von = Hirsch) benannt. Henzendorf (Hendrichojce) wurde ebenfalls in der Bronzezeit besiedelt. Es ist von sorbischen Bewohnern angelegt worden und gehörte zum Besitz des Klosters Neuzelle. Ein großer Teil des Gebietes südlich des Dorfes war lange als Schießplatz der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland gesperrt. Kobbeln (Kobołnja) ist ein Angerdorf, das seit dem 15. Jahrhundert dem Kloster Neuzelle gehörte. Möbiskruge war dem Kloster Neuzelle seit dessen Gründung zugeeignet. Der heutige Ortsteil Neuzelle entstand 1928 durch Zusammenlegung des Dorfes Schlaben mit dem Stiftsbezirk Neuzelle. Schwerzko (Šwjerckow) an der Dorche ist ein Sackgassendorf. Streichwitz (Stśěgojce) hatte nördlich des Ortes im Jahr 1739 einen Weinberg, wegen des meist sandigen Bodens wurde das Gebiet später aufgeforstet. Treppeln (Trjebule) liegt am Naturpark Schlaubetal und wurde am 19. Oktober 1357 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Verwaltungsgeschichte Das Gebiet der heutigen Gemeinde gehörte seit 1817 zum Kreis Guben in der Provinz Brandenburg im Königreich Preußen. 1928 wurden die Dörfer Schlaben und Kummro (Cummro) mit dem Stiftsbezirk Neuzelle zum Marktflecken Neuzelle vereinigt. Es gehörte seit 1952 zum Kreis Eisenhüttenstadt-Land im Bezirk Frankfurt (Oder) in der DDR. Seit 1993 liegen die Orte im Landkreis Oder-Spree im Bundesland Brandenburg.
Die Gemeinde Neuzelle wurde zum 31. Dezember 2001 um zehn zuvor selbstständige Gemeinden vergrößert: Bahro, Bomsdorf, Göhlen, Henzendorf, Kobbeln, Möbiskruge, Schwerzko, Steinsdorf, Streichwitz und Treppeln. Ossendorf kam am 26. Oktober 2003 hinzu.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2 344 1890 2 069 1910 2 175 1925 2 207 1933 2 483 1939 2 466 Jahr Einwohner 1946 2 658 1950 2 747 1964 2 626 1971 2 214 1981 2 135 1985 2 065 Jahr Einwohner 1990 2 006 1995 1 946 2000 2 089 2005 4 641 2010 4 471 2015 4 302 Jahr Einwohner 2020 4 290 2021 4 294 2022 4 243 2023 4 240 2024 4 223 2025 4 169
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree. S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Religion Neuzelle verfügt über eine katholische und eine evangelische Kirchengemeinde, wobei die katholische Gemeinde des Ortes sehr stark ausgeprägt ist. Obwohl im Bistum Görlitz, in dem Neuzelle liegt, nur ungefähr 3 % der Bevölkerung katholisch sind, sind es in Neuzelle 8,6 %.Zensus 2011. Abgerufen am 11. Oktober 2025
Es gibt eine Niederlassung der Zisterzienser, die provisorisch im Pfarrhaus im Kloster unterkommen. Allerdings wird derzeit ein Klosterneubau im Neuzeller Ortsteil Treppeln angestrebt. Zudem gibt es eine Niederlassung der Dienerinnen vom Heiligen Blut seit 2022 und der Thuiner Franziskanerinnen seit 2024.
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Neuzelle besteht aus 16 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 74,3 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2014Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 Sitze2014 Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Ortsteilbündnis.12 – – 25,4 % 4 42,4 % 7 Freie Wählergruppe Neuzelle 34,6 % 6 27,8 % 5 25,4 % 4 FDP 15,6 % 2 18,5 % 3 13,6 % 2 CDU 15,5 % 2 8,6 % 1 13,5 % 2 Einzelbewerber Hubertus Schmidt – – – – 5,1 % 1 AfD – – 12,7 % 2 – – Bürgervereinigung Neuzeller Forum 10,6 % 2 6,9 % 1 – – SPD 17,4 % 3 – – – – Einzelbewerber Manfred Holzhey 6,3 % 1 – – – – Insgesamt 100 % 16 100 % 16 100 % 16
Bürgermeister 1998–2003: Rainer Thumernicht 2003–2008: Klaus Schroth (SPD)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 29 2008–2024: Dietmar Baesler (FDP)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 10 seit 2024: Sven Budach (Ortsteilbündnis.12)
Baesler wurde bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 75,5 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
Am 9. Juni 2024 wurde Budach ebenfalls ohne Gegenkandidat mit 89,2 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Wappen
Gemeindepartnerschaft Partnergemeinde ist seit 1993 Langenberg in Nordrhein-Westfalen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|links|Klosterkirche mini|Klosterhof mini|Klosterbrauerei In der Liste der Baudenkmale in Neuzelle und in der Liste der Bodendenkmale in Neuzelle stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale. Kloster Neuzelle, die bedeutendste barocke Klosteranlage des Landes Brandenburg Stiftskirche St. Marien Ev. Pfarrkirche zum hl. Kreuz Gut Bomsdorf (Schlossgaststätte) mit einem 10 Hektar großen Gutspark mit alten Eichen, Silberpappeln, Blutbuchen und Eschen Finnhütten-Kirche in Henzendorf aus dem Jahr 1985 Gotische Wehrkirche in Möbiskruge aus dem 14. Jahrhundert Mahlmühle in Schwerzko aus dem 15. Jahrhundert. Sie kann besichtigt werden, das Mühlrad mit einem Durchmesser von 3,2 Meter ist funktionstüchtig. Alte Brennerei im Ortsteil Neuzelle Kobbelner Stein, einer der schwersten Findlinge Deutschlands in Kobbeln, wurde mit der Eiszeit von der Insel Bornholm hierher geschoben, ist 7,10 Meter lang, 4,25 Meter hoch, 5,25 Meter breit und wiegt etwa 300 Tonnen Findlingspark in Henzendorf mit zahlreichen, zum Teil durch Bildhauer gestalteten eiszeitlichen Findlingen und einem geologischen Lehrpfad Umgebung von Treppeln: Großer Treppelner See, Wirchensee, Schlaubemühle, Teufelsstein. Am oberen Ende der Dorfstraße befinden sich die Ende des 17. Jahrhunderts aus Feldstein erbauten ehemaligen Vorwerke des Klosters Neuzelle.
Veranstaltungen Oper Oder-Spree, Musikfestival Seit 1947 finden jährlich Jugendwallfahrten des Bistums Görlitz zum Kloster Neuzelle statt, bei denen das Neuzeller Wallfahrtslied gesungen wird. Seit der Wiederbesiedelung durch die Zisterzienser gibt es zudem regelmäßig andere kirchliche Veranstaltungen wie die Emmausvigil oder den Adoratio-Kongress.
mini|80px|Schwarzer Abt
Wirtschaft und Infrastruktur Eines der wichtigsten Unternehmen der Gemeinde ist die Klosterbrauerei Neuzelle. Sie wurde durch den „Schwarzen Abt“, ein Schwarzbier mit Zuckersirupzusatz, überregional bekannt.
Verkehr Durch Neuzelle verläuft die Bundesstraße 112, die Eisenhüttenstadt mit Guben verbindet. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Frankfurt (Oder)-Mitte an der Bundesautobahn 12 Frankfurt (Oder)–Berlin.
Der Bahnhof Neuzelle an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn wird von der Regionalbahnlinie RB 43 Frankfurt (Oder)–Falkenberg (Elster) sowie der Regionalexpresslinie RE 10 Frankfurt (Oder)–Leipzig bedient.
Bildung Es gibt sechs Kitas, zwei Grundschulen, eine kombinierte Oberschule/Gymnasium sowie elf Freiwillige Feuerwehren und eine Revierpolizei.
In der Zeit des Nationalsozialismus lag in Neuzelle eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt.
Sport Der Möbiskruger Sportverein wurde 1967 unter dem Namen BSG Traktor Möbiskruge gegründet. Der Neuzeller SV 1922 spielt seit der Saison 2016/2017 in der Kreisliga Süd Ostbrandenburg. Die Schützengilde Neuzelle wurde ursprünglich 1842 und 1991 wieder gegründet. In Treppeln gibt es einen Reit- und Dressurstall mit 20 Pferden.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Gabriel Dubau (1700–1775), Abt des Klosters Neuzelle Wilhelm Pohl (1759–vor 1807), Komponist Johann Joseph von Hann (1763–1830), königlich-sächsischer General der Reiterei Franz Laurenz Mauermann (1780–1845), katholischer Bischof Ignaz Bernhard Mauermann (1786–1841), katholischer Bischof Julius Fräßdorf (1857–1932), Politiker (SPD), sächsischer Landtagspräsident 1919–1923 Willi Borsche (1878–1958), Kammermusiker, in Schlaben geboren Knud Caesar (* 1925), Pflanzenbauwissenschaftler, in Steinsdorf geboren Siegfried Wustrow (1936–2023), Radrennfahrer, in Göhlen geboren Klaus Grebasch (* 1947), Fußballspieler, in Bahro geboren
Mit Neuzelle verbundene Persönlichkeiten Petrus I. (?–1429), Abt des Klosters Neuzelle August Ferdinand Crüger (1795–1881), Pfarrer in Neuzelle und Direktor des Neuzeller Lehrerseminars Ferdinand Schmidt (1816–1890), Schriftsteller, wuchs in Neuzelle auf Theodor Warnatsch (1820–1894), Priester in Neuzelle Robert Uibe (1851–1893/96), Orgelbauer in Schlaben 1879–1893 Gerhard Schaffran (1912–1996), römisch-katholischer Bischof, Dozent am Priesterseminar Neuzelle Alfred Bengsch (1921–1979), römisch-katholischer Bischof, Dozent am Priesterseminar Neuzelle Carl-Ludwig Wolff (1933–2022), Journalist, wuchs in Neuzelle auf Winfried Töpler (1962–2022), Archivar und Historiker, wuchs in Neuzelle auf Simeon Wester OCist (1967–), Prior des Klosters Maria Friedenshort
Weblinks
Seiten des Amtes Neuzelle Seiten des Stifts Neuzelle
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Oder-Spree Kategorie:Ort in der Niederlausitz Kategorie:Naturpark Schlaubetal Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Brandenburg Kategorie:Weinort in Brandenburg