Der Nonnendamm ist Teil einer der ältesten Straßen im Berliner Stadtgebiet. Er bildete die historische Verbindung zwischen Spandau und Berlin, die durch Moabit führte. Die Trasse der Straße wurde nachfolgend mehrfach verändert, unter anderem durch Umnutzung von Straßenteilen. Die Bedeutung des Nonnendamms ist durch geänderte Verkehrsführungen stark gesunken. So verblieb seit den 2000er Jahren eine Anliegerstraße. Westlich wurde sie vom Siemensgelände überbaut, der östliche Bereich wurde durch den Vorhafen der neuen Schleuse unterbrochen.
Geographie Der Nonnendamm lag zum Zeitpunkt der Bildung von Groß-Berlin sowohl im Stadtkreis Spandau (Spandau war seit 1232 Stadt) als auch im Bereich Siemensstadt der Großstadt Charlottenburg. Im Jahr 1920 wurden unter anderem die Berliner Verwaltungsbezirke Spandau und Charlottenburg gebildet. Diese Bezirkseinteilung blieb seither bis auf leichte Verschiebungen der Bezirksgrenze erhalten, dabei lag der Damm zeitweise in Grenzlage der Bezirke. Bei der Bezirksreform 2001 wurden unterhalb der Bezirksebene die Ortsteile neu gegliedert. Der kurze Abschnitt in Spandau liegt seitdem weiterhin in Siemensstadt, der größere östliche liegt mit dem Straßenland und den Nordgrundstücken in Charlottenburg-Nord. Dabei befindet sich ein Teil des südlichen Straßenrandes im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der die Grenze zwischen dessen Ortsteilen Charlottenburg und Charlottenburg-Nord bildet.
Der Name Nonnendamm als Wegbezeichnung ist ursächlich auf den Südrand der Nonnenwiesen bezogen, er wurde aber auf Spandauer Terrain alternativ zur Bezeichnung der Fortsetzung und für das gesamte umliegende Areal verwendet. Mit der Werksansiedlung von Siemens entstand die Ortsbezeichnung „Kolonie Nonnendamm bei Berlin“ (ab 1914 benannt in „Siemensstadt“). Im Spandauer Areal wurde 1914 der verbreiterte und ausgebaute Abschnitt des Nonnendamms in Nonnendammallee umbenannt.
Namensherkunft Der Name der Straße geht auf das 1239 gegründete und im 16. Jahrhundert aufgehobene Benediktinerinnen-Kloster St. Marien in Spandau zurück. Es stand südlich der damaligen Stadtbefestigung unweit der Havel. Zum Eigentum des Klosters gehörten Flächen westlich in der heutigen Spandauer Ortslage Klosterfelde, weitere Besitztümer des Klosters lagen im Osten nach Moabit und Wedding hin.Spandauer Viertel. In: J.G.A. Ludwig Helling (Hrsg.): Geschichtlich-statistisch-topographisches Taschenbuch von Berlin und seinen naechsten Umgebungen. H.A.W. Logier, Berlin 1830. books.google Nach diesen einstigen Besitzern der Gegend – den „jungfräulichen“ Benediktinerinnen – wurden Jungfernheide und die Nonnenwiesen benannt. So erklären sich auch der Jungfernheideweg, der Jungfernsteig, der Nonnendamm, die Nonnendammallee und weitere Siemensstädter Straßennamen mit den Endungen …damm, …weg und …steig.
Geschichte Die älteste Straße zwischen Spandau und BerlinFelix Escher, Wolfgang Ribbe: Städtische Siedlungen im Mittelalter. books.google.de „[…] wichtiger, zumindest für den mittelmärkischen Bereich, waren die West-Ost-Verbindungen zu Lande, so beispielsweise die Straße von Magdeburg nach Spandau, die hier die Havel überquerte und dann am Nonnendamm entlang nach Berlin führte, von wo aus sie weiter nach Küstrin und mit einem Abzweig in Müncheberg nach Frankfurt a. d. Oder lief.“ (Google Books) führte vom Berliner Thor südlich der Zitadelle in Spandau am Nordufer der Spree entlang in Richtung Jungfernheide und weiter im Süden um die Nonnenwiesen herum durch Moabit zum Spandauer Tor nach Berlin. 1569 hatte das Berliner Thor in Spandau das für den Festungsbau abgerissene Mühlentor ersetzt. Die Fern- und Handelsstraße von Magdeburg zum Wallfahrtsort Gnesen in Polen verlief durch die Niederungen am Nordufer der Spree als Nonnendamm. Eine Trasse zwischen Berlin und Spandau am Abhang der Teltowplatte, und damit südlich der Spree, entstand erst mit der Entwicklung von Charlottenburg.
mini|hochkant=2|Blick über die Trasse um 1650: vom Spandauer Havelübergang (im Bild oben) an der Zitadelle vorbei (links im Bild: Stresow mit der 1640 abgerissenen Gertraudenkirche)
Das Spandauer Nonnenkloster ließ einen Knüppeldamm durch die Feuchtflächen anlegen, der durch den Namen Nonnendamm zwischen Spree und Nonnenwiesen dokumentiert ist. „Innerhalb dieser [Spandauer] Grenzen lagen jedoch Gebiete, welche anfänglich nicht zum städtischen Weichbild gehörten; es sind dies der Behnitz, die an demselben gelegene markgräfliche Schneidemühle, die Klostermühle, das Marienkloster und seine Besitzungen, die Götelwiesen und das Terrain, welches jetzt der Damm und die Körnersche Schneidemühle einnehmen. […] die Klostermühle, die einstigen Besitzungen des Marienklosters, Klosterhof und Klosterfelde und die Götelwiesen [wurden] mit dem 1. Oktober 1872 [der Stadt einverleibt].“ Als „Nonnendamm“ wird mitunter nur der Bereich des Knüppeldamms bezeichnet, je nach Quelle aber auch die Fortführung nach Spandau.Landesgeschichtl. Vereinigung, 2001. „Da dies veraltete und jetzt unbekannte Namen sind; so bezeichnet man izo der Stadt Gränzen also: Gegen Morgen gränzt sie vor dem Berliner Thor mit dem Königlichen Amte hinter dem goldenen Stern bis an den Nonnendamm und geht die Gränze zur Rechten herum durch das vorgenannte Waßer, der Crowel oder Crewel genannt (welches ein Arm ist den die Havel macht) […]“. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte, Band 51, S. 66; abgerufen am 1. Mai 2015.
Spandau Die Fernstraße zwischen Magdeburg über Berlin nach PolenZeittafel zum Bistum Magdeburg, abgerufen am 1. Mai 2015. führte durch Spandau. Im Berliner Stadtgebiet wurde im 19. Jahrhundert diese Trasse zum Verlauf der Bundesstraßen B 1 über Küstrin und B 5 nach Frankfurt verändert.
Bis 1878 war Spandau durch das südliche Klosterviertel und das Kloster-Thor (seit 1747: Potsdamer Thor) auf der Potsdamer Provinzialchaussee (seit 1878: Klosterstraße) zu erreichen, wonach der Havelübergang genutzt wurde. Für die Gebäude des Klosters ordnete Kurfürst Georg Wilhelm 1626 den Abriss an, um die Stadtbefestigung auszubauen.Joachim Pohl: Das Benediktinernonnenkloster St. Marien zu Spandau. S. 559 f. Das östlich von Spandau gelegene Gebiet im Norden der Spree (bis zum Tegeler Weg) bestand aus einem 500–1000 Meter breiten, feuchten und sumpfigen Gelände mit zahlreichen Spreearmen. Bestandteil der alten Handelsstraße war der Damm an den Nonnenwiesen. Der Hühnerwerder war ursprünglich eine Feuchtfläche südlich eines Spreearms. Je nach Betrachter als Weg nach Spandau oder Weg von Spandau bezeichnet, verlief er als Spandauer Heerweg weiter nach Berlin. Der Königsdamm über die nördlicher und höher gelegenen Gebiete ergänzte später den Nonnendamm, der ungünstig in Spreenähe durch feuchtes Gelände führte.
mini|hochkant=1.5|Straße von Spandau durch Moabiter Land nach Berlin (1778)
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der Nonnendamm ein unbefestigter Weg. Befestigt war im 18. und 19. Jahrhundert vom Berliner Thor aus Spandau heraus die Berliner Chaussee im Lauf zwischen Rohrbruch und zur Zitadelle. Als feste Straße führte der Verkehrszug ab Paulstern einerseits nach Sternfeld und andererseits nordwärts durch Haselhorst nach Tegel. Von Paulstern nach Osten folgt der Weg von/nach Spandau oder Weg von/nach Charlottenburg und mitunter wird dieser in gesamter Länge als Nonnendamm bezeichnet. Von West nach Ost verlief der Weg über das erhöhte Gelände am Sternberg (), am Weißen Sandberg vorbei und am Südrand der Jungfernheide entlang. Der Nonnendamm führte durch Feuchtgebiet, das im Norden an die Nonnenwiesen und im Süden an die unregulierte Spree reichte. Mit einem Südbogen führte der Weg an das Spreeufer. An dieser Stelle der Spree wurden in der Mitte der 1880er Jahre die alte Schleuse Charlottenburg und die Schleuse Nonnendamm errichtet. Der Verlauf der Fernstraße nach Osten als Spandauer Heerstraße von der kreuzenden Chaussee Charlottenburg–Tegel führte spreenah nach Moabit, Wedding und Berlin weiter. „Die im Osten des Gutsbezirks gelegenen Spreewiesen am Nonnendamm werden thatsächlich als zum Kommunalbezirk gehörig betrachtet, die offizielle Einverleibung ist aber bisher nicht erfolgt.“Otto Kuntzemüller: Urkundliche Geschichte der Stadt und Festung Spandau. Magistrat der Stadt Spandau, 1881, S. 30; zlb.de Auf dem Urmesstischblatt 3445 (Spandau) von 1835 ist der zu beiden Seiten baumbestandene Weg am Rande der Nonnenwiesen zwischen Faulbaumbusch und dem am Schloss gegenüberliegenden Spreebogen als Nonnendamm vermerkt. Der westliche Anschluss ist als Alte Straße von Charlottenburg bezeichnet, der östliche Verlauf zum Eisenham̄er Martinicke am Spreenordbogen vor der Judenwiese ist auf der Karte unbenannt.
Charlottenburg mini|hochkant=1.5|Nonnendamm und Straße von Charlottenburg (Urmesstischblatt um 1834)
Ab 1700 wurde das Schloss Charlottenburg am Dorf Lietzow errichtet und mit der Herausbildung der Stadt gewann der Nonnendamm Bedeutung für den Weg von Charlottenburg nach Spandau. Der Anschluss von Charlottenburg nach Spandau reichte zunächst nach Norden über die Schlossbrücke an der Spree (Tegeler Weg) und weiter auf dem Nonnendamm über den Weg nach Spandau.Situations-Plan von Berlin mit dem Weichbilde und Charlottenburg. Neu aufgenommen und gezeichnet von Sineck, Major a. D., Berlin. Verlag von Dietrich Reimer. zlb.de Im 18. Jahrhundert war Charlottenburg vorwiegend von Ackerbürgern besiedelt. Die Stadt bemühte sich beim König, die Wiesen und Feldmark nördlich vom Nonnendamm zu erhalten.Geschichte der Stadt Charlottenburg: Erster Band. Darstellung. Springer-Verlag, 1905.
In den 1880er Jahren wurde die Spree reguliert, das Spreewehr und die Schleuse Charlottenburg wurden erbaut. Der Hühnerwerder lag nun nördlich der Spree und der Nonnendamm seither an dessen Nordseite. Zudem erlangte der nördlicher gelegene Königsdamm zwischen Haselhorst und Plötzensee mehr Bedeutung, da er über das höhergelegene Gelände der Jungfernheide führte.
Durch den in den 1820er Jahren angelegten Verkehrszug des Spandauer Damms als Ergänzung der Kunststraße Berlin/Spandau nach Hamburg ging die Bedeutung des Nonnendamms zurück. Diese neuangelegte Chaussee südlich der Spree über Charlottenburger und Spandauer Chaussee (Spandauer Berg) verlief oberhalb des Abbruchs der Teltowplatte und war von Spreehochwassern frei. Ebenfalls am südlichen Spreeufer wurden die Lehrter und die Hamburger Bahn trassiert.Großer Verkehrsplan für Berlin und seine Vororte. Entworfen und gezeichnet von Alfred Mende in Berlin, Geogr.-Lithogr. Institut, 1907, abgerufen am 1. Mai 2015. Charlottenburg wurde zudem für den Verkehr zwischen den beiden Städten Berlin und Spandau zusätzlich begünstigt, da ab „April 1718 keine Passage über die Jungfernheide nach Spandow mehr gelitten, sondern solche über Charlottenburg verordnetermaßen geleget werden soll.“Geschichte der Stadt Charlottenburg: Erster Band. Darstellung. Springer-Verlag, 1905. Um die Bedeutung von Charlottenburg zu verbessern, war es die Absicht der königlichen Verwaltung, die südliche Verbindung zwischen Spandau und Berlin zu stärken. Diese Lage über den Stresow hatte die historische Bedeutung zunächst eingebüßt.
Die Grenze der zur Stadt Charlottenburg und zum Stadtkreis Spandau gehörenden Gebiete lag am und um den Nonnendamm. Das im Osten befindliche Charlottenburger Terrain wurde als Wiese, Forst und Ackergelände genutzt. Das Spandauer Gelände jenseits der Havel war weitestgehend unwegsames, ungenutztes Brachland. Bei der Erweiterung der Spandauer Rüstungsindustrie nach Haselhorst hin blieb die Infrastruktur nördlich des Nonnendammes.
Kolonie Nonnendamm mini|hochkant=1.5|Lage des Nonnendamms auf der Straube-Karte von 1909