Die Stadt-Sparkasse Solingen ist eine öffentlich-rechtliche Sparkasse mit Sitz in der bergischen Großstadt Solingen. Ihr Geschäftsgebiet ist die Stadt Solingen, in der sie das größte Geldinstitut ist.
Geschichte Sparkassengründung Im Jahre 1836 erließ die preußische Regierung ein Dekret, das die Gemeinden zur Gründung einer Sparkasse veranlassen sollte. Damit sollte der grassierenden Armut in den unteren Bevölkerungsschichten entgegengewirkt werden. Noch 1837 entschied der Solinger Stadtrat jedoch gegen die Gründung einer eigenen Sparkasse. Es bedurfte vieler Überzeugungsarbeit durch die Landräte des Kreises Solingen, Georg von Hauer (Amtszeit 1819–1836) und Julius von dem Bussche-Ippenburg (Amtszeit 1836–1850), um bei den Solinger Stadtverordneten das Interesse an einer eigenen Sparkasse zu wecken. Mit Unterstützung des Solinger Bürgermeisters Peter Müller (Amtszeit 1835–1843) gelang es nach einigen Überzeugungsversuchen schließlich in einer neuerlichen Entscheidung des Stadtrats am 23. Juli 1839, die Statuten für eine eigene Sparkasse ausarbeiten zu lassen.
Am 27. Februar 1840 erteilte der Koblenzer Oberpräsident die Genehmigung zur Errichtung einer Sparkasse in der Stadt Solingen. Am 18. April 1840 wurden die Statuten der neuen Sparkasse im Solinger Kreis-Intelligenzblatt öffentlich bekannt gemacht. Der Sparkassenbetrieb wurde am 8. Mai 1840 aufgenommen, dieser Tag gilt daher als Gründungstag der Sparkasse, an dem im damaligen Rathaus auch die ersten zehn Sparbücher ausgegeben wurden. Zum Direktor der Sparkasse wurde Bürgermeister Müller gewählt, die Aufsicht bestand ferner aus drei Administratoren mit ihren Stellvertretern sowie einem Rendanten, der die Geschäfte führte. Das Geschäftsgebiet war die Stadt Solingen, die Sparkasse stand allerdings auch den Bewohnern der benachbarten Städte Dorp und Höhscheid offen.
Geschäftsjahre bis Ende 19. Jahrhundert Obwohl die Sparkasse zum Ziel hatte, insbesondere der Unterschicht eine Möglichkeit zur verzinsten Spareinlage zu geben, erzielte sie ihren Erfolg hauptsächlich in der Mittelschicht. Der Solinger Landrat von dem Bussche-Kessel, setzte sich dennoch dafür ein, die Sparkasse Solingen für alle sechs Gemeinden im sogenannten oberen Kreis Solingen zu öffnen, der neben Solingen, Dorp und Höhscheid auch Gräfrath, Wald und Merscheid umfasste. Auch diese Gemeinden hatten zunächst kein Interesse an einer Beteiligung an der Solinger Sparkasse, so dass der Landrat erneut mit Widerständen zu kämpfen hatte. Schließlich gelang es erst 1843, nach Genehmigung der neuen Statuten durch den Oberpräsidenten, die Sparkasse für den oberen Kreis Solingen zu öffnen. Das erste eigene Geschäftslokal der Sparkasse befand sich ab 1843 im Haus im Platz, an der Stelle des heutigen Tückmantelhauses.
Die Sparkasse hatte zunächst nur eingeschränkten Erfolg, nur langsam erhöhte sich die Zahl der ausgegebenen Sparbücher, bis im Jahr 1865 bereits jeder 73. Einwohner über ein eigenes Sparbuch verfügte. Der zunehmende wirtschaftliche Erfolg der Sparkasse weckte ab den 1860er Jahren erste Begehrlichkeiten in den anderen Gemeinden des Kreises. Als erstes schied zum 1. Januar 1865 die Stadt Merscheid aus dem Sparkassenverbund aus und gründete eine eigene Sparkasse, woraufhin die Stadt Solingen die alleinige Verantwortung für ihre Sparkasse zurückerhielt. Sie blieb aber weiterhin für die übrigen Gemeinden zuständig.
Wenig später allerdings drängte die Stadt Solingen, die sich aufgrund der neuen vertraglichen Verpflichtungen mit den verbliebenen Städten ungerecht behandelt fühlte, die übrigen Städte zur Gründung einer eigenen Sparkasse. Die weniger weit entwickelten Städte Dorp und Höhscheid, die zwar 1856 das Stadtrecht nach der Rheinischen Städteordnung erhalten hatten, in ihrer Gestalt aber eher Landgemeinden waren, sahen sich jedoch nicht zur Gründung einer eigenen Sparkasse im Stande. Nach einem diesbezüglichen Konflikt mit der Stadt Wald gründete zum 1. Januar 1871 die Stadt Wald eine eigene Sparkasse. Im Jahre 1881 folgte Dorp und 1884 auch Gräfrath und Höhscheid. Die Dorper Sparkasse wurde jedoch im Jahre 1889 wieder mit der Stadt-Sparkasse Solingen zusammengeschlossen, da Dorp nach Solingen eingemeindet wurde.
Geschäftsjahre bis zum Zweiten Weltkrieg Eine bereits 1886 von der Stadt-Sparkasse Solingen gegründete Alterssparkasse wurde aufgrund des geringen Erfolgs bereits 1903 wieder aufgelöst. Ab 1911 führten die Sparkassen nacheinander den Scheck- und Giroverkehr ein, es begannen die Sparkassen in Solingen und Wald, die letzte Sparkasse war 1921 die Sparkasse Höhscheid. Der gewachsene Betrieb der Sparkassen erforderte ab dem frühen 19. Jahrhundert vielfach den Umzug in neue Räumlichkeiten oder die Eröffnung von Zweigstellen. Der erste eigene Neubau der Stadt-Sparkasse Solingen entstand im Jahre 1909 an der heutigen Graf-Engelbert-Straße. Zuvor war die Verwaltung wechselweise in verschiedenen Gebäuden der Altstadt untergebracht gewesen. Nach dem Ersten Weltkrieg eröffneten die Sparkassen auch erste Zweigstellen in ihren Stadtgebieten, darunter 1921 die Zweigstelle Mangenberg der Sparkasse Wald, 1923 die Zweigstelle Central der Sparkasse Gräfrath und 1928 die Zweigstelle Weyer der Sparkasse Ohligs, die 1891 nach Umbenennung aus der Sparkasse Merscheid hervorgegangen war. mini|Die 1937 eingeweihte Zweigstelle SchlagbaumZum 1. August 1929 wurden die fünf Städte des oberen Kreises Solingen zur neuen Großstadt Solingen zusammengeschlossen, die einzelnen Sparkassen wurden im gleichen Zuge zur neuen Stadt-Sparkasse Solingen zusammengeschlossen. Nach der Reform des Sparkassenwesens trat am 27. Oktober 1932 die neue Satzung der Stadt-Sparkasse Solingen in Kraft. Dadurch wurde sie von dem bisherigen städtischen Betrieb in eine Anstalt des öffentlichen Rechts überführt. Nach den Turbulenzen durch die Deutsche Inflation 1914 bis 1923 sowie die Weltwirtschaftskrise ab 1929, bei denen viele Sparer ihr Geld verloren hatten, stabilisierte sich die Situation der Solinger Sparkasse erst im Laufe der 1930er Jahre wieder. Am 14. Juli 1937 wurde der Neubau der Sparkasse am Schlagbaum eingeweiht. Während des Zweiten Weltkriegs, im Jahre 1941, überschritten die Einlagen der Sparkasse zum ersten Mal die Summe von 100 Mio. Mark.
Am 4. und 5. November 1944 wurde die Stadt Solingen durch die Luftangriffe auf Solingen schwer getroffen. Die Solinger Altstadt wurde dabei nahezu komplett zerstört, unter den zerstörten Gebäuden war auch die Hauptverwaltung an der Graf-Engelbert-Straße. Nach Kriegsende wurde der Geschäftsbetrieb der Sparkasse daher zunächst in die Zweigstelle am Schlagbaum verlegt.
Nachkriegszeit bis heute Die Stadt Solingen wurde am 16. April 1945 durch US-amerikanische Truppen befreit, womit der Zweite Weltkrieg in Solingen endete. Ende Mai 1945 musste die Sparkasse den Geschäftsbetrieb für einige Tage einstellen, bevor sie wieder öffnen durfte. Die unmittelbare Nachkriegszeit war durch wirtschaftliche Stagnation bestimmt, worunter auch die Stadt-Sparkasse Solingen zu leiden hatte. Erst die Währungsreform von 1948 ermöglichte den neuerlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der heute mit der Nachkriegszeit assoziiert wird. Die Solinger Innenstadt wurde auf den alten Grundzügen wiederaufgebaut, auch die Hauptverwaltung der Sparkasse an der Graf-Engelbert-Straße wurde 1949 wiederhergestellt und bezogen. mini|Skulptur Hans im Glück mit dem Dukatenesel von Lies Ketterer im Innenhof der Sparkasse
In den Jahren ab 1950 wuchs die Stadt-Sparkasse Solingen kontinuierlich, ehe im Jahre 1955 das 10.000 Girokonto eröffnet wurde. Das mittlerweile stark gewachsene Finanzinstitut legte am 29. Juli 1955 den Grundstein für die neue Hauptstelle am Dreieck in unmittelbarer Nähe zu der bisherigen Hauptstelle. Das 6,3 Mio. DM teure Haus der Sparkasse wurde am 22. Juni 1957 eingeweiht. Es umfasste in der Anfangszeit neben der Sparkasse auch diverse Ladenlokale, Wohnungen, ein Restaurant, ein kleines Hotel sowie ein Kino. Dieses multifunktionelle Konzept ging jedoch nur einige Jahre auf, später wurde der Gebäudekomplex fast nur noch von der Sparkasse genutzt. Im Innenhof des neuen Sparkassengebäudes entstand 1957 auch die Skulptur Hans im Glück mit dem Dukatenesel der bekannten Solinger Bildhauerin Lies Ketterer.Ralf Rogge, Armin Schulte, Kerstin Warncke: Solingen – Großstadtjahre 1929–2004. Wartberg Verlag 2004. ISBN 3-8313-1459-4
Die Stadt-Sparkasse Solingen eröffnete ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre weitere Filialen im Solinger Stadtgebiet, darunter 1956 die Filiale am Zentral, 1959 am Weyer und 1961 an der Krahenhöhe. Im Jahre 1962 wurden die Systeme der Sparkasse auf elektronische Datenverarbeitung umgestellt. Außerdem wurde im Jahre 1962 durch die Sparkasse eine Altenstiftung gegründet. Nach der Eingemeindung der Stadt Burg an der Wupper in die Stadt Solingen zum 1. Januar 1975 wurde die dort seit 1926 durch die Stadtsparkasse Remscheid betriebene Sparkassenfiliale im Jahre 1976 durch die Solinger Sparkasse übernommen. Weitere Geschäftsstellen wurden in den 1970er Jahren am Mangenberg, an der Hasseldelle, am Kannenhof, am Mühlenplatz und am Ohligser Markt (Grünstraße) eröffnet.
Aufgrund der vermehrten Nutzung von Online-Banking-Angeboten stellte die Stadt-Sparkasse Solingen eine geringere Nutzung ihrer Geschäftsstellen fest. Sie legte 2015 eine Standortstrategie auf, wonach einige Geschäftsstellen zusammengelegt und in Selbstbedienungscenter (SB-Center) umgewandelt werden sollten. Im Zuge dessen wurden im Juli 2016 die Geschäftsstellen Widdert und Merscheid sowie im Herbst 2016 die Geschäftsstellen Mangenberg und Weyer in SB-Center umgewandelt.
Zum 1. Dezember 2016 folgte die Geschäftsstelle Fronhof. Gezielt junge Kunden will das Unternehmen mit der neue Filiale S-Point im Solinger Einkaufszentrum Hofgarten ansprechen, die im November 2019 eröffnet wurde. Im Mai 2022 wurden die beiden bisherigen Filialen in Gräfrath sowie an der Krahenhöhe im Mai 2022 aufgrund zu geringer Kundenfrequenz in SB-Standorte (ohne Personal) umgewandelt. Zeitgleich eröffnete eine neue digitale Filiale in der Geschäftsstelle am Ohligser Markt, in der per Videochat Onlineberatungen in Anspruch genommen werden können. Die neue Hauptverwaltung der Stadt-Sparkasse Solingen am Neumarkt öffnete am 16. Juni 2025, die ehemalige Hauptverwaltung an der Kölner Straße wurde geschlossen.
Neue Standorte Neue Hauptverwaltung Zwischen Januar 2021 und Juni 2025 wurde am Neumarkt in Solingen-Mitte für rund 125 Millionen Euro die neue Hauptverwaltung der Solinger Stadt-Sparkasse errichtet. Dort zogen bei Fertigstellung im Juni 2025 insgesamt 350 Beschäftigte der Sparkasse ein. Zusätzlich entstanden Wohnungen und Büroflächen für andere Unternehmen. Ziel des Neubaus war die Senkung der Betriebskosten um rund die Hälfte gegenüber dem alten Gebäude, das künftig abgerissen und durch Wohnhäuser neu bebaut werden soll.
Für Wirbel gesorgt hatte bei Bekanntwerden der Neubaupläne der erforderliche Abriss des Geburtshauses des Solinger Politiker und Journalisten Max Leven, das sich an der nach ihm benannten Max-Leven-Gasse befindet. Nachdem festgestellt wurde, dass dem Gebäude kein Denkmalwert zukommt, sagte die Sparkasse jedoch zu, in die neue Hauptverwaltung ein 150 m² großes Max-Leven-Zentrum zu integrieren, das sich sowohl dem Gedenken an Leven als auch Verfolgung und Widerstand während der Zeit des Nationalsozialismus widmen soll. Unterstützung erhält die Sparkasse durch einen neu gegründeten Förderverein.
Neue Geschäftsstelle Ohligs mini|Geschäftsstelle Ohligs (2022)