Der Tagebau Greifenhain war ein Braunkohlentagebau im Lausitzer Braunkohlerevier im heutigen Süd-Brandenburg, der von 1936 bis 1994 existierte. Er wurde nach dem Ortsteil Greifenhain der Stadt Drebkau benannt.
Im Tagebau Greifenhain ist die Kohle aus dem wichtigsten Flöz der Lausitz (2. Flözhorizont) gewonnen worden. Diese Grube ist der erste Tagebau nördlich des Lausitzer Grenzwalls.
1936/1937 erfolgte die Aufschlussbaggerung für den Tagebau Greifenhain. Am 28. Juni 1994 wurde der Betrieb des Tagebaus Greifenhain eingestellt. An diesem Tag fuhr der letzte Kohlezug aus dem Tagebau. mini|Schaufel eines Eimerkettenbaggers zum 90-jährigen Jubiläum.
Eckdaten Die geförderte Rohkohle des Tagebaus hatte einen Heizwert von 9.000 kJ/kg, einen Aschegehalt von 3,3 %, einen Schwefelgehalt von 0,4 % und ein Wassergehalt von 55,5 %.
70 % der geförderten Kohle wurde in den Großkraftwerken Vetschau und Lübbenau verstromt. Der restliche geförderte Brennstoff wurde in den Brikettfabriken der Region veredelt.
Der Tagebau Greifenhain hatte eine Fläche von ca. 50 km². Nur 22 km² wurden davon ausgekohlt. Durch die vorzeitige Stilllegung des Tagebaus Greifenhain wurden ca. 30 % (ca. 290 Mio. t) des Braunkohlevorkommens in dieser Lagerstätte nicht gefördert.
Der Tagebau Greifenhain nahm ca. 3.190 ha Land in Anspruch. Insgesamt wurden 1.415,6 Mio. m³ Abraum bewegt, um 298,5 Mio. t Rohkohle zu fördern. Dabei kam es zur vollständigen Inanspruchnahme der Ortschaften: Buchholz, Nebendorf, Neudorf, Groß Jauer und Klein Jauer. Der im Juni 1992 durch den Braunkohlenausschuss beschlossene, im Juni 1994 festgestellte und im September 1994 von der Landesregierung als rechtsverbindlich erklärte Sanierungsplan zum Tagebau Greifenhain schaffte die rechtlichen Voraussetzungen für das Entstehen des Altdöberner See. Pritzen stand kurz vor der Überbaggerung, als der Tagebau Greifenhain vorzeitig stillgelegt wurde. Nur vier Einwohner lebten 1994 noch in Pritzen. Alle anderen waren bereits umgesiedelt. Die kulturhistorisch wertvolle Kirche wurde gerettet und in unmittelbarer Nähe des Spremberger Waldfriedhofs wieder errichtet. Ortschaften wie Göritz, Reddern, Altdöbern und Laasow wurden nicht überbaggert und nur wenige Menschen sind von hier weggezogen.
Lage
Naturräumliche Einordnung Das Hauptende des Moränenzuges – der sogenannte Lausitzer Grenzwall – (aus der Zeit der Saalevereisung) steigt bis zu an. Nördlich des Lausitzer Grenzwalls liegt zwischen Drebkau und Luckau das Luckau-Calauer-Becken. Dieses Becken entspricht einem Mosaik aus glazialen Hochflächen und weichselglazialen Ausräumungsbecken.
Das Luckau-Calauer-Becken entwässert nach Norden zur Spree. Es ist Teil des Lausitzer Becken- und Heidelandes mit einer Höhenlage zwischen 60 und 100 Meter über dem Meeresspiegel.
Der Boden besteht aus eiszeitlichen Sanden und Kiesen. Lokal treten sandige Tertiärdurchragungen auf und die Sedimente werden von holozänen Bach- und Flussauen durchzogen. Die natürlichen Wälder sind vor allem von Bacherlen, Eschen-, Stieleichen- und Buchenwäldern geprägt. Auf wasserfernen Standorten finden sich vor allem Kiefern-Eichenwälder.
Der größere, nördliche Bereich des Tagebaus Greifenhain lag im Luckau-Calauer-Becken. Der südliche Tagebaubereich war Teil der Hochfläche des Lausitzer Grenzwalles. Das Landschaftsgefüge entstand während des Abschmelzens des Inlandeises und dem jüngeren Abschnitt der Saale-Endmoräne. Geologisch bildet dieser Landschaftskomplex ein Staubecken, das sogenannte Altdöberner Becken. Südlich des Lausitzer Grenzwalles schließen sich Sanderflächen an. Der Lausitzer Grenzwall ist die Wasserscheide zwischen der Spree im Norden und der Schwarzen Elster im Süden. Im Gebirgsaufbau des Grenzwalls sind 3 bis 5 Grundwasserleiter vorhanden. Mit dem Lausitzer Grenzwall ist ein Grundwasserabsenkungstrichter verbunden. Im Hauptteil des Gebietes fließt das Grund- und Oberflächenwasser von Süd nach Nord (entsprechend der ursprünglichen Richtung).
Nördlich des ehemaligen Tagebaubereiches zählen das Vetschauer Mühlenfließ (Luckaitz), das Greifenhainer Fließ (Kzschischoka), das Buchholzer Fließ, das Cunersdorfer Fließ und das Koselmühlenfließ zu den bedeutendsten Vorflutern.
Verwaltungsstrukturelle Einordnung Zur DDR-Zeit lag der Tagebau auf dem Gebiet des Kreises Calau im Bezirk Cottbus. Heute ist das Gebiet des ehemaligen Tagebaus Greifenhain im Landkreis Oberspreewald-Lausitz verortet und grenzt im Nordosten an den Landkreis Spree-Neiße (nahe gelegene Ortschaften: Greifenhain und Casel). Die Ortschaften Peitzendorf (Gemeinde und Amt Altdöbern, Landkreis Oberspreewald-Lausitz), Altdöbern (Gemeinde und Amt Altdöbern, Landkreis Oberspreewald-Lausitz), Göritz (Gemeinde und Amt Altdöbern, Landkreis Oberspreewald-Lausitz), Woschkow (Ortsteil der Stadt Großräschen, Landkreis Oberspreewald-Lausitz), Cunersdorf (Gemeinde und Amt Altdöbern, Landkreis Oberspreewald-Lausitz) und Pritzen (Gemeinde und Amt Altdöbern, Landkreis Oberspreewald-Lausitz) wurden aufgrund ihrer Randbereichslagen zum Tagebau durch Lärm- und Staubemissionen, aufgrund der Grundwasserabsenkung und durch die Inanspruchnahme von Teilflächen stark beeinträchtigt.
Unmittelbar nördlich befand sich der Tagebau Gräbendorf (heute zum Teil geflutetes Restloch: Gräbendorfer See).
Geschichte
Entstehung des Flözes Das reliefarme Schelfgebiet der Nordwesteuropäischen Tertiärsenke entwickelte sich zur Zeit des Miozäns zu einem riesigen Moorgebiet. Dieses Gebiet reichte von Polen bis nach Dänemark. In der Peripherie dieser Senke bildeten sich 10 bis 12 Meter mächtige Flözkörper.
Später traten an verschiedenen Stellen Wassermassen des Meeres ein und der sich gebildete Flözraum wurde in mehrere Flözbänke aufgespalten. Sowohl das fortbestehende, ungespaltene Flöz wie auch die neu entstandenen Flözbänke sind aus einzelnen Moorablagerungen aufgebaut. Über mehrere Zwischenstadien entwickelten sich Bruchwaldmoore zu trockenen Hochwaldmooren (Auwald, Sumpfwald, Buschmoor, Riedmoor, Kiefern-Waldmoor, Schirmtannen-Hochmoor).
150-jährige Geschichte des Lausitzer Reviers Vor der Erschließung des Tagebaus Greifenhain war die Region am Altdöberner See überwiegend durch Ackerbau und Viehzucht geprägt. Die Menschen waren hauptsächlich Bauern oder im hier typischen Flachsanbau und seiner Verarbeitung tätig. Andere Menschen arbeiteten in der Fischerei- und Forstwirtschaft oder in Ziegeleien.
Zeugnisse der Grabungen im ehemaligen Tagebau Greifenhain belegen die Lebensweise slawischer und germanischer Siedler. Nachweisbar ist die menschliche Besiedlung in der Mittelsteinzeit vor ca. 8000 Jahren. 130 Fundstellen gab es im ehemaligen Tagebau Greifenhain wie z. B. Hügelgräber, die Gräberfelder der Lausitzer Kultur mit ihren Siedlungen, die Fundstellen zur germanischen Eisenverhüttung, die Feldsteinkirche Pritzen mit ihrem Holzvorgängerbau und das Gutshaus Groß Jauer mit seinem mittelalterlichen Herrensitz.
1789 wurden erste Braunkohlefunde bei Lauchhammer gemacht. Zu dieser Zeit wurde diesen Vorkommen noch keine große Bedeutung beigemessen. 1851 öffnete bei Kostebrau (nahe Senftenberg) die Grube Jenny. Zuerst wurde die Kohle im Tiefbau gewonnen, wie zum Beispiel in der Grube Guerrini bei Göritz (1886 bis 1904). Anfänglich wurde die geförderte Kohle mit Pferdegespann und Pferdebahn transportiert. Der Kohlenabsatz war zu dieser Zeit eher gering. 1870 wurde die Eisenbahnstrecke Cottbus-Großenhain eröffnet. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke erfuhr die Kohleförderung im Revier einen Aufschwung. Als älteste Bergwerke sind die Gruben Viktoria bei Kleinräschen und die Grube Felix bei Klettwitz bekannt.
Entwicklung des Tagebaus Greifenhain Mit der Industrialisierung in Deutschland wuchs auch die Erzeugung der Elektroenergie und die Produktion fester Stoffe. Bedingt durch diese Entwicklung entstanden immer mehr Tagebaue, um Rohbraunkohle zu gewinnen.
1934 suchte des Senftenberger Stadtparlament einen Ersatz für die Senftenberger Stadtgrube (Grube „Marie III“). Am 24. Oktober 1934 fand eine Besprechung im Senftenberger Rathaus statt. Die Anhaltische Kohlenwerke AG hatte einen Antrag auf Genehmigung eines Neuaufschlusses zum Tagebau Greifenhain eingereicht. Der Betriebsplan für die Aufschlussarbeiten lag 1935 vor.
1935 wurde mit der Entwässerung (über Strecken, später über Brunnen) des Aufschlussgebietes begonnen. Die Aufschlussbaggerung begann 1936. Mit dem Braunkohlenabbau bei Greifenhain entstand 1936 der erste Tagebau. Die Grube ist der erste Tagebau nördlich des Lausitzer Grenzwalles.
Der Tagebau wurde als Birnenaufschluss nordöstlich des Feldes Greifenhain in Betrieb genommen. Das Deckgebirge des Tagebaus hatte eine Mächtigkeit von 35 bis 115 Meter. Hauptaufschlussbagger war damals der Eimerkettenbagger D 1400. Er hatte eine 64,5-m-Eimerleiter und erreichte Schnitttiefen von 38 m. Im Zugbetrieb wurde der Abraum abtransportiert. Auf 900-mm-Schmalspurgleisen bewegten 70-t-E-Loks Kohlewagen mit 25 m³ Fassungsvermögen. Der Abraum wurde nördlich der Straße Drebkau-Casel auf der Illmersdorfer Hochhalde verkippt.
1936 wurde die erste Kohle freigelegt. Das Abraum-Kohle-Verhältnis (3:1) war an dieser Stelle am besten. Durchschnittlich lag das Flöz 10 m tief. Am 28. November 1937 wurde erstmals Kohle (im Hochschnitt) gefördert. Die Kohleförderung erfolgte mit drei Löffelbaggern. Die Kohle wurde mit der normalspurigen Kohlebahn Tagebau Greifenhain–Brikettfabrik Marie II von Greifenhain 17 km zur Brikettfabrik Marie II transportiert. Zuerst zogen Dieselloks die 60-t-Sattelboden- bzw. 55-t-Talboden-Wagen. 1938 war die Bahnstrecke elektrifiziert und die Kohle konnte von nun an mit 72-t- bzw. 36-t-E-Loks transportiert werden. Im gleichen Jahr kam auch der erste Schaufelradbagger (89 SchRs 315) zum Einsatz. 1939 wurde erstmals Kohle im Tiefschnitt gefördert. Die Kohleförderung im Hoch- und Tiefschnitt wurde durch den Einsatz des Raupen-Eimerkettenbaggers 221 R 150 möglich.
Der während des Zweiten Weltkrieges geplante Bau einer Abraumförderbrücke scheiterte infolge von Materialschwierigkeiten.
Im April 1945 besetzte die Rote Armee den Tagebau Greifenhain. Infolge von Artilleriebeschuss entzündete sich durch Funkenflug kohlehaltiges Baggergut. Es kam zu einem Brand bei dem ein Schaufelradbagger total ausbrannte. Außerdem versagten die Wasserpumpen. Im Tagebau stieg das Wasser an und wichtige Geräte zur Kohlegewinnung wurden schwer beschädigt. Kriegsbedingt wurde am 17. April 1945 der Tagebaubetrieb ausgesetzt und nach Sümpfung des Tagebaus am 15. September 1945 wiederaufgenommen. Als die Mächtigkeit des Deckgebirges zunahm, wurde 1948 ein weiterer Bagger (5 R 200) eingesetzt.