Kemberg ist eine Kleinstadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt. mini|Kemberg, Luftaufnahme (2015)
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt am Nordrand des Naturparks Dübener Heide. Sie wird von dem aus der Heide kommenden Kemberger Flieth (auch Fliethbach genannt) durchflossen.
Stadtgliederung Kemberg umfasst 14 Ortschaften mit Ortsteilen. Ateritz mit Lubast und Gommlo Bergwitz mit Klitzschena Dabrun mit Melzwig, Boos, Rötzsch Dorna Eutzsch mit Pannigkau Globig-Bleddin mit Globig und Bleddin Kemberg mit Gaditz Rackith mit Lammsdorf und Bietegast Radis Rotta mit Gniest Schleesen mit Naderkau Selbitz Uthausen Wartenburg
Zu den 28 Ortsteilen gehören kleineren Ansiedlungen:Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016
Geschichte Vorgeschichte bis Neuzeit Bereits um 1000 v. Chr. in der späten Bronzezeit bis zur frühen Eisenzeit soll ein Ringwall, in dem mehrere hundert Menschen lebten, die „Region kontrolliert“ haben. Die Anlage bestand etwa 300 Jahre lang bis zu ihrer Aufgabe nach einem Brand.Louis D. Nebelsick, Anna Swieder: Der Burgwall von Kemberg, Lkr. Wittenberg –Die älteste dendrochronologisch datierte Befestigung der Lausitzer Kultur bei academia.edu
Die Existenz Kembergs ist bereits seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts belegt. Es gehörte zur Grafschaft Brehna bzw. Wettin-Brehna, fiel aber 1290 an das askanische Sachsen-Wittenberg. Aus dem Jahr 1346 stammt die älteste urkundliche Erwähnung als Stadt. Der Rat der Stadt erwarb 1482 die Niedergerichte, im Jahr 1703 die Obergerichte. Noch im 14. Jahrhundert wurde die teilweise erhaltene Stadtmauer errichtet. Um 1429 wurde Kemberg im Zuge der Hussitenkriege gebrandschatzt. Im Jahr 1488 wurde ihr Magdeburger Stadtrecht bestätigt.Lexikon Städte und Wappen der DDR. Leipzig 1979, S. 219. 1522 schloss sich Kemberg der Reformation an, nachdem bereits 1518 mit Bartholomäus Bernhardi ein Freund von Martin Luther Pastor und Propst geworden war, der 1521 als erster evangelischer Geistlicher geheiratet hatte.
Im 16. und 17. Jahrhundert brach insgesamt sieben Mal die Pest aus. Zusammen mit den im Dreißigjährigen Krieg erlittenen schweren Verheerungen, mehreren Elbhochwassern und Stadtbränden führte dies dazu, dass die Bevölkerung von über 1.000 auf kaum mehr als 100 um das Jahr 1638 sank. Mitte des 18. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl wieder auf über 1.000 gestiegen.
1908 begannen bei Bergwitz die Erschließungsarbeiten zur Braunkohleförderung, die Braunkohleförderung selbst wurde 1912 aufgenommen. 1916 kam dabei der erste Schaufelradbagger Deutschlands zum Einsatz. 1955 wurde die Braunkohleförderung eingestellt und der Tagebau geflutet. Es entstand der Bergwitzsee. Insgesamt wurden aus dem Tagebau ca. 50 Mio. t Braunkohle gefördert.kohle-dampf-licht
Kemberg war von 1994 bis 2009 Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kemberg.
Verwaltungsgeschichte 1815 kam Kemberg vom Königreich Sachsen zu Preußen und gehört seitdem zum Landkreis Wittenberg (1945–1952 im Land Sachsen-Anhalt, 1952–1990 im DDR-Bezirk Halle und seitdem wieder im Land Sachsen-Anhalt).
Im Jahr 1950 wurde Gaditz eingemeindet. Drei Gemeinden kamen in den Jahren 2005 (Bergwitz)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005, 2006 (Ateritz)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006 und 2007 (Dorna)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007 hinzu. Globig-Bleddin folgte Anfang 2009.StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009 Schließlich wurden neun weitere Gemeinden Anfang 2010 eingegliedert.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
Mit den Eingemeindungen zum 1. Januar 2010 gibt es nur noch eine Postleitzahl, ferner wurden in den Ortsteilen zum Teil neue Straßennamen und neue Hausnummern vergeben. mini|hochkant=0.6|Kursächsische Postmeilensäule mini|hochkant=0.6|Kirchturm vom Markt aus gesehen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Ateritz 01.01.2006 Bergwitz 01.07.2005 Bietegast 20.07.1950 Eingemeindung nach Rackith Bleddin 11.10.1965 Zusammenschluss mit Globig zu Globig-Bleddin Dabrun 01.01.2010 Dorna 01.01.2007 Eutzsch 01.01.2010 Gaditz 20.07.1950 Globig 11.10.1965 Zusammenschluss mit Bleddin zu Globig-Bleddin Globig-Bleddin 01.01.2009 Gniest 20.07.1950 Eingemeindung nach Rotta Klitzschena 20.07.1950 Eingemeindung nach Bergwitz Lammsdorf 20.07.1950 Eingemeindung nach Rackith Naderkau 20.07.1950 Eingemeindung nach Schleesen Pannigkau 20.07.1950 Eingemeindung nach Eutzsch Rackith 01.01.2010 Radis 01.01.2010 Reuden 20.07.1950 Eingemeindung nach Rotta Rotta 01.01.2010 Schleesen 01.01.2010 Selbitz 01.01.2010 Uthausen 01.01.2010 Wartenburg 01.01.2010
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1513 etwa 950 1555 etwa 1.250 1638 139 1697 974 1755 1.262 1806 1.780 1818 1.922 Jahr Einwohner 1849 3.085 1862 3.177 1880 2.727 1890 2.528 1900 2.233 1910 2.372 1933 2.583 Jahr Einwohner 1990 3.053 2005 4.751 2010 10.972 2015 9.954 2020 9.544 Jahr Einwohner 2021 9.573 2022 9.495 2023 9.309 2024 9.217 2025 9.089
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der deutliche Anstieg der Bevölkerungszahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Kemberg besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 20 Stadtverordneten und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 46,5 % 9 36,7 % 8 AfD 14,0 % 2 24,6 % 5 Freie Wähler – – 15,4 % 3 SPD 11,1 % 2 7,8 % 2 Die Linke 13,1 % 3 6,5 % 1 Heimatverein Radis – – 3,3 % 1 IG Natur und Umwelt Bergwitz . 1 1,6 % – FDP 4,3 % 1 1,3 % – Einzelbewerber Ronny Walter – – 1,1 % – Bündnis 90/Die Grünen – – 1,0 % – Einzelbewerber Tom Richter – – 0,7 % – Allianz der Bürger . 1 – – Insgesamt 100 % 19 100 % 20
Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister Torsten Seelig (CDU) wurde am 13. Dezember 2009 in einer Stichwahl zum Bürgermeister gewählt. Am 4. September 2016 wurde er ohne Gegenkandidat mit 100 Prozent der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 4. September 2016 Am 3. September 2023 wurde er mit 65,6 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen Blasonierung: „Gespalten, vorn in Silber ein rotes Seeblatt; hinten neunmal von Schwarz und Gold geteilt, schräg rechts belegt mit einem grünen Rautenkranz.“
Das abgebildete Wappen wurde lange Zeit verwendet, entspricht aber nicht dem vom Land genehmigten Wappen der Stadt. Dieses beruht auf einem schnörkellosen Schild.
Die Stadtfarben zeigen Rot und Silber (Weiß).
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Bauwerke mini|St. Marien, Luftaufnahme (2015) mini|Rathaus Kemberg ist eine ehemalige Ackerbürgerstadt. Sie ist auf Grund der Geschlossenheit des erhaltenen Stadtbildes von städtebaulicher Bedeutung. Der regionaltypische Grundriss eines Straßenangerdorfes, welches im Mittelalter erweitert und befestigt wurde, wird im Wesentlichen durch die monumental wirkende spätgotische Stadtkirche „St. Marien“ dominiert.
Die Kirche wurde von 1290 bis 1340 erbaut. Sie war der Nachfolgebau eines spätromanischen Vorgängers, der seit 1330/31 von den Kemberger Pröpsten verwaltet wurde. Die Sakristei und die Vorhalle (Südosten) wurden 75 Jahre nach der Fertigstellung von Matthias Löser angebaut. Nachdem um 1500 der Bau erweitert wurde, erbaute man nach Entwürfen von Friedrich August Ritter 1856–59 den monumentalen neugotischen Westturm.
Während der Reformationszeit kam Kemberg und der Kemberger Kirche eine wichtige Rolle zu. Es ist nachgewiesen, dass Luther 14 Mal in Kemberg war und mehrere Male in der Kirche predigte. Nach dem Tod Luthers wurde sein Sarg in der Nacht vom 21. zum 22. Februar 1546 in der Kirche aufgebahrt.Informationsblatt der Kirchengemeinde St. Marien. In der Kirche befand sich ein 1565 von Lucas Cranach d. J. geschaffener Altar, der 1994 Opfer eines Brandes wurde und dessen Reste in der Sakristei besichtigt werden können. Noch heute besitzt die Kirche interessante Präsentationsstücke wie Reste spätmittelalterlicher Wandmalereien, ein Sakramentshaus aus Sandstein und einen Schnitzaltar (beide aus dem 15. Jahrhundert), einen sehr schönen Taufstein und eine Innenausmalung von Michael Adolf Siebenhaar. Ebenfalls bemerkenswert ist die Empore (Südseite) mit 35 Bildern, die Szenen aus dem 1. Buch Mose zeigen und die zugehörigen Stifternamen. Der Emporenzyklus stammt aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts.
Sehenswert ist auch das spätgotische Rathaus mit seinen Anbauten im Stil der Renaissance, die rekonstruierte Kursächsische Postmeilensäule von 1725 und die zum Teil noch gut erhaltene Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Neben dem historischen Natursteinpflaster von 1882 sind auch einzelne Bauten der Renaissance (z. B. Bürgerhaus, Schulstraße 2), des Barocks (z. B. Altes Brauhaus, Wittenberger Straße 24) und des Klassizismus erwähnenswert.
Die katholische Kirche St. Petrus wurde 1992 erbaut.
Gedenkstätten mini|Schulenburg-Gedenktafel Gedenkstein für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus (seit 1994 auf dem Friedhof, zuvor am ehemaligen Bahnhof) Grabstätte auf dem Friedhof für einen namentlich bekannten italienischen Militärinternierten, der im April 1945 Opfer von Zwangsarbeit wurde Gedenktafel von 1994 am Geburtshaus von Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg in der Kreuzstraße 12, einem Widerstandskämpfer des 20. Juli, der 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet wurde Gedenkstein im Ortsteil Gaditz, wo 1944 auf dem Gutshof ein polnischer Zwangsarbeiter, der während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt wurde, vor seinen Mitgefangenen öffentlich erhängt wurde
Museen mini|Waldhaus am Bergwitzsee Waldhaus am Bergwitzsee: Das Waldhaus am Bergwitzsee zeigt interaktive Ausstellungen zu den Themen Wald, Wasser und Mensch. Erklärt wird unter anderem, wie der Bergwitzsee entstanden ist, welche Tiere im heimischen Wald leben und welche historischen Berufe es in der Region gab. Das Waldhaus liegt an der Kohle-Dampf-Licht-Seen-Radroute.Stadt Kemberg: Waldhaus am Bergwitzsee, abgerufen am 16. März 2021. Töpferei Lubast: Die Töpferei wurde 1874 gegründet und gilt als älteste Töpferei in Sachsen-Anhalt. Es gibt nicht nur Töpferwaren zu erwerben, sondern auch eine Schautöpferei, in der Besucher das Handwerk erleben können.Stadt Kemberg: Töpferei Lubast, abgerufen am 16. März 2021. mini|Töpferei Lubast
Verkehr Straße Durch das Gebiet der Stadt verlaufen die Bundesstraße 2 von Wittenberg nach Bad Düben, die Bundesstraße 100 von Eutzsch nach Halle (Saale) und die Bundesstraße 182, die im Stadtgebiet von der Bundesstraße 2 abzweigt und nach Torgau führt.
Die Anschlussstelle Vockerode der Bundesautobahn 9 (München–Berlin) ist ca. 22 km vom Ortsteil Kemberg entfernt.
Schiene mini|Haltepunkt Rackith (Elbe) Die Haltepunkte Bergwitz und Radis liegen an der Bahnstrecke Berlin–Halle und werden stündlich von Zügen der S-Bahn Mitteldeutschland bedient.
An der Bahnstrecke Pratau–Torgau befinden sich die Haltepunkte Eutzsch und Rackith. 2014 wurde der reguläre Personenverkehr eingestellt. An Feiertagen und Wochenenden verkehren auf der Strecke Sonderzüge bis zum Bahnhof Eilenburg.
Von 1903 bis 1951 verband eine Eisenbahnlinie Bergwitz und Kemberg. Der ehemalige Bahnhof Kemberg ist abgerissen. Dort steht jetzt ein Edeka-Einkaufsmarkt.
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