mini|Titelblatt der deutschen Übersetzung, Steyr 1741
Didone abbandonata ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Domenico Sarro am 1. Februar 1724 in Neapel. Es ist Kardinal Michael Friedrich Graf von Althann gewidmet. Mit mehr als 60 Vertonungen bis ins 19. Jahrhundert ist es eines seiner beliebtesten Werke.
Eine deutsche Übersetzung des Librettos von Johann Leopold van Ghelen erschien 1741 in Steyr.Libretto (italienisch/deutsch) mit der Übersetzung von Johann Leopold van Ghelen, Steyr 1741. Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin. Eine weitere deutsche Übersetzung von Johann Anton Koch erschien 1769 unter dem Namen Die verlassene Dido im zweiten Band seiner unvollendet gebliebenen Gesamtausgabe Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte.Johann Anton Koch: Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte, aus dem Italiänischen übersetzt. Zweiter Band. Krauß, Frankfurt und Leipzig 1769. Digitalisat Des Münchener Digitalisierungszentrums. Die Übersetzung einer anderen Libretto-Fassung veröffentlichte er 1776 unter dem Namen Die verlassene Dido, abgeändert im achten Band.Johann Anton Koch: Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte, aus dem Italiänischen übersetzt. Achter Band. Krauß, Frankfurt und Leipzig 1776. Digitalisat des Münchener Digitalisierungszentrums.
Handlung
Das Libretto basiert auf einer Episode aus Vergils Aeneis. Der trojanische Held Aeneas und die karthagische Königin Dido verlieben sich ineinander. Um seiner Bestimmung zu folgen und Rom zu gründen, verlässt Aeneas sie jedoch. Dido stürzt sich in ihrer Verzweiflung in das Feuer ihrer brennenden Stadt. Dieser Stoff war in der Barockzeit sehr beliebt und wurde auch in anderen Libretti verarbeitet. Metastasios Oper endet ebenso wie die antike Vorlage tragisch und steht damit im Gegensatz zur damals üblichen Praxis der Opera seria.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem 1756 von Andrea Bernasconi verwendeten Libretto.
Erster Akt
mini|links|Francesco Battaglioli: Erster Akt, Szene 5
Audienzplatz mit einem Thron an der Seite; in der Ferne sieht man den Bau der Stadt Karthago
Trotz ihrer gegenseitigen Liebe hat Enea beschlossen, dem göttlichen Befehl zu gehorchen und Dido zu verlassen. Er sagt dies zunächst Didos Schwester Selene und ihrem Vertrauten Osmida. Als Dido kommt, schwört er ihr seine Liebe, fordert sie aber gleichzeitig auf, ihn zu vergessen. Von Gefühlen überwältigt, findet er jedoch nicht die richtigen Worte und verlässt den Platz. Selene erklärt Dido darauf seine Absicht, aber Osmida verharmlost sie und behauptet, Enea sei lediglich eifersüchtig auf Jarba, den König der Mohren, und dessen Werbung um Dido. Da kommt Jarba selbst, der sich vorerst als sein eigener Botschafter Arbace ausgibt, mit seinem Vertrauten Araspe und überbringt Dido Sklaven, Tiger, Löwen und andere Geschenke. Dido hatte seine Werbung bereits einmal mit dem Vorwand abgewiesen, dass sie ihrem verstorbenen ersten Gatten Sichäus treu bleiben wolle. Da sie nun aber ein Verhältnis mit Enea begonnen hat, akzeptiert Jarba diesen Grund nicht mehr und erneuert seine Werbung als Bedingung für den Frieden zwischen ihren Völkern. Außerdem solle sie ihm das Haupt des Enea ausliefern. Dido weist ihn ab. Sie will alleine über ihr Herz und ihr Reich gebieten. Nachdem sie gegangen ist, schwört Jarba Rache und befiehlt Araspe, Enea hinterrücks zu ermorden. Araspe jedoch ist nur zu einem ehrenvollen Kampf bereit und lehnt dies ab. Er ist erschüttert von Jarbas Skrupellosigkeit.
Vorhof
Enea teilt Selene mit, wie schwer ihm der Abschied von Dido fällt. Jarba und Araspe kommen hinzu. Während Araspe sich in Selene verliebt, fängt Jarba einen Streit mit Enea an. Enea fürchtet sich nicht vor ihm und geht.
Jarba plant, seine Krieger in die Burg einzulassen, um Karthago zu zerstören und seinen Nebenbuhler zu töten. Osmida berichtet ihm, dass Dido unterwegs zum Neptun-Tempel sei, um Enea zu heiraten. Er verspricht Jarba, ihn in jeder Hinsicht zu unterstützen. Araspe versucht vergeblich, Jarba von seinem Plan abzubringen.
Tempel des Neptun mit dessen Bildnis
Der immer noch unter dem Namen Arbace auftretende Jarba versucht Enea anzugreifen, wird aber von Araspe daran gehindert, der den Dolch an sich nimmt. Enea hält daher Araspe für den Täter. Als Dido mit ihrer Leibwache hinzukommt, benennt auch Osmida Araspe als Schuldigen. Dido lässt ihn abführen. Enea glaubt, Arbace hätte das Attentat verhindert und bedankt sich bei ihm. Dieser gibt sich jedoch nun als Jarba zu erkennen und erklärt ihm seine Feindschaft. Dido lässt ihn festnehmen. Jarba zieht seinen Degen, wird aber von Osmida überredet, vorerst nachzugeben und sich auf ihn zu verlassen. Nachdem er von Osmida fortgebracht wurde, teilt Enea Dido seinen Entschluss mit, sie zu verlassen. Dido fühlt sich von ihm verraten.
Zweiter Akt
mini|Bild aus dem Libretto, Musik von Andrea Adolfati, Venedig 1747
Königliche Zimmer mit einem kleinen Tisch
Osmida hat Jarba freigelassen. Sie erwarten die Ankunft ihrer Leute, um anzugreifen. Osmida erinnert Jarba daran, dass er ihm als Belohnung für den Verrat den Thron Karthagos versprochen hat. Als Araspe kommt, wirft Jarba ihm seine Schuld am Misslingen des Attentats vor. Auch Selene kommt nun und fragt Araspe nach dem Grund für die Freilassung Jarbas, den dieser jedoch nicht kennt. Auf Selenes Bitten verspricht er ihr, Enea zu schützen, obwohl er eigentlich sein Feind ist. Anschließend gesteht er ihr seine Liebe. Selene antwortet, dass sie ihn hoch schätze, ihr Herz aber bereits einem anderen gehöre.
Dido hat beschlossen, Jarba hinrichten zu lassen, und Osmida erklärt sich zur Vollstreckung bereit. Enea hält diese Strafe jedoch für überzogen und unehrenhaft und bittet um Gnade für Jarba. Zornig unterschreibt sie dennoch das Urteil. Da er jedoch weiterhin bittet, gibt sie endlich nach und überreicht ihm das Blatt.
Jarba wirft Enea vor, Dido gegen ihn aufzuhetzen. Als Antwort zerreißt Enea das von Dido unterschriebene Todesurteil. Jarba wundert sich über das großmütige Verhalten seines Feindes und das verräterische seines Freundes Araspe.
Innerer Hof
Araspe fordert Enea zum ehrenvollen Zweikampf mit dem Degen heraus, doch Enea weigert sich. Erst als Araspe ihm Feigheit vorwirft, zieht er widerwillig den Degen. Der Kampf wird von Selene unterbrochen, die Araspe Verrat vorwirft. Enea aber verteidigt ihn damit, dass er lediglich für seinen Herrn gekämpft habe.
Kabinett mit Lehnstühlen
Dido will Enea auf eine letzte Probe stellen und seine Eifersucht wecken. Sie fragt ihn um Rat, wie sie sich verhalten solle, da Jarba nun ihr Reich und ihr Leben bedrohe. Die einzige Alternative zu einer Ehe mit Jarba wäre es gewesen, ihn, Enea, zu heiraten und dadurch weitere Bündnisgenossen zu erhalten – nun aber bleibe ihr nur der Tod. Daher fordert sie Enea auf, sie eigenhändig zu töten. Dieser weigert sich jedoch und rät ihr, Jarba zu heiraten. Sie lässt ihn holen und verlangt von Enea, der Zeremonie beizuwohnen. Als Jarba kommt, teilt Dido ihm mit, dass Enea für ihn gesprochen habe und sie ihn jetzt heiraten wolle. Enea kann das nicht mit ansehen und geht schließlich wütend fort. Dido hat dadurch wieder Hoffnung gewonnen und erklärt Jarba, dass sie ihn nie lieben könne. Er verlässt sie unter Drohungen.
Dritter Akt
Meereshafen, in dem die trojanischen Schiffe vor Anker liegen
Enea und die Trojaner bereiten sich auf die Abreise vor. Jarba fordert ihn zum Zweikampf heraus. Als er zu unterliegen droht, kommen ihm seine Leute zu Hilfe, und Eneas Gefährten springen diesem bei. Der Kampf weitet sich aus, aber schließlich wird Jarba besiegt. Obwohl Enea ihm das Leben schenkt, schwört Jarba Rache.
Mit Bäumen besetzter Gang zwischen der Stadt und dem Hafen
Osmida teilt Araspe mit, dass Jarbas Verstärkung eingetroffen ist. Araspe traut Osmida nicht. Die beiden streiten über den Begriff der Ehre. Selene kommt hinzu und fragt nach Enea. Araspe vermutet, dass sie ihn liebt, aber sie behauptet, sie habe nur Mitleid mit ihrer Schwester.
Jarba drängt darauf, Enea zu töten. Osmida erklärt, dass seine Krieger bereit sind und erinnert noch einmal an die versprochene Belohnung. Jarba jedoch befiehlt der Wache, Osmida zu töten. Das sei die passende Belohnung für einen Verräter. Weder Araspe noch Selene wollen Osmida beistehen. Enea kommt gerade noch rechtzeitig dazu und befreit Osmida, der ihm ewige Dankbarkeit schwört. Selene gesteht Enea nun ihre Liebe, aber dieser will nichts davon hören. Ihn interessiert nur noch der Ruhm.
Königliche Burg mit Blick auf die Stadt, die nachher in Flammen aufgeht
Osmida gesteht Dido seinen Verrat und bittet sie um eine gnädige Strafe. Selene teilt Dido mit, dass Enea auf dem Weg zu den Schiffen sei. Die schickt Osmida, um ihn aufzuhalten. Araspe berichtet, dass Jarba Karthago in Brand gesteckt habe. Osmida kommt zurück. Er hat Enea nicht mehr aufhalten können, da dieser schon abgesegelt war. Dido beauftragt ihn nun, Leute, Schiffe und Waffen aufzubringen, um Enea mit Gewalt aufzuhalten und seine Schiffe zu versenken. Selene soll sich währenddessen um die brennende Stadt kümmern. Osmida kommt erneut unverrichteter Dinge zurück, weil er durch die Burg nicht zum Ufer gelangen konnte. Inzwischen wüten Jarbas Truppen erbarmungslos in der Stadt. Auch die Burg hat bereits Feuer gefangen. Selene kommt zurück und drängt zur Flucht, weil ihr Heer besiegt sei. Dazu kommt es aber nicht mehr, denn Jarba erscheint mit seinen Leuten. Als er Didos Verzweiflung sieht, bietet er ihr erneut an, sie zu heiraten. Da Dido ihm jedoch weiterhin trotzt, befiehlt er, die Stadt völlig zu zerstören.
Osimda und Selene bitten Dido, nachzugeben. Sie hat jedoch nur noch Rache im Sinn. Als Selene ihr sagt, dass auch sie Enea liebt, schickt Dido sie wütend davon. In ihrer Verzweiflung lästert sie die Götter, und auch Osmida verlässt sie erschüttert. Allein zurückgeblieben stürzt sie sich in die Flammen.
Geschichte
Didone abbandonata ist Metastasios erstes Libretto. Er schrieb es in Zusammenarbeit mit der Sopranistin Maria Anna Benti („La Romanina“, 1684?–1734), die auch die Rolle der Dido in der ersten Aufführung der Vertonung von Domenico Sarro übernahm. Die Rolle des Enea wurde vom Alt-Kastraten Nicolò Grimaldi („Nicolini“, 1673–1732) gesungen.
Die Handlung basiert auf einer Episode aus dem vierten Buch der Aeneis von Vergil. Darin wird von der Liebe der Gründerin und Königin von Karthago, Dido, zu dem trojanischen Flüchtling Aeneas berichtet. Diese Vereinigung wird von den Göttern Venus und Juno gefördert und führt nur zu einer eheähnlichen Verbindung, da Dido geschworen hat, sich nach dem Mord an ihrem Gatten Sychaeus nie mehr mit einem Mann einzulassen. Aeneas selbst hat vor seiner Abreise aus Troja von Jupiter den Auftrag erhalten, in Italien ein neues Troja zu gründen. Karthago darf daher für ihn nur eine Zwischenstation auf dem Weg dorthin sein. Jupiter schickt Mercurius, um Aeneas an seinen Auftrag zu erinnern. Aeneas gehorcht und rüstet zur Abfahrt. Als Dido davon erfährt, macht sie ihm verzweifelte Vorhaltungen. Aeneas aber bleibt fest und reist heimlich ab. Darauf tötet sich Dido selbst auf einem Scheiterhaufen mit einem Schwert, einem Geschenk von Aeneas. Doch zuvor beschwört sie einen Rächer und schafft so die Grundlage für den späteren Konflikt zwischen Rom und Karthago (Punische Kriege). Juno erbarmt sich Didos langen Todeskampfes und entsendet die Götterbotin Iris. Diese steigt in einem Regenbogen herab und schneidet Dido eine Locke ab, um sie der Unterwelt zu weihen.
Eine weitere antike Vorlage Metastasios waren die Fasti des Ovid (III: 545, 595, 640). Darin gibt es Hinweise auf die Machtübernahme des Hiarbas nach Didos Tod und die Liebe von Didos Schwester Anna zu Aeneas.