Die Silberburgstraße in Stuttgart ist eine von mehreren langen, parallel verlaufenden Wohn- und Geschäftsstraßen, die die Stadtbezirke Stuttgart-West und Stuttgart-Süd in Nord-Süd-Richtung verbinden. Die Straße wurde 1851 nach der bis 1938 bestehenden Sommerwirtschaft Silberburg benannt. Ursprünglich auf das Teilstück zwischen Breitscheidstraße und Marienstraße beschränkt, dehnte sich die Straße in den folgenden Jahrzehnten nach Norden und Süden bis zu ihrer heutigen Länge von zwei Kilometern aus.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs haben sich nur wenige ältere Gebäude erhalten. Der obere Teil der zweispurigen Straße ist verkehrsarm, während sich die Straße in der Gegend um Schloßstraße und Rotebühlstraße belebt und der Verkehr zunimmt. Die Straße ist arm an Bäumen und Grünflächen, abgesehen von der Silberburganlage am Ende der Straße.
Verlauf mini|hochkant=1.35|links|Silberburgstraße und Umgebung
Die Silberburgstraße erstreckt sich durch die beiden Stadtbezirke Stuttgart-West und Stuttgart-Süd. Sie verläuft von der Hölderlinstraße im Nordnordwesten in schnurgerader Linie und mündet in einer Gabelung in die Tübinger Straße und die Fangelsbachstraße im Südsüdosten ein. Dabei durchquert sie die Stadtteile Hölderlinplatz, Rosenberg und Feuersee in Stuttgart-West und den Stadtteil Karlshöhe in Stuttgart-Süd.
Die Silberburgstraße liegt in einem fast schachbrettartig angelegten, zuckerhutförmigen Bereich (in der Karte rot umrandet), der von der Schwabstraße, Hölderlinstraße, Hegelstraße, Seidenstraße und Fritz-Elsas-Straße sowie im Süden von der Reinsburgstraße und Marienstraße begrenzt wird. Parallel zur Silberburgstraße verlaufen die Hasenbergstraße, Senefelderstraße, Johannesstraße und Falkertstraße/Weimarstraße, die jedoch nicht die Länge der Silberburgstraße erreichen.
Die zwei Kilometer lange Straße beginnt an der Hölderlinstraße auf einer Höhe von etwa 280 Meter über Normalnull und verläuft leicht abschüssig bis zum anderen Ende, das etwa 260 Meter hoch liegt. Lediglich der „Steilhang“ des sogenannten Silberbuckels am Ende der Straße zwischen Reinsburgstraße und Tübinger Straße hat ein starkes Gefälle.
Die Nummerierung beginnt an der Einmündung zur Hölderlinstraße mit den Hausnummern 26 und 21 und endet mit Hausnummer 182 und 195 an der Tübinger Straße. Bei den übrigen Nord-Süd-Straßen beginnt die Nummerierung hingegen am entgegengesetzten Straßenende.
Beschreibung Die Silberburgstraße ist eine gemischte Wohn- und Geschäftsstraße mit durchweg mehrstöckiger, jedoch höchstens sechsstöckiger Bebauung. Die meisten Häuser sind Neubauten, die sich in der Regel in das Erscheinungsbild der Straße einigermaßen einpassen. Die Mehrzahl der Gebäude ist normalbreit, lediglich zwei Handvoll Bauten mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen bilden längere Riegel.
Sehenswert sind hauptsächlich das Haus Nummer 42 mit der Figur eines Naseweis, das Haus Nummer 74 mit schönen Puttenreliefs, das Haus der Heilsarmee, das Allianz-Gebäude, die Häuser 160 und 172 in dessen Nachbarschaft sowie einige Bauten am Silberbuckel (gegenüber der Silberburganlage). Bäume und Grünflächen fehlen fast ganz, abgesehen von der Silberburganlage, dem Diakonissenplatz und ein paar Einzelbäumen.
Der obere, eher verkehrsarme Teil der Straße, der im Norden an der Hölderlinstraße beginnt, besteht hauptsächlich aus Mietwohnhäusern, davon einige mit kleinen Läden, sowie aus Bildungs- und Sozialeinrichtungen, darunter das Dillmann-Gymnasium und das Friedrich-Eugens-Gymnasium, das Kompetenzzentrum Silberburg mit Fachschulen und Kita sowie die Altenpflegeeinrichtungen Württembergisches Lutherstift, Ludwigsstift und Friederike-Fliedner-Haus.
Der verkehrsreiche untere Teil der Straße im Umfeld der Schloßstraße beherbergt Mietwohnhäuser, Läden, Bäcker, Metzger, ein Hotel, Gaststätten, Versicherungen, die evangelisch-methodistische Hoffnungskirche (früher Zionskirche) und ein Gebäude der Heilsarmee. Im Umfeld der Schloßstraße haben sich einige Läden etabliert, die sich dem Handel mit Gebraucht- und Antikwaren widmen.
Verkehr Auto- und Radverkehr Die Silberburgstraße ist durchweg in beiden Richtungen befahrbar. Der Anfang der Straße ist bis zur Kornbergstraße verkehrsberuhigt (Höchstgeschwindigkeit 30 km/h) und wird bis zur Breitscheidstraße nur wenig befahren. Im Umfeld der Schloßstraße und der Rotebühlstraße herrscht belebter Verkehr. Die Straße ist auf ihrer ganzen Länge zweispurig angelegt und wird fast durchgehend von Parkspuren flankiert. An belebten Kreuzungen wird die Straße um Abbiegespuren erweitert. Es gibt keine Radwege, nur an der Kreuzung zur Schloßstraße sind Abbiegespuren für Radfahrer gekennzeichnet, die aber an der nächsten Querstraße enden.
Öffentlicher Personennahverkehr mini|hochkant=1|Straßenbahnhaltestelle Dreieck, um 1900. mini|hochkant=1|Kreuzung Silberburgstraße / Breitscheidstraße, ehemaliges „Dreieck“, 2014.
Seit 1868 wurden in Stuttgart Pferdeeisenbahnen betrieben, die jedoch die Silberburgstraße nicht anfuhren. 1888 wurde die sogenannte Rundbahn eingerichtet, die 1895 elektrifiziert wurde. Die Bahn fuhr zwischen der Marienstraße und dem „Dreieck“ bei der Breitscheidstraße durch die Silberburgstraße. Am Dreieck, einer Ausweichstelle der eingleisigen Linie, bog die Straßenbahn aus der Silberburgstraße rechtwinklig in die Breitscheidstraße ein. An das Dreieck erinnert noch heute eine kleine dreieckige Verkehrsinsel an der Einmündung der Silberburgstraße in die Breitscheidstraße. Nach der Einführung von Liniennummern wurde 1910 die Rundbahn zur Linie 3. Ab 1924 fuhr die Linie 3 bis zur Schloßstraße durch die Silberburgstraße. 1962 wurde die Linie eingestellt.#Bauer 1976, #Schukraft 1986, S. 159–160.
Heute führen die Buslinien 41 und 43 ein Stück weit durch die untere Silberburgstraße. Bus- und Stadtbahnhaltestellen befinden sich auch in den Quer- und Parallelstraßen. Am Feuersee befindet sich in unmittelbarer Nähe der Silberburgstraße eine Haltestelle der S-Bahn, die von allen S-Bahn-Linien angefahren wird.Stand: 2014.
Denkmalschutz mini|hochkant=1.5|Puttenreliefs des (noch) nicht denkmalgeschützten Hauses Nummer 74.
Einige Gebäude der Silberburgstraße stehen unter Denkmalschutz (in der Gebäudeliste in Spalte # durch ein d gekennzeichnet), darunter klassizistische und historistische Bauten, ein Gebäude im Internationalen Stil und ein Gebäude im Architekturstil der NS-Zeit.#Stuttgart 2008.
Die im November 2014 öffentlich verfügbare Liste der Stuttgarter Kulturdenkmäler ist auf dem Stand von 2008. In manchen Fällen wurde die Beurteilung der Denkmalwürdigkeit von Bauten in der Silberburgstraße kritisiert:
Der Historiker Harald Schukraft freute sich 1986 darüber, dass „neben dem Wohnhaus [Silberburgstraße 172] auch das Kutscherhäuschen erhalten ist. So kann man einen guten Gesamteindruck von einem großbürgerlichen Wohnhaus jener Zeit gewinnen.“ Noch während der Drucklegung von Schukrafts Buch wurde das Gebäude abgerissen, es stand offenbar nicht unter Denkmalschutz.#Schukraft 1986, Seite 160.
Das gleiche Schicksal ereilte das Eckdoppelhaus an der Silberburgstraße 173, das zu den „ältesten und beachtlichsten Miethäusern Stuttgarts“ zählte.#Schukraft 1986, Seite 160.
Das Haus Nummer 160 stand noch 1984 nicht unter Denkmalschutz. Erst nachdem „diese erstaunliche Tatsache“ durch die Presse aufgedeckt wurde, erkannte das Landesdenkmalamt die Schutzwürdigkeit des Gebäudes.#Zeitungsausschnitte, 23. Juni 1984.
Das Eckhaus Nummer 74 mit seiner Fassade aus rotem Sandstein und sieben Puttenallegorien der Berufe, eines der wenigen erhaltenen älteren Gebäude, erschien dem Landesdenkmalamt 2008 nicht schutzwürdig.#Stuttgart 2008.
Geschichte mini|hochkant=2| Der Hasenberg in Stuttgart von Carl Beisbarth, um 1870.Von rechts nach links: Rotebühlstraße, Augustenstraße, Reinsburgstraße, Mörikestraße / Marienstraße, unten, parallel zum Bildrand: Silberburgstraße.#Simon 1996, Seite 163.
Seit mindestens 1831 erstreckte sich die offiziell noch namenlose und unbesiedelte Straße zwischen der Rotebühlstraße und der Marienstraße. 1846 bestand sie aus sechs Hausnummern, deren Zählung mit der Nummer 1 an der Rotebühlstraße begann.#Bach 1896, Tafel III, #Pfaff 1846, Stadtplan. Bereits in den vierziger Jahren hieß die Straße im Volksmund Silberburgstraße nach der Silberburg in unmittelbarer Nähe der Straße an der Einmündung der Marienstraße. 1851 erhielt sie diesen Namen auch offiziell.#Adressbücher, 1915, Seite II 5, #Schukraft 1986, Seite 157. Spätestens in diesem Jahr wurde die Straße bis zur Breitscheidstraße nach rückwärts verlängert, und die Nummerierung begann mit der Nummer 1 an der Breitscheidstraße. Bis 1860 umfasste die Straße weniger als 30 Häuser. 1864 bestand der bebaute Teil der Straße von der Traubenstraße bis zur Reinsburgstraße aus etwa 60 Häusern.#Adressbücher.
Infolge der Rückwärtsverlängerung der Straße über die Rotebühlstraße nach Norden, die in der Endausbaustufe bis zur Kornbergstraße ausgedehnt werden sollte, wurden die Häuser neu durchnummeriert. Die Nummerierung begann nun bei der Traubenstraße mit der Nummer 56 und endete mit Nummer 170. Spätestens bis 1950 wurde die Straße noch einmal rückwärts bis zur Hölderlinstraße verlängert. Die Nummerierung der Häuser beginnt heute kurioserweise mit den Hausnummern 21 und 26 und endet mit den Hausnummern 182 und 195.#Adressbücher. Während bei der Silberburgstraße die Nummerierung am nördlichen Ende beginnt, fängt sie bei den anderen Nord-Süd-Straßen des Stuttgarter Westens im Süden an.#Schukraft 1986, Seite 157.
Die ältesten Gebäude zwischen der Forststraße und der Reinsburgstraße waren Weingärtnerhäuser aus der Zeit von 1810 bis 1840, die aus Kostengründen größtenteils als verputzte Fachwerkhäuser gebaut wurden. Sie wurden in den beiden Jahrzehnten nach 1850 durch größere Neubauten ersetzt.#Schukraft 1986, Seite 159. Nach dem Ortsbaustatut von 1874 durften Gebäude nur noch in Massivbauweise errichtet werden.#Markelin 1991, Seite 47, #Wochner 1871, Seite 2.
Von diesem ursprünglichen Zustand der Straße scheint sich nur wenig erhalten zu haben. Die Fassaden von 15 Gebäuden stammen ganz oder teilweise aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Man kann also annehmen, dass die Silberburgstrasse im Krieg fast vollständig zerstört wurde. Erstaunlicherweise scheint der riesige Komplex der Allianz-Lebensversicherung in der Silberburgstrasse 174A den Krieg unbeschadet überstanden zu haben.
Silberburg Lage Am östlichen Hang der Karlshöhe, einem „rundlichen Vorhügel des Hasenbergs“,#Pfaff 1846, Seite 170. zwischen der Einmündung der Marienstraße und der Furtbachstraße, erstreckt sich die Silberburganlage (auch Mörikeanlage genannt) mit dem Mörikedenkmal von 1880. Die Mörikestraße teilt die Silberburganlage in Nord-Süd-Richtung in zwei Teile, die untere Silberburganlage an der Silberburgstraße und die obere Silberburganlage jenseits der Mörikestraße. In der oberen Silberburganlage lag einst die Silberburg.
Geschichte Die Silberburg war keine Burg, sondern ein Landhaus, das sich Oberstleutnant Freiherr von Irmtraut um 1798 hatte erbauen lassen. Ihm kaufte es 1803 Prinz Friedrich von Thurn und Taxis ab.Nach #Schukraft 1986, Seite 158, war der Käufer Karl Anselm von Thurn und Taxis. Der Küferobermeister und Gastwirt Lorenz Silber, der seit 1804 ein Café im Gebäude des Kleinen Bazars in der Königstraße 45 betrieb, erwarb nach dem Tod des Prinzen im Jahr 1806 das Anwesen und baute es zu einer Sommerwirtschaft um und aus. Nach dem Namen des Besitzers und der burgähnlichen Ansicht des Landhauses erhielt das Haus den Namen Silberburg. Das alte Landhaus ließ Silber 1816 abbrechen und mit einem Saalanbau neu aufführen. In diesem Zustand verblieb der Bau im Wesentlichen bis zum Jahr 1938.