Das Konrad-Adenauer-Ufer ist ein nördlicher Abschnitt der linksrheinischen Kölner Rheinuferstraße. Es ist eine mehrspurig ausgebaute Alleestraße, die mit einem Mittelstreifen, Bürgersteig und einer Uferpromenade mit Radweg ausgestattet wurde. Unter der heutigen Bezeichnung verläuft die Straße zwischen der innerstädtischen Hohenzollernbrücke in der Altstadt-Nord und dem weiter nordöstlich am Ende des Stadtbezirks Neustadt-Nord gelegenen westlichen Teil der Zoobrücke, an der sie in die Straße Niederländer Ufer übergeht. Der Straßenabschnitt ist zugleich Teil der Bundesstraße 51.
mini|Konrad-Adenauer-Ufer der Alt- und Neustadt von Nordosten (Foto: 2012) mini|Schiffsanleger Frohngasse (Foto: 2012) mini|Bebauung von der Landseite (Foto: 2011) mini|Konrad-Adenauer-Ufer nach Norden (Foto: 2012)
Entstehungsgeschichte Römer- und Frankenzeit mini|Bei St. Kunibert gefundener Römischer Elfenbeinschmuck (2./3. Jahrhundert) mit einem Motiv des Marsyas-Mythos
Nordöstlich einer später zur römischen Kolonie werdenden Siedlung hatte der Rheinverlauf eine Bucht entstehen lassen, deren langgestreckter Uferbereich von alters her von Schiffern und Fischern besiedelt war. Am nördlichen Bereich dieses Uferstreifens soll sich ein Dorf gebildet haben, welches nach einer Gottheit den Namen „vicus deae Lucretiae“ trug. Hierzu verwies der Althistoriker Hermann Schmitz ausdrücklich auf eine keltische Herkunft des Namens dieser Schutzgöttin und führte in diesem Zusammenhang zwei gefundene inschriftliche Belege an. Danach enthalten die Texte den Namen einer Muttergottheit (dea Lucretia) und verweisen damit auf lokale Zusammenhänge, da dieser Name im römischen Kult nicht vorkomme. Er erläuterte, dass seit vorchristlicher Zeit als Matronen verehrte Gottheiten zumeist auch den Ortsnamen prägten und in diesem Fall der Ursprung in ubischer Zeit liege. Eine der Inschriften fand sich nördlich der Römermauer, die andere im Winkel der Nord- und Ostmauer der antiken Stadt.Hermann Schmitz: Stadt und Imperium, Köln in römischer Zeit. Band I, Die Anfänge der Stadt Köln und die Ubier, Abschnitt „Ubische Siedlungen“ S. 65 ff. mini|links|Köln aus der Vogelschau nach J. Scheiner 1886
Der sichelförmige Verlauf des Rheines gab auch in römischer Zeit keine Veranlassung, eine nördliche Uferstraße anzulegen, da man vom Kern der Römerstadt ausgehend – abgesehen von unbefestigten Wegen zu einzelnen Wohnstätten – als direkten Weg den Straßenzug „Eigelstein“ – „Neusser Straße“ – „Niehler Straße“ wählte und beibehielt.
In der nachrömischen Zeit soll im 7. Jahrhundert Erzbischof Kunibert von Köln vor der nördlichen Römermauer, möglicherweise auf dem Areal einer frühen fränkischen Kultstätte, ein am Rhein gelegenes kleines Gotteshaus errichtet haben (Vergleichbares geschah um 803 in Minden). abgerufen am 22. Juli 2009. Spuren des möglichen heidnischen Heiligtums, der sogenannte „Kunibertspütz“, befinden sich noch heute unterhalb der Ostapsis in der Krypta der Kirche St. Kunibert.Manfred Becker-Huberti, Günter A. Menne: Kölner Kirchen, die Kirchen der katholischen und evangelischen Gemeinden in Köln. S. 96. Somit sind geborgene archäologische Funde und Überreste eines möglichen Vorgängerbauwerks der Kunibertskirche die ältesten Spuren dieses Uferabschnittes.
Lage und Ortsbezeichnungen der Schreinsbücher mini|links|Beispiel einer Schreinskarte St. Laurenz, Köln, nach 1130 Es fanden sich keine mittelalterlichen Benennungen zur gesamten Uferstraße in den bereits ab dem 12. Jahrhundert einsetzenden Aufzeichnungen der Kölner Schreinsbücher. Die in diesen eingetragenen, am Ufer befindlichen Liegenschaften wurden zumeist nach ihrem Besitzer, einer Auffälligkeit der Natur benannt oder erhielten zusätzlich einen Hinweis zur Örtlichkeit. So finden sich zur Rheinuferstraße lediglich Bezeichnungen, wie um 1135 der Zusatz „in littore“, dann „Litus Reni“, gegenüber „der Reyn mueren“, „versus Renum“ und im Jahr 1596 „uff der stat mauren“ am Rhein. Die so verwendeten Adressformulierungen bei Einträgen in die Schreinsbücher mittelalterlicher Stadtbezirke wandelten sich auch nicht im Verlauf der folgenden Jahrhunderte. Dies findet Bestätigung in den Darstellungen des Kartographen Arnold Mercator, in dessen Kölner Stadtansicht von 1570 nur die zumeist vertikal in die Uferstraße einmündenden Gassen mit Namen versehen wurden, jedoch nicht die Uferstraße selbst.Peter Glasner: Die Lesbarkeit der Stadt. Kulturgeschichte und Lexikon der mittelalterlichen Straßennamen Kölns. S. 52 f. Ebenfalls in der Zeit Mercators wurde der Ausbau der nördlichsten Stadtbefestigung durchgeführt. Es war „ein steinernes Gebäude“, welches vor dem äußeren Turm (Weckschnapp) der Stadtmauer „eine Spitze in den Rhein macht“. Die Karte veranschaulicht auch die nur spärliche Bebauung dieser Zeit und zeigt im äußersten Norden nur eine sich hinter der Befestigung anschließende Häuserzeile, der sich überwiegend Weingärten anschlossen. Erst ab der Kunibertskirche verdichtete sich die Bebauung zu mehreren Häuserzeilen.Hans Vogts, Witte: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln , im Auftrage des Provinzialverbandes der Rheinprovinz und der Stadt Köln. (Hrsg.) Paul Clemen, Band 7, Abt. IV: Die profanen Denkmäler der Stadt Köln, Stadtbefestigungen ff
Verblieben sind nach nahezu 2000 Jahren, in denen Verlaufsänderungen des Flussbettes und Korrekturen des Uferbereichs eintraten, archäologische Funde der Römerzeit und folgender Epochen sowie die überkommene Stiftskirche, Reste der frühen Stadtbefestigung und die noch heute, wenn auch nur rudimentär vorhandene Straße „Am Alten Ufer“.
Mittelalterliches Rheinufer mini|Rheinufer mit St. Kunibert und das anliegende Propsteianwesen um 1571 Der Hausbau des Mittelalters war einfach und schmucklos gestaltet. Die Gebäude errichtete man häufig auf einem durch Stein oder Kiesel verfestigten Sockel oder einem sonstigen massiven Unterbau. Die in Ufernähe errichteten Häuser nutzten zumeist in den Boden gerammte Pfähle als Fundament, um so einen sicheren Baugrund zu schaffen. Das Material der Aufbauten bestand aus grob behauenen Riegeln und Balken, deren Gefache eine Holzverschalung erhalten hatten oder mit Reisig und Lehm verfüllt wurden. Etwa ab dem 15. Jahrhundert verwendete man Ziegel, um damit die Brandgefährdung zu reduzieren. Für die hier in der damaligen Vorstadt Niederich besonders verheerend wütenden Brände werden die Jahre 1376, 1462 und 1502 angeführt.Hermann Keussen, Band I, S. 78, 181 ff.
Tore und Pforten am „Alten Ufer“ Mit der Fertigstellung der rheinseitigen Befestigungen, die im Vergleich zur großen Ringmauer in weniger aufwändigem Maß ebenfalls mit Türmen und Toren ausgestattet worden waren, führten nun eine Anzahl der kleinen Gassen nur noch durch Pforten oder Tore an das hier als Am Alten Ufer bezeichnete Rheinufer. Zu diesen Türmen und Durchlässen gehörte unter anderem das Trankgassentor (1293),Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band II, S. 158, Sp. a die Waldemanns- oder KostgassenpforteHermann Keussen, Band II Abschnitt Bezirk Niederich, S. 70 ff. und der Servatiusturm; dieser war vom Ufer über einen Brückengang mit dem gegenüberliegenden Stadthof des Klosters Eberbach (1214) an der Servasgasse verbunden. Der Rat verlangte 1525 den Abriss des Turms; man einigte sich jedoch auf einen Kompromiss, in dem der Stadt das Zugeständnis eingeräumt wurde, den Turm bei Bedarf mit einem Wächter zu besetzen. Nördlich der Kostgassenpforte und des Servatiusturms lag die um 1292 als „s. Cervaysporte“ genannte (1600 bereits vermauerte) spätere Servas- oder Mü(ö)nchspforte. Ihr folgte im Mauerverlauf ein sogenanntes Wichhaus mit der Bezeichnung „Everstein“, welches 1595 auch durch Hermann von Weinsberg erwähnt wurde und sich als rechteckiger Mauervorsprung der Befestigung darstellte. Die letzte Pforte vor dem Kunibertsturm war die vor dem Ende der Machabäerstraße gelegene Blomengassenpforte (1373 porta Blomingasse), die im 19. Jahrhundert wegen des an dieser Straße errichteten Schlachthofes auch Schlachthauspforte genannt wurde.
Stiftskirche St. Kunibert Die Stiftskirche ist seit alters her ein Teil des nördlichen Kölner Uferpanoramas und erfuhr seit ihrer Einweihung im Jahr 1247, abgesehen vom Brandschaden des Westturmes 1376, bis zum Beginn der Neuzeit nur wenige äußerliche Veränderungen. Bereits 1388 hatte Bischof „Wicbold von Kuhn“ ([sic]) den südlichen der beiden Chortürme aus eigenen Mitteln mit einem neuen hohen Helm versehen lassen, und 1400 war der westliche Glockenturm auf Kosten des Kapitels wieder aufgebaut worden. Schon 1403 galt der hohe Helm des Südturmes wieder als baufällig und wurde dem niedrigeren Nordturm angeglichen. Damit erhielt das Bauwerk ein Aussehen, wie es noch 1531 durch den Holzschnitt Woensams dargestellt wurde. Blitzschlag im Jahr 1666 verursachte einen erneuten Brand, dem die Osttürme und das Dach der Sakristei zum Opfer fielen. Der Wiederaufbau dauerte nur zwei Jahre, allerdings erhielten die Türme aus Geldmangel vorerst keine Helme. Eine Wiederherstellung der Chortürme in der alten Form wurde 1683 beschlossen und durch den damit beauftragten Zimmerermeister Albert Burscheidt ausgeführt. Mangelnde Wartung im 18. Jahrhundert hatten einen schlechten Bauzustand herbeigeführt, der sich im Zusammenspiel mit den Überschwemmungen und Ausspülungen der Fundamente durch die Flut von 1784 weiter verschlechterte.
Mit der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1802 und der Einziehung des kirchlichen Baufonds war dem Kirchenvorstand die Möglichkeit genommen worden, eine geplante Sanierung der Kirche durchzuführen. Man behalf sich mit Provisorien, wie der Errichtung von stützenden Strebepfeilern, der Reduzierung der Helmhöhen (1817) und weiteren Maßnahmen. Nachdem schließlich 1829 eine Besserung der Finanzlage erreicht war und eine umfassende Sanierung beschlossen werden konnte, stürzte im Frühjahr 1830 der Hauptturm ein. Der Einsturz zertrümmerte das westliche Querschiff, ein Joch des Langhauses und die dem Turm vorgelagerte Vorhalle.
Der Wiederaufbau kam nun nur sehr schleppend voran, sodass die Stadt 1835 beschloss, die Kirchengemeinde finanziell zu unterstützen, um damit den Aufbau zu forcieren. In einer Konferenz unter Stadtsekretär Fuchs wurde im Jahr 1843 der Aufbau des Hauptturmes beschlossen, dessen Kosten mit 13.917 Talern veranschlagt wurden und die der Stadtrat im Dezember 1843 billigte. Mit der Leitung des Bauvorhabens wurde vorerst der Stadtbaumeister Johann Peter Weyer betraut. Nach langwierigen technischen Voruntersuchungen wurde schließlich nach Plänen Heinrich Nagelschmidts der Turm 1860 fertiggestellt. Nagelschmidt führte in der Folge bis 1901 Restaurierungen an der Kirche durch und wurde durch den Baumeister Eduard Endler abgelöst.Wilhelm Ewald und Hugo Rahtgens, veröffentlicht in: Paul Clemen, Band 6: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. 1906. Erster Band IV Abt.: Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Köln: St. Alban, St. Andreas, Antoniterkirche, St. Aposteln, St. Cäcilia, St. Columba, St. Cunibert, Elendskirche, St. Georg. Druck und Verlag Schwann, Düsseldorf 1906.
Wehranlage Kunibert mini|links|Kunibertstorburg und Stromkopf (Ark) Neben der alten Stiftskirche St. Kunibert sowie ihrer Propstei gehörte die Stadtmauer mit ihren Halbtürmen und der Kunibertstorburg zu den markantesten Bauwerken des nördlichen Rheinufers.