Die Baureihe 14 der Wuppertaler Schwebebahn,schwebebahn-wtal.de benannt nach dem ursprünglich vorgesehenen Inbetriebnahmejahr 2014, ist der jüngste Fahrzeugtyp der Wuppertaler Schwebebahn. Der Betreiber WSW mobil verwendet dabei seit September 2015 in der Außenkommunikation die alternative Bezeichnung Generation 15, weil der erste Wagen erst im November 2015 angeliefert wurde. Website der Wuppertaler Stadtwerke, abgerufen am 13. September 2015. Die dreiteiligen Gelenktriebwagen (GTW) wurden vom Düsseldorfer Unternehmen Vossloh Kiepe hergestellt und sind seit dem 18. Dezember 2016 im Einsatz. Dabei ersetzten sie ab 2019 ihre Vorgänger der Baureihe 72 komplett. Nach den Baureihen 98, 00, 03, 12, 30, 50 und 72 sind sie die insgesamt achte Fahrzeugserie der Schwebebahn.
Technisch stellt die Baureihe 14 eine Neuentwicklung dar. Ein Fortschritt ist besonders der Einsatz von Drehstrom-Asynchronmotoren mit der Möglichkeit zur Energierückgewinnung beim Bremsvorgang. Die elektronische Ausstattung wurde grundlegend verändert, außerdem wurde das Zugbeeinflussungssystem European Train Control System (ETCS) installiert. Das Außendesign ist an die Baureihe 72 angelehnt, das Innendesign wurde dagegen eigens überarbeitet.Dipl.-Ing. Joachim Ebmeyer, Dipl.-Ing. Christoph Deiss: Schweizer Drehgestell-Knowhow für neue Schwebebahnwagen für die Wuppertaler Stadtwerke. In: Eisenbahntechnische Rundschau 9/2014, S. 177–181.
Nachdem schon die Baureihe 72 alternativ als GTW 72 bezeichnet wurde, verwendete das an der Entwicklung beteiligte Ingenieurbüro Prose analog dazu die Bezeichnung GTW 2014. Eine weitere Alternativbezeichnung ist GTW 14.Wagenpark auf schwebebahn-wtal.de
Geschichte Auftragsvergabe Im Mai 2010 wurde ein Auftrag zur Erstellung eines Designkonzepts an das Berliner Designerbüro büro+staubach vergeben,Zeitstrahl. auf neue-schwebebahn.de, abgerufen am 2. November 2014. welches unter anderem das Außendesign für die Düsseldorfer Straßenbahn-Triebwagen NF10 und NF8U sowie für die Variobahn-Fahrzeuge in München, Graz, Potsdam und Nürnberg entworfen hatte.Büro+Staubach Transport auf buero-staubach.de, abgerufen am 2. November 2014. Das Design und das Lastenheft wurden im September 2010 vorgestellt.Design Exterior und Interior auf neue-schwebebahn.de, 1. September 2010, abgerufen am 2. November 2014. Am 10. November 2011 wurde ein Vertrag mit Vossloh Kiepe über 31 Fahrzeuge unterzeichnet; das Auftragsvolumen betrug 122 Millionen Euro, wovon 20 Millionen Euro der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr übernahm. Damals war die Auslieferung des ersten Fahrzeugs für Mitte 2014 und die vollständige Auslieferung für Dezember 2015 geplant.Vossloh Kiepe baut neue Schwebebahn-Generation auf neue-schwebebahn.de, 10. November 2011, abgerufen am 2. November 2014.
Entwicklung mini|Entwicklung des Innendesigns in der Schwebebahnwerkstatt mit Hilfe einer Holzstudie
Fahrzeuge des Nahverkehrs werden normalerweise nach bestehenden Normen und Regelwerken konstruiert. Diese Normen lassen sich jedoch nicht auf Schwebebahnen anwenden. Die Technik der Baureihe 14 basiert auf der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab), die aber in vielen Punkten angepasst werden musste. Hierzu wurden Mitarbeiter der WSW in den Entwicklungsprozess eingebunden und zahlreiche Messungen an den Bestandsfahrzeugen der Baureihe 72 vorgenommen. Das Fahrverhalten bei leerem und vollbesetztem Fahrzeug wurde untersucht und Neigungswinkel sowie die Kräfte an sensiblen Stellen wie den Gelenken gemessen. Auch Messungen der Schallemissionen wurden durchgeführt, um Referenzwerte für die Neuentwicklung zu erhalten.
Der Verlauf der gesamten Trasse der Wuppertaler Schwebebahn wurde am Computer modelliert und das Fahrverhalten der Baureihe 14 berechnet. Mit Simulationssoftware wurden Szenarien wie das Abschleppen oder Zug-Kollisionen untersucht.
Im Frühjahr 2012 wurde in der Werkstatt der Schwebebahn in Vohwinkel eine Holzstudie erstellt, mit deren Hilfe die Gestaltung des Innenraums veranschaulicht wurde. Die Abmessungen der Holzstudie entsprachen dabei denen des fertigen Fahrzeugs. Auf diese Art konnten Design und Sitzanordnung vor der Fertigung der tatsächlichen Fahrzeuge getestet werden.Stefan Melneczuk: Schwebebahn 2015: Die erste ist aus Holz. Website der Westdeutschen Zeitung, 20. April 2012, abgerufen am 15. November 2014. Im Februar 2013 wurde das Farbkonzept bekanntgegeben.Jetzt kommt Farbe ins Spiel auf neue-schwebebahn.de, 22. Februar 2013, abgerufen am 2. November 2014.
Fertigungsprozess Die Züge wurden unter der Führung von Vossloh Kiepe entwickelt und hergestellt, wobei für die Entwicklung der Drehgestelle das Ingenieurbüro Prose aus Winterthur und für die Entwicklung der Wagenkästen die Münchner Niederlassung von Prose und design & technik aus Altenrhein am Bodensee beauftragt wurden.Noch einige Stationen bis Wuppertal auf neue-schwebebahn.de, abgerufen am 2. November 2014. Die Wagenkästen wurden in Österreich bei Hammerer Aluminium Industries hergestellt, die Front- und Heckkabine im Leichtbau-Zentrum Sachsen.Erster Wagenkasten der neuen Generation auf neue-schwebebahn.de, 21. November 2013, abgerufen am 2. November 2014. Die Getriebe wurden von ZF Friedrichshafen entwickelt und geliefert. Die Gelenke an den Wagenübergängen wurden von ATG Autotechnik aus Siek in Schleswig-Holstein geliefert, die Faltenbälge von PEI aus Bologna.Faltblatt von ATG Autotechnik zum Wagenübergang Die Geräte der Zugbeeinflussung wurden von Alstom Transport Deutschland entwickelt und in Belgien hergestellt.Erste neue Schwebebahn für Wuppertal auf busundbahn.de, 25. November 2015, abgerufen am 28. November 2015. Die Endmontage der Komponenten in den Wagenkasten erfolgt im Werk von Vossloh Rail Vehicles in Valencia, dort werden auch Tests am stehenden Fahrzeug durchgeführt. Anschließend werden die Schwebebahnen wieder in die einzelnen Baugruppen zerlegt, nach Wuppertal transportiert und in der Hauptwerkstätte in Vohwinkel erneut zusammengesetzt und aufgegleist.
Im Dezember 2013 wurde der erste Wagenkasten eines Endwagens fertiggestellt, Anfang 2015 wurde in Valencia der erste Wagenkasten mit Fenstern ausgestattet und lackiert.Fertigung in Valencia auf neue-schwebebahn.de, abgerufen am 19. Februar 2015.
Inbetriebnahme mini|Die Fahrzeuge wurden mit Sattelaufliegern von Valencia nach Wuppertal transportiert mini|Schaulustige bei der Präsentation des ersten angelieferten Wagens
Im September 2014 wurde der Zeitpunkt der Auslieferung des ersten Fahrzeugs auf Oktober 2015 geschätzt.Lothar Leuschen: Neue Schwebebahn kommt später. Website des Solinger Tageblatts, 1. September 2014, abgerufen am 22. Januar 2018. Am 23. Oktober 2015 wurde der Termin für die Auslieferung auf den 14. November 2015 angesetzt.Erste neue Schwebebahn wird angeliefert. auf neue-schwebebahn.de, 23. Oktober 2015, abgerufen am 14. November 2015. Aus diesem Anlass wurde die zum Betriebshof führende Vohwinkeler Straße für den Verkehr gesperrt. Rund 5000 Menschen kamen zur Enthüllung des ersten Wagenteils auf einem Sattelauflieger,Erster Teil der neuen Schwebebahnen angekommen. Website der Rheinischen Post, 14. November 2015, abgerufen am 15. November 2015. Bürgermeister Andreas Mucke war ebenfalls anwesend und hielt eine Rede.Wuppertal begrüßt die neue Schwebebahn. Website der Westdeutschen Zeitung, 14. November 2015, abgerufen am 15. November 2015.Erster Wagen in Vohwinkel – Die neue Schwebebahn ist da. Website der Rheinischen Post, 14. November 2015, abgerufen am 15. November 2015. In der Nacht auf den 9. Februar 2016 fand die erste Testfahrt aus eigener Kraft, zunächst noch ohne Fahrgäste, statt. Der Streckenabschnitt zwischen den Haltestellen Vohwinkel Schwebebahn und Hammerstein wurde mehrmals befahren, Schnellbremsungen durchgeführt und der Neigungswinkel getestet. Verwendet wurde Wagen 01, der zu diesem Zweck vorübergehend mit Messeinrichtungen ausgestattet war. Nach Angaben der Wuppertaler Stadtwerke waren diese ersten Tests reibungslos verlaufen. Die WSW mobil kündigte Ort und Streckenabschnitt der nächtlichen Testfahrt öffentlich an, sodass sich rund 100 Schaulustige einfanden. In den ersten drei Testtagen wurden 200 Kilometer zurückgelegt. Während die Testfahrten zunächst noch nachts stattfanden, waren ab Ende April 2016 Tests auch tagsüber und somit parallel zum laufenden Betrieb mit der Baureihe 72 geplant. Nach einer Testphase des Fahrzeugs und des Zugbeeinflussungssystems folgte die Zulassung durch die Technische Aufsichtsbehörde in Düsseldorf und die Aufnahme des Regelbetriebs am 18. Dezember 2016. Zu diesem Zeitpunkt waren sieben der 31 bestellten Schwebebahnzüge ausgeliefert.
Die Schulung des Betriebspersonals begann bereits vor der ersten Testfahrt mit dem realen Fahrzeug. Hierzu wurde eine Simulationssoftware entwickelt, in der die Anordnung der Bedienelemente der Baureihe 14 sowie die Strecke der Schwebebahn nachgebildet war.
Zunächst ging die Inbetriebnahme der Fahrzeuge ohne größere technische Probleme vonstatten. Mitte Mai 2017 waren bereits elf in Betrieb und zwei weitere befanden sich bereits in Wuppertal. Am 19. Mai 2017 kam es jedoch zwischen den Stationen Pestalozzistraße und Westende zu einer Berührung eines Bauteils des Fahrwerks mit dem Gerüst der Schwebebahn. Das Fahrzeug der Baureihe 14 war zu diesem Zeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h bis 60 km/h unterwegs. Der Sachschaden an Fahrweg und Fahrzeug war gering, die Ursache der Gerüstberührung konnte allerdings nicht ermittelt werden. Daher wurde die weitere Auslieferung gestoppt und die zulässige Geschwindigkeit auf 40 km/h herabgesetzt. Durch die geringere Geschwindigkeit mussten für einen Umlauf sieben Minuten mehr aufgewendet werden, was aufgrund der begrenzten Zahl der Fahrzeuge zu einer Reduzierung des Takts führte. Nach über einem Jahr der Fehlersuche gaben die WSW im August 2018 bekannt, eine Konstruktionsänderung durchführen zu lassen, um erneute Gerüstberührungen ausschließen zu können. Die Geschwindigkeit wurde bis zur Umsetzung der Konstruktionsänderung ein weiteres Mal um 10 km/h auf 30 km/h herabgesetzt, dafür konnte die Auslieferung der Fahrzeuge fortgeführt werden.
Am 18. November 2018 löste sich die Stromschiene der Schwebebahn auf einer Länge von mehreren 100 Metern vom Gerüst und stürzte in die Wupper. Daraufhin wurde der Fahrgastbetrieb der Schwebebahn für mehrere Monate eingestellt. Nach Angaben der WSW wurde der Vorfall nicht durch die Stromabnehmer der Fahrzeuge verursacht, da diese über eine Sollbruchstelle verfügen. Die Auslieferung der Baureihe 14 wurde daher unverändert fortgesetzt, weiterhin wurden Abnahmefahrten und Testfahrten der Zugbeeinflussung durchgeführt. Im Januar 2019 war vorgesehen, zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Fahrgastbetriebs sämtliche Fahrzeuge in Betrieb gesetzt zu haben.