Das Städtische Museum Kitzingen wurde 1895 auf Veranlassung des Kitzinger Stadtmagistrats gegründet und gehörte zu den ältesten Stadtmuseen Frankens. Als Heimatmuseum dokumentierte es sowohl die nahezu 1300 Jahre zurückreichende Stadtgeschichte Kitzingens, als auch die bis in die frühe Altsteinzeit zurückreichende Siedlungsgeschichte des Kitzinger Landes.

Das Museum wurde im Jahr 2018 geschlossen; im Juni 2020 beschloss der Kitzinger Stadtrat die endgültige Schließung und „Abwicklung“ des Museums.

Geschichte Anfänge Am 6. April 1895 legte der Kitzinger Bürgermeister Ferdinand Sertorius dem Kollegium der Kitzinger Gemeindebevollmächtigten einen Vorschlag zur Einrichtung eines musealen Sammlungsraumes im Speichergebäude Nr. 4 des Kitzinger Stadtbauhofes vor.Bürgermeister Ferdinand Sertorius: Schreiben an Gemeindebevollmächtigte. In: Stadtarchiv Kitzingen. Nr. IV/C/7/15, 6. April 1895. Am 19. April 1895 genehmigte das Kollegium den benötigten Kredit für das Vorhaben. Treibende Kraft war der Kollegiumsvorstand und Landrat Baron Friedrich von Deuster.Beschluss des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten am 19. April 1895 . In: Stadtarchiv Kitzingen. Nr. IV/C/7/15, 19. April 1895. Der Raum sollte gemäß Beschluss zu einem Städtischen Museumsraum „in einfacher, sauberer Weise“ umgestaltet werden. Der Stadtbauhof befand sich im südlichen Trakt der von Baumeister Balthasar Neumann Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Kitzinger Invalidenkaserne, dem späteren königlichen Rentamtshof. Am 11. August 1898 ermöglichte ein weiterer Beschluss der Gemeindebevollmächtigten die zusätzliche Einrichtung eines Museumsraumes im zweiten Obergeschoss des historischen Kitzinger Rathauses, sowie eine erste Inventarisierung des Bestandes.Beschluss des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten am 13. Mai 1896. In: Stadtarchiv Kitzingen. Nr. IV/C/7/15, 13. Mai 1896. Die ersten Museumsführer, die 1901 und erneut 1909 erschienen und von der Stadt Kitzingen herausgegeben wurden, beziehen sich daher auch auf die „beiden Städtischen Museen“.Kurzer Führer durch die beiden Städtischen Museen und die Paul Eber-Bibliothek zu Kitzingen am Main Verlag Meschett und Hissiger, Kitzingen am Main, Kitzingen 1901.Kurzer Führer durch die beiden Städtischen Museen und die Paul Eber-Bibliothek zu Kitzingen am Main Verlag Valentin Hissiger, Kitzingen am Main, Kitzingen 1909. Am 17. Juli 1897 berichtete die Kitzinger Zeitung vom Erfolg der beiden vorausgegangenen drei Zeitungsaufrufe aus dem Jahr 1896, in dem bei der Bevölkerung darum geworben wurde, dem Museum entsprechende Exponate, wie Fahnen, Innungszeichen, „Zinnern Kannen“, aber auch alte Maße und Gewichte, Glocken und Zunftladen, entweder als Schenkung oder Leihgabe zu überlassen. Demnach waren 400 Ausstellungsstücke zusammengekommen.

Der Erste, der das Museum großzügig ausstattete, war der Kollegiumsvorstand Friederich von Deuster. Er übergab als Erster – und im darauffolgenden wiederholt – diverse Konvolute an bemerkenswerten und wertvollen Gegenständen an das Stadtmuseum. Das lässt sich dem ersten Eingangsbuch des Museums entnehmen. Wann genau dieses angelegt wurde, geht zunächst aus den Eintragungen nicht hervor, da die Einträge bis zur Inventarnummer 243 nicht mit einem Abgabedatum versehen wurden. Allerdings wird unter Nr. 243 der Ankauf der heute noch einen Höhepunkt der Sammlung darstellenden Stadtansichten Joseph Peter Walters im Jahr 1898 aufgeführt. Damit ist anzunehmen, dass dieses erste Eingangsbuch auf die Grundlage eines Beschlusses der Gemeindebevollmächtigten vom 11. August 1898 zurückgeht, der in diesem Zusammenhang die Summe von 50 Reichsmark für die Erstellung eines ersten Inventarverzeichnisses bewilligt hatte.Beschluss des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten am 11. August 1898. In: Stadtarchiv Kitzingen. Nr. IV/C/7/15, 11. August 1898. Der folgende Eintrag enthält ebenfalls ein prominentes Objekt des Stadtmuseums, so wird unter Nr. 244 die Handwerkskundschaft des Georg Neubert, ausgestellt von Valentin Schmidt, aus dem 18. Jahrhundert aufgeführt, die von einem Münchner Geheimrat „Löw“ für 20 Reichsmark dem Stadtmuseum übereignet worden war. Hier gleicht die Schrift und die Farbe der Tinte – sie ist hellbraun – noch den vorherigen Einträgen, so dass anzunehmen ist, dass dieser noch in das Inventar aus der Zeit um 1898 gehört. Die letzten beiden Inventarnummern 245 und 246Das Buch endet mit der Inventar-Nummer 246, einem Siegelring der Kitzinger Glaser, abgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege. aber sind mit schwärzlicher Tinte und offenbar von anderer Hand eingetragen. Sie datieren vom 2. Oktober 1930 und gehören zu den Siegeln der Kitzinger Glaser und Kitzinger Büchsenschäfter, die vom Landesamt für Denkmalpflege – wahrscheinlich sogar vom Leiter der Dienststelle, Joseph Maria Ritz – in das Buch nachgetragen wurden. An dieser Stelle endet das erste Eingangsbuch, ein neues Eingangsbuch wurde erst wieder im Jahr 2002 angelegt.

Erste Museumserweiterung Auf Drängen des Kitzinger Fremdenverkehrsvereins,Stadtarchiv Kitzingen: Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs, Schreiben an den Stadtrat am 5. Oktober 1927. In: Stadtarchiv Kitzingen. Nr. IV/C/7/8, 5. Oktober 1927. der seit 1927 eine Verbesserung der musealen Situation anmahnte, wurde 1935 die Zahl der Ausstellungsräume des Stadtmuseums im Kitzinger Stadtbauhof erhöht und durch den damaligen Hauptkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Joseph Maria Ritz, eine zeitgemäße Einrichtung des Kitzinger Stadtmuseums vorgenommen. Der Ausstellungsraum im Kitzinger historischen Rathaus wurde aufgegeben.Joseph Maria Ritz: Das neugeordnete Heimatmuseum der Stadt Kitzingen. In: Kitzinger Zeitung. Nr. 179 / 3. Blatt

Umzug des Stadtmuseums mini|Städtisches Museum im „Kastenhof“, 2013 1965 zog das Stadtmuseum unter der Leitung des pensionierten Gymnasiallehrers Ernst Kemmeter in das der Invalidenkaserne gegenüberliegende ehemalige Ökonomie-, spätere Museums- und Archivgebäude, den sogenannten „fürstlich brandenburgischen Kastenhof“ in der Landwehrstrasse 21/23 ein. Zu dieser Zeit befanden sich die Ausstellungsräume im ersten Obergeschoss, der Museumsbestand aber verteilte sich über das Gebäude bis in die Räume des Stadtarchivs, das im Untergeschoss in das Gebäude eingezogen war. So, wie es keine Trennung zwischen Ausstellung und Depot gab, war auch die Trennung des Museums vom Stadtarchiv unter der Leitung von Helga Walter nicht vollzogen. Das zeigte sich beispielhaft im Bereich der im Erdgeschoss eingerichteten prähistorischen Abteilung, die auch als Benutzerraum des Stadtarchivs diente. Das änderte sich mit dem Beginn von Umbau und Neukonzeption im Jahr 2004, als die kommissarische Leiterin des Stadtarchivs und des Museums, Doris Badel, die Museumsleitung auf ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin, Stephanie Nomayo (späterer Name Stephanie Falkenstein), übertrug. Von da an wurden auch von Seiten der Stadtverwaltung erstmals zwei eigene Sachgebiete eingerichtet und die Institutionen getrennt. Im April 2007 wurde das Städtische Museum Kitzingen nach umfangreichen baulichen Sanierungsarbeiten sowie einer vollständigen Neukonzeption der Ausstellungsräume wieder eröffnet.Stephanie Nomayo: Das Städtische Museum Kitzingen, Geschichte und Kultur der Weinstadt am Main. In: Museum heute. Fakten – Tendenzen – Hilfen; hrsg. v. Stäbler, Wolfgang, München 2009, S. 5.

Museumsschließung Im Herbst 2018 wurde das Städtische Museum Kitzingen geschlossen. „Bis auf Weiteres“ hieß es zunächst, mit einem neuen Konzept sollte es wiedereröffnet werden. Stattdessen entschied der Kitzinger Stadtrat im Juni 2020 in einer nichtöffentlichen Sitzung mit 21:9 Stimmen die endgültige Schließung und „Abwicklung“ des Museums. Diese Entscheidung wurde regional und überregional massiv kritisiert.

Nach der Schließung Im Juni 2020 fasste der Kitzinger Stadtrat einen „Klarstellungsbeschluss“, in dem die dauerhafte Schließung des Museums nochmals betont wurde. Als Gründe für diesen Schritt wurden in der Presse, neben den geringen Besucherzahlen, auch der Rechtsstreit mit der damaligen Leiterin angeführt. Das Arbeitsgericht Würzburg wies im März 2021 die Klage der ehemaligen Museumsleiterin Stephanie Falkenstein gegen ihre betriebsbedingte Kündigung zurück, wobei die Rechtsvertreterin der Stadt damit argumentierte, dass „kein Museum mehr da ist“.

Ab dem Jahr 2022 wurde eine Neukonzeption des Museums diskutiert, wobei der Stadtrat eine Expertenrunde um den damaligen Bezirksheimatpfleger Klaus Reder zur Erarbeitung eines Konzepts einsetzte. In der Lokalpresse wurden in den folgenden Jahren immer wieder Veräußerungen verschiedener Objekte aus dem Museumsbeständen thematisiert, darunter eine Modellautosammlung. Einzelne Stücke wurden an andere Häuser gegeben, so gelangten Skulpturen der japanischen Künstlerin Atsuko Kato an das Deutsche Japanmuseum im mecklenburg-vorpommerischen Schloss Mitsuko. Im November 2023 fand in den Räumlichkeiten des Museums erstmals ein Flohmarkt statt, bei dem Schulwandbilder und Bücher aus dem Sammlungsbestand veräußert wurden.

Ab dem Jahr 2024 nahm das von der Stadt Kitzingen eingesetzte „Gremium aus Bezirks-, Kreis- und Stadtheimatpfleger, der Kitzinger Stadtarchivarin, einer Kunsthistorikerin, dem Hauptamtsleiter und einer Kulturschaffenden aus dem Rathaus“ die Inventarisierungs- und Deakzessionsarbeit auf und qualifizierte die Museumsbestände nach ihrem kulturellen Wert für die Stadtgeschichte. Im Juni 2025 stellte das Gremium ein Konzept vor. Danach sollen die Bibliotheksbestände des Museums in das Stadtarchiv eingepflegt und digitale Präsentationsplattformen gesucht werden. Darüber hinaus sind einzelne Objekte aus den Sammlungen in Zukunft an wechselnden Orten im Stadtraum zu sehen. Die Einrichtung einer Vitrine im historischen Rathaus der Stadt bildete im Oktober 2025 hierfür den Auftakt. Mit der Erarbeitung eines Sammlungskonzepts soll sich der Expertenrat schließlich auflösen.

Leitbild

Das Kitzinger Städtische Museum war, das belegen die Gründungsumstände, von Beginn an als Lernort für die Stadt und die umliegende Region vorgesehen. Zielsetzung war, das lässt sich aus den Sammelaufrufen des Jahres 1896 erschließen, die Bewahrung und Erhaltung Kitzinger Traditionen, aber auch die Vermittlung des Wissens über die Wirtschafts- und Verwaltungsgeschichte der Stadt Kitzingen, des Alltagslebens sowie der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche und deren Auswirkungen, verursacht durch Ereignisse der Landesgeschichte. Im Jahr 1895 als „Städtisches Museum“ gegründet, zeigt auch die Wahl des Namens, dass es in erster Linie als ein regional orientiertes Museum vorgesehen war.

Als Sammelgebiet kam von Beginn an ausschließlich das regionale Umfeld von Kitzingen in Betracht. Dieser räumliche Bezug wurde bei Annahme und Ankauf von Exponaten konsequent durchgehalten und wirkte sich auf die Zusammensetzung des Bestandes aus und bedingte dessen besondere sozial-, wirtschafts- und regionalgeschichtliche Aussagekraft.

Museumsaufbau (2007–2018) Auf 650 Quadratmetern zeigte die Dauerausstellung ca. 2500 Exponate auf zwei Etagen. Im Untergeschoss wurden die politische sowie die Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte Kitzingens thematisiert, eine weitere Abteilung zur Siedlungsgeschichte und Archäologie des Landkreises Kitzingen schloss sich an.

Im Obergeschoss waren, ausgehend von der Dokumentation zu Person und Wirken des Chemikers und Apothekers Johann Rudolph Glauber, die Alchemie und ihre Grundlagen das Schwerpunktthema. Die historische Rüdenhäuser Schlossapotheke bildete allein mit etwa 700 Exponaten, darunter chemische Substanzen und pharmazeutische Edukte aus dem 19. Jahrhundert, hierfür den räumlichen Hintergrund.

Ein Teilbereich des ebenfalls im Hause untergebrachten Museumsmagazins war als Schaudepot für die Öffentlichkeit zugänglich. Es beherbergte eine Gemäldesammlung mit Stadt- und Ortsansichten Kitzingens sowie Porträts von Persönlichkeiten der Kitzinger Stadtgeschichte.