mini|Marienkirche in Kocherstetten mini|Chor und Kanzel mini|Epitaph für Eberhard von Stetten († 1583) und seine Frau Margaretha geb. von Layen († 1589) Die evangelische Marienkirche in Kocherstetten, einem Stadtteil von Künzelsau im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg, wurde um 1300 errichtet. Die Kirchengemeinden Kocherstetten und Morsbach gehörten bis 2024 zum Kirchenbezirk Künzelsau und gehören seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Künzelsau und Hohenloher Ebene im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte Der Ort gehörte kirchlich bis 1366 zum benachbarten Steinkirchen. Die Herren von Stetten errichteten dann eine eigene Pfarrei, wobei die Trennung von der Mutterkirche aber erst 1394 durch das Domkapitel in Würzburg bestätigt wurde. Das Kloster Comburg behielt das Patronatsrecht auch nach der Einführung der Reformation 1556 durch Eberhard von Stetten (die nicht zu verhindern war).
Beschreibung Vom Vorgängerbau haben sich die unteren Geschosse des Chorturms erhalten. Die heutige Pfarrkirche wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Im Jahr 1505 wurde eine Sakristei angebaut, das Langhaus 1510 erneuert und 1620 neu ausgestattet. Im Jahr 1742 wurden im Westen und Norden auf balusterartig gedrehten Holzsäulen mit ausgesägten Knaggen die Emporen eingebaut, wie die Initialen IMS 1742 an einer der fünf Säulen belegen. Spätestens seitdem führt außen auf der Nordseite ein gemauerter Treppenzugang zur Empore. Zeitlich wohl schon früher ist an der Südseite im Osten des Langhauses ein erkerartig vorgebauter Herrschaftsstuhl in Fachwerkbauweise mit steinernem Aufgang von Osten her vorgebaut. Zum spitzbogigen Westportal führt von Süden eine hohe Treppenanlage herauf. Im Norden schließt sich der Friedhof an. Das Kirchengebäude enthält Grabmale der Familie von Stetten und hochgotische Wandmalereien im Chor.
Neben der Marienkirche in Kocherstetten werden auch in der Schlosskapelle auf Schloss Stetten regelmäßig Gottesdienste gefeiert. Diese Schlosskapelle wurde 1436 geweiht und 1677 erneuert. Sie enthält ein Kruzifix von Hans Jakob Sommer.
Ausstattung Kanzel Die Kanzel wurde um 1620 aus Sandstein gefertigt. Die Künzelsauer Kanzel von 1617/18 diente offensichtlich als Vorbild, wenn auch die dort von Leonhard Kern geschaffenen Alabasterfiguren hier in Holz gearbeitet wurden: Die vier Evangelisten stehen am runden Kanzelkorb auf Konsolen in den vier Muschelnischen. Der hölzerne sechseckige Schalldeckel ist mit reicher Beschlagwerkschnitzerei geziert.
Taufstein Der Taufstein von 1620 besteht aus einer gedrehten Kelchform mit einem mächtigen Fuß und gerippter Schale.
Epitaphien Zahlreiche Epitaphien wurden in der Kirche oder an der Außenfassade für Mitglieder oder Verwandte der Familie von Stetten errichtet. Zumeist sind sie mit dem Wappen der Familie von Stetten, bestehend aus zwei oder drei Streitäxten, geschmückt. Eines davon ist das Epitaph für Eberhard von Stetten und Margaretha von Layen, 1585 begonnen von Erhard Barg, um 1588 von Sem Schlör vollendet.
Orgel Die Orgel wurde ursprünglich 1839/41 für die Gemeinde in Schönau von der Familie Overmann geschaffen. 1896 kam sie über die Firma Walcker nach Kocherstetten.
Wandmalereien Bemerkenswert sind die 1957 aufgedeckten, restaurierten und doch stark beschädigten Wandmalereien im Chor aus dem 14. Jahrhundert.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder . Sie zeigen in der Mitte Christus in der Mandorla mit erhobenen Armen und Kreuznimbus. Um Christus schweben Engel mit den Leidenswerkzeugen. In der Mitte der Längsseiten die fürbittenden Maria mit Kind und gegenüber Johannes der Täufer mit je sechs Aposteln. Den unteren Abschluss bildet ein gemaltes Wellenband. Auf der Chorostwand die Gefangennahme Christi. Hinter ihm steht Petrus (gleichfalls stark beschädigt). Darunter folgt eine spätere Darstellung der Marter der zehntausend Christen (?). Die Bilder sind zum Teil stark ergänzt. Um 1620 erhielten Türen, Fenster und Chorbogen eine Roll- und Beschlagwerkumrahmung.
Literatur Georg Himmelheber (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des ehemaligen Oberamts Künzelsau. (Hrsg.) Staatliches Amt für Denkmalpflege; Stuttgart 1962 – Reprint als Sonderausgabe für den Hohenlohekreis; Frankfurt am Main 1983, S. 197–202. Faltblätter der Evangelischen Kirchengemeinde Kocherstetten
Weblinks
Die Marienkirche auf der Website der Kirchengemeinden Kocherstetten und Morsbach
Einzelnachweise
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