mini|Papst Leo XIV. (2025)rechts|rahmenlos Leo XIV. (bürgerlich Robert Francis Prevost OSA; Aussprache []; * 14. September 1955 in Chicago, Illinois, Vereinigte Staaten) ist seit dem 8. Mai 2025 der 267. Bischof von Rom und als Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sowie Staatsoberhaupt des Staates der Vatikanstadt.
Vor seiner Wahl zum Papst im Konklave 2025 leitete der Ordensgeistliche von 2001 bis 2013 als Generalprior den Augustinerorden, war von 2015 bis 2023 Bischof des Bistums Chiclayo im Nordwesten Perus und zuletzt Kurienkardinal. Im Januar 2023 wurde er von Papst Franziskus zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe, im September 2023 zum Kardinal erhoben.
Neben der Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten besitzt er seit 2015 auch die peruanische Staatsbürgerschaft, außerdem seit 2023 von Amts wegen die des Vatikans.
Leben und Werdegang Familie mini|Das Elternhaus von Robert Francis Prevost in Dolton, Illinois (2025) Prevost entstammt einer „urkatholischen“Thomas Jansen, Matthias Rüb, Tim Niendorf: Ein nahezu undenkbarer Papst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Mai 2025, S. 3. Familie mit französischen, italienischen und kreolischen Wurzeln. Sein Großvater väterlicherseits, Salvatore Giovanni Riggitano, stammte aus Italien und änderte nach seiner Auswanderung in die USA im Jahr 1905 seinen Namen in John R. Prevost – er übernahm dabei den Geburtsnamen seiner Schwiegermutter, der Französin Jeanne Eugénie Prévost (1864–1939). Der Name Prévost ist ein ursprünglich französischer Familienname.
Robert Francis Prevosts Vater, Louis Marius Prevost (1920–1997), war französischer und italienischer Abstammung und diente im Zweiten Weltkrieg in der U.S. Navy. Er nahm im Juni 1944 an der Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie teil. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Pädagoge im Brookwood School District 167 und an der Mount Carmel Elementary School in Chicago. Zuletzt war er Superintendent für Schulen in Chicago.
Prevosts Mutter Mildred Martínez (1911–1990) hatte Louisiana-kreolische sowie hispaniolische Vorfahren und war Bibliothekarin. Nach dem Studium des Bibliothekswesens absolvierte sie einen Master in Pädagogik. Zwei ihrer Schwestern waren Ordensfrauen.Stefan von Kempis: Leo XIV. Wer er ist – wie er denkt – was ihn und uns erwartet. Pathmos Verlag, Ostfildern 2025, ISBN 978-3-8436-1625-6, S. 43. Eine mögliche spanische und maltesische Herkunft ist unwahrscheinlich. Prevost hat zwei ältere Brüder, Louis Martín und John Joseph, einen ehemaligen Rektor einer katholischen Schule. Seine Eltern waren in der Pfarrei St. Mary of the Assumption in Chicago aktiv, wo er wie seine Brüder als Messdiener (Ministrant) tätig war.
Ausbildung und Positionen im Augustinerorden (1955–2013) Prevost besuchte bis zu seinem Highschool-Abschluss im Jahre 1973 ein katholisches High-School-Seminar, The Saint Augustine Seminary, in Michigan und studierte an der Villanova University in Villanova bei Philadelphia zunächst Mathematik und Philosophie.José Antonio Jacinto Fiestas: Biografía de Monseñor Robert Francis Prevost Martínez O.S.A. In: Somos Iglesia (Chiclayo), Jg. 2015, Juni-Heft, S. 11.
Nach den Examina in beiden Fächern im Jahre 1977 trat er in die Ordensgemeinschaft der Augustiner ein und durchlief das Noviziat. Vorher hatte er auch einen Eintritt bei den Salesianern Don Boscos erwogen. Dann studierte er bis 1982 Theologie an der Catholic Theological Union in Chicago (Master of Divinity), anschließend an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom („Angelicum“) Kirchenrecht. Am 29. August 1981 legte er das ewige Ordensgelübde (Profess) ab und am 19. Juni 1982 empfing er in Rom im Augustinerkolleg von Santa Monica das Sakrament der Priesterweihe durch den belgischen Erzbischof Jean Jadot, damals Vizepräsident des Päpstlichen Rates für die Nichtchristen (heute Dikasterium für den Interreligiösen Dialog). 1987 wurde er mit einer kirchenrechtlichen Dissertation von der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom zum Dr. iur. can. promoviert. Das Thema der Dissertation lautete „Die Rolle des örtlichen Priors im Orden des heiligen Augustinus“.
Von 1985 bis 1987 arbeitete „Padre Roberto“ als Missionar in der traditionell von Augustinern betreuten damaligen Territorialprälatur Chulucanas und heutigem Bistum Chulucanas in Peru. 1987 wurde er zum Leiter der Berufungspastoral und Missionsdirektor der Augustinerprovinz „Mutter des Guten Rates“ in Olympia Fields in Illinois gewählt. Von 1988 bis 1998 wirkte er als Leiter des gemeinsamen Ausbildungsprojekts für Augustiner-Aspiranten aus den Vikariaten Chulucanas, Iquitos und Apurímac im Erzbistum Trujillo, ebenfalls in Peru. Dort war er Prior seines Ordens (1988–1992), Ausbildungsleiter (1988–1998), Lehrer der Professen (1992–1998) und Provinzialoberer der Augustiner in Peru (1998–2001).
mini|Die Kathedralbasilika St. Maria ist der Bischofssitz des Erzbistums Trujillo in Peru, in dem Prevost nahezu 10 Jahre wirkte. Die kunsthistorisch bedeutende Kirche wurde zwischen 1647 und 1666 erbaut. Im Erzbistum Trujillo war er Kirchengerichtsvikar (1989–1998) und Professor für Kirchenrecht, Patristik und Moral am Priesterseminar „San Carlos y San Marcelo“.Julián Ros Córcoles: Reseña de novedades canónicas del año 2023. In: Carmen Peña, Teresa Pueyo Morer (Hrsg.): Justicia, seguridad jurídica y pastoral. Cuestiones relativas a la creación y aplicación de la ley canónica. Madrid 2024, S. 283–313, hier: S. 299.
1998 wurde Prevost zum Provinzialprior der Ordensprovinz in Chicago gewählt, das Amt trat er im März 1999 an. Im Jahr 2000 erlaubte er einem seit 1991 wegen Missbrauchsvorwürfen suspendierten Augustinerpater, unter Aufsicht in einem Kloster in Chicago zu wohnen. Dieser wurde 2002 nach Einführung strengerer Regeln zum Umgang mit des Missbrauchs Beschuldigten (Dallas Charter) umgesiedelt. mini|hochkant|Pater Robert Prevost als Generalprior der Augustiner (2012) Von 2001 bis 2013 war Prevost Generaloberer des Augustinerordens mit Sitz in Rom. Prevost beherrscht die Sprachen Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch und liest Deutsch und Latein, die Lingua franca der römisch-katholischen Kirche. Auch eine „normale Unterhaltung“ auf Deutsch sei mit ihm möglich, wie sich zwischen 2001 und 2013 gezeigt hat, als er in seiner Amtszeit als Ordensoberer mehrmals die österreichischen und deutschen Augustiner besuchte. Nach Berichten italienischer Medien von Ende 2025 arbeitete er zu dieser Zeit an der weiteren Verbesserung seiner Deutschkenntnisse. Während seines Aufenthalts in Peru erwarb Leo Grundkenntnisse in einer der Quechua-Sprachen.
Prevost vertrat bei einer Ansprache im Jahr 2012 die Auffassung, dass die westlichen Massenmedien „außerordentlich effektiv“ darin seien, Sympathien für Lebensstile und Überzeugungen hervorzurufen, die der Botschaft der Bibel widersprächen. Als Beispiele nannte er den „homosexuellen Lebensstil“, Abtreibung und Sterbehilfe. Insbesondere lehnte er positive oder sympathisierende Darstellungen von Regenbogenfamilien in Film und Fernsehen ab.
Zeit in Chiclayo (2014–2023) mini|Die Kathedrale Santa María in Chiclayo, Peru, Prevosts Bischofskirche als Oberhirte der Diözese Chiclayo von 2015 bis 2023 (2018) mini|hochkant|Bischofswappen von Robert Francis Prevost Am 3. November 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Titularbischof von Sufar und bestellte ihn zum Apostolischen Administrator von Chiclayo in Peru. Die Amtseinführung als Administrator folgte vier Tage später. Der Apostolische Nuntius in Peru, Erzbischof James Patrick Green, spendete ihm am 12. Dezember desselben Jahres die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren der Altbischof von Chiclayo, Jesús Moliné Labarta, und der Erzbischof von Ayacucho oder Huamanga, Salvador Piñeiro García-Calderón. Am 26. September 2015 ernannte Papst Franziskus ihn zum Bischof von Chiclayo. Da laut einem 1980 abgeschlossenenKonkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und Peru auf concordatwatch.eu, hier: Artikel 7 Staatsvertrag zwischen dem Vatikan und Peru (Konkordat) nur peruanische Staatsbürger zu Bischöfen ernannt werden dürfen, erwarb er am 24. August 2015 die peruanische Staatsbürgerschaft. Die Ernennung zum Bischof durch Franziskus war als Warnsignal des Vatikans an damals einflussreiche rechtskatholische Gruppen – wie z. B. Sodalitium Christianae Vitae – zu verstehen.
Während seiner Zeit als Bischof gewann er einen Ruf als „Kämpfer gegen Armut, Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit“. So kümmerte er sich beispielsweise um die Personen in den Armenvierteln, die vom Wetterphänomen El Niño betroffen waren. Zudem unterstützte er Armenküchen und andere Wohltätigkeitszwecke. Außerdem setzte er sich für bessere Wohnverhältnisse an der Nordküste ein, da diese besonders von Überflutungen betroffen ist. In der peruanischen Bischofskonferenz (Conferencia Episcopal Peruana) war er von 2018 bis 2023 einer ihrer Vizepräsidenten.Stefan Orth: Ein Papst für den Frieden. In: Herder Korrespondenz, Jg. 79 (2025), S. 4–5, hier S. 4. In derselben Amtszeit gehörte er der Kommission der Bischofskonferenz für die Sozialpastoral (Comisión Episcopal de Acción Social) an.Überleben. Das Magazin von Caritas international, Jg. 2025, Heft 2, S. 5.
2017 forderte Prevost den ehemaligen Staatspräsidenten von Peru, Alberto Fujimori, öffentlich auf, sich bei den Opfern des von ihm geführten Staatsterrorismus zu entschuldigen. Zudem traf er sich auch mit Opfern im Rahmen des Missbrauchsskandals um die Kongregation Sodalicio de Vida Cristiana und leitete die Informationen darüber an Papst Franziskus weiter, der die Kongregation daraufhin auflöste.
Am 13. Juli 2019 berief ihn Papst Franziskus für fünf Jahre zum Mitglied der Kongregation für den Klerus und am 21. November 2020 zum Mitglied der Kongregation für die Bischöfe. Vom 15. April 2020 bis zum 26. Mai 2021 war er während der Sedisvakanz zusätzlich Apostolischer Administrator von Callao.
2024 wurde bekannt, dass Prevost 2022 eine kanonische Voruntersuchung wegen Missbrauchsvorwürfen gegen zwei Priester der Diözese Chiclayo eingeleitet hatte. In Erklärungen gegenüber der linksliberalen peruanischen Zeitung La República sagte Prevost: „Wenn Sie Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen Priester sind, melden Sie es.“ Laut Diözesanangaben wurden die Ergebnisse im Juli 2022 an das vatikanische Hauptamt für die Glaubens- und Sittenlehre (Dikasterium für die Glaubenslehre) weitergeleitet, das – wie die staatlichen Behörden Perus – eine unzureichende Beweislage attestierte. In der Nachrichtensendung vom 8. September 2024 warfen die mutmaßlichen Opfer Bischof Prevost Vertuschung vor. Die peruanischen Investigativreporter Pedro Salinas und Paola Ugaz, die den Fall umfangreich recherchiert haben, sind der Auffassung, dass die Anschuldigungen gegen Prevost falsch seien. Im Gegenteil: Bei ihren Recherchen hätten sie in Prevost einen Verbündeten gefunden, der ihnen auch einen direkten Zugang zu Papst Franziskus eröffnet habe.
Zeit im Vatikan Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe (2023–2025) mini|hochkant|Erzbischöfliches Wappen von Robert Francis Prevost mini|hochkant|Robert Kardinal Prevost (2023) mini|hochkant|Kardinalswappen von Robert Francis Prevost (2023–2025) mini|hochkant|Die Kirche Santa Monica degli Agostiniani, Kardinal Prevosts Titelkirche in Rom und der Ort seiner Priesterweihe im Jahr 1982 Am 30. Januar 2023 ernannte ihn Papst Franziskus zum Erzbischof ad personam und zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe; zu seinen Amtspflichten gehörte auch die Überwachung der Durchsetzung der Richtlinien zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs in den Diözesen. Er war damit an den Bischofsernennungen weltweit beteiligt. Zugleich bestellte ihn Papst Franziskus am 12. April 2023 zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Damit folgte er in beiden Ämtern auf Kardinal Marc Ouellet, der altersbedingt zurückgetreten war.