mini|Mauerreste auf dem Burgberg Die Heinrichsburg (ursprünglich Burg Heinrichsberg) ist eine nur als Ruine erhaltene Höhen- und Spornburg in Gernrode, unweit von Mägdesprung, im Landkreis Harz des bundesdeutschen Landes Sachsen-Anhalt.
Lage Die Ruine der Heinrichsburg erhebt sich nördlich von Mägdesprung auf einem steilen Bergvorsprung des Burgberges aus Diabas in 349 Metern Höhe. Östlich der Burg verlaufen die Bundesstraße 185 sowie der alte Fastpfad und heutige Wanderweg vom Sternhaus nach Mägdesprung und Alexisbad.
Das Gelände der Heinrichsburg befindet sich im bewaldeten Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt und gehört darin landschaftlich zum Schutzgebiet des Oberen Selketales im Unterharz.
Geschichte Die Heinrichsburg wurde vermutlich zu Anfang des 13. Jahrhunderts als Schutzburg errichtet und diente der Sicherung eines von Thüringen nach Quedlinburg führenden Verkehrsweges sowie der in der näheren Umgebung befindlichen Berg- und Hüttenwerke.Harzer Geschichtsorte: Burgen und Schlösser (Harzer Wandernadel), Begleitheft, Heinrichsburg, Seite 10 Die Gründung erfolgte wahrscheinlich durch Heinrich von Gatersleben, der ihr wohl auch den Namen gab.Rosemarie und Gerhard Kellermann, Ruine Heinrichsburg in Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e.V. 2013, Seite 136
Eine erste niedergeschriebene Erwähnung der Burg in Verbindung mit Iwanus miles de Heinrichsberge („Johannes, einem Soldaten von Heinrichsberg“) ist für das Jahr 1290 bezeugt.Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 7.2: Falko Grubitzsch, unter Mitwirkung von Winfried Korf und Theo Gosselke: Landkreis Quedlinburg. Halle 2007, ISBN 978-3-86568-072-3, Seite 129Rosemarie und Gerhard Kellermann, Ruine Heinrichsburg in Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e.V. 2013, Seite 136 Andere Angaben nennen als Erbauer die Grafen von Morungen und als Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung bereits das Jahr 1269.Rosemarie und Gerhard Kellermann, Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e.V. 2013, Seite 13 Ab 1307 werden jedenfalls die stolbergischen Grafen als anhaltische Lehensträger von Burg Heinrichsberg genannt. Im Jahr 1333 ging sie an eine Seitenlinie der Stolberger Grafen, sank damit jedoch zu einer Raubritterburg („Raubnest“) herab – Händler und Reisende wurden an eingerichteten Straßensperren ausgeraubt. Dieser Fernhandelsweg (die alte Heerstraße und der alte Kupferstieg) ist nördlich der Heinrichsburg heute noch als Hohlweg im waldigen Gelände erkennbar. Im Jahre 1344 wurden die Straßenräuber durch die Grafen Dietrich III. von Hohnstein zu Klettenberg und Heinrich VI. dem Älteren und deren Söhne erobert.Cyriacus Spangenberg: Mansfeldische Chronica, Der Erste Theil. Andreas Petri, Eisleben, S. 334v. Hiervon zeugt eine Belagerungsschanze auf der anderen Talseite.Harzer Geschichtsorte: Burgen und Schlösser (Harzer Wandernadel), Begleitheft, Heinrichsburg, Seite 10 Die Räuber wurden hingerichtet – der eine Teil des Diebesgutes konnte angeblich sichergestellt werden, der andere Teil soll verschollen geblieben sein. Vermutlich hatten die Wegelagerer diesen in der Nähe der Burg vergraben, denn aus den folgenden Jahrhunderten wurden mehrere Goldfunde aus der Umgebung der Burgruine überliefert.
Im Jahre 1368 urkundet Otto von Waldeser auf der Heinrichsburg.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Z 1, Nr. 998 Die Erneuerung der anhaltinischen Lehensbriefe über das Haus Heinrichsberg für die Grafen zu Stolberg erfolgte in den Jahren 1376Regesta Stolbergica, Nr. 601 und 1381.Regesta Stolbergica, Nr. 621 Die Stolberger Grafen nahmen das Schloss Heinrichsburg 1418 in ihre Erbverbrüderung mit den Grafen von Schwarzburg und den Grafen von Wernigerode sowie 1433 mit den Grafen von Hohnstein und von Schwarzburg auf. Die Anlage verfiel zusehends und wurde 1491 als wüstes Burgschloss bezeichnet, das sich im Pfandbesitz eines Friedrichs von Hoym befand (die Herren zu Hoym waren derweil auch Träger der Lehen Anhalts über Bärenrode und Dankerode). Im Jahr 1493 wurde die Erbverbrüderung zwischen den Hohnsteiner, Schwarzburger und Stolberger Grafen erneuert und darin auch die stolbergische Herrschaft Heinrichsberg ausdrücklich genannt.Regesta Stolbergica, Nr. 2182 Etwa 1502 wurde der bewohnte Wehrbau erneut zerstört.Rosemarie und Gerhard Kellermann, Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e.V. 2013, Seite 15
Die askanischen Fürsten Ernst und Wolfgang erneuerten im Jahre 1514 die Belehnung der Stolberger mit dem Schloss Heinrichsberg und Zubehör, dem Dorf Breitenstein und dem damals bereits wüsten Dorf Ammach. 1576 wurde die Burg für sechs Jahre an Christoph von Hoym auf Stecklenberg verpfändet, der sie vom Amt Bärenrode verwalten ließ und seinerseits 1585 an Fürst Joachim Ernst von Anhalt verpfändete.Heinrich Lindner: Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt, Dessau 1833, Seite 475 Bedeutung erlangte dabei lediglich das zur Besitzung von Heinrichsberg gehörende Dorf Breitenstein mit seinen ausgedehnten Wäldern. In einer Erwähnung aus dem Jahre 1784 sodann wird die Heinrichsburg nurmehr als Ruine bezeichnet. Im gleichen Jahr ließ Fürst Friedrich Albrecht von Anhalt-Bernburg innerhalb der Burgmauern ein kleines Jagdhaus mit Garten errichten, über dessen weiteren Bestand keine Nachrichten vorliegen, es ist inzwischen spurlos verschwunden. Heutige Baureste Heute sind nur geringe Reste der ursprünglich ausgedehnten Burganlage erhalten. So sind noch Bereiche der Kernburg mit Ober- und Unterburg zu erkennen, jedoch teils einsturzgefährdet. Die ehemalige Unter- oder Vorburg erscheint heute auf einer Erhöhung und war wohl von einer Mauer umgeben. Darüber hinaus bestehen Ruinen des auf geviertem Grundriss angelegten Bergfriedes (Seitenlänge: 6,80 m / Wandungsstärke: 1,80 m) und südwestlich von ihm Mauerreste eines rechteckigen Wohngebäudes und eines Brunnens. Die Reste des Wehrturmes zeigen mit einer Kante zur Bergseite. Das Burgtor soll noch um das Jahr 1900 vorhanden gewesen sein. Außerdem bestehen noch Teile des Burggrabens und des Ringwalles; Haupt- und Vorburg werden von diesem Ringgraben umfasst. Nördlich, an der schmalsten Stelle des Bergspornes, ist eine Vorbefestigung erkennbar. Die Anlage umfasst eine Gesamtfläche von etwa 65 mal 175 Metern, der Raum der Kernburg eine Fläche von rund 20 mal 20 Metern. Funde im Hohlweg Vom nördlichen Harzvorland aus führte auch der KupferstiegDer Name Kupferstieg leitet sich vermutlich von dem bei der Silbergewinnung entstehenden Schwarzkupfer ab. – eine jahrhundertealte Trasse – durch das Selketal an der Heinrichsburg vorbei. Der Fernhandel des Mittelalters mied unwegsame und zugewachsene Niederungen, Täler wurden über den kürzesten Weg gequert, steile Anstiege nicht gescheut.Heike Tenzer: Gartenkunst und Landschaftsplanung – Alexisbad im 19. Jahrhundert, Vortrag im Landesmuseum für Vorgeschichte zu Halle (Saale) am 9. September 2026 als gemeinsame Veranstaltung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalts mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. Der sogenannte Kupferstieg war wichtig für den Austausch von Waren (Erz oder Holzkohle) zwischen Harzgerode und dem Kloster Hagenrode. Die Fuhrwerke hinterließen durch ihre eisenbeschlagenen Wagenräder tiefe Fahrspuren im teils felsigen Boden, die heute noch zu sehen sind. Reste mittelalterlicher Hufeisen und Karren fanden sich im heinrichsburgischen Hohlweg.
Vermeintliche Schätze Auf dem Gebiet der ehemaligen Heinrichsburg – in Baufläche und Wald – konnten verschiedene mittelalterliche Überreste festgestellt werden, die auf kriegerische Kampfhandlungen im nahen Umfeld verweisen: eiserne Armbrustbolzen, Speerspitzen, Spieße und Steinkugeln von Bliden/Schleuderwaffen. Noch heute ist der Standort solcher Blide, wie erwähnt, auf einem gegenüberliegenden Hang erhalten geblieben.Harzer Geschichtsorte: Burgen und Schlösser (Harzer Wandernadel), Begleitheft, Heinrichsburg, Seite 10
Schatzsucher hinterließen in der Folgezeit einige Bohrlöcher im restlichen Mauerwerk des Wehrturmes; unterhalb der Burgruine führen angebliche Gänge sowie ein künstlicher Erdstollen (eine kleine Höhlung von etwa 2 Metern Tiefe) in das Berginnere: Dass auch heute noch Teile der Raubritterbeute darin versteckt liegen, ist sagenumwoben und unwahrscheinlich. Dort zu bohren oder zu graben ist verboten, da das Gelände der Heinrichsburg unter Landesnaturschutz steht.
Denkmalschutz Im örtlichen Denkmalverzeichnis von Gernrode/Quedlinburg sind die Ruinenreste der Heinrichsburg unter der Erfassungsnummer 094 45222 als (Ausweisungsart) Baudenkmal aufgeführt.
Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalts verzeichnet die obertägig sichtbare Spornburg auf dem Heinrichsberg als Bodendenkmal und archäologisches Kulturdenkmal.
Landschaftsschutz Der Burgberg der Ruine Heinrichsburg wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt als ein Naturdenkmal ausgewiesen und eingerichtet. Auf dem Burgberg kommen besonders geschützte und seltene Pflanzenarten vor – darunter die Gemeine Akelei, der Eisenhut sowie die Türkenbundlilie.
Sonderstempelstelle Am Heinrichsberg befindet sich ein Holzkasten mit Sonderstempel (Nr. 9) für das sachbezogene Abzeichen zum Begleitheft Harzer Geschichtsorte: Burgen und Schlösser der Harzer Wandernadel.
Literatur Falko Grubitzsch in: Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt. Band 1: Ute Bednarz, Folkhard Cremer u. a.: Regierungsbezirk Magdeburg. Neubearbeitung. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2002, ISBN 3-422-03069-7, Seite 266. Rosemarie und Gerhard Kellermann: Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e.V., Gernrode 2013. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 7.2: Falko Grubitzsch, unter Mitwirkung von Winfried Korf und Theo Gosselke: Landkreis Quedlinburg. Halle (Saale) 2007, ISBN 978-3-86568-072-3, Seite 129.
Weblinks Rekonstruktion (Zeichnung) im mittelalterlichen Zustand
Einzelnachweise
Kategorie:Gernrode (Harz) Kategorie:Kulturdenkmal in Quedlinburg Kategorie:Burgruine in Sachsen-Anhalt Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert